Acht Thesen für bessere PR

Vor einigen Jahren war ich auf einem Kongress junger Startups eingeladen, um über PR aus Sicht eines Journalisten zu sprechen. Herausgekommen sind diese 10 PR-Tipps für Gründer, die damals auch im Netz viel diskutiert wurden. Vor einigen Tagen nun war ich von einer Reihe PR-Profis zum Hintergrundgespräch eingeladen – zu einem ganz ähnlichen Thema: „bessere PR aus Sicht eines Journalisten“.

Nun gehöre ich nicht zu den Menschen, die glauben, Journalismus und PR gehörten zusammen oder Journalismus wäre ohne PR nicht möglich. Im Gegenteil. PR steht im Dienst von Unternehmen und Journalismus im Dienst von Lesern. Beides hat seine Berechtigung. Beides wird mal gut gemacht und mal schlecht. Doch beides folgt einer unterschiedlichen Logik.

Mitunter aber bietet PR das, was Journalisten brauchen: gute Stories, Nachrichten, berichtenswerte Dinge mit Neuigkeitswert. Die aber sind mitunter, sagen wir, suboptimal verpackt. Und darüber habe ich bei meinem Vortrag gesprochen, den ich hier in acht Thesen zusammenfasse:

1. Erzählen Sie Geschichten

Sie glauben nicht, was für ein Kram im Läufe des Tages bei mir im Postfach landet. Da ist die Rede von neuen Servern, Ski-Ressorts mit (gaaaanz neu) WLAN und Algorithmen, von denen noch kein Mensch gehört hat. All das landet ungelesen im Müll. Wenn Sie Interesse wecken wollen, erzählen Sie Geschichten. Nehmen Sie den Algorithmus und erklären Sie Ihrem Leser, wie er helfen kann, Leben zu retten, weil er die Daten von Krankenhauspatienten auswertet oder wie die Besucher des Ski-Ressorts mit innovativen Technologien dank WLAN ihre Technik verbessern können.

2. „Information is beautiful“

Fragen Sie sich, welche die beste Darstellungsform für Ihre Informationen ist. Ist es wirklich sinnvoll, ein Dokument bis zum Anschlag mit Zahlen vollzustopfen? Oder erklärt eine Infografik die Aussage nicht viel besser? Der Erfolg eines Unternehmens etwa oder die Verbreitung einer neuen Technologie sind mitunter grafisch viel schneller erklärt. Also, nutzen Sie Intuitiv verständliche Grafiken, machen Sie Ihre Informationen schön. Das hat ein weiteren Vorteil: gut gemachte Infografiken lösen virale Effekte aus. Sie werden per Mail herumgeschickt, via Twitter verbreitet und oft sogar in Blogbeiträge quer durchs Netz eingebaut. Verstehe ohnehin nicht, weshalb das in Deutschland so viel länger dauert. In den USA sind PR-getriebene, fürs Web aufbereitete Infografiken längst Standard. Wie sich Informationen wunderbar grafisch aufbereiten lassen, lässt sich bei Information is beautiful Tag für Tag aufs Neue verfolgen. Ebenfalls immer wieder interessant zu dem Thema: Daily Infographic.

3. Werden Sie Experte

Verknüpfen Sie Ihren Namen mit einem Thema. Das ist für Journalisten seit jeher Grundregel. Doch auch für PR-Profis sollte das gelten. Wenn Ihr Gegenüber weiß für welches Thema sie stehen, werden sie sich auch von selbst melden. Gerade im Bereich Internet und erneuerbare Energien gibt es eine ganze Reihe Öffentlichkeitsarbeiter, die das bestens verstanden haben. Suchen Journalisten nach einem Beispiel für größere Stories, sind diese Experten der erste Ansprechpartner. Das gilt übrigens sowohl für Mitarbeiter von PR-Agenturen wie für Festangestellte in Unternehmenspressestellen.

4. Nutzen Sie alle Kanäle

All das ist am leichtesten, wenn Sie mit Ihren Themen auf Twitter, Facebook, Google Plus und Blogs unterwegs sind. Journalisten sind ja schon langsam. Doch ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Öffentlichkeitsarbeiter noch nicht im Social Web zu finden sind. Denn es ist ein simples Instrument, eine Community rund um Themen aufzubauen. Ich zum Beispiel abonniere die RSS-Feeds einiger Unternehmensblogs und folge PR-Leuten bei Twitter, die für meine Arbeit relevant sind.

5. Seien Sie klar

Es klingt banal und doch ist einer bei mir einer der häufigsten Gründe, eine Information zu ignorieren: wenn ich nicht in wenigen Sekunden verstehe, um was es geht (das gilt auch für viele journalistische Texte, aber über die reden wir heute nicht). Insofern: Jede Information sollte in einem Satz verständlich sein, ja, schon nach wenigen Wörtern in der Betreffzeile. Denn ich öffne nur, was ich sofort verstehe.

6. Seien Sie interessant

Und ja, ich gebe es zu, mein Mailprogramm sortiert alle Nachrichten aus, in deren Betreffzeile „Presseinformation“ oder Ähnliches steht. Ansonsten würde ich in der Informationsflut untergehen. Alleine gestern liefen bei mir 356 Mails ein. Also: Interessieren Sie Ihren Gegenüber mit einer wirklichen Nachricht.

7. Vorsicht mit Umfragen

Umfragen gehören zu den einfachsten Methoden, eine kleine Nachricht zu generieren. Doch weil sich das mittlerweile herumgesprochen hat, haben wohl auch die letzten Journalisten kapiert, dass einfache Webumfragen ungefähr den Wert haben, wie die bloße Behauptung eines Pressesprechers. Legen Sie daher Ihre Methode offen. Sonst landet auch die Info schnell im Müll.

8. Unterschätzen Sie Blogger nicht

Immer wieder beobachte ich, dass sich PR-Agenturen ewig an Zeitungsjournalisten abarbeiten. Dabei gibt es mitunter Blogs, die für bestimmte Informationen viel geeigneter wären, weil sie eine hochspezialisierte Community haben. Das beginnt bei gut gemachten Blogs für Vielflieger, Gadgetfans, Vielleser, wirtschaftsinteressierte und Weinfreunde. Viele ahnen nicht, was sie verpassen, wenn Sie diese Kanäle ignorieren.

Mehr von mir finden Sie bei Twitter, Google Plus oder Facebook

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Alle Kommentare [4]

  1. Ich verstehe den Zusammenhang nicht ganz: Hier geht es doch um PR-Agenturen oder Verantwortliche für die Pressearbeit, die den Redaktionen maßgeschneiderte Inhalte bzw. Themen liefern sollen. Was spielt das dann für eine Rolle, ob dahinter Verlage stecken?!

  2. Traurig, dass es immer noch wichtig erscheint, auf solche Essentials hinzuweisen, gehören sie doch seit Jahrzehnten zum Rüstzeug von PR-Leuten….sollte man jedenfalls meinen. Das wirft leider kein gutes Licht auf die Ausbildung dieser Spezies. Ich hoffe, dass es die KollegInnen, denen ich während ihres PR-Volontariats diese im Grunde simplen Regeln beizubringen versuchte, richtig machen.

  3. Hallo ihr Lieben,

    falls wer gleich mal anfangen möchte mit dem Blog-Marketing, dürft ihr mich gerne auf meiner Seite besuchen, würde mich freuen!!! Bin offen für die Themen Familie, Haushalt, Technik, Shopvorstellungen etc.. Bitte nur ernst gemeinte Anfragen.

    LG von Nicole