Stolz im Steuerparadies

Mitt Romney macht Ferien und prompt prasselt Kritik auf ihn ein. In Steuerparadiesen soll Romney sein Geld vermehren. Ja, wo denn sonst? Auf dem Sparbuch vielleicht?

Es ist ruhig an diesem 4. Juli in New York City. Leergefegt sind die Straßen, menschenleer die U-Bahnen. Die Amerikaner feiern ihren Unabhängigkeitstag. Am Abend gibt’s am Hudson River wieder das alljährliche von der Kaufhauskette Macy’s gesponsorte Feuerwerk – und den Rest der Woche nehmen die Amerikaner auch gleich frei. Es ist eh viel zu heiß, um zu arbeiten. Eine Hitezwelle plagt das ganze Land.

Präsident Barack Obama hält an diesem hohen Feiertag brav im Weißen Haus in Washington die Stellung, während die Nation im Garten oder am Strand chillt, und bürgert 25 Einwanderer mit großen pathetischen Worten ein. „I could not be prouder to be among the first to greet you as my fellow Americans”, flötete Obama.

Für den Republikaner Romney ist es in letzter Zeit nicht so lustig. Kaum hat er seine Großfamilie inklusive 18 Enkeln in seinem schönen Ferienanwesen am Lake Winnipesaukee in Wolfsboro, New Hampshire, um sich versammelt, da hagelt es an Kritik  – aus den eigenen Reihen!

Medienzar Rupert Murdoch drischt auf Romneys Wahlkampfteam ein – das sei unprofessionell. Wenn Romney die nächste Präsidentschaftswahl gewinnen wolle, müsse er sich von diesen Amateuren trennen, twitterte Murdoch. Er TWITTERTE das! Management-Legend Jack Welch, Ex-CEO von General Electric, gab Murdoch prompt recht.

Schon komisch diese alten Herren. Da treffen sie Romney vor ein paar Tagen persönlich, machen schön auf Männchen und innige Freundschaft und dann fallen sie ihrem Favoriten für die Präsidentschaftswahl im November per Twitter in den Rücken – das ist nicht die feine englische Art.

Ist ein Schweizer Bankkonto unethisch?

Derweil will das US-Magazin Vanity Fair herausgefunden haben, dass Romney sein Vermögen hauptsächlich in Steueroasen wie den Kaimaninseln vermehrt. An mindestens zwölf von 138 Fonds seiner 1984 gegründeten Firma Bain Capital sei Romney beteiligt, berichtet das Magazin. Sein Reichtum erziele Romney mit einem unübersichtlichen Netz von Investitionen im Ausland. Die Kollegen berichten auch, Romney besitze ein Bankkonto in der Schweiz. Auf dem Konto sollen laut seiner Steuererklärung aus dem Jahre 2010 rund drei Millionen Dollar liegen.

Warum nur all die Aufregung? Romney hat ein geschätztes Vermögen von 250 Millionen Dollar. Soll er das auf dem Sparbuch parken? Ist ein Konto in der Schweiz ein Verbrechen? Solange der Mann seine Steuern zahlt, sei ihm sein Vermögen gegönnt – seit wann ist Geld verdienen in Amerika unethisch?

Stets versicherte Romney, er würde seine Konten im Ausland nicht nutzen, um in den USA weniger Steuern zahlen zu müssen – selbst das wäre, mit Verlaub, wohl auch sein Recht. Sicher, es mutet komisch an, dass der Republikaner so ein Geheimnis um sein Vermögen macht, wo und wie er es anlegt. Er ist als Präsidentschaftskandidat der Öffentlichkeit eben mehr Rechenschaft über bestimmte Angelegenheiten schuldig, als etwa der Goldman-Sachs-CEO. Vor allem, weil Romney selbst immer den rechtschaffenen Patrioten rauskehrt, der alles daran setzen will, um Amerika wieder zu Wohlstand und Wachstum zu verhelfen, wird seinem Handeln besonderes Augenmerk zuteil.

Romney nimmt’s gelassen. Er düst an seinem Ferienort mit seiner Frau Ann fröhlich winkend mit dem Jetski über den See, nimmt an der 4.-Juli-Parade in dem kleinen Städtchen Wolfsboro teil und lässt sich seinen Stolz und Optimismus nicht nehmen. „An diesem Tag feiern wir unseren Amerikanischen Optimismus… und die besten Tage von Amerika liegen erst noch vor uns“, lässt er verlauten. Na ja, ich wäre da ja vorsichtiger an seiner Stelle. Seine besten Tagen könnten gezählt seien – vor allem, wenn es so weiter geht mit der Kritik aus den eigenen Reihen.

 

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