{"id":5197,"date":"2021-09-20T19:13:28","date_gmt":"2021-09-20T17:13:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=5197"},"modified":"2021-09-21T10:00:07","modified_gmt":"2021-09-21T08:00:07","slug":"ein-plan-der-aufgeht-ein-doofer-plan-der-ironman-austria-in-klagenfurt-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2021\/09\/20\/ein-plan-der-aufgeht-ein-doofer-plan-der-ironman-austria-in-klagenfurt-2021\/","title":{"rendered":"Ein Plan, der aufgeht. Leider kein ganz schlauer Plan. Der Ironman Austria in Klagenfurt 2021"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5196\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2021\/09\/IMG_4256.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5196\" class=\"wp-image-5196 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2021\/09\/IMG_4256-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2021\/09\/IMG_4256-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2021\/09\/IMG_4256-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2021\/09\/IMG_4256-400x300.jpg 400w, https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2021\/09\/IMG_4256.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5196\" class=\"wp-caption-text\">Copyright F. H\u00f6llersberger<\/p><\/div>\n<p>Ich hatte mich verlaufen. Es war dunkel, es regnete. Meine Stirnlampe, die mir vor den zweiten 21km von einem Helfer in die Hand gedr\u00fcckt wurde, reichte nicht, um den Richtungspfeil auf dem Boden zu beleuchten. Und der Streckenposten hielt mich nicht auf, als ich irrt\u00fcmlicherweise rechts abbog. Er diskutierte mit einem Autofahrer, der \u00fcber die Laufstrecke des Ironman in Klagenfurt fahren wollte. Vor mir: Kein L\u00e4ufer in Sichtweite. Hinter mir: Ein w\u00e4rmender Hauch eines Verfolgers im Nacken w\u00e4re mittlerweile willkommen gewesen. Da war nur niemand. Zum Gl\u00fcck kenne ich die Strecke gut und konnte mit nur einem kleinen Umweg auf die offizielle Strecke zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Da kam er auf einmal auf mich zu: Demeter Dick aka Triathlondog. Es muss gegen 20:30 gewesen sein. Dank des Niederschlags und der fortgeschrittenen Stunde war die Strecke verwaist bis auf ein Gr\u00fcppchen Kinder, die das sehr feierten, dass da noch Athleten kamen, dunkle Gestalten mit Licht auf der Stirn. Er h\u00e4tte mich in der App verfolgt, sagte Demeter und ich sei nicht da rausgekommen, wo ich h\u00e4tte rauskommen sollen, er sei eine Extra-Runde schnell gedreht, um mich zu finden. Wer Demeters unvergleichliches Geschick kennt, sich von der Toilettent\u00fcr bis zur Sch\u00fcssel zu verlaufen, muss einfach schmunzeln.<\/p>\n<p>Er hatte einen Schirm dabei, spannte ihn auf, damit er twittern konnte. Ich war da gerade ein wenig am Laufen, bevor ich wieder eine Gehpause einlegen wollte. Er fragte, wie es mir ginge. Ich antwortete sinngem\u00e4\u00df: \u201eEs ist alles nach Plan verlaufen, der Plan ist halt Mist.\u201c<\/p>\n<p>Der grobe Plan f\u00fcr den Ironman Klagenfurt 2021 war: Ankommen. Der Plan sah im Detail vor: Entspannt schwimmen. Hat super geklappt, wegen der geringeren Anzahl an Athleten war Platz im Wasser, ich konnte ganz entspannt ziehen und kam dann zu meiner eigenen \u00dcberraschung mit einer passablen Zeit aus dem Wasser. Danach wollte ich die Radfahrt genie\u00dfen und der traumhafte Kurs gab alles: Tolle Kulissen, schnelle Passagen, sch\u00f6ne Abfahrten, zerm\u00fcrbende Anstiege. Das Finale sollte sein, die 42km zu absolvieren. \u201eHinw\u00fcrgen\u201c war mein bevorzugter Ausdruck vor dem Rennen.