{"id":4057,"date":"2017-08-14T13:17:23","date_gmt":"2017-08-14T11:17:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=4057"},"modified":"2017-08-14T22:00:50","modified_gmt":"2017-08-14T20:00:50","slug":"ironman-maastricht-limburg-warum-ich-mitgemacht-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2017\/08\/14\/ironman-maastricht-limburg-warum-ich-mitgemacht-habe\/","title":{"rendered":"Ironman Maastricht-Limburg &#8211; Warum ich mitgemacht habe."},"content":{"rendered":"<p>In der an Seiten nicht armem &#8222;Trainingsbibel f\u00fcr Triathleten&#8220; gibt es in einem recht fr\u00fchen Kapitel eine Art Fragebogen, der helfen soll, sich \u00fcber die eigene Motivation f\u00fcr das Unterfangen Langdistanz-Triathlon Gedanken zu machen.<\/p>\n<p>Die Frage, warum man das tut, stellt sich eigentlich unweigerlich bei jedem Athleten im Laufe der Vorbereitung auf einen Triathlon auf der Ironman-Distanz. Sich selber etwas beweisen, seine Grenzen verschieben &#8211; das sind gute Gr\u00fcnde, die daf\u00fcr sprechen, sich an dieses Projekt heranzuwagen. Die Priorit\u00e4ten verschieben sich, der Aufwand f\u00fcr Training steigt an, der Verzicht auf vielleicht nicht ganz so vern\u00fcnftige Spa\u00dfdinge wird gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<div id=\"attachment_4071\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/010.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4071\" class=\"size-thumbnail wp-image-4071\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/010-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4071\" class=\"wp-caption-text\">Wohin geht die Reise&#8230;.<\/p><\/div>\n<p>Ich habe mir diese Frage nach dem Warum oft gestellt seit ich am <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2013\/06\/04\/mein-erster-ironman\/\">17. Juli 2011 im Zug auf der Elbbr\u00fccke<\/a> nach meinem Triathlon-Debut entschied, herauszufinden, ob ich das packe. Nach Antworten habe ich nie lange suchen m\u00fcssen. Ich habe mich hinterfragt, ob\u00a0&#8222;Midlife-Crisis&#8220; eine tragende Rolle spielt. Und behaupte frech: N\u00f6. Wenn andere Arhleten schneller sind: Deren Problem. Im Wettbewerb habe ich nur einen Gegner. Mich.<\/p>\n<p>Um meinen Gegner besser kennen zu lernen, habe ich etwas getan, was jeder Mensch bei Verstand unterlassen w\u00fcrde.\u00a0Nach der Langdistanz beim Ironman Klagenfurt bin ich 35 Tage sp\u00e4ter\u00a0um 07:21:57 mit einem Kopfsprung in die Maas hinein, um erneut die volle Distanz eines Ironman anzupacken. (<a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2017\/08\/14\/ironman-maastricht-limburg-darum-sollte-man-hier-teilnehmen\/\">Warum der Ironman Maastricht-Limburg eine gute Wahl ist, steht hier.<\/a>)<\/p>\n<p>Es war eine <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2017\/07\/19\/tick-tack-noch-18-tage-bis-zum-ironman-maastricht-limburg-ein-blog-ohne-bilder\/\">spontane Entscheidung<\/a>, so wie es der Entschluss 2011 war, das anzugehen. Es w\u00e4re \u00fcbertrieben, nach 6 absolvierten Langdistanzen davon zu sprechen, dass man ein erfahrener Triathlet w\u00e4re. Aber ich wei\u00df heute auch, was ich damals nicht wusste: Auch ich kann das.<\/p>\n<p>Im Verlaufe jedes Rennens gibt es Momente des Zweifels, der Sorge, N\u00f6te. Widerwillen, das zu tun, was einem doch Spa\u00df machen sollte &#8211; wir machen das schlie\u00dflich freiwillig (und zahlen ja auch ganz h\u00fcbsche Summen f\u00fcr die Teilnahme). Ich bezeichne mich gerne als Komfortathlet, strenge mich ungern an, lehne Schmerzen im Prinzip ab. Klar, im Training qu\u00e4le sogar ich mich, fahre den H\u00fcgel ein weiteres Mal hoch, wenn schon das vorige Mal weh tat, k\u00e4mpfe mich durch die letzten Etappen eines Intervalltrainings und ziehe weiter meine Bahnen im Becken, obwohl mir sterbenslangweilig ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_4086\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/051.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4086\" class=\"size-thumbnail wp-image-4086\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/051-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4086\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;wohin f\u00fchren die Wege&#8230;<\/p><\/div>\n<p>Aber im Wettkampf &#8211; da soll alles rutschen, ich will ernten, einen tollen Tag haben. Langdistanz-Triathlon, wie ich ihn betreibe, kommt mir da entgegen, gilt es doch vor allem eines zu beachten: Mit den Kr\u00e4ften haushalten. Es sind lange Tage. Alles an K\u00f6rnern auf dem Rad zu verheizen, r\u00e4cht sich mit Sicherheit beim Laufen. Viele gehende, krampfende Athleten auf der Laufstrecke sind oft Symbol des \u00dcbereifers, der begeisterten Verausgabung zu einem zu fr\u00fchen Zeitpunkt.<\/p>\n<p>Kontrolle &#8211; das ist meine St\u00e4rke, ich achte sorgsam darauf, nicht vor lauter Begeisterung, weil ich mich doch so fit f\u00fchle, auf dem Rad Sp\u00e4ne zu geben. Das hat in den vergangenen Jahren auch immer recht gut funktioniert, das Ziel, im abschlie\u00dfenden Marathon ohne Gehpausen &#8211; au\u00dfer in den Versorgungsstationen &#8211; zu laufen, ist erreicht worden.