{"id":4395,"date":"2018-08-09T12:15:30","date_gmt":"2018-08-09T10:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=4395"},"modified":"2018-08-27T10:22:20","modified_gmt":"2018-08-27T08:22:20","slug":"der-norseman-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2018\/08\/09\/der-norseman-2018\/","title":{"rendered":"Der Norseman 2018 &#8211; ich habe mein Bestes gegeben."},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Ich habe mein Bestes gegeben.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wie oft denkt man das? Wie oft sagt man das? Sicherlich eine der Floskeln, die gerade im Sport gerne verwendet werden. Sie kann f\u00fcr eine Best\u00e4tigung der eigenen Leistung verwendet werden, ebenso wie f\u00fcr eine Entschuldigung, warum vielleicht nicht etwas so gut verlaufen ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_4457\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3216.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4457\" class=\"size-thumbnail wp-image-4457\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3216-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3216-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3216-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3216-768x768.jpg 768w, https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3216-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3216.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4457\" class=\"wp-caption-text\">Also, eigentlich kann ich am besten Unsinn&#8230; Treehugging zur Einstimmung in Eidfjord<\/p><\/div>\n<p>Aber was ist das eigentlich &#8222;mein Bestes&#8220;?<\/p>\n<p>Diese Frage stellte ich mir vergangenen Samstag irgendwo zwischen Eidfjord und Austbygde, w\u00e4hrend ich strampelte, um die 180 Kilometer Radstrecke des<a href=\"https:\/\/www.nxtri.com\"> Isklar Norseman Xtreme Triathlon<\/a> mit ihren f\u00fcnf gr\u00f6\u00dferen Anstiegen zu bew\u00e4ltigen. Was ist es, was mich dazu bef\u00e4higt, zun\u00e4chst einen Anstieg von 27 Kilometer Distanz mit teils mehr als 10 Prozent Steigung zu bew\u00e4ltigen?<\/p>\n<p>Was ist das Beste, was ich zu bieten habe, um ein Ziel zu erreichen?<\/p>\n<p>In den 14:42:53, die ich nach dem Signalhorn-Sto\u00df der F\u00e4hre um 5:00 brauchte, um die Bergstation des Gaustatoppen in 1850 Metern H\u00f6he zu erreichen, kamen mir die ersten Ideen, was es wohl sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich bewahre die Ruhe<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_4461\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3360.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4461\" class=\"size-thumbnail wp-image-4461\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3360-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4461\" class=\"wp-caption-text\">Halb zwei am Wettkampftag. Das Team hat alles im Griff. Bis auf den Schl\u00fcssel.<\/p><\/div>\n<p>Es muss gegen 1:45 am Wettkampftag gewesen sein. 15 Minuten bevor wir von unserem Basislager 40 Minuten Autofahrt vom Startort Eidfjord entfernt aufbrechen wollten, als Marcel der Autoschl\u00fcssel auf den Boden fiel. Marcel fuhr das Auto w\u00e4hrend des ganzen Tages aus dem heraus er als &#8222;Support&#8220; mich mit Getr\u00e4nken, Nahrung und notfalls Wechselkleidung versorgen muss. Eine Begleitung ist Pflicht, zwei sind maximal erlaubt. In wei\u00dfen T-Shirts d\u00fcrfen sie dem Athleten Flaschen reichen. Meine Frau Nadine war meine zweite Unterst\u00fctzung (zus\u00e4tzlich zu den Monaten der Unterst\u00fctzung vor dem Rennen). Der Schl\u00fcssel fiel auf der Holzterrasse auf eine der Planken &#8211; und nicht in eine der Ritzen. Ich h\u00e4tte wohl die Bretter heruntergerissen, um im Falle des Falles an den Schl\u00fcssel zu gelangen. Denn sonst w\u00e4re f\u00fcr mich nach 265 Tagen der intensiven Besch\u00e4ftigung mit dem Rennen es schon vor dem Start zu Ende gewesen. Wir w\u00e4ren gar nicht erst hingekommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4458\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3294.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4458\" class=\"size-thumbnail wp-image-4458\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3294-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4458\" class=\"wp-caption-text\">Das ist NICHT die F\u00e4hre, die die Athleten zum Start fuhr.<\/p><\/div>\n<p>Den Schock, den ich f\u00fcr eine Sekunde sp\u00fcrte, hatte ich sofort verdaut. Und nicht eine Kalorie an Energie verbrannt f\u00fcr Aufregung, was h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen. Es ist nicht passiert. Weiter. Ich war wild entschlossen, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.