Das vorläufige Ende des US-Haushaltsstreites freut die Börsen – wie verrückt

Da einigen sich nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen die beiden politischen Parteien Amerikas in lezter Minute auf einen mit heißer Nadel gestrickten Kompromiss im US-Haushaltsstreit  – und die Börsen weltweit jubilieren. Warum nur?

In Deutschland stieg der DAX um 2,2 Prozent auf 7.779 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Auch der MDAX legte zu und der TecDAX ebenso. An der Wall Street gehen die Kurse ebenfalls nach oben. Gegen Mittag amerikanischer Zeit liegt der Dow-Jones-Index bei 13.336 Punkten, ein Plus von 1,8 Prozent. Der Technologieindex Nasdaq verbesserte sich gar um 2,2 Prozent auf 3085 Zähler.

Sicher, den drohenden dramatischen Absturz von der so genannten fiscal cliff, der Fiskalklippe, haben Demokraten und Republikaner in Washington in letzter Minute verhindert. Die geplanten Steuererhöhungen für alle Amerikaner fallen weg, dafür steigt für alle Bürger der Lohnsteuerbeitrag.

Doch echten Grund zum Jubeln gibt es nach dieser Einigung nun wirklich nicht. Stellen wir uns vor, Griechenland würde seine Ausgabenkürzungen, also die Konsolidierung des maroden Haushaltes einfach verschieben? Aber Griechenland ist nicht Amerika, schon klar.

Weniger bedrohlich ist die Schuldenkrise der USA für die Weltwirtschaft aber trotzdem nicht. Das schlimmste steht erst noch bevor: Was passiert mit der Konjunktur, wenn die USA wirklich ihr Schuldenproblem angehen und massiv im Verteidigungshaushalt, bei den Sozialleistungen, bei der Bildung, im Gesundheitssystem sparen?

Was passiert, wenn sie die Unternehmenssteuerreform endlich durchpeitschen und alle Schlupflöcher für Unternehmen schließen und diese zukünftig nicht weniger, sondern mehr Steuern zahlen werden müssen? Wer soll zukünftig die Konjunkturlokomotive für die Welt sein? Können die aufstrebenden Ländern aus Lateinamerika und Asien die Konjunktur stark genug unter Dampf halten? Die kommenden zwei Monate werden wieder alle Augen der Welt nach Washington blicken.

US-Präsident Barack Obama macht aber erst mal Pause – schließlich musste er schon wider Willen die Silvesternacht und Neujahr im von ihm ziemlich ungeliebten Washington verbringen. Nach dem Votum im Kongress flog der Präsident direkt nach Hawaii zurück, um den Weihnachtsurlaub mit seiner Familie fortzusetzen – na, dann – aloah, Mr. President.

 

 

 

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