{"id":3748,"date":"2016-09-21T17:00:04","date_gmt":"2016-09-21T15:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=3748"},"modified":"2016-09-22T12:21:26","modified_gmt":"2016-09-22T10:21:26","slug":"polar-smartwatch-m600-im-test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2016\/09\/21\/polar-smartwatch-m600-im-test\/","title":{"rendered":"Polar Smartwatch M600 im Test. Oder Sportwatch? Oder Sportsmart? Smartsport? Spmortch. So bleibt&#8217;s."},"content":{"rendered":"<p>In einer Rezension eines Gospelkonzerts eines Laienchores in der Marktkirche zu Hannover bezeichnete\u00a0ich vor gut 20 Jahren den Pastor, der zwischendurch einen Quiz mit dem Publikum veranstaltete, als Pausenclown. Ferner m\u00e4kelte ich an der Intonation und der mangelnden rhythmischen Pr\u00e4zision des Ensembles herum. Das zog einige Leserbriefe nach sich. W\u00e4re es nicht in Zeiten der Texterfassung per Schreibmaschine gewesen (Ich bin AK45), dann w\u00fcrde man das vermutlich als Shitstorm bezeichnen. Der damalige Chef des Feuilletons hingegen schmunzelte mich lediglich gelassen an, w\u00e4hrend er sagte &#8222;Jede Veranstaltung setzt ihre eigenen Ma\u00dfst\u00e4be.&#8220; Ich habe mir diese Lektion trotz ausbleibenden R\u00fcffels\u00a0sehr gut gemerkt.<\/p>\n\n<p>Die M600 (rund 350 Euro) von Polar ist eine eigene Veranstaltung. Auf den ersten Blick scheint sie eine weitere Uhr im Reigen der Smartwatches. Oder der Sportuhren. Und da geht es schon los. Die M600 ist zwei Uhren in einer. Sie ist sowohl Sportuhr als auch Smartwatch.<\/p>\n<p>Sicher &#8211; eine Applewatch misst auch die Herzfrequenz und kann &#8211; k\u00fcnftig in der neuen Version gar mit integriertem GPS &#8211; das Training aufzeichnen. Aber eine echte Trainingsuhr will und soll sie nicht sein. Sicher &#8211; eine Polar V800 kann auch Smart Notifications empfangen und die wichtigsten Dinge einem auf dem Display in Schwarz\/Wei\u00df mitteilen. Aber so richtig die Features von Smartwatches bietet sie nicht. Beide Welten gleichberechtigt in einem Geh\u00e4use unterzubringen &#8211; das versucht derzeit nur die M600.<\/p>\n<p>Sie tut dies quasi mit einem Doppelherz. Auf der einen Seite die Software f\u00fcr die Parameter des Hobbysportlers, inklusive Messung der Herzfrequenz, f\u00fcr die Polar sich in den vergangenen Jahrzehnten einen Ruf erarbeitet hat. Auf der anderen Seiten android wear, das Betriebssystem, dessen sich viele Unternehmen bedienen, die gerne eine Smartwatch ins Programm aufnehmen wollen, aber keine eigene Software schreiben k\u00f6nnen oder wollen. Die Webseite Wareable, listet &#8211; je nach Z\u00e4hlart &#8211; bis <a href=\"https:\/\/www.wareable.com\/smartwatches\/best-android-watch\">zu 24 verschiedene Modelle<\/a> auf, darunter auch die M600.<\/p>\n<div id=\"attachment_3756\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2016\/09\/21\/polar-smartwatch-m600-im-test\/img_9243\/\" rel=\"attachment wp-att-3756\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3756\" class=\"wp-image-3756 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2016\/09\/IMG_9243-150x150.jpg\" alt=\"img_9243\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3756\" class=\"wp-caption-text\">Ger\u00e4t und Armband lassen sich leicht trennen.