<\/p>\n<p>Am Tag zuvor befand ich mich noch in einem veritablen Panikmodus. Da h\u00e4tte so eine Situation sicherlich f\u00fcr irgendeine Art Reaktion gereicht. Die Sorge, dass ich das Rennen nicht bew\u00e4ltige, sa\u00df tief in mir. Zu steil, zu lang, zu gewaltig die Anstiege. Mehr als 3300 H\u00f6henmeter fuhr ich mit dem Auto am Montag vor dem Rennen in entgegengesetzter Richtung ab. Mit jeder Abfahrt mit Motorbremse war ich mir sicherer, dass ich das nicht in mir habe. Dass ich schieben werde, nachdem die Muskelschmerzen in den Oberschenkeln zu gro\u00df werden, dass ich eine j\u00e4mmerliche Figur abgeben werde. In all den Bem\u00fchungen im Training, die Anstiege zu \u00fcben, habe ich nie eine Strecke gehabt, die so anstrengend war, schlicht, weil sie nicht f\u00fcr mich erreichbar waren. Ich war fast sicher, dass ich den Traum vom Zieleinlauf auf dem Gaustatoppen aufgeben m\u00fcsse. Dort d\u00fcrfen nur 160 von den maximal 250 Teilnehmern hoch &#8211; es gibt zu wenig Kapazit\u00e4t in der Bergbahn, um die Athleten anschlie\u00dfend nach unten zu bringen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4467\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6473.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4467\" class=\"size-thumbnail wp-image-4467\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6473-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4467\" class=\"wp-caption-text\">DAS ist die F\u00e4hre, die uns zum Start fuhr.<\/p><\/div>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich kann Negatives ausblenden<\/strong><\/p>\n<p>Von den Sorgen war nichts zu sp\u00fcren, nach dem wir sicher in Eidfjord gegen kurz vor 3:00 ankamen. Ich blendete sie aus, konzentrierte mich auf die Dinge, die zu tun waren &#8211; und versp\u00fcrte riesige Vorfreude. Rad aufbauen, letztmals die T\u00fcte f\u00fcr die Wechselzone kontrollieren. Eine Schrecksekunde sp\u00e4ter fand meine Frau doch noch die Startnummer, die ich am Vortag eben doch an einer Stelle platziert hatte, wo sie nicht hingeh\u00f6rte. Innerlich war ich schon auf dem Weg zu den Organisatoren, um noch rasch irgendwie eine L\u00f6sung zu finden. Dann war sie doch da, Haken dran, Rad abgeben.<\/p>\n<div id=\"attachment_4459\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3305.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4459\" class=\"size-thumbnail wp-image-4459\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3305-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4459\" class=\"wp-caption-text\">Die Wettkampfparty&#8230;, \u00e4h, -besprechung.<\/p><\/div>\n<p>Zwischen Ankunft und Startschuss lagen zwei Stunden &#8211; eine an Land f\u00fcr die Vorbereitung, der Kontrolle der vorgeschriebenen Beleuchtung und reflektierender Warnweste, damit wir Athleten im normalen Stra\u00dfenverkehr in den Tunneln und auch bei schlechter Sicht f\u00fcr die Autofahrer zu erkennen sein w\u00fcrden. Zur H\u00e4lfte rekelte ich meinen K\u00f6rper in meinen sehr warmen Neoprenanzug, den ich extra f\u00fcr die eigentlich zu erwartenden kalten Wassertemperaturen von maximal 14 Grad Celsius gekauft hatte. Der Sommer 2018 hatte auch vor Eidjford nicht halt gemacht &#8211; das Wasser hatte kuschelige 17 Grad zu Beginn.<\/p>\n<p>Und dann ging es wirklich los. Der Schritt auf die F\u00e4hre, die die 250 Athleten 3800 Meter vom Ziel entfernt transportierte. Ab hier waren wir allein, ohne unsere Crew. Allein mit den Gedanken und \u00c4ngsten. Einige Athleten sa\u00dfen still f\u00fcr sich, andere sprachen miteinander.<\/p>\n<p>Vom warmen Oberdeck trat ich nach drau\u00dfen, um die Szenerie auf mich wirken zu lassen. Der Himmel bedeckt, die Sonne knapp vor dem Ausgehen &#8211; der Hardangerfjord ruhte Still. Wir schoben uns immer weiter weg von Eidfjord. Allein diese Momente &#8211; magisch.<\/p>\n<div id=\"attachment_4445\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8567.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4445\" class=\"wp-image-4445 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8567-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4445\" class=\"wp-caption-text\">Oben Polo, unten Neo. Style muss sein. Auf dem Weg in die F\u00e4hre.<\/p><\/div>\n<p>Das wohl am meisten verbreitete Bild vom Isklar Norseman Xtreme Triathlon ist, wie die Athleten von der Laderampe der F\u00e4hre in den Fjord springen. Da ich als Kind im Schwimmverein von allem m\u00f6glichen heruntergesprungen war, hatte ich zumindest daran einfach nur Spa\u00df. Endlich im Wasser. Gem\u00fctlich zur gut 100 Meter entfernt von Kajaks markierten Startlinie schwimmen und Wasser treten.