<\/p>\n<p>Dass es langsam werden w\u00fcrde \u2013 das war klar. Wer seit Mai wegen Schmerzen in den F\u00fc\u00dfen keine 200km gelaufen ist, f\u00fcnf Kilo Corona-Orden auf der H\u00fcfte tr\u00e4gt, darf nichts erwarten. Leider kam noch dazu, dass sich der leichte Schmerz im Au\u00dfenband des rechten Knies auf dem Fahrrad beim Laufen nicht einfach in Wohlgefallen aufl\u00f6ste. Der erste Gedanke an Aufgeben kam mir in der Wechselzone als ich zum Laufkurs humpelte.<\/p>\n<p>Aber ich kann solche negativen Gedanken einfacher erschlagen als eine M\u00fccke mit blo\u00dfen H\u00e4nden. Also Pragmatismus an: Erstmal loslegen und Probleme l\u00f6sen, wenn sie da sind. Sprich \u2013 wenn der Schmerz unertr\u00e4glich werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wurde er dann nicht, aber auch erst nach gut 20 Kilometer hatte sich mein K\u00f6rper dran gew\u00f6hnt. Ein wenig Laufen, ein wenig gehen. Kein Kilometer am St\u00fcck gelaufen, sp\u00e4ter stramm marschiert. Und gen Ende ein wenig mehr gelaufen, gar ein klein wenig fixer, als Demeter mich einige Meter begleitete, man will ja nicht lahm wirken. Jaja, lachen Sie nur.<\/p>\n<p>Das war eine sehr sch\u00f6ne \u00dcberraschung und so machte ich mich weiter auf den Weg, gute 90 Minuten warteten noch auf mich. Da kann man vieles tun, nachdenken, sinnieren, verzweifeln. Ich bin einfach gelaufen und gegangen, das hat gereicht. Der kr\u00e4ftige Regen hatte mich inzwischen durchgeweicht, aber ich mag es eh nicht so gern warm und verschwitzt.Ich bin kein Ponchol\u00e4ufer, \u00e4h, -walker.<\/p>\n<p>So hatte ich dann am Ende die 42km niedergerungen (von Marathon laufen will ich nicht sprechen, das ist etwas anderes) und in sechs Stunden vor allem eines getan: Die Ruhe bewahrt, die gute Laune nicht verloren, sicher gewesen, dass ich das Rennen beenden werde. Das ist mental sicher nicht leicht \u2013 nicht ob all der vers\u00e4umten Trainingsstunden zu verzweifeln, nicht \u00fcber den Schmerz zu schimpfen, nicht \u00fcber dies oder jenes. Oder einfach aufzugeben wegen nerviger Schmerzen, wof\u00fcr jeder Verst\u00e4ndnis gehabt h\u00e4tte. Nicht mein Weg. Meiner ist, stur und z\u00e4h das im Blick zu behalten, worum es mir an DIESEM Tag ging. Denn eines ist klar \u2013 weder Platzierung noch Zeit sind so, dass ich mir das vornehme. Ich kann das besser, das soll sich \u00e4ndern. Aber falsche Eitelkeit wegen der \u201epeinlichen\u201c (Zitat Ende, ich wei\u00df, wie es gemeint war. :-)) Platzierung, hilft niemandem.<\/p>\n<p>Ich war mir sicher, dass ich mein Ziel erreichen kann. Das eine stand im nur noch sp\u00e4rlich gef\u00fcllten daf\u00fcr umso greller illuminierten Stadion und das andere war das Finish f\u00fcr meine Sammlung an Ironman-Rennen, die mich berechtigen, mir irgendwann einmal ein Ticket nach Hawaii zu l\u00f6sen. Ich m\u00f6chte an den Ort, wo der Sport herkommt, dem ich so viele wunderbare Begegnungen und Erlebnisse zu verdanken habe. Kona ist das Ziel. Und dabei werde ich mich nicht verlaufen. Und notfalls auch mal gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte mich verlaufen. Es war dunkel, es regnete. Meine Stirnlampe, die mir vor den zweiten 21km von einem Helfer in die Hand gedr\u00fcckt wurde, reichte nicht, um den Richtungspfeil auf dem Boden zu beleuchten. 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