Kampf um’s Gas – Aber bitte nicht in New York und bitte bloß nicht exportieren

Eine neue Umweltbewegung in den USA macht gegen die Gas- und Öl-Fördermethode „Fracking“ mobil. Auch der Chemieriese Dow Chemical ist auf Krawall in Sachen Erdgas gebürstet. Er will, dass die US-Regierung den Export des Gases aus den Vereinigten Staaten verbietet, um die heimischen Preise zu schützen.

Ja, doch die Occupy Wall Street Bewegung gibt es noch. Die soziale Bewegung in Amerika,  die vor einem Jahr in einem kleinen Park unweit der Wall Street gegen Gier und Ungerechtigkeit protestierte, sucht sich neue Betätigungsfelder. Eines davon: Kampf dem Fracking  – wie die unkonventionelle Fördermethode von Erdgas und Öl genannt wird. Mit einem besonderen Cocktail aus Chemikalien, Sand und Wasser wird die kostbare Ressource fast überall in den USA gefördert – und hat dem Land einen wahren Energieboom beschert. Die Energiepreise in Amerika sind so niedrig wie sonst wohl nirgendwo, Chemiekonzerne und andere energieintensive Konzerne entschlossen sich neue Fabriken in den USA zu eröffnen. Die gesamte US-Wirtschaft profitiert von dem neuen Energieboom.

Doch es formiert sich Widerstand gegen die Fördermethode, bei der – so behaupten  Umweltaktivisten –  giftige Chemiekalien ins Grundwasser gelangen. In den Reihen der Gegner des Fracking sind illustre Persönlichkeiten zu finden: Schauspielerin Gwyneth Paltrow etwa oder Yoko Ono, auch Paul McCartney und Mick Jagger sind strikt gegen die Erdgasförderung. Kein Wunder, denn das geplante Fördergebiet liegt in den landschaftlich schönen Catskill Mountains, von dort bezieht die Millionenstadt New York City ihr Trinkwasser, dort ziehen sich Leute wie Ono oder Jagger gern am Wochenende zur Erholung zurück. In den U-Bahnen Manhattans und an Busstationen hat die Anti-Fracking-Bewegung ihre Plakate mit dem Aufruf „Don’t frack New York“ aufgehängt.

Während in Bundesstaaten wie Texas, Pennsylvania oder Oklahoma fröhlich gefördert wird, ist Fracking im Bundesstaat New York verboten – noch. Aber das Moratorium läuft aus. Bis Ende Februar muss der demokratische Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, entscheiden, ob er das Fracking in seinem Staate zulassen will oder nicht – und damit wird sein Urteil auch für den Rest des Landes, in dem sich immer mehr Widerstand gegen die Fördermethode formiert, Folgen haben.

Dow Chemical: Exporte schädigen das heimische Geschäft

Zu Worte meldet sich zum Thema nun ausgerechnet der US-Chemieriese Dow Chemical. Natürlich will Chemie-Boss Andrew Liveris die Fördermethode nicht verbieten – im Gegenteil. Doch auch Dow Chemical fordert ein Verbot – ein Exportverbot des Erdgases von Amerika in die Welt. Das würde die niedrigen Preise zu Hause vernichten, so Dow Chemical. US-Präsident Barack Obama solle doch bitteschön zum Schutz der heimischen Wirtschaft einen Export des Erdgases auf den Weltmarkt verbieten. Hola, na das sind aber mal starke Töne.

Auf welcher wirtschaftlichen Grundlage Dow-Chemical-Chef Liveris vermutet, dass die Preise automatisch steigen werden, sobald Amerika mit seinem Gas auf den Weltmarkt tritt, ist mir ein Rätsel. Normalerweise sind doch Exporte gut für die Wirtschaftsbilanz eines Landes. Und gerade US-Präsident Obama fordert corporate America immer wieder dazu auf, mehr zu exportieren und das geht natürlich nur, wenn Amerika auch wettbewerbsfähige Produkte zu bieten hat.

Was führt Mr. Liveris also da im Schilde? Während alle Welt sich über protektionistische Maßnahmen der bösen Chinesen aufregt und die USA und Europa gerade dabei sind, ein bahnbrechendes und für beide Länder als gut befundenes Freihandelsabkommen zu vereinbaren, will Dow Chemical schön die eigenen Pfründe durch Protektionismus schützen?

Bisher exportieren die USA noch kein Erdgas. Die Möglichkeiten werden gerade geschaffen. Genau 16 Anträge auf LNG-Terminals (Liquid Natural Gas) liegen bei den US-Umweltbehörden vor. An einem Terminal in Freeport Texas ist Dow sogar Chemical beteiligt, will aber nicht weiter in das Projekt investieren.

Ein freier Energiemarkt ist also eine Bedrohung für den weltweiten Chemieriesen Dow Chemical? Exporte sind nicht gut für die Wirtschaft? Das ist eine interessante Offenbarung eines Weltkonzerns.

Entscheidung über Fracking in New York verschoben

Der Februar ist vorbei und der Senat von New York hat die Entscheidung, ob Fracking in dem Bundesstaat erlaubt werden soll oder nicht, um zwei Jahre (!) verschoben. Es müssten weitere wissenschaftliche Tests vorgenonmmen werden, um tatsächlich beurteilen zu können, ob die Förderung des Scheifergases für die Umwelt gefährlich ist oder nicht, lautet die Begrüdung.

Die Initiative „New Yorkers Against Fracking“ jubelt über den Erfolg ihrer Anzeigenkampagne „Governor Cuomo, not one Well“.

 

 

 

 

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