„Die Läden werden sterben“: Zehn steile Thesen zur Zukunft des Buches

Der Buchmarkt, wie wir ihn kennen, wird in wenigen Jahren nicht mehr existieren. Immer mehr Buchläden müssen aufgeben, viele Titel werden nur noch elektronisch erscheinen und E-Reader werden zur Standardausstattung. „Das wird fast alles verändern“, sagt einer, der es wissen muss.

Wir sprachen ja schon darüber: Das Geschäft mit elektronischen Lesegeräten kommt verspätet auch in Deutschland in Fahrt.  Im vergangenen Jahr hat sich der Absatz von E-Book-Lesegeräten auch bei uns mehr als verdoppelt. Das hat tiefgreifende Folgen: „Wir merken bei Libri.de, dass die Nachfrage nach elektronischen Büchern konstant steigt“, sagt Libri.de-Chef Per Dalheimer.

Zugleich zeigt sich: Besitzer eines E-Reader lesen nicht nur mehr (siehe Infografik unten), sie kaufen ihre Bücher auch woanders ein – und sie wollen weniger für die elektronisch erstandenen Titel bezahlen. All das wird den Buchmarkt stärker verändern, als es sich viele ausmalen. In Verlagen richten die Verantwortlichen den Blick zwar schon zaghaft in die Zukunft. Doch eine schlüssige Antwort darauf, welche Strategie sie in der digitalen Welt verfolgen wollen, haben bislang die wenigsten geben können. Schon gar nicht wagen sie sich mit Prognosen an die Öffentlichkeit, wie es die nächsten Jahre weitergehen wird.

Das wagt dafür der geschätzte Kollege und Buchautor Tom Hillenbrand, mit dem ich mich neulich schon über das Bücherschreiben unterhalten hatte. Er hat nicht nur gerade seinen (höchst lesenswerten) zweiten Roman „Rotes Gold“ veröffentlicht. Er hat in seinem Blog gerade zehn steile Thesen zum E-Book veröffentlicht, die er uns als Gastbeitrag zur Verfügung stellt:

 1. Die Buchläden werden (fast alle) sterben.

Fangen wir gleich mit der aus meiner Sicht betrüblichsten Prognose an: Es wird in 20 Jahren praktisch keine Buchhandlungen mehr geben. Wenn man mit Buchhändlern spricht, halten diese entgegen, ihre Läden erfüllten eine wichtige Funktion bezüglich Beratung, Vertrieb und so weiter. Buchläden seien außerdem eine kulturelle Errungenschaft. Das stimmt alles, aber im Wesentlichen galt das auch für Plattenläden – und für denen gibt es praktisch keine mehr (wenn man übrigens 1985 behauptet hätte, die Plattenläden verschwänden, hätten einen alle für verrückt erklärt, außer vielleicht Tim Renner).

2. Alle Bereiche des Buchmarkts werden digital.

Wie jede von einem Medienumbruch bedrohte Branche hat auch die Buchbranche stets Ausreden parat, warum es sie nicht so hart treffen wird wie die Musikindustrie, die Zeitungen etc. Eine ihrer Lieblingsausreden ist, der Trend zu E-books werde sich nicht oder erst sehr spät auf hochwertige Literatur auswirken.

Nach dieser Denkart wird die Digitalisierung nur Krimis, Mystery oder Fantasy erfassen. “Es würde doch niemand Michael Chabon auf dem Kindle lesen”, sagte mir neulich ein Buchmensch.

Das Argument ist erstens irrelevant, weil hochwertige Literatur nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes ausmacht; es darüber hinaus falsch. Denn wenn es stimmte, dann würden die Leute auch weiterhin Mahler-Symphonien auf Vinyl kaufen und Visconti-Streifen auf VHS.

Davon ab: Habe neulich Homers Ilias auf dem Kindle gelesen. Ist dort genauso zäh wie als Reclamheft.

 3. Beratung wandert komplett ins Internet.

Mit den Plattenläden verschwand auch der nette Typ hinter den Drehtellern, der einem sagen konnte welche Bands so ähnlich klingen wie Camper Van Beethoven. Das sah mal wie ein Problem aus, rückblickend hat sich jedoch gezeigt, das spezialisierte Portale wie laut.de diese Beratungslücke problemlos füllen können, flankiert von Social-Media-Empfehlungen über Spotify, Facebook oder Turntable.fm.