<\/p><\/div>\n<p>Dieser Test unterliegt einem zentralen Mangel: Einem Smartphone mit Android-Betriebssystem. Derzeit funktioniert zwar die Kopplung mit einem iPhone &#8211; aber die ganz gro\u00dfe Zahl an Apps, die einem Android-Nutzer zur Verf\u00fcgung stehen, bleibt einem iPhone-Nutzer (von Blackberry ganz zu schweigen, das geht schon gleich gar nicht), verwehrt. Sp\u00e4ter sollen auch f\u00fcr iOS weitere Updates mehr M\u00f6glichkeiten bieten.<\/p>\n<p>Doch selbst voll beflaggt will die\u00a0M600 weder reinrassige Smartwatch, noch reinrassige Sportuhr sein. Sie will jenen Kunden etwas bieten, die aktiv sein wollen, die gerne Laufen, die sich fit halten wollen und die Vorz\u00fcge einer Smartwatch nutzen wollen, auf der sie Emails lesen und l\u00f6schen, Wetterdaten schauen oder Google suchen lassen wollen, Musik abspielen &#8211; die Uhr bringt 4 GB Speicherplatz mit.<\/p>\n<p>Wer allen gefallen will, l\u00e4uft das Risiko, niemanden so recht zu \u00fcberzeugen. Die, die einen einfachen Activity Tracker suchen, den die M600 selbstverst\u00e4ndlich enth\u00e4lt, werden den Preis der M600 nicht zahlen wollen, die, die eine reine Sportuhr suchen, werden fragen, wozu sie den Smartwatch-Anteil ben\u00f6tigen. Diejenigen, die vor allem eine Smartwatch wollen, sich fragen, ob sie unbedingt die von Polar selbst entwickelte Technik f\u00fcr die Messung von Laufen, Radfahren, Gruppentraining oder Kraftsport wollen, wo es doch auch eine einfache runtastic-App tun kann. Andererseits ist wohl die Gruppe derjenigen, die eben in allen Welten ein wenig zu Hause sind die gr\u00f6\u00dfte.<\/p>\n\n<p>Wie auch immer die bevorzugte Anwendung am Ende ist: Sie kostet Strom. 48 Stunden Akkulaufzeit sollen es etwa sein, gekoppelt mit einem Android-Telefon, weniger mit iOS-Kopplung. Gerade zu viel, um sie stumpf jeden Tag aufzuladen wie die Applewatch, gerade zu wenig, um sie sorglos einige Tage zu tragen, ohne auf den Akkustand zu achten. Die Folge ist: Sie war h\u00e4ufiger dann leer, wenn ich ein Training aufzeichnen wollte. Zun\u00e4chst stoppt sie die GPS-Aufzeichnung, dann geht sie komplett aus. 48 Stunden Laufzeit ist nicht zu wenig. Aber der Anwender muss drauf achten. Ich h\u00e4tte mir auch gew\u00fcnscht, die Batterieanzeige sei in einem der vielen zur Verf\u00fcgung stehenden Zifferbl\u00e4tter permanent sichtbar, so braucht es immer einen Strich \u00fcbers Display von oben nach unten.<\/p>\n<div id=\"attachment_3760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2016\/09\/21\/polar-smartwatch-m600-im-test\/img_9251\/\" rel=\"attachment wp-att-3760\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3760\" class=\"wp-image-3760 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2016\/09\/IMG_9251-e1474469895178-150x150.jpg\" alt=\"img_9251\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3760\" class=\"wp-caption-text\">Eigenentwicklung von Polar bei der Messung der Herzfrequenz, solide L\u00f6sung f\u00fcr das Ladekabel.<\/p><\/div>\n<p>Der Sprung von einer Welt zur anderen ist elegant gel\u00f6st und\u00a0simpel &#8211; es gibt zwei physische Kn\u00f6pfe, einen an der Seite, einen in der Mitte der Front. Dr\u00fcckt man den, ist man fix in der Polarwelt mit gut verst\u00e4ndlichen Symbolen, einfacher Bedienung. Wie bei allen Polaruhren wird die eigene Software via der Webseite flow.polar.com geteuert. Selbst auf der App lassen sich via Smartphone die Sportprofile lediglich entfernen, aber nicht \u00e4ndern. Das ist bei allen Polar-Uhren so, also kein Nachteil der M600 im besonderen. F\u00fcr leistungsorientierte Sportler fehlen einige Funktionen, f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Ausdauersportler ohne Wettkampfambitionen sind die wichtigen Dinge dabei.