Grafik der Woche: Deutschland bei digitaler Musik weit abgeschlagen

Mit dem digitalen Wandel in Deutschland ist das so eine Sache. Oft hakt es an Stellen, wo andere Länder längst viel weiter sind. Das kann man begrüßen, man kann es ablehnen, man kann auch einfach mit den Schultern zucken – wie auch immer: Das immergleiche Bild zeigt sich auch im Geschäft mit Online-Musik, wie meine Grafik der Woche zeigt:

In Zusammenarbeit mit Statista

Umso erfreulicher ist, dass der Musik-Streamingdienst Rdio seit heute auch deutschen Nutzern offensteht  – ein weiteres Portal, auf dem man Musik direkt aus dem Internet abspielen kann, ohne sie vorher auf den Rechner laden zu müssen. Der US-Dienst, den die Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis aufgebaut haben, ist neben dem Heimatmarkt bislang nur in Kanada und Brasilien verfügbar. Selten genug kommen neue Musik- oder gar Filmdienste so schnell nach Deutschland. Zu schwierig ist es hier, mit den Rechteinhabern einig zu werden.

Die Plattform Rdio, die sehr übersichtlich daherkommt und auf den ersten Blick reibungslos funktioniert, bietet rund 12 Millionen Musiktitel. Wie bei allen anderen Anbietern dieser Art haben allerdings auch hier Klassik-Liebhaber wegen mangelnder Auswahl das Nachsehen. Selbst bei Simfy, dem bislang größten deutschen Streaming-Dienst, sind unter 16 Millionen Titeln viele große Interpreten nicht zu finden.

Ähnliches wie Simfy und Rdio bieten in Deutschland auch Napster, Musicload, Juke, Music Unlimited, Deezer und Rara. Um das gesamte Angebot nutzen zu können, müssen deren Nutzer in der Regel fünf bis zehn Euro pro Monat zahlen. Nur Simfy bietet einen kostenlosen, teils werbefinanzierten Bereich an. An einem ähnlichen Modell arbeitet jedoch laut Netzwertig auch Rdio.

So groß die Euphorie bei den jungen Unternehmen auch sein mag: Sie werden kaum alle die nächsten Jahre überleben. Zumal viele bislang praktisch nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Generell besteht allerdings wenig Zweifel daran, das beobachte ich auch an mir selbst, dass wir immer mehr Musik direkt im Netz konsumieren werden. Darauf deutet auch eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Simfy hin: Demnach glauben 34 Prozent der Befragten im Alter von 20 bis 39 Jahren davon aus, dass Musikstreaming den Download von Musik ersetzen wird. Mehr als 50 Prozent glauben zudem, dass CDs & Co. künftig kaum noch genutzt werden, weil die Musik nahezu ausschließlich digital gespeichert werde.

Mehr von mir finden Sie bei Twitter, Google Plus oder Facebook.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [3]

  1. Wenn ich da an eine andere Statistik zurück denke, bei der aufgeschlüsselt wurde, wie viel die Künstler eigentlich vom Kuchen abbekommen, sollte man sich glücklich schätzen, dass man hier in Deutschland noch CDs kauft. All die neuen Verträge wurden allein zum Vorteil der großen Plattenlabels ausgehandelt. Wer nicht gerade Popmusik macht oder hört, guckt in die Röhre.

  2. Da auch in Deutschland die CD nicht ewig leben wird, sind Modelle wie die Kulturflatrate – wenn auch sehr schwer umsetzbar – so reizvoll. Musikalische Vielfalt bleibt bei der aktuellen Lage nämlich auf der Strecke. Woher war denn diese Statistik zu den Verträgen? Sehr spannend!