Im Buchmarkt wird die Entwicklung genauso verlaufen. Erstens, weil es, siehe oben keine Buchhändler mehr geben wird, an die man sich wenden könnte. Zweitens, weil ein nicht unerheblicher Teil der Buchverkäufe schon heute auf persönlichen Empfehlungen basiert. In gewisser Weise sind Bücher seit jeher ein Social-Media-Markt par excellence, in dem vieles über persönliche Recommendations geht. Goodreads ist der Vorreiter: Dieses Leseportal hat mir in drei Monaten mehr sinnvolle Empfehlungen geliefert als die Buchhändler in meinem gesamten Leben.

4. Die Unterscheidung zwischen Hard- und Softcover ist tot.

Auf den Kindle sieht jedes Buch gleich aus. Es wird deshalb schwieriger, ja unmöglich, werden, dem Leser zu vermitteln, warum er für eine bestimmte Ausgabe mehr bezahlen soll. Für Hardcover blecht man ja auch nicht wegen des schicken Pappdeckels extra, sondern wegen des early access.

Theoretisch erscheint es denkbar, dass man den Preis für Bestseller auch bei digitalen Formaten staffelt, so wie es teilweise bei neuen US-Fernsehserien auf iTunes der Fall ist, die zunächst 50 Dollar kosten und später noch 20 Dollar.

Das erscheint mir aber unrealistisch. Denn es wird nur das illegale Kopieren befeuern. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass ein Buch aufgrund der winzigen Datenmenge viel leichter zu downloaden ist, als ein Album oder gar ein HD-Film.

Die Erfahrung zeigt, dass Kunden immer dann zu Schwarzkopien greifen, wenn man ihnen etwas vorenthält, das sie gerne hätten – siehe “Game of Thrones”, Staffel zwo. Zu glauben, dass Millionen von Lesern auf den nächsten Teil von Harry Potter warten, obwohl die Datei (zu einem exorbitant hohen Earlybird-Preis) bereits verfügbar ist, das ist naiv. Die Folge wird sein: One price fits all.

5. Die Ausstattung von Printbüchern wird edler.

Um überhaupt noch totes Holz verkaufen zu bekommen, werden die Verlage genau wie die Musikindustrie zu opulenten Aufmachungen greifen. Wer in zehn Jahren noch Game-of-Thrones-Printbücher verticken will, der sollte besser eine DIN-A-1-Karte von Westeros beilegen, sowie einen Satz Aufkleber mit den Wappen der wichtigsten Häuser. Because Winter Is Coming.

6. Kleine geile Verlage entstehen.

Während es den Buchhändlern an den Kragen geht, werden viele neue Verlage entstehen. Das liegt daran, dass wie bei allen Branchen, die vom Internet durchdrungen werden, die Grenzkosten sinken und die Einstiegsbarrieren wegfallen. Jeder unzufriedene Lektor eines Großverlags kann demnächst seinen eigenen Verlag für bretonische Literatur des Mittelalters gründen. Dazu benötigt er nur einen Laptop. Und Übersetzer, die Bretonisch können.

 7. Die Taktung wird höher werden.

Jeder Autor, der sein (zweifelsohne brillantes) Werk bei seinem Verlag abgibt, ärgert sich in den folgenden Monaten schwarz, dass sein völlig fehlerfreier, dramaturgisch perfekter und auch ansonsten makelloser Text nicht schneller der darauf gespannt wartenden Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Sarkasmus beiseite: Es gibt natürlich gute Gründe dafür, dass zwischen Manuskriptabgabe und Veröffentlichung Zeit verstreicht. Ein nicht unerheblicher Teil dieser fünf oder sechs Monate ist jedoch dem Umstand geschuldet, dass es Vertreterkonferenzen gibt, dass die Buchhändler (vor allem die Ketten) zu dem Titel befragt werden, dass Bestellungen eingesammelt werden müssen.

Wenn es aber keine Buchhändler mehr gibt und die physische Herstellung des Buches wegfällt, bleiben im Wesentlichen Coverdesign, Lektorat, Schlussredaktion, Satz. Da eigentlich alle an dem Buch Beteiligten aus wirtschaftlichen Gründen ein Interesse daran haben, dass es eher heute als morgen Erlöse generiert, wird sich der Produktionsprozess rapide beschleunigen.

