Obama und das Öl

Mit der Öl-Industrie ist es wie mit den Finanzfirmen. Sie versprechen vieles und halten wenig: aus Krisen lernen? Ach, was. Ein paar nette Werbefilmchen, in denen Besserung gelobt wird, doch im Tagesgeschäft geht’s weiter wie vorher – und die Politik guckt zu.

US-Präsident Barack Obama ist offenbar so sehr darauf fixiert, Amerika unabhängiger von Öl-Importen zu machen, dass er es mit der Sicherheit von Öl-Bohrungen nicht so genau nimmt. Dem holländischen Öl-Unternehmen Royal Dutch Shell erlaubte die US-Regierung Ende August vor der Nordwestküste Alaskas nach Öl zu bohren. Schließlich locken neue Öl-Quellen: die US-Behörden vermuten in der arktischen Tschuktschensse und der Beaufortsee rund 26 Milliarden Barrel Öl und 3,68 Kubikmeter Erdgas. Wer will sich da mit aufwändigen Schutzmaßnahmen vor Öl-Kastastrophen aufhalten?

Die Öl-Katastrophe am Golf von Mexiko im Jahre 2010 ist offenbar längst vergessen.  Im April 2010 waren nach der Explosion der BP-Ölplattform „Deepwater Horizon“ elf Menschen ums Leben gekommen. Zwischen vier und fünf Millionen Barrel Öl flossen ins Meer und verschmutzten Teile der Küsten in fünf US-Bundesstaaten.

Nun stoppt Shell selbst die umstrittenen Probebohrungen vor der Küste Alaskas. Umweltorganisationen hatten die Bohrungen kritisiert, da offenbar keine Notfallpläne  für den Fall einer Ölpest vorlagen. Ein Spezialschiff zur Bekämpfung von Leckagen sei auch nicht in der Nähe des Bohrlochs stationiert. Die Umweltschützer waren es aber nicht, die Shell zum Stopp der Bohrungen zwangen, sondern die Natur. Meeres-Eis bewege sich auf das Bohrschiff zu, hieß es bei Shell. Als reine Vorsichtsmaßnahme seien deshalb die Bohrungen gestoppt worden – vorübergehend. Der Winter ist bekanntlich lang im Norden. Glück gehabt, Mr. President. Eine weitere Öl-Katastrophe würden die Wähler sicher nicht verzeihen.

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