{"id":2742,"date":"2015-08-10T16:23:27","date_gmt":"2015-08-10T14:23:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=2742"},"modified":"2015-08-11T10:46:57","modified_gmt":"2015-08-11T08:46:57","slug":"motiviert-neues-equipment-oder-bildet-man-sich-das-nur-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2015\/08\/10\/motiviert-neues-equipment-oder-bildet-man-sich-das-nur-ein\/","title":{"rendered":"Motiviert neues Equipment oder bildet man sich das nur ein?"},"content":{"rendered":"<p>Kindern, die ein wenig die Lust am \u00dcben ihres Instruments verlieren, hilft es hin und wieder, wenn sie ein besseres Instrument bekommen. Schlagartig kommt Begeisterung zur\u00fcck und weil es in der Regel ja alles leichter geht, macht man auch einen kleinen Leistungssprung.<\/p>\n<p>Wenn wir das Prinzip auf Laufschuhe \u00fcbertragen, habe ich den Eindruck, dass in der Sucht nach immer mehr Laufschuhen so mancher L\u00e4ufer glaubt, mit dem neuen Flitzer auch gleich die neue Bestzeit mit zu kaufen. Ich bezweifle das eigentlich.<\/p>\n<div id=\"attachment_2770\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/08\/IMG_2307.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2770\" class=\"size-thumbnail wp-image-2770\" alt=\"Nicht David gegen Goliath aber Hase gegen Igel. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/08\/IMG_2307-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2770\" class=\"wp-caption-text\">Nicht David gegen Goliath aber Hase gegen Igel. Vorteil Zosse: Es hat eine Klingel.<\/p><\/div>\n<p>Deshalb die Frage: Hilft besseres Equipment, schneller zu werden?<\/p>\n<p>Ich habe das versucht zu ergr\u00fcnden auf gut 50 Kilometern Radstrecke mit 700 H\u00f6henmetern. Was w\u00e4re wenn? W\u00e4re der innere Schweinehund zu \u00fcberlisten? Wenn ja, was ist daf\u00fcr n\u00f6tig?<\/p>\n<p>Um sicher zu gehen, dass der Sprung auch wirklich absurd ist, habe ich das meines Wissens nach derzeit wohl teuerste Rennrad Deutschlands f\u00fcr eine Stunde und 37 Minuten geliehen. Von Audi. 17.500 Euro. Ein Rennrad vom Autohersteller. Fast. Das Fahrrad selber ist eine Kooperation zwischen Audi und dem Hersteller Lightweight. Lightweight ist eine kleine Firma aus Friedrichshafen am Bodensee (und Audi eine recht gro\u00dfe Firma aus Ingolstadt, der Vollst\u00e4ndigkeit halber). Nachtrag: <a href=\"https:\/\/venge.specialized.com\/html\/content\/de\/\">Das teuerste Rennrad der Welt scheint das Tarmac von S-Works\/McLaren zu sein<\/a>. Oder auch dieses von <a href=\"https:\/\/www.bikeradar.com\/road\/news\/article\/aston-martin-one-77-superbike-unveiled-in-london-34595\/\">Astonmartin<\/a> f\u00fcr 25.000 Pfund, das aber wohl mehr Sammlerst\u00fcck sein m\u00f6chte, statt Fahrger\u00e4t.<\/p>\n<p>Lightweight baut, wie der Name schon nahelegt, leichte Dinge. Bekannt sind vor allem ihre Laufr\u00e4der. Das nannten wir fr\u00fcher Felgen. Sagt heute kein Mensch mehr. Rennr\u00e4der sollen leicht sein, das wei\u00df jeder. Schon ein wenig weniger Menschen wissen, dass es sinnvoll ist, vor allem die rotierenden Teile leicht zu halten. Alles was sich dreht also. Pedale, Zahnkr\u00e4nze eigentlich auch, aber vor allem die Laufr\u00e4der, vulgo Felgen. Stabil sollen sie nat\u00fcrlich auch sein. Gewappnet gegen Achten. Zwei Anforderungen, die sich widersprechen. Lightweight geh\u00f6rt zu den Unternehmen, die den Kompromiss besonders gut hinbekommen. Sie f\u00fchren auch einen Carbon-Rahmen im Programm, der Urgestalt hei\u00dft. Diesen l\u00e4sst Audi von Lightweight in einer Zahl von 50 St\u00fcck in einem Design von Audi bauen. Desweiteren ist der Sattel mit dem gleichen Leder bezogen, das auch im R8 verwendet wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_2767\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/08\/IMG_2303.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2767\" class=\"size-thumbnail wp-image-2767\" alt=\"Sparen, wo es geht. Am Gewicht. Nicht am Preis. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/08\/IMG_2303-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2767\" class=\"wp-caption-text\">Sparen, wo es geht. Am Gewicht. Nicht am Preis.<\/p><\/div>\n<p>Diese Art von Kooperationen sind keine Seltenheit. Porsche hat Fahrr\u00e4der, Mercedes auch &#8211; es sind meist Lizenzbauten. Dagegen spricht auch nichts. Das Audirennrad wurde im M\u00e4rz auf dem Genfer Autosalon vorgestellt. Ich hatte sofort bei Audi angefragt, ob man mal eine Runde darauf fahren k\u00f6nnte. Es hat dann bis Juli gedauert, bis es klappte. Seriennummer 1\/50 bin ich gefahren.