8. Autoren werden mehr publizieren.

Fast jeder Autor hat auf seiner Festplatte unveröffentlichtes Material – Essays, Kolumnen, Kurzgeschichten. Das ist Zeug, das heutzutage in der Regel kein Verlag haben will (außer der fragliche Schriftsteller ist entweder sehr berühmt oder sehr begnadet).

Da die meisten Autoren eher knapp bei Kasse sind, werden sie verstärkt darüber nachdenken, all diese Inhalte direkt bei Amazon oder über volldigitale Spezialverlage zu publizieren. Liegt ja sonst nur rum.

9. Es wird viele Trent Reznors geben.

Im Musikmarkt ist Trent Reznor (“Nine Inch Nails”) das Paradebeispiel dafür, wie man seinem Plattenlabel irgendwann den Finger zeigt und dazu übergeht, alles selbst zu machen. Mit Selbstmachen meine ich nicht, dass der Schriftsteller auch noch Manager und PR-Fuzzis werden. Aber die Stars der Branche, die mit ihren Titeln mehrere Millionen Umsatz im Jahr generieren, werden sich irgendwann überlegen, ob es für sie nicht gewinnträchtiger wäre, ihren Lieblingslektor direkt bei sich anzustellen, dazu ihren Agenten und ihren PR-Berater und dann alles im Eigenverlag zu machen. Angesichts der Tatsache, dass der Autor vom Verkaufspreis eines Buches selten mehr als 10 oder 12 Prozent bekommt, ist das Incentive, dies zu tun, riesig.

10. Auslandsausgaben werden im Inland produziert.

Aus kulturellen Gründen ist es etwa für deutsche oder französische Autoren schwierig, auf dem englischsprachigen Markt zu reüssieren. Was die Sache noch vertrackter macht, ist der Umstand, dass man für die englische Ausgabe eines Buches heutzutage immer einen amerikanischen oder britischen Partner benötigt. Der kauft von dem deutschen Verlag die Rechte und kümmert sich um Übersetzung und Vermarktung.

In einem voll digitalen Vertrieb ist dieses Modell jedoch passé. Denn die Markteintrittskosten sind nun vernachlässigbar; niemand hindert den deutschen Verlag (oder den Autor selbst) daran, ein Buch selbst zu übersetzen und via iTunes und Amazon.com weltweit zu vermarkten.

Selbst bei einem Titel, dem man keine allzu großen Chancen auf dem englischsprachigen Markt einräumt, wird es in Zukunft sinnvoll sein, auf gut Glück eine Übersetzung auf den Markt zu werfen. Denn der angelsächsische Markt ist gigantisch und in Wahrheit weiß ja sowieso niemand, warum Bücher Erfolg haben.

Eine Übersetzung kostet lediglich ein paar Tausend Euro, das Einstellen des digitalen Buches bei Amazon ist umsonst und der Titel ist nun für eine halbe Milliarde Leser abrufbar. Es ist billig,es ist chancenreich und darum werden es alle machen.

Disclaimer: Prognosen basieren auf Annahmen. Und diese Annahmen sind fast immer falsch. Als McKinsey in den Achtzigern für AT&T untersuchen sollte, ob sich ein Einstieg in den jungen Mobilfunkmarkt lohnt, da lautete das Ergebnis: bloß nicht. McKinsey prognostizierte nämlich, der weltweite Markt werde anno 2000 etwa eine Million Geräte umfassen. Ich hoffe, ich liege mit den eBooks nicht ganz so weit daneben.

 

Wie sehr sich der Markt gerade ändert, zeigt auch diese Infografik:

(Die Infografik ist in Zusammenarbeit mit Statista entstanden)

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Alle Kommentare [19]

  1. Ich lebe im Ausland. Bei meinem Umzug waren die meisten Kartons Bücher. Es sind so viele Bücher, dass ich ein Buchladen eröffnen könnte.

    Mein Leseverhalten, ich bin knapp 60, hat sich jedoch verändert. Dort wo ich jetzt lebe, gibt es keine deutsche Literatur zu kaufen. So war der natürlichste Weg, mir einen Reader Kindle DX, zuzulegen. Ich sitze gern in meiner Bibliothek. Im Wintern am Kamin umgeben von all meinem Büchern, die eine gewisse Faszination ausstrahlen. Lesen tue ich aber in meinem Kindle. Über das Internet bekomme ich heutzutage in minutenschnelle das Buch, was man gern möchte. Für mich ein wunderbarer Fortschritt.

