Journalisten und die Anfälligkeit für Geschenke II: Eine schier unglaubliche Geschichte

Vor einigen Tagen hatte ich hier im Blog über die Anfälligkeit von Journalisten für kleine Geschenke geschrieben. Dabei ging es mir um Presseeinladungen, nicht zurückgeschickte Testgeräte und Journalistenrabatte. Spannend ist, was seitdem geschah.

Der Blogbeitrag wurde in Branchen-Newslettern zitiert, zigmal weitergeleitet und kontrovers diskutiert. Einige schrieben „Journalistenrabatte sind eine Art Korruption“ Verbandsvertreter wiederum hielten die Diskussion für eine Sommerlochdebatte im Winter. Ich wurde sogar per Mail als „Idiot“ beschimpft, als jemand, der die Zusammenhänge nicht verstehe. Und ich wurde für Diskussionsrunden eingeladen.

Nun ging es in meinem Beitrag aber nicht nur um Rabatte, die einige Kollegen offensichtlich keinesfalls hergeben wollen. Ich habe auch über den Weiterverkauf von Rezensionsexemplaren geschrieben. Nicht über Rezensionsexemplare an sich, die ich für völlig unkritisch halte, sondern über die Tatsache, dass an Redaktionen verschickte Bücher und CDs mitunter hinterher bei Ebay auftauchen. Davon höre ich immer wieder, von den unterschiedlichsten Seiten.

Doch damals ahnte ich noch nicht, auf welch unglaubliche Geschichte aus der Südwest Presse mich Wolfgang Messer hinweisen würde: „Ich verkaufe ständig Rezensionsexemplare“, berichtet dort der Inhaber eines Hamburger Musik- und Literatur-Antiquariats, Frank Mundt. Und weiter:

Ein mal pro Woche, vorzugsweise samstags, kämen Journalisten in seinem Geschäft vorbei, um ihre neuesten Errungenschaften feil zu bieten.

„Ich könnte einige nennen, die sich ein Einfamilienhaus mit Promoexemplaren gebaut haben“, sagt Mundt. Etwa ein Viertel des Neupreises zahlt Mundt für Bücher oder CDs, das gelte auch für unveröffentlichte Werke. „Kistenweise“ würden Rezensionsexemplare bei ihm abgegeben, weil die Menge für die Redaktionen schlicht nicht zu bewältigen sei. „Ich kenne Redaktionen, da werden Bücher und CDs auf den Flur gestellt, damit sich die jemand mitnimmt und wieder Platz auf dem Schreibtisch ist.“

Ein Fahrer des „Spiegels“, plaudert Mundt weiter, sammle diese Bücher und CDs regelmäßig ein, um sein Gehalt ein wenig aufzubessern. Andere schickten ihre Kinder mit Jutebeuteln voller Bücher vorbei, damit die ihr Taschengeld um ein paar Euro aufstocken können.

(Hier finden Sie den ganzen Text)

Wenn das alles so stimmt, ist es ein unglaublicher Vorgang. Und es würde mich interessieren, wie manche Journalisten aus anderen Ressorts ihre Häuser finanzieren.

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