Romney, der geheimnisvolle Präsidentschaftskandidat

Mitt Romney beweist Mut – er wagt einen Wahlkampfauftritt bei schwarzen Bürgerrechtlern. Die Buhrufe werden Romney noch lange in den Ohren schallen.

Es war klar, dass Romneys Auftritt bei der Nationalen Vereinigung für die Förderung von Farbigen (NAACP) in Houston, eine der stärksten schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA, kein Heimspiel wird – aber, dass es so schlimm wird, hat er wohl selbst nicht gedacht.

Aber der Mormone Romney ist Ablehnung gewöhnt. Der Auftritt in Houston muss ihn an seine Missionszeit in Frankreich in den 70er Jahren erinnert haben. Damals lief er von Haus zu Haus, um den Franzosen die Botschaft Jesu Christi zu verkünden, und sie gleich auch noch davon zu überzeugen, auf ihren geliebten Wein zu verzichten. Denn bei den Mormonen ist Alkohohl tabu. Man kann sich vorstellen, wie viele neue Mormonen-Anhänger Romney in Frankreich gewonnen haben mag, und wie viele ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen haben.

Was will Romney denn nun eigentlich besser machen?

Obwohl ihn die harte Schule in der Missionszeit abgehärtet haben muss, machten den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner die Buhrufe der Schwarzen bei seiner Wahlkampfrede doch zu schaffen, das war im anzusehen. Nun, ja – vor den Schwarzen, die 2008 zu über 90 Prozent ihre Stimme an Barack Obama gegeben haben, war es auch taktisch unklug, die ganze Zeit über Obama herzuziehen anstatt zu sagen, was er denn nun genau vorhat. Vage Aussagen wie: „ich werde jedes soziale Programm, was zu viel kostet und nichts bringt, streichen“  – so was kann ja nicht gut ankommen bei dieser Wählerklientel. Wieder hackte Romney auch auf der Gesundheitsreform von Obama herum – dabei sind es die Schwarzen, die viel dafür gekämpft haben, dass mehr Amerikaner – vor allem arme Farbige – eine Gesundheitsversorgung bekommen.

Romney trifft es in diesen Tagen wirklich knüppeldick. Wieder hagelt es Kritik wegen seiner Tätigkeit bei der Investmentfirma Bain. Die US-Zeitung Boston Globe will herausgefunden haben, dass Romney Bain Capital erst im Jahr 2002 verlassen habe – drei Jahre später als er öffentlich behauptet habe.

Prompt bezeichnete Obamas Wahlkampfteam Romney als den „geheimnisvollsten Präsidentschaftskandidaten seit Richard Nixon, der nach der Watergate-Affäre zurücktreten musste. Es werde Zeit, dass Romney mehr Transparenz zeige, damit sich die Amerikaner ihre eigene Meinung über seine Motive und seine Bilanz bilden könnten, sagte Obama-Wahlkampfteam-Sprecherin Stephanie Cutter. Womit sie wohl Recht hat.

Bob Bauer, ebenfalls aus Obamas Wahlkampfteam, deutete an, Romney könnte mit der US-Börsenaufsicht Probleme bekommen, denn er habe stets behauptet nach 1999 keine Kontakte mehr mit Bain Capital gehabt zu haben. Welche juristischen Konsequenzen das haben könnte, sagte er allerdings nicht.

Romney wies die Anschuldigungen zurück. Der Artikel sei falsch, hieß es aus Romneys Wahlkampfteam. Dem Bosten Globe zufolge war Romney aber noch Eigner von Bain Capital, bevor er 2002 Gouverneur von Massachussetts geworden sein. Aufschlussreich ist, was Fortune und Washington Post über den Fall Bain zu berichten haben. Keine Dokumente, die vorliegen, zeigten, dass Romney tatsächlich noch nach 1999 operational tätig war für Bain – was wiederum nicht heißt, dass er nicht noch rechtlich oder finanziell mit der Firma verbunden ist.

Mehr Transparenz, bitte, Mr. Romney

Romney muss trotzdem für mehr Transparenz sorgen. Denn irgendwann, irgendwie kommt sowieso alles ans Tageslicht. Warum druckst der erfolgreiche Geschäftsmann mit der Offenlegung seiner Finanzen so herum? Die Amerikaner wollen wissen, warum ihr Präsidentschaftskandidat in der Schweiz und wo vielleicht noch ein Konto hat – er ist jetzt nicht mehr der reine Geschäftsmann – er ist eine öffentliche Person, für diese gelten andere Regeln in Amerika. Macht er so weiter, wird sich sein Manager-Erfolg beim Kampf um Wählerstimmen noch zu einem Nachteil gegenüber Obama entwickeln anstatt zu einem Vorteil. Was bleibt Romney dann noch übrig, um im Kampf gegen Barack Obama um das Weiße Haus zu kämpfen?

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Das kann ich alles so nachvollziehen, aber Romney macht es doch schliesslich wie die Piratenpartei bei uns. Er sagt, dass er dagegen ist aber wofür er eigentlich steht, weiss man nicht. Als Gründer von Bain Capital ist er auch aus meiner Sicht alles andere als eine Vertrauensperson. Bain ist eine Venture Capital-Gesellschaft, deren Ziel es ist Gewinne um jeden Preis zu erzielen. Mit Moral hat deren Geschäft absolut nichts zu tun! Bloss keine falschen Details über seine Person und auch nicht zu programmatisch werden, möglichst immer im Ungewissen bleiben. Da kann man sich mit Widerspruch schliesslich schon einiges verderben. Am besten für alles stehen, viel reden und dabei möglichst nichts sagen, schon garnicht wie es seiner Auffassung nach möglicherweise besser werden könnte.Neue volkswirtschaftliche Erkenntnisse kann man jedenfalls von einem solchen „Wirtschaftsexperten“ kaum erhoffen.

  2. Frau Hennersdorf, kommen Sie in die USA und berichten Sie
    anschliessend ueber die beiden Kandidaten. Nicht einfach so
    ‚runterschreiben.
    Der Kommentar von Herrn Bohlen ist so flach, das ist ja nicht
    einmal gute Selbstdarstellung.