<\/p>\n<p>Die andere Welt ist die von Android. Mir bleibt sie mangels Android-Telefon zum gro\u00dfen Teil verschlossen. Der Akku soll dann l\u00e4nger halten. Mit der Verbindung zu iOS stehen einem einige Funktionen zur Verf\u00fcgung, die mehr oder minder sinnvoll sind. Emails lesen, SMS, etc.. Das klappt gut und die Mails lassen sich auch l\u00f6schen. Das ganze in freundlichen Farben, die Tristesse von S\/W-Displays gibt es hier nicht. Wetteraussichten sind ebenfalls da. Und wenn die Uhr mit einem Googlekonto verkn\u00fcpft ist, dann lockt zum Beispiel die Sprachsteuerung f\u00fcr Suchen oder auch den Translator.<\/p>\n<p>Die M600 ist &#8211; ich wiederhole mich gerne &#8211; eine eigene Veranstaltung. Sie f\u00fcr die mangelnden Eigenschaften im Gegensatz zur Schwester V800 &#8211; Schwimmbadbahnen z\u00e4hlen zum Beispiel&#8230;. &#8211; zu gei\u00dfeln, f\u00fchrt am Kern des Produktes vorbei. Sie ist keine Triathlonuhr, ebensowenig wie eine Smartwatch. Sie ist von allem etwas.<\/p>\n<p>Und irgendwie ist das bedauerlich. H\u00e4tte man mich gefragt &#8211; was wie immer keiner tut &#8211; raus mit dem Smartkram. Denn die M600 ist einigen Aspekten, die mir pers\u00f6nlich wichtig sind, ihren hauseigenen Wettbewerbern \u00fcberlegen. Der Anschluss: Kann nicht verstopfen, ist wasserdicht, ist st\u00f6runanf\u00e4lliger. Das Armband: Ist sehr bequem, kann sehr leicht gewechselt werden und sollte dann f\u00fcr etwaige Farbvarianten nicht arm machen. Das Design: Einfach gelungen.<\/p>\n<p>Zudem: Ich bin ein Fan der Herzfrequenzmessung am Arm und habe keine signifikanten Abweichungen zur Messung via Brustgurt feststellen k\u00f6nnen. Das ist allerdings schon immer so, meine Haut ist wohl so transparent wie Pergament. Ein wenig lustig bis l\u00e4stig ist das Touchdisplay, das unter der Dusche schon mal wild herumspringt, wenn Wassertropfen draufprasseln. Etwas mehr in Richtung l\u00e4stig als lustig schl\u00e4gt die Eigenheit, dass die Uhr nachts keinen automatischen Ruhemodus hat (oder ich ihn im Androidkosmos nicht entdeckt habe). Nun m\u00f6chte ich sie vielleicht gerade wegen der Schlaftaufzeichnung nachts nicht ablegen. Habe ich dann aber mehrfach, weil beim Rumw\u00e4lzen das Display anging und einigerma\u00dfen flutlichtig das Schlafzimmer erhellte. (Ja, sie ist so hell, deswegen ist die Funktion &#8222;Taschenlampe&#8220; auch einfach das wei\u00dfe Display.) Bis man im Android-Dschungel dann mit halb ge\u00f6ffneten Lidern die Funktion &#8222;Kinomodus&#8220; endlich erwischt hat, ist man auch wach. Ich habe sie also mehr als einmal abgelegt und aufs Display gelegt. Das alles ist mir mit Polars Modellen nie passiert.<\/p>\n<p>Ich sehe mich bei den meisten Tests immer gen\u00f6tigt, ein Fazit zu ziehen. Hier f\u00e4llt es mir nicht leicht, denn vieles an der Uhr h\u00e4tte ich gerne ohne den anderen Kram mitnehmen zu m\u00fcssen. So stehle ich mich aus der Aff\u00e4re und sage: Das ist die beste Spmortch, die es gibt. (Mithin aber leider zeitgleich die schlechteste.)<\/p>\n<p>Leserbriefe bitte nur per Post. Danke.<\/p>\n<p>Bei Fragen: Immerzu. (Auch per Kommentar.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Rezension eines Gospelkonzerts eines Laienchores in der Marktkirche zu Hannover bezeichnete\u00a0ich vor gut 20 Jahren den Pastor, der zwischendurch einen Quiz mit dem Publikum veranstaltete, als Pausenclown. 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