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich kann Ratschl\u00e4ge annehmen<\/strong><\/p>\n<p>Auf der F\u00e4hre sagte mir ein Teilnehmer der vergangenen Jahre, ich solle besser nah am Ufer schwimmen. Das nahm ich mir ebenso zu Herzen, wie den Rat des sp\u00e4teren Siegers Allan Hovda am Vortag (!), auf keinen Fall zu wenig zu essen im Rennen und nur dann auf Nahrung zu verzichten, wenn man sich &#8222;zu 99 Prozent sicher ist, dass man sonst kotzt&#8220;. Also hielt ich mich rechts, gut 20 Meter vom Ufer &#8211; f\u00fcr mich als traditionell schlecht navigierenden Schwimmer eh ein Segen. Dass ich ein paar Mal \u00fcber dicke Steine schwamm, so dass ich sie ber\u00fchrte &#8211; ein kleiner Preis.<\/p>\n<div id=\"attachment_4449\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8616.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4449\" class=\"size-thumbnail wp-image-4449\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8616-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4449\" class=\"wp-caption-text\">Frisch gebadet (Temperaturen im Fjord zwischen 17 Grad zu Beginn und vlt 12-14 mittendrin wegen der Wasserf\u00e4lle) ging es aufs Rad.<\/p><\/div>\n<p>Das Schwimmen wollte dann nur einfach nicht enden. Anders als alle anderen Wettbewerbe, an denen ich teilnehme, wo Bojen die 3800 Meter in Abschnitte einteilen, geht es beim Norseman wohl 3400 Meter geradeaus. Der Anzug bot mehr Widerstand in den Armen als ich erhofft hatte, die Muskeln schmerzten leicht, es kam mir ewig und ich mir langsam vor. Aber &#8211; was will man machen, man schwimmt. Und, wie sich sp\u00e4ter herausstellte, gar nicht so schlecht.<\/p>\n<p>Nach 1:09,53 stolperte ich an Land an Position 92. Das ist nur wenig \u00fcber meiner Bestzeit auf der Distanz in einem Ironman, die bei 65 Minuten liegt. Marcel hatte seinen ersten Auftritt, eilte zu mir, zerrte mir den Neo vom Bein, reichte mir die Radkleidung, strahlte mich an und sagte, ich l\u00e4ge gut im Rennen. 5 Minuten brauchte ich, um den Radkurs in Angriff zu nehmen. Vorderlicht an, drei R\u00fccklichter anschalten &#8211; auf ging&#8217;s.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich bleibe bei meinem Plan<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar Kilometer konnten wir uns flach einrollen, bevor der erste und gleich l\u00e4ngste und mithin m\u00e4chtigste Anstieg des Tages kam. Teils f\u00fchrte er \u00fcber die alte Stra\u00dfe, die au\u00dfen am Berg vorbeif\u00fchrt, w\u00e4hrend heutzutage die Strecke durch viele Tunnel f\u00fchrt. Ich genoss die Aussicht &#8211; schnell war ich eh nicht, ich sa\u00df sehr aufrecht, denn windschnittig sitzen war nicht das wichtigste f\u00fcr mich bei dem Tempo.<\/p>\n<div id=\"attachment_4468\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6487.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4468\" class=\"size-thumbnail wp-image-4468\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6487-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4468\" class=\"wp-caption-text\">Unterwegs gab&#8217;s auch einen Regenbogen!<\/p><\/div>\n<p>So kurbelte ich mich Meter um Meter nach oben. F\u00fcr das Rennen hatte ich mir extra noch ein Ritzel mit 32 Z\u00e4hnen gekauft, um im \u00e4rgsten Fall noch einen Rettungsring zu haben. Den nutzte ich sofort. Auch wenn damit keine Chance war, notfalls noch einen leichteren Gang einzulegen. Dass mich recht rasch andere Fahrer \u00fcberholten &#8211; das kenne ich, das war zu erwarten. Ich brauchte mir nicht mal vorzunehmen, mich das nicht ber\u00fchren zu lassen &#8211; ich werde in normalen Ironman-Rennen von Myriaden an Radfahrern als Kanonenfutter \u00fcberholt &#8211; das kenne ich, kein Grund die Strategie zu \u00e4ndern: So gut es geht hochzukommen, ohne die Muskeln in den gef\u00e4hrlichen Bereich zu fahren, wo sie \u00fcbers\u00e4uern und irgendwann dicht machen &#8211; das war mein Plan. Mit hoher Trittfrequenz leicht treten &#8211; das bin ich. War ich. Und bleib ich.<\/p>\n<div id=\"attachment_4469\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6492.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4469\" class=\"size-thumbnail wp-image-4469\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6492-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4469\" class=\"wp-caption-text\">Was kann der Athlet wohl wollen? Sportdrink, Iso, Cola. Milchbr\u00f6tchen und Gele.<\/p><\/div>\n<p>Ich konnte nicht ahnen, dass das gar keine so schlechte Strategie ist auf diesem Kurs. Das Beste an mir sind sicher nicht meine Muskelberge. Ich bin kein kraftvoller Radfahrer. Vielleicht mache ich an Begeisterung wett, was mir an Watt fehlt &#8211; schnell macht mich das aber nicht. Dass ich als Hannoveraner mit keiner gro\u00dfen Freude an Bergfahren mich respektabel halten sollte an Anstiegen &#8211; w\u00e4re ich nie drauf gekommen. Meine Erwartung war eher, auch beim Norseman ordentlich Boden zu verlieren nach einem guten Schwimmen. Die wenigen Minuten, die ich auf andere Athleten rausschwimmen kann, reichen nie, um nicht beim Radsplit weit durchgereicht zu werden.