Die Kurse steigen, das US-Staatsdefizit auch

Die US-Notenbank stützt die US-Konjunktur mit Milliarden. Die Kurse steigen, das US-Staatsdefizit auch.

Kaum hatte Ben Bernanke am Donnerstag verkündet, die amerikanische Wirtschaft mit einem neuen Milliarden-Kauf-Programm stützen zu wollen, da kletterten auch schon die Kurse. Wall Street legte eine regelrechte Rallye hin. Der Dow-Jones-Index legte um 206,51 Punkte zu und schloss bei 13.539,81 Zählern, dem höchsten Stand seit Dezember 2007. Auch die Kurse an der Technologiebörse Nasdaq stiegen um 41,52 Punkte auf 3.155,83 Zähler. Mal sehen, wie lange das Kursfeuerwerk anhält.

Immerhin, das, was die US-Notenbank da angekündigte, hat es wirklich in sich: Monatlich will die FED 40 Milliarden Dollar Hypothekenkanleihen kaufen – auf zunächst unbegrenzte Zeit. Außerdem will sie die Leitzinsen in der Nähe der Null-Marke bis mindestens Mitte 2015 beibehalten. Die Stimuli in Milliardenhöhe sollen endlich die Arbeitslosenquote senken, die bei 8,1 Prozent stagniert. Ganz schön mutig, Mr. Bernanke, die Geldmaschine erneut anzuwerfen. Die bessere Prognose für den Arbeitsmarkt lieferte der amerikanische Notenbank-Chef gleich schon mal mit. Rechnete der Fed-Chef vor wenigen Monaten noch mit einer Verschlechterung am Arbeitsmarkt, sieht plötzlich alles besser aus. Bernanke rechnet mit einem Rückgang der Arbeitlosenquote auf 6,7 bis 7,3 Prozent bis 2014. Zuvor lag die Prognose bei 7,0 bis 7,7 Prozent. In 2015 soll die Quote sogar auf 6,0 bis 6,8 Prozent sinken.

So ziemlich untergegangen ist im Getöse um die Fed-Entscheidung eine andere Meldung vom US-Finanzminsterium: Das Defizit im US-Haushalt wächst weiter. Im August hat es um 191 Milliarden Dollar zugenommen und verharrt damit seit vier Jahren über der Marke von einer Billion Dollar. In jedem Jahr seiner Amtszeit hatte es US-Präsident Barack Obama also mit einem Billionen-Defizit zu tun. Sein Herausforderer bei der Präsidentenwahl im November, Mitt Romney, wirft ihm immer wieder vor, nicht genug getan zu haben, um das Defizit abzubauen. Die neuen Zahlen aus dem Finanzministerium geben ihm wieder neuen Stoff für Kritik. Die positiven Signale der FED drohen schnell wieder zu verpuffen, das Kursfeuerwerk an der Börse auch.

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