New Yorker Bürgermeister sagt Marathon doch ab – richtig so!

Der New York Marathon ist eines der wichtigsten Großereignisse der Stadt, ein Ereignis, dem über Monate tausende entgegenfiebern und der Millionen einbringt. Jetzt hat New York City’s Bürgermeister Michael Bloomberg das weltweit viel beachtete Sportereignis wegen der Folgen von Wirbelsturm Sandy doch abgesagt.

Richtig so! Nach einem Schaulauf ist den New Yorkern im Moment wirklich nicht zu Mute. Vor allem nicht auf der Insel Staten Island, wo über 20 Menschen zu Tode gekommen sind und immer noch nach Vermissten gesucht wird. Auf der Insel an der Südspitze von Manhattan sollte der Lauf starten. Dort hatte es erst zwei Tage nach dem Sturm überhaupt das Rote Kreuz hingeschafft, um den Menschen mit dem Allernötigsten wie Essen, Trinken und Decken auszuhelfen.

Noch heute früh hatte Bloomberg  seine Entscheidung den Marathon starten zu lassen auf einer Pressekonferenz mit dem Argument verteidigt, der Lauf werde benötigtes Geld in die Stadtkasse bringen und den New Yorkern moralischen Auftrieb geben. Zu dem Lauf waren 40.000 Läufer erwartet worden. Durch den Marathon würden nach Schätzungen der Veranstalter rund 340 Millionen Dollar in der Stadt bleiben. Noch heute trafen Teilnehmer in New York City ein, deren Hotels derzeit auch zahlreiche Sturmgeschädigte zu ihren Gästen zählen.

„New York muss zeigen: Wir sind hier und wir werden uns davon erholen“, sagte Bloomberg. Dabei verwies er auf das Beispiel seines Vorgängers Rudolph Giuliani. So habe sich dieser zwei Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center an die Spitze des Läuferfeldes gesetzt und damit die richtige Entscheidung getroffen.

Zwei Monate nach dem 11. September – der Wirbelsturm Sandy war vor vier Tagen. Da hat sich Bürgermeister Bloomberg ziemlich verrannt. Tausende Menschen in New York sind immer noch ohne Strom. „Wir suchen hier noch noch Leichen und da wollen die hier mit einem Marathon starten?“, sagte ein Betroffener auf Staten Island, den Tränen nahe.

An der gesamten US-Ostküste ist die Zahl der Todesopfer durch Wirbelsturm Sandy  auf 102 gestiegen. Nach offiziellen Angaben wurden allein in der Stadt New York bislang 40 Leichen geborgen. In mehreren Orten wächst der Unmut über nur langsam anlaufende Hilfe für Betroffene. Rund 4,5 Millionen Haushalte in 15 US-Bundesstaaten waren am Freitagmorgen noch ohne Strom. In einigen Gegenden könnte das auch noch eine Woche lang so bleiben. Auch bei der Benzinversorgung gab es weiter Engpässe, vor den Tankstellen gab es teilweise kilometerlange Schlangen. Da zwei Raffinerien ausgefallen sind, dürfen nun ausnahmsweise auch ausländische Tanker vorübergehend die Ostküste Anlaufen.

Mittlerweile fürchten sich viele New Yorker überhaupt noch auf die Straße zu gehen. Einwohner äußerten sich besorgt über die Sicherheit in den dunklen Vierteln in Teilen von Lower Manhattan. Mittlerweile patroullieren hier Mitglieder der Guardian Angels, eine Freiwilligentruppe, die sich den Kampf gegen die Kriminalität zum Ziel gesetzt hat.

 

Kommentar schreiben