<\/p>\n<p>Beim Norseman wurde ich es nicht.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich verliere nie meinen Humor und gute Laune<\/strong><\/p>\n<p>Nach rund 30 Kilometern auf der Radstrecke d\u00fcrfen die Begleitfahrzeuge erstmals Kontakt zu ihren Athleten aufnehmen. Der erste Anstieg ist dann \u00fcberwunden, ich war bereits weit mehr als eine Stunde im Sattel. Neue Gels greifen, die Trinkflaschen austauschen, weiter ging&#8217;s. F\u00fcr mein Team stellte sich jedesmal das Problem einen korrekten Parkplatz zu finden. Allein schon, weil alle anderen Athleten auch mindestens ein Begleitfahrzeug und dazu vielleicht noch weitere Freunde in weiteren Autos dabei haben, achten die Veranstalter peinlich darauf, dass die Verkehrsregeln eingehalten werden. Ein Fehler des Teams bedeutet Strafe f\u00fcr den Athleten &#8211; ohne, dass er es \u00fcberhaupt mitbekommt. Eine hohe Verantwortung, die mein Team gro\u00dfartig gemeistert hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_4450\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8631.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4450\" class=\"size-thumbnail wp-image-4450\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8631-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4450\" class=\"wp-caption-text\">Meine Begleiter hatten Stress wie in Schwabing: Parkplatzsuche.<\/p><\/div>\n<p>Das erste mal diesen Tag \u00fcberholte mich mein Team, Marcel steuerte den Wagen neben mich, meine Frau rief mir meine Platzierung zu. 114.<\/p>\n<p>Ich. 114. Platz! Meine eh gute Laune wurde bef\u00f6rdert. Ich hatte eine Chance. Zuvor war mein Plan klar &#8211; sagt mir die Platzierung, bin ich weit hinten bleibe ich ruhig, bin ich weit vorne, bleibe ich auch ruhig. Nur bei einer Platzierung nah der magischen Grenze von 160 wollte ich \u00fcberhaupt nur einen Gedanken daran verschwenden etwas anderes zu tun als ich tat: Mein Rennen fahren.<\/p>\n<p>Ich gab meine W\u00fcnsche f\u00fcr die n\u00e4chste Versorgung an. Ich hatte mir &#8211; klarer Anf\u00e4ngerfehler &#8211; auf der Hinreise in einem Laufsportgesch\u00e4ft in G\u00f6teburg noch ein neues Pulver mit viel Kalorien besorgt, das ich noch nie ausprobiert hatte. 320 Kalorien in einem halben Liter Fl\u00fcssigkeit &#8211; viel hilft viel, der Chip- und Imbiss-gest\u00e4hlte Magen wird es schon abk\u00f6nnen. Kann auch schief gehen. Ist es aber nicht. Sicher auch wegen der vielen Zeit in aufrechter Position, die H\u00e4nde meist auf den Polstern f\u00fcr die Arme. Sieht nicht schnell aus, aber was soll&#8217;s.<\/p>\n<div id=\"attachment_4451\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8634.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4451\" class=\"size-thumbnail wp-image-4451\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8634-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4451\" class=\"wp-caption-text\">Man f\u00e4hrt vielleicht allein &#8211; aber es ist immer wer da.<\/p><\/div>\n<p>Das Iso, das ich mir zuvor auch gekauft hatte war nat\u00fcrlich kalorienarm &#8211; auch das: typisch f\u00fcr mich, vergriffen im Regal. Ich bestellte bei meinem Team Superdrink und leichtes Iso. Und sp\u00e4ter noch einen Burger mit Pommes.<\/p>\n<p>Ja, wenn man noch Kraft f\u00fcr bl\u00f6de Witze hat, strengt man sich wohl nicht an. Ich kann nicht anders. Der Wille, diesen Tag zu feiern, war so stark &#8211; nichts h\u00e4tte mich von der guten Stimmung abbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich l\u00f6se Probleme, wenn sie auftauchen und male sie mir nicht vorher aus<\/strong><\/p>\n<p>Es gab wunderbare Passagen, in denen ich die einzigartige Landschaft des Nationalparks Hardangervidda genie\u00dfen konnte, ein Regenbogen zu meiner Rechten zauberte mir ein L\u00e4cheln ins Gesicht. Ich war dankbar, das erleben zu d\u00fcrfen. Es n\u00e4herte sich die erste Abfahrt &#8211; die Belohnung f\u00fcr jeden Rennradfahrer &#8211; ein Heidenspa\u00df. Und schnell. Im Laufe des Tages konnte ich auf die Distanz von f\u00fcnf Kilometern mehrfach einen Schnitt von rund 60km\/h halten. Einen Schnitt!<\/p>\n<p>Begeistert und rasend schnell schoss ich entsprechend in einem Moment an meinem Team vorbei, als es wohl gerade den Wagen parkte. Ich sah nicht sie, sie sahen nicht mich.<\/p>\n<div id=\"attachment_4440\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6506.