<\/p>\n<p>Das Audi Rennrad ist mit das leichteste, was man so kaufen kann. Es wiegt 5,8 Kilogramm. Leichter als die UCI erlaubt. (Der Polizei ist&#8217;s egal.) Die UCI schreibt den Rennst\u00e4llen vor, dass die Werkzeuge der Profirennradfahrer mindestens 6,8 Kilogramm wiegen m\u00fcssen. Die UCI denkt dar\u00fcber nach, die Grenze zu senken. Das Audi-Rennrad &#8211; wie einige andere Rekordleichtgewichte &#8211; d\u00fcrfte aber derzeit nicht bei einem Profirennen starten.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Kontrahenten bei diesem unstatthaften Vergleichstest, der zutage f\u00f6rdern soll, ob Super-Equipment auch motiviert. Mein Zosse. Er d\u00fcrfte mit einem Zeitwert von etwa 300 Euro mehr als zehn Jahre nach seinem Kauf die denkbar schlechteste Ausgangsposition haben. Alurahmen und reichlich runtergenudelt. Aber meins.<\/p>\n<p>Mein urspr\u00fcngliches Vorhaben war, auf einer Runde von 50 Kilometer erst 25 mit dem einen, dann 25 mit dem anderen Rad zu fahren und zu sehen, wie die Zeiten sich \u00e4ndern. Als ich dann das Audirennrad erst mal gesehen habe, habe ich spontan umentschieden und eine volle Runde von 50 Kilometer damit zur\u00fcckgelegt. Danach wollte ich dann mit dem Zossen die gleichen 50 Kilometer fahren. 3,59 Kilometer wurden es. Schlechtes Material fahren, l\u00e4sst sich verschmerzen. Downgraden von Himmel gen Rasenkante innerhalb von zwei Stunden ist dann doch zu viel. Im Eimer war ich zudem, dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal ein paar Eindr\u00fccke vom Fahren. Eine gem\u00fctliche Fahrt ist so eine Spritztour nicht. Das Rad hat dank der breiten Fl\u00e4chen der Laufr\u00e4der einiges an Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr Wind. Das merkte ich sofort, als ich es f\u00fcr ein Foto gegen einen wei\u00dfen Stra\u00dfenpfahl lehnte und eine B\u00f6e es drohte um zu schmei\u00dfen. Und man merkt es auch bei der Fahrt. Hier hei\u00dft es: Festhalten. Bei Geschwindigkeiten von 62,8 km\/h bergab erst recht.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Eine Riesengaudi. Ein Mordspa\u00df. Eine Wonne. Ein RENNrad. Echte Rennradfahrer werden ob dieser Werte hier nur m\u00fcde l\u00e4cheln, aber ich h\u00e4tte nicht erwartet, dass ich diese Runde so schnell fahren w\u00fcrde:\u00a0<a href=\"https:\/\/connect.garmin.com\/modern\/activity\/835703267\">https:\/\/connect.garmin.com\/modern\/activity\/835703267<\/a><\/p>\n\n<p>Jeder Tritt ein Treffer &#8211; die Gewichtsersparnis des Rads hat zur Folge, dass der K\u00f6rper jederzeit das Gef\u00fchl hat, die Kraft in Vortrieb umzuwandeln. Das Gewicht des Rads ist kaum zu sp\u00fcren, jede Kurbeldrehung scheint ausschlie\u00dflich nach vorn zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Was aber passiert mit dem Menschen auf dem Rad, der ein Ger\u00e4t f\u00e4hrt, das binnen Minuten klar macht, dass es einen schlechten Rennradfahrer sofort zu einem deutlich schnelleren schlechten Rennradfahrer macht? Es spornt ihn an. Setzt ihn unter Druck. Man will das Ger\u00e4t schnell fahren. Um jeden Preis. Falsches Ehrgef\u00fchl, Materialmotivation &#8211; ich wei\u00df es nicht: Ich habe versucht, damit ein wenig zu gondeln &#8211; unm\u00f6glich. M\u00f6glichst immer Gas geben, das Verlangen ist permanent da.<\/p>\n\n<p>Ich wollte schnell fahren. Und obwohl 50 Kilometer noch keine gro\u00dfe Distanz sind &#8211; ich war nach 700 H\u00f6henmetern matt und zufrieden. Und sehr Unwillens, auf dem Zossen die gleiche Runde noch mal zu machen. Habe ich dann auch gelassen. Einen H\u00fcgel mal kurz hoch: Pffffft.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Vorteil des Audirennrads ist f\u00fcr mich, dass es so utopisch teuer ist, dass keine Sekunde zur Debatte steht, es zu kaufen. Es fiele mir sonst schwer, nicht so ein Geschoss haben zu wollen.<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise bin ich kein gro\u00dfer Freund von Materialschlachten. Es muss nicht immer der neueste Kram sein. Schon gar nicht der teuerste. Bei Badehosen ist eh kaum Spielraum, meine L\u00e4ufe kommen mir in Discounter-Hosen nicht m\u00fchseliger vor als in Top-Material.<\/p>\n\n<p>Das Audirennrad lehrt mich nun aber doch: Motivation durch Equipment funktioniert. Und es macht auf zwei Weisen schneller: Das Material ist einfach schneller und ich w\u00fcrde immer versuchen, mich des besseren Materials w\u00fcrdig zu erweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kindern, die ein wenig die Lust am \u00dcben ihres Instruments verlieren, hilft es hin und wieder, wenn sie ein besseres Instrument bekommen. 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