Romney nimmt Obama hart ins Kreuzverhör

Es war ein Boxkampf – nur ohne Körperkontakt. Ein intensives Rededuell liefern sich die beiden Rivalen beim zweiten TV-Duell. Obama pariert Romneys Attacken kampfeslustig und leidenschaftlich. Im Vorteil ist dennoch der Republikaner. 

Diese Debatte wird in die Geschichte eingehen: US-Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney schenken sich nichts in dieser zweiten TV-Debatte knapp drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl. Der Republikaner attackiert Obama aggressiv, unterbricht den Präsidenten, er weist ihn rüde zurecht, etwa mit Sätzen wie: „Jetzt spreche ich, Sie haben gleich ihre Chance.“ Einmal zischt die Moderatorin  Romney zu: „Jetzt setzen sie sich bitte.“ Hier kämpft ein Mann, der diese Präsidentschaft so unbedingt will – koste es, was es wolle.

Romney nimmt während des zweiten Schlagabtausches der Präsidentschaftskandidaten in der Universität Hofstra in Hempstead in New York, bei der 80 noch unentschiedene Wähler, Fragen stellen durften, Obama regelrecht ins Kreuzverhör – auf ganz persönlicher Ebene. Der Präsident habe auf ganzer Linie persönlich versagt, wiederholt Romney immer wieder, zählt auf, was Obama vor vier Jahren alles versprochen habe und was er geschafft habe.

Obama lässt sich nicht in die Enge treiben. Zog sich der Präsident bei der ersten Debatte fast beleidigt zurück, trommelt er sich dieses Mal mit beiden Fäusten aus seiner Ecke heraus, verteidigt sich vehement.

Die Fausthiebe gegen Obama sitzen

Rein rhetorisch gelingt ihm das auch: Obama kommt leidenschaftlich und sehr sicher rüber – doch die Fakten können nun einmal nicht darüber hinwegtäuschen: diese vergangenen vier Jahre waren nun wirklich nicht die besten für das Land. Obama ist tatsächlich nicht gelungen, wie vor vier Jahren versprochen, das Haushaltsdefizit zu halbieren, und die Arbeitslosenquote in den USA auf rund fünf Prozent zu drücken. Insofern hat es Romney leicht mit seinen Attacken, seine Fausthiebe gegen Obama sitzen. Punktvorteil für Romney, was das Thema Innenpolitik betrifft.

Romneys „sketchy deal“

Obama wirft Romney mehrfach vor, die Unwahrheit zu sagen. Romney verdrehe die Tatsachen, etwa in der Energie- und Sozialpolitik. Ständig ändere Romney zudem seine Meinung – mal sei er für grüne Jobs, mal für mal gegen neue Kohlekraftwerke, dann wieder wolle er Bildung fördern, gleichzeitig aber sei er der Meinung, mehr Lehrer würden keine neue Jobs schaffen. Romney Plan, Steuern zu senken und gleichzeitig das Defizit abzubauen, bezeichnete Obama als einen ziemlich „sketchy deal“, also einen ziemlich faulen Handel. So einen Handel würde Romney selbst nicht eingehen, wenn er denn noch ein Unternehmer wäre. Punktvorteil für Obama. Denn tatsächlich geht Romneys Plan so nicht auf.

„Ich bin der Präsident“

Richtig aggressiv, ja fast wütend, wird Obama dann, als Romney ihm vorwirft, er habe den Terrorangriff auf das US-Konsulat in der libyschen Hauptstadt Benghasi im September heruntergespielt, bei der auch vier Amerikaner ums Leben kamen. „Ich bin der Präsident.  Und ich bin immer zuständig“, sagt Obama. „Was Romney hier macht, ist ziemlich offensiv“, wies Obama Romneys Attacke auf eine zu späte und falsche Informationspolitik der US-Regierung mit einem sehr ernsten, fast ärgerlichen Gesicht zurück. Punktvorteil für Obama.

Die erste Debatte hatte Romney klar für sich entschieden. In diesem Duell hatten beide Kandidaten ihre Stärken. Obama scheint tatsächlich viel trainiert zu haben in den vergangenen drei Tagen. Aber er wirkte auch wacher, etwas von seiner früheren Leidenschaft war zu spüren. Romney wirkte noch aggressiver als bei der ersten Debatte. Was mich immer wieder wundert ist, warum niemand Romney fragt, wie er erstens diese 12 Millionen Jobs schaffen will, die er verspricht – doch nicht etwa mit Regierungsgeldern –und zweitens:  wenn er so wenig vom Staat hält, von Regierung an sich, wieso will er dann unbedingt Chef einer Regierung werden? Schade, dass keiner der Wähler im Publikum diese Fragen gestellt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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