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4440\" class=\"size-thumbnail wp-image-4440\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6506-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4440\" class=\"wp-caption-text\">Dann doch ausgeschlagen &#8211; das Tomatenmark. Zwei Salami allerdings lie\u00df ich mir unterwegs schmecken. Der Mensch lebt nicht vom Gel allein!<\/p><\/div>\n<p>Und das blieb dann auch so f\u00fcr eine Weile. Verabredet war, dass wir uns alle 10 Kilometer abpassen. Nur &#8211; da waren sie nicht. Und dann wieder nicht.<\/p>\n<p>Ich hatte mein Team verloren.<\/p>\n<p>Was tun? Weiterfahren, denn noch war genug Nahrung und Sportgetr\u00e4nk am Rad. Irgendwann neigte sich das dem Ende zu. Und da war noch immer kein Team.<\/p>\n<p>40 Kilometer war ich auf mich gestellt &#8211; aber nicht allein. Zwischendurch fragte ich ein anderes Team, das mir selbstverst\u00e4ndlich, hilfsbereit und mit Freude etwas von den eigenen Getr\u00e4nken abgab und noch ein Gel in die Hand dr\u00fcckte &#8211; ein besonderer Dank an den Mann, der mich fragte &#8222;Banana?&#8220;, zu seinem Auto lief, mich \u00fcberholte und wenig sp\u00e4ter mir zwei Bananen entgegenreckte, von denen ich eine dankbar annahm.<\/p>\n<p>Bis Kilometer 90 bin ich alle Versionen durchgegangen. Unfall des Fahrzeugs. Unfall von Marcel oder Nadine. In mir reifte der Entschluss, mich mit Durchschnorren bis in die Wechselzone zu retten und notfalls barfu\u00df weiterzulaufen. Bei Kilometer 90 in Geilo schnorrte ich mich noch mal durch und bat ein Team, das Race Office anzurufen, damit die Organisation mein Team informieren konnte, dass ich unterwegs sei. Es w\u00fcrde schon gut gehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4435\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3068.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4435\" class=\"size-thumbnail wp-image-4435\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3068-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4435\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;enjoy&#8220;. Habe ich!<\/p><\/div>\n<p>So erfuhren sie, dass ich nicht hinter ihnen in ein Schaf gefahren war (was meine Frau vermutete) sondern weit vor ihnen war (was Triathlet Marcel annahm). Es hat sie dann einige M\u00fche gekostet, mich einzuholen, denn abw\u00e4rts \u00fcberholt man auch schon mal Autos und kommt als Radfahrer gut voran.<\/p>\n<p>Am vorletzten Anstieg hatten sie mich dann wieder und fanden mich unver\u00e4ndert vor: Fr\u00f6hlich kurbelnd. Der bl\u00f6de Scherz, ob das mit dem Burger mit Pommes was l\u00e4nger gedauert habe, lag mir auf den Lippen, ich verkniff ihn mir und war eigentlich nur froh, dass beide gesund waren und ihnen nichts passiert war. Getr\u00e4nkebestellung und auf in den letzten Radabschnitt.<\/p>\n<p>Der letzte Anstieg hoch nach Immingfjell ist zwar nicht l\u00e4nger als der zu Beginn, aber garstiger. Ein Killer.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich kann stur sein<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin ihn hochgekurbelt. Aufrecht sitzend. Kurbeln. Die Serpentinenkurven au\u00dfen fahren, um nicht die steileren Meter im Kurveninneren nehmen zu m\u00fcssen. Ich habe nicht Gas geben &#8211; ich wollte nur nicht langsamer fahren. Eine bestimmte Trittfrequenz f\u00fchlte sich gut an, die bin ich getreten, weil sie nicht weh tat. Nicht mehr, nicht weniger. Das reichte, um einige Fahrer kurz vor Kilometer 150 zu \u00fcberholen &#8211; Johannes rief mir zu &#8222;You&#8217;re a monster&#8220; als an ihm vorbeifuhr. Bin ich nicht. Nur z\u00e4h und stur. Dieser Berg sollte mich nicht bezwingen und es lief ja. Also kurbeln. Kurbeln. Kurbeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_4434\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3062.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4434\" class=\"size-thumbnail wp-image-4434\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3062-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4434\" class=\"wp-caption-text\">Hier eine Fotoerfrischung im langen Text: Das Wasser des Fjordes.<\/p><\/div>\n<p>Wenn mich jemand fragt, wie ich da hoch gekommen bin &#8211; sicher nicht mit Kraft, die ich nicht habe. Meine Wattwerte sind lausig. Aber ich kann lange treten. Wenn es nicht zu anstrengend ist. Habe ich gemacht. Kurbeln, kurbeln, kurbeln. Und das L\u00e4cheln nicht verlieren. Das ist mit das beste an mir: Stur sein. Zuversicht. So lange es geht, geht es weiter.<\/p>\n<p>Eine ewig lange Abfahrt, die mich in den steilen Passagen mit Serpentinenkurven mehr Nerven gekostet hat, als alles andere f\u00fchrte zur Wechselzone. Marcel stand parat, reichte mir meine Laufklamotten.