    Nicht zuletzt, durch die Möglichkeit, die Schriftgröße anpassen zu können.

    Aber, nichtzuvernachlässigen sind die Hörbücher. Sie nehmen bei mir einen Großteil meiner „(Hör-) Lesegewohnheiten“ ein. Ein gut gesprochenes Hörbuch, oder noch besser ein Hörspiel, ist ein Genuss. Im Garten, wenn ich auf meiner Liege entspanne, die Wärme der Sonne spüre, einen guten Bordeaux in Reichweite, dann kann an der Fantasie seinem Lauf lassen.

    Ps.: Ein sehr gutes (Hör-) Buch ist von Ken Follett – Säulen der Erde.
    Hörbrobe: http://www.youtube.com/watch?v=r_V-gDBbXnk

  2. Was den E-Book-Readern aber fehlt, ist die Fähigkeit, Farbbilder anzuzeigen. Womit ein gar nicht kleiner Sektor vorläufig dem Print-Bereich vorbehalten bleibt: Foto-Bände, Bücher über bildende Kunst, massenweise Kochbücher, etc.

  3. @ClaudiaBerlin: Ein iPad oder ein Kindle Fire sind in der Lage, Farbbilder anzuzeigen. Die Entscheidung gegen Farbbilder ist eher der Unzulänglichkeit aktueller Hardware geschuldet als der prinzipiellen Unmöglichkeit.

  4. Eine Gegenthese (für mehr habe ich keine Zeit – ich muß Bücher verkaufen):

    Die Buchläden werden nicht alle sterben.

    Während sich das Musik-Erlebnis im Prinzip komplett auch durch das Internet vermitteln läßt, ist das Buchkauf-Erlebnis deutlich komplexer. Je aufwändiger die Bücher werden (These 5), desto größere Chancen auch auf einen lokalen Vertrieb.

    Das Buch wird noch viel digitaler als digital – und das P-Buch noch viel gedruckter und dinglicher.
    Während wir uns heute überwiegend mit einer 1zu1-Digital-Kopie des Buches beschäftigen, werden eBooks von morgen eher ein digitales Text-Geflecht werden (so wie wir es heute schon von den Online-Zeitschriften gewohnt sind). Es werden dementsprechend neue Textsorten entstehen, neue Genres usw., die darin besonders gut funktionieren. Diese neuen eBooks werden natürlich eine riesige neue Rolle spielen – und auch die Printbücher von morgen werden eine andere Rolle haben als heute. Sie werden besser ausgestattet, objekthafter, eleganter werden – und sicherlich nicht aussterben.

  5. Der wichtigste Grund sich von der Belletristik abzuwenden wurde leider nicht genannt: Die Geschichten ähneln sich inzwischen zu sehr.

    Bei Psychothillern geht die Auflösung immer in die gleiche Richtung, die Krimis ähneln sich und ansonsten nur Familiengeheimnisse und Partnerschaftsprobleme.

    So macht Lesen einfach keinen Spaß.

  6. Mein Lieblingsspruch: Totgesagte leben länger. Es wird immer Printbücher geben. Die Ebooks laufen nebenher. Als die ersten Videokassetten erschienen sind, glaubte „Jeder“ das Buch ist tot. Als die Hörbuecher den Markt eroberten, glaubte „Jeder“ das Buch ist tot. Wichtig ist , daß der stationäre Buchhandel diesen Medien stellt und sich Beratungskompetenz erarbeitet. Ich bin erstaunt darüber, daß ein Buchautor o.g. Thesen aufstellt. Denn ich empfehle in meiner Buchhandlung auch ebooks. Leider kann ich seine ebooks nicht empfehlen, da sie nur auf dem Kindle laufen. Schade. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

  7. Seien wir ehrlich, manche Bücher verstauben in den Lagerhallen der zentralen Auslieferungen und werden – in immer kürzeren Zeitabständen – verramscht bzw. verfeuert. Für Großverlage, für die Big Players, sind nur Bestseller oder Longseller von elementarer (sprich ökonomischer) Bedeutung, der Rest wandert auf die literarische Müllhalde.

