Romney ruft zum Retreat, Obama geht auf Schwulenfang

Mitt Romney, designierter Präsidentschaftskandidat der Republikaner mag es gern, wenn es familiär und privat zugeht – auch mitten im Wahlkampf. Zu einem Retreat in die einsamen Berge nach Utah lud Romney am vergangenen Wochenende seine Anhänger – um die 700 kamen. Dabei gewesen sein sollen überwiegend Banker und Unternehmer. Wer genau ins Skiparadies Park City reiste, hielt Romney allerdings geheim – schämt er sich etwa seiner Klientel?

Nun ja, einige, die bei dem illustren Treffen dabei waren, outeten sich freiwillig wie etwa David Reinke vom IT-Zulieferer Liberty Parts oder Restaurant-Besitzer Ray Washburne. Die beiden Unternehmer hofften nicht nur auf ein tete-à-tete mit dem Obama-Herausforderer (wozu es nicht kam), sondern vor allem darauf, mehr darüber zu erfahren, was Romney zu wichtigen Fragen wie der Finanzmarktregulierung oder den Schuldenabbau zu sagen hat. Aber auch diese Erwartung wurde enttäuscht. Er habe auf diesem Treffen nichts erfahren, was er nicht schon vorher gewusst habe, sagte etwa Reinke nach dem Treffen ziemlich enttäuscht.

Romney geht’s um’s Geld

Romney ging’s bei dem Treffen auch gar nicht um das Große und Ganze, sondern hauptsächlich um eines: um das liebe Geld. Er forderte seine gut betuchten Anhänger auf, mehr Geld für seine Wahlkampagne zu spenden; Spendenkärtchen wurden verteilt, auf denen die Anwesenden ihre Namen und den Betrag, den sie spenden, notieren sollten. Immerhin soll Ex-Außenministerin Condoleeza Rice für etwas Leben gesorgt haben bei der schnöden Geldsammelei – sie wenigstens griff Obama scharf an: der U.S-Präsident, so Rice, würde Amerika nicht verstehen.

Während Romney seine Anhänger zu seinem klandestinen Treffen in die Berge lockte, waren Obamas Wahlkämpfer am selben Wochenende auf Schwulenfang in New York und Chicago unterwegs. Dort fanden am vergangenen Sonntag die alljährlichen Schwulen- und Lesbenparaden statt. Zehntausende Amerikaner sind da auf den Straßen – also geradezu ideal um auf Stimmenfang zu gehen.

Ohne persönliches Engagement gibt’s keinen Obama-Button

Obamas Wahlkampfstrategen schickten Hunderte junge Stimmenfänger an diesem heißen Sonntag in den Straßenkampf. Sie liefen mit auf den Paraden und schmetterten Slogans wie „Vier weitere Jahre!“ In New York verteilten sie Sticker mit der Aufschrift: LGBT for Obama (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender für Obama). Die Gay-Community ist Obama wohl gesonnen. Dankbar ist sie vor allem darüber, dass Obama sich nun doch endlich für die Homosexuellen-Ehe ausgesprochen hat.

Die Gay-Paraden bieten den Obama-Strategen aber auch genug Zeit, die Leute direkt anzusprechen: schließlich gibt es nichts anderes zu tun den ganzen lieben Sonntag, als der Parade zuzuschauen – möglichst von einem schattigen Plätzchen aus; da lässt sich der eine oder andere gern nebenbei gleich als Wähler registrieren – Obama-Jünger halten Stift und Formular bereit. Und nicht nur das: sie trommelten auch bei der schwulen Klientel an, um sie als freiwillige Wahlkämpfer für Obama zu gewinnen, die dann in ihren Gemeinden auf Stimmenfang für Obama gehen sollen – per Telefon, per Internet, Twitter, Facebook oder einfach von Tür zu Tür. Ohne Zusage, sich persönlich für Obama auf irgendeine Art zu engagieren, gab es auf der New Yorker Gap Pride Parade jedenfalls keinen hellblauen LGBT-for-Obama-Button, auf den viele ziemlich scharf waren.

In Utah versammelt Herausforderer Romney seine Anhänger, um sie zu mehr Spenden aufzurufen, in den amerikanischen Metropolen geht Obama mit einfachen Buttons auf Stimmen- und Freiwilligenjagd – unterschiedlicher kann ein Wahlkampf kaum sein.

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