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich bin faul und tue nicht mehr als n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p>Nur noch 25 Kilometer, dann h\u00e4tte ich es geschafft, dachte ich mir. 25 Kilometer ist der Kurs flach &#8211; wenn man eine wellige Strecke entlang eines Fjords als flach bezeichnen will &#8211; danach geht es steil hoch, da darf man gehen, ohne dass es viel Unterschied macht in meiner Klasse. Aber am Anfang: Da muss man laufen. Und das begann sehr ordentlich. Sieben Stunden hatte ich f\u00fcr die Radstrecke ben\u00f6tigt und sicher schon den Gutteil von den 7000 Kalorien verbrannt, die ich am Ende des Tages auf der Sportuhr stehen hatte. Dennoch gelang mir eine anst\u00e4ndige Geschwindigkeit, ohne in die N\u00e4he des Limits zu laufen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4452\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8649.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4452\" class=\"size-thumbnail wp-image-4452\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8649-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4452\" class=\"wp-caption-text\">You never walk alone. Durchh\u00e4nger nach gut 15 Kilometer.<\/p><\/div>\n<p>10 Kilometer passte das auch, dann kamen langsam die ersten Probleme, die ich kenne. Der Magen will nix mehr zu sich nehmen, es ist aber zu warm, um nichts zu trinken. Wasser \u00fcber den Kopf. Und irgendwann ging nix mehr au\u00dfer mir.<\/p>\n<p>Mein Minimalziel f\u00fcr Ironman-Rennen ist, den Marathon zum Schluss nicht zu gehen au\u00dfer in den Versorgungsstationen. Das ist mir beim Norseman nicht gelungen, meine Laune sank. Ich f\u00fchlte mich schlecht, sehnte das Ende bei Kilometer 25 herbei, wo der Zombie Hill mit seinen 10 bis 12 Prozent Anstieg auf mich wartet &#8211; und ich w\u00fcrde gehen d\u00fcrfen, ohne unangenehm aufzufallen.<\/p>\n<p>Meine Frau reichte mir Cola, das einzige, das mir noch so halbwegs den Hals runterkommt in solchen Momenten. Marcel musterte mich, sagte aber nichts. Beide motivierten mich auf ihre Art. Das &#8222;Projekt&#8220; schien auch noch immer nicht in Gefahr &#8211; denn es ging den anderen kaum besser. Vor mir ging Josh, dann ging ich vor Josh\u00a0 , dann wieder Josh vor mir &#8211; wir alle wechselten zwischen Laufpassagen und Gehen. Meinen Laufstil hatte ich verloren, ich trottelte wenn \u00fcberhaupt so vor mich hin und sah so recht keine Notwendigkeit daran etwas zu \u00e4ndern. Ein Blick \u00fcber die Schultern sagte mir, dass keine Heerscharen an L\u00e4ufern mich einzuholen drohten.<\/p>\n<div id=\"attachment_4441\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6511.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4441\" class=\"size-thumbnail wp-image-4441\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6511-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4441\" class=\"wp-caption-text\">Und dann &#8211; dank sturen Schrittes die 7 Kilometer des Zombie Hill hoch: Das Zelt f\u00fcr den Cut off f\u00fcr den Weg hoch zum Gaustatoppen. Die ersten 160 d\u00fcrfen hoch. Angezeigt wird das manuell.<\/p><\/div>\n<p>Dann tat die Cola ihre Wirkung, die Energie kam zur\u00fcck, die Laune wurde besser, die Laufpassagen wurden wieder etwas l\u00e4nger &#8211; ich rettete mich an den Fu\u00df des Zombie Hills. Sieben Kilometer Spitzkehren, die dar\u00fcber entscheiden, ob man nach 32,5 Kilometern unter den ersten 160 Teilnehmern ist, die eine Kontrollstation passieren.<\/p>\n<p>Am Fu\u00df des Zombie Hill war ich 122. Dass mich 38 Athleten leicht t\u00e4nzelnd noch \u00fcberholen w\u00fcrden &#8211; daf\u00fcr fehlte mir die Phantasie.<\/p>\n<p>Endlich gehen. Nicht mehr laufen m\u00fcssen. Das hei\u00dft ja nicht, dass man sich nicht mehr anstrengt. Ich bin gl\u00e4nzend gelaunt in einen Marschrhythmus gewechselt, eine kleine Cola in der Hand und habe mich stramm empor gearbeitet, immer einen Blick f\u00fcr den Gaustatoppen, der so unendlich hoch erschien. Noch so weit. Aber ich wusste &#8211; ich hatte gute Chancen ihn zu sehen. Und in diesen 75 Minuten habe ich mich in \u00dcberholvorg\u00e4ngen von gut f\u00fcnf Minuten an einigen Athleten vorbeigekrochen.<\/p>\n<p>114. Diese Zahl stand an dem Cut-Off Zelt, auf einem Ordner, den eine Helferin immer per Hand weiterschlug, wenn ein Athlet kam. Norseman &#8211; das ist, &#8222;basic&#8220;, wie sie selbst das Schlagwort in der Wettkampfbesprechung verwendeten, die eigentlich viel mehr ein emotionales Get together aller Teilnehmer und ihrer Freunde war inklusive Volkstanz zweier extrem sportlicher junger M\u00e4nner.<\/p>\n<div id=\"attachment_4432\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/FPYK3130.