Streaming: Der Durchbruch digitaler Musik

Erstmals verkaufen die Musiklabels in den USA mehr Titel digital als auf CD. Dabei beginnt die eigentliche Revolution des Geschäfts gerade erst.

Hätte mir jemand Mitte der Neunzigerjahre diesen Text vorgelegt, ich hätte ihn für verrückt erklärt; damals, als die CD-Sammlung im Regal fast so viel über uns verriet wie heute unser Facebook-Seite. Für mich war zu der Zeit schon der CD-Kauf eine große Sache. Es hatte etwas Rituelles. Stundenlang konnte ich durch Regale schlendern, ewig warten, um die Objekte der Begierde testweise anhören zu können. Aber das gehörte dazu: Mitunter kam ich dabei mit anderen ins Gespräch, die bei ähnlichen Titeln zugegriffen hatten. Auf dieses Weise hatte ich schließlich eine stattliche Sammlung zusammen, etwa 200 CDs von bekannten Stars wie Deep Purple, Pink Floyd und Genesis über Independent-Bands bis hin zu klassischen Aufnahmen fast aller bekannten Komponisten.

Doch meine CD-Sammlung erlebte ein trauriges Ende, als während meines zweiten Semsters in meiner Studenten-WG eingebrochen wurde und die in einer Kiste gelagerten Schätze verschwanden. Der Bestand an CDs hat sich bei mir seitdem nie wieder erholt. Bis heute habe ich vielleicht 80 neue angeschafft, wenn überhaupt. Die meisten Titel liegen nur noch digital auf meinem Rechner.

Besser gesagt: Sie lagen auf meinem Rechner. Bis vor wenigen Wochen.

Da schaffte ich mir einen neune Laptop an und mussten die gesamte Musiksammlung auf eine externe Festplatte übertragen. Dort lagern sie seitdem. Und so recht habe ich sie nicht vermisst.

Denn seit der Musik-Streaming-Dienst Spotify in Deutschland auf dem Markt ist, habe ich keine Musik mehr gekauft. Ich zahle im Monat etwa fünf Euro dafür, dass ich sie direkt im Netz abspielen kann. In dem Programm habe ich zudem Favoritenlisten angelegt und (be)merkenswerte klassische Aufnahmen in speziellen Ordnern festgehalten. Die sind nun überall verfügbar, wo ein Rechner mit Internetanschluss steht. Es ginge, wenn ich noch fünf Euro mehr zahlen würde, sogar über mein Mobiltelefon. Das finde ich extrem praktisch.

Und damit bin ich kein Sonderling: Denn die Umsätze der Musikindustrie nehmen beim Streaming rapide zu. Um 40 Prozent wachsen sie allein dieses Jahr – auf 1,1 Milliarden Dollar weltweit, wie die Marktforscher von Strategy Analytics gerade berechnet haben. Die Downlaods über Angebote wie iTunes von Apple wachsen dagegen nur noch um 8,5 Prozent (auf 3,9 Milliarden Dollar). Damit werden Spotify, Simfy & Co. dieses Jahr zum wichtigsten Wachstumsfeld der Musikindustrie. Und sie schaffen, was iTunes & Co. nicht vermochten, sie verhelfen digitaler Musik endgültig zum Durchbruch.

Weltweit nimmt der Anteil digitaler Titel am Gesamtmarkt mit Hilfe des Streamings auf 39 Prozent zu. Weltweit greifen Kunden zwar immer noch öfter zu CDs und Schallplatten. Doch schon 2015, so schätzt Strategy Analystics, werden sie weltweit mehr Musik digital kaufen als physisch auf CDS und Platten. In den USA werde es sogar schon dieses Jahr soweit sein.

Wie sich das Wachstum des Streaming-Geschäfts in den nächsten Jahren entwickeln wird, zeigt diese Grafik, die Statista für dieses Blog aufbereitet hat:

 

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