Schwung für Obama – Klimawandel als neues Top-Wahlkampfthema

Erfreuliche Nachrichten kurz vor der US-Präsidentschaftswahl: Industrie, Arbeitsmarkt und Konsum in den USA entwickeln sich zuletzt sehr freundlich – trotz der Milliardenschäden durch den Wirbelsturm Sandy. Sandy und die Folgen könnten Obama noch mehr Schwung bringen. Der Klimawandel wird plötzlich wieder zum Top-Wahlkampfthema.

Die offiziellen Zahlen zur Entwicklung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt kommen erst am Freitag nachmittag, aber schon jetzt deuten die Beschäftigungszahlen im privaten Sektor auf eine erfreuliche Entwicklung hin. Im Oktober haben amerikanische Unternehmen 158.000 neue Stellen geschaffen, teilte die private Arbeitsvermittlung ADP mit. Auch die Stimmung unter den Verbrauchern ist auf dem höchsten Stand seit Februar 2008.

Wie sehr die Auswirkungen von Wirbelsturm Sandy die Konjunkturentwicklung im vierten Quartal beeinträchtigen wird, ist noch nicht abzuschätzen. Klar ist nur: der Wiederaufbau von Häusern, Straßen, Stromleitungen usw. wird Milliarden kosten, aber die Wirtschaft im kommenden Jahr auch wieder ankurbeln.

Für US-Präsident Barack Obama sind das alles gute Nachrichten so kurz vor den Präsidentschaftswahlen am 6. November. Aber noch ein anderes Thema könnte ihm Schwung verleihen. Wegen Wirbelsturm Sandy ist plötzlich wieder vom Klimawandel die Rede. Vor vier Jahren war das eines der wichtigsten Wahlkampfthemen der Demokraten, es brachte Obama viele Stimmen vor allem von jungen Amerikanern ein.

In diesem Wahlkampf ist von Klimawandel überhaupt nicht die Rede – weder bei Obama noch bei Romney. Nun nimmt  New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg den Wirbelsturm zum Anlass, das Thema wieder auf den Tisch zu bringen und gleichzeitig für eine Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama zu stimmen. Nur dieser würde sich des Themas Klimawandel in den kommenden vier Jahren annehmen, so der New Yorker Bürgermeister. Wir könnten nicht so weitermachen wie bisher und unseren Planeten zerstören. Der Wirbelsturm Sandy sei eine Folge des Klimawandels, so Bloomberg.

„Wir brauchen Führung im Weißen Haus“, schrieb New Yorks Bürgermeister auf bloomberg.com. Obama habe in den vergangenen Jahren wichtige Schritte für den Umweltschutz eingeleitet. Romney dagegen habe in allen wichtigen Bereichen einschließlich dem Umweltschutz den Kurs gewechselt.

Na, das sind ja mal ganz neue Töne von Bloomberg, der mal Demokrat, mal Republikaner war und sich mittlerweile als politisch Unabhängiger erklärt hat. Trotzdem hofften sowohl Präsident Obama als auch der Republikaner Mitt Romney, von New Yorker Bürgermeister als Präsident empfohlen zu werden, in der Hoffnung, dass Bloombergs Meinung die Unabhängigen im Land beeinflusst. Ob auf die letzte Minute das Thema Klimawandel nun aber plötzlich wahlentscheidend wird, das ist zu bezweifeln.

Pentagon fliegt Hilfsgeräte ein nach New York City

Wahrscheinlich steht New Yorks Bürgermeister wegen Sandy und den Folgen ziemlich unter Schock: Nicht nur die Küste des US-Bundesstaates New Jersey, sondern auch New York City, selbsterklärtes Weltfinanzzentrum, „the city that never sleeps“, leidet immer noch dramatisch unter den Folgen des Wirbelsturms. In Manhattan herrscht Chaos, kilometerlange Verkehrsstaus, Stromausfälle, die noch Tage andauern sollen. Mittlerweile ist sogar das Verteidigungsministerium im Einsatz und bringt per Flugzeug aus Kalifornien Ausrüstung zur Wiederherstellung der Elektrizität  an die Ostküste. Die Armee verteilte in Lower Manhattan Wasser und Lebensmittel. Die Elektrizitätsfirma ConEdison stellte Trockeneis  zum Kühlen von Lebensmitteln zur Verfügung.

 

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