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4432\" class=\"size-thumbnail wp-image-4432\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/FPYK3130-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4432\" class=\"wp-caption-text\">Weitere f\u00fcnf Kilometer sp\u00e4ter der Sicherheitscheck, bevor es den steinigen Wanderweg zum Gipfel auf 1850 Meter geht. Und ein paar Chips.<\/p><\/div>\n<p>Ich ballte die Faust, ich hatte es geschafft, die ersten Tr\u00e4nen dr\u00fcckten hoch. Mich strahlte Renndirektorin Torill Pedersen an. Und gratulierte &#8211; das ganz gro\u00dfe Ziel war erreicht. Ich sagte, dass ich am liebsten schon vor Ort losheulen w\u00fcrde &#8211; und sie nickte fr\u00f6hlich.<\/p>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich kann mich freuen und bin dankbar<\/strong><\/p>\n<p>Norseman &#8211; das ist kein Rennen, sondern ein Erlebnis. Sein Erfinder, der zum zehnten Mal selber teilnahm, wollte keinen Wettbewerb um Pl\u00e4tze, sondern ein Abenteuer. Die Begeisterung der Organisatoren wird nicht mal von denen der Athleten \u00fcbertroffen. Es ist ein Erlebnis, das die Teilnehmer mit ihren Freunden teilen &#8211; Marcel nahm mich in Empfang, ich strahlte ihn an, er strahlte mich an, es blieb noch Zeit f\u00fcr ein Foto, ich bedankte mich zum x-ten Mal an diesem Tag f\u00fcr seine Hilfe.<\/p>\n<p>Und wir traten unseren Weg auf die letzten Kilometer. F\u00fcnf davon verliefen flach, die wir nutzten, uns zu unterhalten und die sagenhafte Landschaft am Fu\u00dfe des Gaustatoppen oberhalb der Baumgrenze zu bewundern. Athleten, die ich am Zombie Hill \u00fcberholt hatte, liefen an mir vorbei. Und es war uns egal. V\u00f6llig egal. Wir wollten genie\u00dfen und taten das.<\/p>\n<div id=\"attachment_4455\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8685.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4455\" class=\"size-thumbnail wp-image-4455\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_8685-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4455\" class=\"wp-caption-text\">So gest\u00e4rkt stapft es sich fast von allein hoch.<\/p><\/div>\n<p>Nach f\u00fcnf Kilometern folgte der Sicherheitscheck, der pr\u00fcfte, ob ich noch genug Verstand beieinander h\u00e4tte, um f\u00fcr die folgende Strecke auch gewappnet zu sein. Wir zeigten unsere Stirnlampen, warme Kleidung f\u00fcrs Ziel, Geld (f\u00fcr Getr\u00e4nke und Essen oben im Ziel, denn so Basic ist der Norseman bis zum Schluss &#8211; der Athlet muss sich um sich selber k\u00fcmmern.)<\/p>\n<p>4500 Meter lagen vor uns. Eine Strecke, die ich flach ohne M\u00fche in unter 25 Minuten laufe. Es sollte uns 1:40 Stunden kosten, um die H\u00f6henmeter \u00fcber die mal dicken Felsen, dann wieder kleinen Ger\u00f6llsteine zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Es war sicher die sch\u00f6nste Phase des Rennens &#8211; anstrengend und so belohnend. Das Hochgef\u00fchl sich den Traum bald &#8211; wenn schon nicht gleich &#8211; erf\u00fcllt zu haben. Die fantastische Aussicht an einem Tag mit tollem Wetter.<\/p>\n<p>Doch mehr als alles andere motivierte mich der Zuspruch der zahllosen Wanderer, die ihren Weg vom Ausflugsziel Gaustatoppen angetreten waren und die ihnen hoch\u00e4chzende Athleten einzeln beklatschten und begl\u00fcckw\u00fcnschten. Familien mit Babys in Rucks\u00e4cken, \u00e4ltere Paare mit Hund an der Leine &#8211; Norweger wandern mit Begeisterung. Ich habe so viel gel\u00e4chelt und mich bedankt, wie wohl an meinen vergangenen 30 Geburtstagen zusammen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4466\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3938.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4466\" class=\"size-thumbnail wp-image-4466\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3938-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4466\" class=\"wp-caption-text\">Und schon 100 Minuten sp\u00e4ter sind die 4500 Meter zur\u00fcckgelegt. Ich bin im Ziel.<\/p><\/div>\n<p>Es wurde immer k\u00e4lter, mehrfach rutschte ich aus, mein Blick stets nach unten gerichtet. Und als meine Frau, die oben auf uns wartete, endlich sehen konnte, dauerte es sicher immer noch 20 Minuten, bis wir oben waren. Jeder Schritt M\u00fchsal und doch Freude &#8211; es h\u00e4tte ewig so f\u00fcr mich weitergehen k\u00f6nnen. Ich wollte nicht ins Ziel, um endlich anzukommen. Ich wollte nur ins Ziel, weil es nun mal dazugeh\u00f6rt, auch anzukommen.<\/p>\n<p>Und dann waren sie da. Die letzten Stufen, die ich aus Videos gut kannte. Die letzten Meter &#8211; ich hatte es geschafft.<\/p>\n<p>Meine Tr\u00e4nen, dich ich im Arm meiner Frau vergoss, h\u00e4tten einen Fjord f\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4431\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/DSC_0258.