    Überhaupt, gegen die Marktkonzentration der Big Players kommt kein mittelständischer oder kleiner Verlag und schon gar nicht ein Eigenverlag an. Die exorbitanten Werbeetats der Verlage wird auch in Zukunft alles unter sich begraben. Da bleibt für die anderen nur Nischen oder Krümel übrig. Deshalb sollte man sich eher die Frage stellen, wie man gegen die Marktallmacht der Konzerne vorgehen könnte. Das gilt nicht nur für Bücher, sondern auch in allen anderen Bereichen.

  8. Es ist kein Wunder, dass die E-Book-Leser wesentlich mehr Zeit mit dem Lesen verbringen: Ein gut gesetztes Buch liest sich eben schneller als ein E-Book 😉

  9. @rene Kohl: sie haben Recht, alle werden sich ändern müssen. Darum geht es. Und deshalb auch die obenstehenden Thesen, damit die Debatte über die Zukunft des Buches endlich ein großes Publikum erhält. Verstehe noch nicht, inwiefern Sie hier eine Gegenthese vertreten. In ähnlichen Worten steht der Punkt oben schon 🙂

  10. @ Stefanolix: kann ich nicht bestätigen. Seit ich einen Kindle besitze lese ich mehr – und schneller. Vielleicht auch deshalb, weil sich die Schrift bei schlechtem Licht vergrößern lässt.

  11. @breuer: aber was folgt daraus? Es ist doch eher so, dass die Digitalisierung all diesen kleinen Titeln, die schnell auf dem Müll landen, wie Sie schreiben, auf einmal eine Überlebenschance gibt. Sie können im Netz auch noch Jahre nach der ersten Veröffentlichung ihre Leser finden, wenn die Druckausgabe längst vergriffen ist. Es kostet praktisch nichts, einen Titel digital auf Lager zu halten. Das sind doch gute Aussichten. Für Autoren, wie auch für Verlage.

  12. @stefanolix Gut gesetzte Bücher? Die sind im Massenbereich selten geworden. Wird doch mittlerweile alles durch die Textsatzprogamme gejagt. Das – genau wie die Auflösung und die Farbe – sind erkennbar lösbare Probleme. In zehn Jahren werden Lesegeräte/Tablets ihre heutigen Pendants so weit hinter sich zurückgelassen haben wie heutige Smartphones die Handys aus 2002.

  13. Ich kenne mich mit Textsatz so gut aus, dass ich gut und schlecht gesetzte Bücher unterscheiden kann 😉

    Dass wir heute auch viele schlecht gesetzte Bücher haben, will ich gar nicht bestreiten. Das liegt aber definitiv nicht am Einsatz der Textsatzprogramme, sondern an Fehlern bei deren Anwendung.

    Ein Lesegerät muss die Seite in dem Augenblick setzen, in dem sie aufgerufen wird. Anders als beim Textsatz für ein Printprodukt kann der Mensch dann nicht mehr eingreifen, es können also z.B. keine Trennstellen mehr korrigiert werden.

    Was kann man an den Tablets noch verbessern? Eine noch feinere Auflösung als beim Retina-Display wird für das Lesen kaum einen Vorteil bringen. Die Seitenwechsel kann man noch etwas beschleunigen, aber das macht auch kaum noch etwas aus.

    Der größte Vorteil wird der sinkende Preis sein.

