Obama oder Romney? Die Wahl zwischen Teufel und Belzebub

Am besten kommt US-Präsident Barack Obama immer noch rüber, wenn er selbst an der Basis kämpft. Am Wochenende trieb sich der Präsident bei einer seiner freiwilligen Kampftruppen herum, die Amerikaner unbarmherzig mit Telefonanrufen traktieren. Wie beim schönsten Verkaufsgespräch versuchen sie, wen immer sie an der Strippe haben, davon zu überzeugen, auf jeden Fall bei der Präsidentschaftswahl am 6. November für den Demokraten zu stimmen.

Nun schnappte sich der Präsident mal selbst den Telefonhörer und klingelte bei „Lieschen Müller“ an. „Hi“, spricht er da keck in den Telefonhörer: „Hier ist Barack Obama – wie geht’s denn so?“ (Stellen wir uns mal eine Sekunde  unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel  in so einem Wahlkampf-Call-Center vor: „Guten Tag, hier ist Angela Merkel…wie geht’s Ihnen denn so?“) Der Amerikaner am anderen Ende der Strippe, glaubte auch eher an einen Scherz als daran, dass da wirklich der Präsident am Hörer war: „Barack Obama – echt?“, fragte da einer ziemlich ungläubig.

Auf zum nächsten Spektakel

Mal sehen, ob Mr. President bei der zweiten Debatte auch so keck und frisch wie in seinem Wahlkampf-Call-Center auftritt. Einen Vorteil hat der nächste öffentliche Schlagabtausch mit Herausforderer Romney für Obama: es findet in der Form eines „Townhall-Meetings“ statt. Ausgewählte Bürger dürfen Fragen an den Präsidenten und den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner stellen. Es wird also nicht allein ein Rededuell zwischen den beiden Kandidaten sein, sondern so etwas wie eine Diskussion mit dem „Mann auf der Straße“: das kann Obama ja ganz gut, er hat einen direkten Draht zum Bürger, kann sein Gegenüber mit seiner offenen Art schnell für sich gewinnen. Der spröde Romney muss aufpassen, dass er sich nicht wieder mit allzu steifen, missverständlichen Aussagen selbst in die Pfanne haut.

Immerhin – nach der ersten TV-Debatte sind die Republikaner endlich mal begeistert von ihrem Kandidaten, wie eine neue Umfrage der „Washington Post „und dem TV-Sender ABC zeigt. Denn vielen Republikanern fiel es bisher schwer, sich für den 65-jährigen Multimillionär und Mormonen wirklich zu begeistern. Nach der Debatte, bei der sich Romney aggressiv, schlagfertig und bestens vorbereitet im Streit mit US-Präsident Obama zeigte, haben die Republikaner endlich einen Grund für Romney zu stimmen und nicht nur gegen Obama.

Vor der ersten TV-Debatte gaben weniger als die Hälfte der Republikaner an, sehr enthusiastisch für Romney zu sein. Jetzt ist die Zahl der Republikaner, die begeistert über ihren Kandidaten sind auf 59 Prozent gestiegen.

Interessant  ist, dass weder die Anhänger der Republikaner noch die Anhänger Obamas so richtig optimistisch sind, wenn sie danach gefragt werden, wie sie denn die Arbeit ihres Präsidenten sehen nach der Wahl. Die Mehrheit auf beiden Seiten fürchtet, dass ihr Präsident Amerika in den nächsten vier Jahren im Weißen Haus nicht richtig lenken wird können. 56 Prozent der Obama-Anhänger gaben an, sie seien besorgt darüber, wie Obama weitere vier Jahre führen werde. Dasselbe sagten 52 Prozent über Romney. Die „Washington Post“ beschreibt diese Gemütslage der Amerikaner sehr treffend als Wahl zwischen dem Teufel, den du kennst, und dem Teufel, den du nicht kennst.

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