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4431\" class=\"size-thumbnail wp-image-4431\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/DSC_0258-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4431\" class=\"wp-caption-text\">Ohne Worte.<\/p><\/div>\n<p><strong>Mit das Beste an mir: Ich habe Energie<\/strong><\/p>\n<p>Kein Applaus, kein Jubel, keine Ansage. Ankommen und freundliche Menschen um einen herum. Es gab eine Kartoffelsuppe, die Marcel und ich herunterschlangen. Ich w\u00fcrde gerne erz\u00e4hlen, dass ich ersch\u00f6pft zusammenbrach von den Strapazen &#8211; allein &#8211; es war nicht so. Ich ging kurz in die H\u00fctte, um die Daten der Thermopille auslesen zu lassen, die ich morgens geschluckt hatte als Teilnehmer einer medizinischen Studie. Mein K\u00f6rper hatte in der Spitze eine Temperatur von 40,2 Grad Celsius. Verwundert nahm ich das zur Kenntnis. Im Ziel waren es noch immer 38 Grad.<\/p>\n<div id=\"attachment_4443\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6550.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4443\" class=\"size-thumbnail wp-image-4443\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_6550-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4443\" class=\"wp-caption-text\">Dann aber erst mal die Suppe!!!<\/p><\/div>\n<p>Meine Frau und ich harrten noch ein wenig aus, bevor wir uns in die lange Schlange der Touristen und Athleten mit ihren Begleitern stellten, um mit der Bergbahn abw\u00e4rts zu gelangen. Marcel hatte sich verabschiedet und war zu Fu\u00df den Abstieg angetreten &#8211; er musste dann leider 30 Minuten auf uns warten. Als wir uns trafen, strahlte ich ihn an, noch immer voller Begeisterung und Elan und grenzenloser Freude \u00fcber diesen Tag.<\/p>\n<p>Vielleicht hatte ich mich nicht genug angestrengt &#8211; vielleicht nicht alles gegeben. Aber sicherlich mein Bestes.<\/p>\n<hr \/>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich meinem Team danken &#8211; Marcel und Nadine. Ohne euch w\u00e4re das nicht m\u00f6glich gewesen. Ihr hattet eure eigenen Sorgen, hattet keine Zeit, um mal wenigstens einen Kaffee zu trinken. Ihr hattet Stress, den Wagen ordnungsgem\u00e4\u00df zu parken. Ihr hattet Probleme Wasser zu finden &#8211; Marcel ist in einen Fjord runtergeklettert, um eine Flasche zu f\u00fcllen &#8211; ihr musstet nach mir suchen.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 25%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-4395 gallery-columns-4 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/img_3612\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3612-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-4463\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4463'>\n\t\t\t\tDas Shirt. \n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/img_3602\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3602-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-4462\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4462'>\n\t\t\t\tThe Mountain. \n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/img_3646\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3646-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-4464\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4464'>\n\t\t\t\tDas Team. \n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2018\/08\/10\/norseman-2018-my-race-report-in-english-for-the-organisers-and-my-fellow-athletes-and-of-course-anyone-else\/img_3688\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2018\/08\/IMG_3688-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-4465\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4465'>\n\t\t\t\tDas Motto. \n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Von all dem habe ich nichts mitbekommen &#8211; ihr habt mir den R\u00fccken freigehalten, wie man es sich nur w\u00fcnschen kann. Ich stehe ewig in eurer Schuld.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte auch allen danken, die mit mir mitgefiebert haben, ich habe in den darauffolgenden Tagen das Ausma\u00df der Anteilnahme langsam begriffen &#8211; ich bin sehr ber\u00fchrt. Vielen Dank!<\/p>\n<p><strong>Und nat\u00fcrlich an jeden Menschen des Norseman-Teams. Dieser Wettbewerb besitzt eine Seele, die man lieben muss. Hilfsbereitschaft, Freude, positive Energie, Leidenschaft, Toleranz (wenn vlt mal ein Telefon fehlt im Sicherheitsrucksack&#8230;). Norseman ist Anstrengung, die mit Energie belohnt. Der Wettbewerb gibt einem die Chance, neue Seiten an sich kennen zu lernen. Ich habe das. Vielen Dank daf\u00fcr!\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich habe mein Bestes gegeben.&#8220; Wie oft denkt man das? Wie oft sagt man das? Sicherlich eine der Floskeln, die gerade im Sport gerne verwendet werden. 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