Zinsen, Zoff und die beispiellose Geldpolitik des Ben Bernanke

Die amerikanische Notenbank koppelt die Zinssätze an die Entwicklung der Arbeitslosenquote und druckt noch mehr Geld. Das kann kaum gut gehen. Die Geldpolitik von Fed-Chef Ben Bernanke ist beispiellos und gefährlich.

Munter marschiert die größte Volkswirtschaft der Welt auf die Klippe zu: im Streit um den US-Haushalt zwischen den Demokraten und Republikanern in Washington gibt es null Fortschritt. Von „großen Differenzen“ spricht Top-Republikaner John Boehner, Sprecher des Repräsentantenhauses. „Macht bloß keine Pläne über Weihnachten“, fordert er in dieser Woche seine Parteikollegen auf. Will sagen: eine Einigung ist nicht in Sicht. Bleibt das so bis zum Stichtag 31.12.2012, dann droht Amerika eine neue Rezession, denn ab 1. Januar werden Steuererhöhungen und Kürzungen im Haushalt in Milliardenhöhe fällig.

Retten, was kaum noch zu retten ist, will Fed-Chef Ben Bernanke mit seiner erneuten Geldspritze. Er setzt seiner bisherigen Null-Zinspolitik noch eines oben drauf und will so lange an den Niedrigzinsen festhalten bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent fällt. Das kann dauern. Derzeit liegt sie bei 7,7 Prozent. Vor 2015 rechnet selbst der Notenbank-Chef  nicht damit, dass mehr Amerikaner in Lohn und Brot kommen.

Zusätzlich zu den niedrigen Zinsen kauft die FED langfristige Staatsanleihen in Höhe von monatlich 45 Milliarden Dollar ab 2013 auf. Dieser Ankauf ersetzt die so genannte Operation Twist, die Ende 2012 ausläuft. Gleichzeitig wird der erst im September beschlossene Ankauf von Hypothekenpapieren in Höhe von 40 Milliarden Dollar monatlich fortgesetzt.

Die Notenbank koppelt ihre Geldpolitik an die Höhe der Arbeitslosenrate? Was für eine Verzweiflungstat. Was geschieht, wenn die Arbeitslosenquote auch nach 2015 noch über der Marke von 6,5 Prozent liegt? Will die FED dann immer weiter neues billiges Geld drucken? Nun, Bernanke bekräftigte seine anhaltende Sorge um die konjunkturelle Entwicklung in den USA. Ohne diese politischen Hilfen, werde es kaum anhaltende Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt geben, sagt der Fed-Chef.

Wenig wirksame Geldpolitik

Investieren die US-Unternehmen mehr und stellen mehr Menschen ein, weil der Staat die Zinsen schön niedrig hält und immer neues billiges Geld in den Markt pumpt? Bisher hat die Geldpolitik der Notenbank das Land zwar vor einer neuen Rezession bewahrt, den Arbeitsmarkt hat sie mit dieser Politik aber nun wahrlich nicht nachhaltig ankurbelt.

Die Notenbank korrigierte gestern ihre eigene Wachstumsprognosen für die US-Wirtschaft leicht nach unten. Sie erwartet für 2013 ein Plus zwischen 2,3 und 3,0 Prozent. Für das Jahr 2012 rechnet sie mit einem Zuwachs unter zwei Prozent.

Langfristig sorgt die Geldpolitik nur für eines: eine steigende Inflation. Was Amerika fehlt, ist endlich eine klare Linie im Steuer- und Haushaltsstreit in Washington, dann wissen die Unternehmer, mit welchen zusätzlichen Belastungen sie rechnen müssen.

Wenn sich die US-Regierung mit der Opposition nicht einigt und den Haushaltsstreit einfach verschieben sollte um ein paar Monate ins Jahr 2013, geht es mit der Unsicherheit in der Wirtschaft nahtlos weiter. Es wäre die erste Rezession im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die ein Kongress ausgelöst hätte.

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