Große süße Sünden sind erlaubt – egal wie fett die Amis davon werden

Was für eine Schlappe für New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg:  Sein Bestreben, die New Yorker gesünder zu machen, stoppt ein Gericht. Es hebt das Verbot von Riesen-Limobechern auf – Gesundheit hin oder her: was zählt ist die Freiheit in Amerika.

Ein amerikanisches Kino ist so etwas wie eine Massen-Imbissbude mit angehängter Film-Vorführung. Da werden riesige Getränkebecher geschlürft, Popcorn-Berge verputzt (salziges Popcorn, igitt), Nacho-Chips mit tiefgelben fettigen Käse und feurig-roten Salsa gefuttert (danach ist der Durst tatsächlich sehr groß).

Jüngst im Kino mit einer New Yorker Freundin: „Angie“, sagt Jackie. „Wir brauchen was zu Essen und zu Trinken,  Django Unchained dauert ja fast drei Stunden.“ Mein Einwand, wir haben doch gerade dinner gehabt, wird ignoriert – und schon kriege ich einen Riesenbecher Cola hingehalten, Popcorn bringt sie auch gleich noch mit – wir könnten ja verdursten und verhungern in den nächsten Stunden. Die anderen Kinogänger halten es ebenso wie wir: um uns herum wird geschlürft und geknabbert, was das Zeug hält. Zwischendrin wird Nachschub geholt.

Die New Yorker lieben es „big“ – nicht umsonst heißt die Stadt ja auch Big Apple. Die großen XXL-Limobecher gehören zum New Yorker Leben dazu wie die Stretchlimos am Broadway.

Gegen die Vorliebe für „Big“ kommt auch kein Michael Bloomberg an. Der mächtige New Yorker Bürgermeister hat schon viel Ungesundes in der Stadt am Hudson verboten: Rauchen in Restaurants, Bars und Parks. Alkohol ist in der Öffentlichkeit tabu – beim Picknick im Central Park gibt’s süßen Saft und keinen Rotwein, sonst steht die NYPD auf dem Rasen, kassiert die Pulle und verhängt ein dickes Strafgeld. Don’t mess mit der New Yorker Polizei – das kann nur böse enden.

Freiheit vor Fettleibigkeit

Gesundheitsfanatiker Bloomberg muss jetzt eine ziemliche Schlappe einstecken: Wenige Stunden vor dem Start des Verbots von Riesen-Bechern mit zuckrigen Getränken stoppt ein Gericht die Neuregelung. Die Richter in New York argumentierten mit fehlender Gerechtigkeit: Es sei nicht gerecht, dass das Verbot nur für bestimmte Getränke gelte und auch nur für bestimmte Verkaufsorte, zum Beispiel Fast-Food-Läden oder Kinos. Die Regelungen seien „überfrachtet mit willkürlichen und unberechenbaren Konsequenzen“, hieß es zur Begründung. „Unberechenbare Konsequenzen?“ Für wen? Für was?

Wer gegen das Verbot klagte, na das ist ja leicht zu erraten: Geklagt hatte ein Zusammenschluss von Händler-Verbänden und Getränkeherstellern – wer sonst. Die liefen seit Monaten Sturm gegen das geplante Verbot. Danach wären Becher mit süßen Getränken wie Cola, aber auch Kaffee nur noch bis zu einer Größe von etwa 470 Milliliter zu haben gewesen (was ja auch nicht gerade klein ist). Milch-Shakes sollten davon ausgenommen sein.

Die Stadtverwaltung hatte das Verbot von XXL-Softdrinks im vergangenen September erlassen, heute sollte es in Kraft treten. Die Regelung hätte Schnellimbiss-Ketten wie Burger King, Restaurants und öffentliche Orte wie Kinos und Stadien betroffen. Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte hätten dagegen auch weiterhin süße Getränke in großen Flaschen verkaufen dürfen. Getränke mit Süßstoff anstatt Zucker sowie Säfte  sollten wie Milchshakes vom Verbot ausgenommen werden.

Bei den Bürgern war wenig Kritik zu hören – das Verbot lässt sich ja auch leicht umgehen. Wen es nach einem kleineren Becher süßer Brause weiter dürstet, lässt sich den Becher einfach auffüllen – in Restaurants kostet das meist nicht extra.

Bloomberg kämpft weiter

Bloomberg will nicht aufgeben – wie er auf Twitter gleich mal ankündigte, und will Einspruch gegen die Entscheidung des Gerichts erheben. Schließlich gilt dieses Projekt als eines der wichtigsten des scheidenden Bürgermeisters. Es soll die weit verbreitete und stetig ansteigende Fettleibigkeit der US-Amerikaner bekämpfen. Nach Angaben der Stadt New York sterben in der Millionenmetropole jedes Jahr rund 5000 Menschen an den Folgen von Fettleibigkeit. „Fettleibigkeit wird zum größten Gesundheitsproblem in diesem Land“, hatte Bloomberg im Mai vergangenen Jahres gesagt, als er den Plan zum ersten Mal vorstellte. „Wir versuchen, etwas dagegen zu unternehmen.“

Doch bei den Amerikanern geht Freiheit und Gleichheit eben über alles – das Recht zu Sündigen gehört dazu – egal wie fett die Amis davon werden oder, ob sie daran krepieren.

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