Bei Obama schrillen die Alarmglocken

Gut zwei Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen liegt der Republikaner Mitt Romney hauchdünn vor Obama. Jetzt kommt alles auf die Wähler in den drei Bundesstaaten Ohio, Florida und Virgina an, wo es die meisten Wechselwähler gibt.

Die Lage ist bitter ernst. Jetzt  bekomme ich von Barack Obama schon Bettelbriefe: „Angela, stick with me“ – heißt es in der E-Mail aus dem Wahlkampfbüro der Demokraten. Unverblümt kommt Mr. President zur Sache:  „I do not want to lose this election“, heißt es da weiter. Fast habe ich schon Mitleid. Aber nein, um Obama und seine Michelle müsse ich mir keine Sorgen machen, beruhigt mich der amerikanische Präsident: „Michelle and I will be fine no matter what happens“, geht die Mail weiter. „But because of what it would mean for our country and middle class families.“

Das Rennen wird knapp, das ist auch Obama sonnenklar. Er fordert mich auf – nein, nicht für ihn zu wählen – aber für ihn zu spenden: mindestens fünf Dollar oder mehr. „Time is running out to make an impact – please don’t wait any longer. Donate $5 or more today.“

Wie knapp es wirklich ist, zeigt die tägliche Umfrage von Reuters/Ipsos. Da liegt der Republikaner, Mitt Romney, im Kampf um das Weiße Haus heute hauchdünn vor Obama. Die befragten Wähler stimmten mit 47 Prozent für Romney und mit 46 Prozent für den Demokraten Obama.

Offenbar ist der Frust selbst bei den eigenen Wählern groß. In der Demokraten-Hochburg New York City, treffe ich in den vergangenen Tagen auf immer mehr „depressive“ Demokraten. Da ist die Physiotherapeutin Thais. Sie gesteht mir beim Kaffee wie frustriert sie über Obama sei. Jeder habe doch wohl erkannt  wie schwach Romney bei der dritten und letzten Fernsehdebatte gewesen sei und doch hätten die Medien nur von einem guten Obama, aber auch von einem starken Romney gesprochen.

Beim Mittagessen mit John, einem Anwalt, lässt er bei meiner Frage nach seiner Meinung zu den Wahlen richtig Dampf ab. „Wie konnte Obama Romney in der letzten Fernsehdebatte so gut wegkommen lassen“, schimpft er. „Er hätte ihn viel schärfer angehen müssen.  Hier ist doch klar geworden, dass dieser Republikaner von Außenpolitik keinen Schimmer hat.“

Viele Amerikaner sind noch unentschlossen

Obama und sein Herausforderer Romney touren derweil wie die Wahnsinnigen durch die drei entscheidenden Swingstates, also die Bundesstaaten, in denen die meisten Wechselwähler leben: das sind Ohio, Florida und Virginia.

Obama scheint in den vergangenen Wochen richtig Spaß an seinen Wahlkampfterminen zu bekommen. Seine Reden werden immer leidenschaftlicher und manchmal überzieht er auch: Heute bezeichnete er Romney im Eifer des Gefechtes einen „Bullshitter“.

Romney kopiert da lieber Obamas-Erfolgsslogan von 2008 und spricht von „Change, big Change“. Seine Wahlkampfmaschine schickt TV-Spots in die amerikanischen Wohnzimmer, in denen ein ehemaliger Ungar davon spricht, wie sehr er sich dafür fürchtet wieder in einem sozialistischen Land leben zu müssen. Man kann es ja mal versuchen  mit solchen Horror-Spots.

Zwei Wochen vor der Wahl sind immer noch dreizehn Prozent der bereits registrierten und 30 Prozent der Wähler, die wahrscheinlich wählen wollen, noch unentschieden, wem sie ihre Stimme abgeben werden.

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