  14. Einerseits verstehe ich, wie man auf die 10 Punkte kommt, andererseits sind sie auch sehr provokativ. Der Vergleich mit den Plattenläden passt vermeintlich sehr gut, aber Bücher – und Buchläden – haben in Deutschland (oder auch weltweit) eine ganz, ganz andere Tradition als Schallplatten. Allein unsere Buchpreisbindung besteht seit 1888.
    Wo ich zustimme: Es wird sich etwas verändern und es muss sich auch etwas verändern. In absehbarer Zeit werden Kindles auch Farbdarstellungen zeigen können und so weiter, das eBook wird sich weiter verbreiten – aber jeder Markt ist irgendwann gesättigt. Ich kann jetzt noch nicht festmachen, wo diese Grenze bei eBooks liegt, aber ich bezweifle eine Marktdurchdringung von 100% oder dergleichem. Viele meiner Freunde z.B. sehen mich heute komisch an, wenn ich ihnen sage, dass ich meine Musik bei iTunes kaufe und keine CDs mehr – und wir sind die Generation Ende 80er, also „voll im digitalen Trend“.
    Kleine Buchläden sieht man in größeren Innenstädten ohnehin nur noch sehr selten, große Ketten wie Thalia etc. hingegen regelmäßig. In Bonn liegen 150 Meter zwischen zwei Thalia-Filialen und in Köln etwa die gleiche Distanz zwischen zwei Mayerschen. Lange Rede, kurzer Sinn: eBooks sind, nüchtern betrachtet, praktischer als gedruckte Bücher, allerdings gibt es bei vielen Kunden noch die romantische Vorstellung der Heimbilbiothek, das Gefühl, ein „richtiges“ Buch zu lesen und den Mehrwert des „Besitzes“. Oder mein Vater zum Beispiel kauft aus Prinzip nur Hardcover, auch wenn es längst das entsprechende Taschenbuch gibt. Bücher sind nicht nur reine Konsumgüter, sondern tatsächlich auch Kulturgüter. Schallplatten und CDs können das weniger von sich behaupten, da sie ein ganz anderes Medium sind, das Zwecks Tonqualität, Speicherplatz etc. ständig weiterentwickelt und abgelöst werden – beim Buch besteht da kein Bedarf, der Wechsel ist also ein anderer. Auch der Konsum von Büchern unterscheidet sich: Musik läuft für viele einfach mal „so nebenbei“, also Dauerbeschallung auf den Ohren, ohne noch richtig darauf zu achten. Bei einem Buch fällt das schwerer, man muss sich darauf konzentrieren, deswegen ist der Umgang und das Bild von Büchern einfach anders. Deswegen glaube ich eher an eine „friedliche Koexistenz“ von Büchern und eBooks, aber keinesfalls daran, dass eBooks eines Tages die erste Wahl sein werden. An aktuellen Wachstumsraten lässt sich das nur schwer festmachen, denn wie gesagt, irgendwann ist der Markt gesättigt.

  15. @Chris G.: niemand geht derzeit wirklich davon aus, dass es in Zukunft keine gedruckten Bücher mehr geben wird. Auch nicht mein Gastoutor. Wahrscheinlich aber ist, dass das Massengeschäft künftig elektronisch abgewickelt wird.

    Dass Platten und CDs weniger Kulturgut sind, halte ich übrigens für eine mindestens ebenso steile These, wie die von Tom oben aufgeführten Punkte 😉

  16. Der These ist m.E. zu zustimmen.

    Allerdings gibt es bereits auch ein Phänomen bei meetings.
    Neben laptop, i-phone.i-pad liegt mittlerweile wieder ein Notizbuch (Moleskine) auf den Sitzungstischen und man schreibt wieder mit einer Edelfeder.

    Und man sprach auch davon, dass die Tante Emma Läden komplett verschwinden werden…… man schaue sich nur die neuen Miniläden in den Cities an…..

    Man sprach auch vom Erfolg des e-learning heute spricht man vom blended e-learning

    Und wenn wir verstärkt zur rapid prototyping technology übergehen, dann sind wir doch wieder beim Handwerker um die Ecke angelangt, statt bei der Massenwaren aus China.

    Und was passiert wenn wir von der owner ware auf die share ware übergehen??

  17. Für manche mögen die Thesen provokant sein, und für die ist diese kompakte Zusammenfassung vielleicht aufweckend, wer aber offenen Auges durch die Welt geht und sich nicht weigert, die Gegenwart und auch die Zukunft zu sehen, kann dies bereits schon länger erkennen.

  18. Genau so wird es kommen. Und ehrlich gesagt, obwohl ich Schriftsteller bin und eigentlich solidarisch mit all den kleinen Buchhändlern und großen Verlegern sein sollte, kann ich mir eine diebische Freude nicht ganz verkneifen, bei der Aussicht, dass all diese verschlafenen Verleger und Buchhändler in vorzeitige Rente werden gehen müssen.
    Wie kann man sich so gegen das neue Universum des Lesens sperren. Es ist, als hätte man im Jahre 1512 darauf bestanden seine Bibeln im Skriptorium schreiben zu lassen, oder eben nur Handschriften zu verkaufen, zum althergebrachten Preis.
    Aber was für eine Chance für uns Schriftsteller endlich angemessen bezahlt zu werden… im Zweifel von uns selbst.