iPad 2 versus Kindle Fire – Antworten auf die wichtigsten Fragen

Seit wenigen Tagen ist der neue Amazon-Tablet Kindle Fire auf dem Markt, der iPad-Killer, der vermeintlich erste echte Apple Herausforderer, ja, als Tablet für die Masse – so wurde das Gerät kurz nach dessen Präsentation beschrieben. Zunächst gibts den Fire nur in den USA. Doch irgendwann wird er auch nach Deutschland kommen. Und so häufen sich schon die Fragen von Kollegen und Freunden, ob sie lieber ein iPad kaufen sollen oder ob es der Kindle Fire für vermutlich rund 200 Euro vielleicht auch tut.

Die Antwort darauf ist nicht ganz leicht. Im Detail nämlich unterscheiden sich die Geräte enorm. Hier sind die wichtigsten Fragen, die dem einen oder anderen vielleicht als Entscheidungshilfe dienen können:

Wofür wollen Sie das Gerät nutzen?

Als Medienabspielgerät ist der Kindle Fire bestens geeignet. Amazon bietet Abertausende elektronische Bücher – inzwischen immer mehr davon auch auf Deutsch, zudem Musik und eine (zunächst in den USA) beachtliche Zahl von Filmen. Wer das Gerät aber als universellen Alltagsbegleiter nutzen will, für Notizen, Mails, Präsentationen und Terminkoordination, wird schnell an die Grenzen des Preisbrechers kommen. Schlicht deshalb, weil Amazon die Zahl der auf dem Fire zugelassenen Programme bislang stark limitiert. Zudem ist offenbar der E-Mail-Client eher eine Einsteiger-Lösung: Mit wenig Funktionen und nicht so intuitiv bedienbar wie das Mailprogramm im iPad – zudem fehlen viele Funktionen, die Nutzer von Gmail & Co gewohnt sind.

Welche Art der Medien wollen Sie nutzen?

Der Kindle Fire ist mit seinen sieben Zoll wesentlich kleiner als das iPad mit seinen 9,7 Zoll. Damit ist der Amazon-Tablet optimal, um Bücher zu lesen – besser noch als das iPad, weil der Fire mit 410 Gramm fast 200 Gramm leichter ist. Doch schon für opulente Optiken von Magazinen könnte der Schirm zu klein sein. Erst Recht für Filme. Wem die Größe aber egal ist, kann in Sachen Bildqualität auch mit dem Kindle Fire glücklich werden: Die Bildschirmauflösung der beiden Geräte ist ähnlich, die Darstellung von Inhalten unterscheidet sich kaum.

Wollen Sie sich an einen Anbieter binden?

Ein großer Vorteil des iPad ist, dass seine Besitzer auf eine Vielzahl verschiedener Inhalteanbieter zurückgreifen können, von Videoangeboten des Wall Street Journal über BBC-Reportagen der Hauseigenen App bis hin zu TV-Streaminganbietern wie Zattoo – sogar Amazon ist mit einer sehr guten Kindle-App dabei. Der Kreis externer Inhalteanbieter bei Amazons Kire ist dagegen sehr begrenzt. Dabei steckt in dem Gerät – auch wenn man es nicht sieht – der Software-Kern von Googles Android-Betriebssystem. Und dafür gibt es bereits Hunderttausende Apps. Die auf dem Fire zu installieren, erlaubt Amazon den Käufern des Tablets indes in vielen Fällen nicht. Ich glaube, dass sich an dieser Stelle der Erfolg des Fire entscheiden wird: Öffnet Amazon nicht bald seine Plattform für weitere Inhalte-Anbieter, wird das Gerät scheitern. Erkennt Amazon diese Schwäche aber rechtzeitig, könnte der Fire ein Tablet für die anderen 99 Prozent werden.

Wie wichtig ist Ihnen Akku-Ausdauer?

Die Batterie des iPad 2 hält bei Dauernutzung mehr als zehn Stunden – je nach Art der Daten-Verbindung. Der Kindle Fire dagegen kommt in ersten Tests nur auf etwas über acht Stunden.

Wie mobil wollen Sie überhaupt sein? 

Der Kindle Fire hat eine Wlan-Verbindung, aber weder Bluetooth noch eine Mobilfunkkarte. Dadurch ist sein Einsatz unterwegs stark limitiert. Mails, neue Bücher oder gar Filme müssen Sie Zuhause auf das Gerät laden. Das iPad hingegen bietet – auf Wunsch – alle gängigen Verbindungsoptionen.

Ist Geschwindigkeit wichtig?

Erste Tests ergeben zudem, dass der Kindle Fire immer wieder hakt und ruckelt, was vor allem iPad-Benutzern auffallen wird. Vielleicht bringt ein erstes Software-Update das Fire-Betriebssystem Verbesserungen. Wen das aber generell abschreckt, der sollte auf die nächste Generation des Fire warten, das dann vermutlich mit einem stärkeren Prozessor auf den Markt kommen wird.

Was wollen Sie speichern?

Der Amazon Fire ist in erster Linie darauf ausgelegt, Inhalte zu streamen, sie also quasi direkt aus dem Netz abzuspielen. Auf seinen acht Gigabyte Speicher lässt sich ohnehin nicht viel unterbringen. Das iPad dagegen ist mit 16, 32 und 64 Gigabyte zu haben. Dahinter steht eine generell andere Strategie der Inhalte-Distribution: Während Apple immer noch einen großen Teil seiner Filme und Serien zum Download anbietet, stehen sie bei Amazon zum Streamen bereit. Der Vorteil: Es geht meist schneller los. Der Nachteil aber: Hakt die Verbindung (wie bei mir Zuhause), müssen Sie mitunter auf das Happy End verzichten.

Was sollte ich noch wissen? 

Vielleicht, dass der Kindle Fire eher ein Gerät für den Konsum von Inhalten ist. Wer selbst öfter kreativ wird, muss weiterhin zum iPad greifen – oder sich gleich an den Computer setzen. Aber auch mit einem neuen iPad würde ich jetzt warten. Es ist zwar ein sehr gutes Gerät. Erfahrungsgemäß aber präsentiert Apple in den ersten Monaten eines neuen Jahres neue iPads. Trotz allem: Der Fire ist zwar kein iPad-Ersatz oder gar iPad-Killer, wie manche dachten. Doch der Fire ist für den Preis ein sehr akzeptables Gerät und wer mit den Limitierungen leben kann, sollte durchaus zugreifen. Für mich dagegen ist immer noch das iPad 2, das ich selbst besitze, die beste Wahl. Ich bin recht viel unterwegs und empfinde es schlicht als den besten Reisebegleiter. Viele aber, die das Gerät zum Medienkonsum Zuhause nutzen wollen, könnten mit dem Fire ähnlich glücklich werden.

Man kann es natürlich auch so sagen:

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