<\/p>\n<p>Nicht so dieses Jahr in Klagenfurt. Da spielten die fehlenden Trainingskilometer eine Rolle und am Wettkampftag leichte R\u00fcckenschmerzen, die sich kurioserweise nach 20 Kilometer im Marathon dann doch legten.<\/p>\n<p>Dennoch ging ich viele Kilometer. Ich hasse das. Aber ich habe es so genossen, wie ruhige Stunden am Strand oder ein Fr\u00fchst\u00fcck im Sonnenschein. Die paar Schritte des Nicht-Laufens sind Erholung pur. Ein verf\u00fchrerisches Gift, jede Getr\u00e4nkestation ein Luxusresort f\u00fcr Entspannung, wo ich mir Ruhe und Frieden g\u00f6nnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_4079\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/025.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4079\" class=\"size-thumbnail wp-image-4079\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/025-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4079\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;liegen Gefahren auf der Strecke?&#8230;.<\/p><\/div>\n<p>So gewinnt man nichts. Vor allem nicht im Kampf gegen sich selbst. Denn es ist in aller Regel der Kopf, der versucht, die Rei\u00dfleine bei dem am Ende \u00a0doch kr\u00e4ftezehrenden Wettbewerb zu ziehen. Er arbeitet mit Tricks und T\u00fccken.<\/p>\n<p>Diesen Wettkampf wollte ich in Maastricht f\u00fcr mich entscheiden. Dabei ging es nicht um sportliche Ziele. Im Wettkampf gegen mich, galt es mich niederzuringen, wenn ich wieder zu gro\u00dfz\u00fcgig zu mir sein wollte, zu nachgiebig, zu verzeihend. Raus aus der Komfortzone, rein in den Kampf mit dem Ich.<\/p>\n<p>Komfortzone? Ironman? Mag seltsam klingen, aber auch innerhalb des Wettbewerbs kann man die einrichten. Die Gehpausen sind das Sofa, das man ungern verl\u00e4sst.\u00a0Mir half es, dass verschiedene andere Dinge im Leben derzeit nicht so rund laufen, wie man sich das w\u00fcnscht. Ohnmacht, Hilflosigkeit &#8211; Emotionen, die jeder kennt, mal mehr, mal weniger &#8211; und sie \u00fcberwinden muss. Warum nicht die angestaute Aggression in mehr Vortrieb kanalisieren, das Ringen mit sich selbst in Energie verwandeln, die auch negative Gef\u00fchle mit sich bringen.<\/p>\n<p>Ich bin mir dann auch irgendwo begegnet bei Kilometer 20-23 im Marathon. Es wird in der dritten Runde gewesen sein. Brav hatte ich mich an die Marschroute gehalten: Kein Gehen, auch wenn du es noch sehr willst au\u00dfer bei Anstiegen (da ist ein besonders garstiger im Kurs in Maastrich) und so wenig es geht in den Versorgungsstationen. Das kleine sportliche Selbstfindungsseminar brachte zwar im Grunde nur mehr Fragen statt Antworten &#8211; aber immerhin.<\/p>\n<p>Mit der Sturheit des Golfers\u00a0Roy McAvoy (Kevin Costner) in dem Film &#8222;Tin Cup&#8220;, der immer wieder an dem einen Schlag scheitert, den er sich und der Welt beweisen will, bin ich da ins Rennen gegangen. Und &#8211; im Gegensatz zu McAvoy &#8211; dank der etwas anderen Aufgabenstellung schneller siegreich herausgegangen. (Er bekommt am Ende Sie und das ist ja schlie\u00dflich alles, was bei Hollywoodkom\u00f6dien z\u00e4hlt.)<\/p>\n<div id=\"attachment_4097\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/068.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4097\" class=\"size-thumbnail wp-image-4097\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2017\/08\/068-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4097\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;und welche Ziele setzt man sich\u00a0Leben?<\/p><\/div>\n<p>Dass es bei der wichtigen Aufgabe im Ironman &#8211; dem Weitermachen, auch wenn es weh tut &#8211; auch, aber nicht unbedingt auf die Zielzeit und die Geschwindigkeit ankommt, wurde mir dann auch erst klar, Stunden nachdem ich im Ziel war. Auf der letzten Runde sammelte ich noch mal die letzten K\u00f6rner zusammen, die Beine folgten, der K\u00f6rper nahm wieder Spannung an. Nach und nach kassierte ich andere Athleten, die dem Ziel entgegen gingen. Es lief rund, es f\u00fchlte sich kraftvoll und fliegend an.<\/p>\n<p>Und war &#8211; gemessen selbst an meiner langsamen Dauerlaufgeschwindigkeit &#8211; geradezu gekrochen. Die gef\u00fchlt schnellsten Kilometer waren das gar nicht. Aber mein innerer Schweinehund war niedergestreckt, erledigt, von mir selbst. Ein gro\u00dfartiges Gef\u00fchl. Eines, das ich in Erinnerung rufen werde, wenn es wieder an den Start geht, wenn es hart wird und anstrengend. Diese Energie werde ich nutzen. Und wenn ich dann gut trainiert habe, sollte ich sogar mich selber \u00fcbertreffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 class=\"no-margin-top\"><\/h1>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der an Seiten nicht armem &#8222;Trainingsbibel f\u00fcr Triathleten&#8220; gibt es in einem recht fr\u00fchen Kapitel eine Art Fragebogen, der helfen soll, sich \u00fcber die eigene Motivation f\u00fcr das Unterfangen Langdistanz-Triathlon Gedanken zu machen. 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