{"id":2599,"date":"2015-06-05T10:37:33","date_gmt":"2015-06-05T08:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=2599"},"modified":"2015-06-05T11:21:46","modified_gmt":"2015-06-05T09:21:46","slug":"ich-wurde-am-liebsten-nackt-laufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2015\/06\/05\/ich-wurde-am-liebsten-nackt-laufen\/","title":{"rendered":"Ich w\u00fcrde am liebsten nackt laufen."},"content":{"rendered":"<p>Mein Rennrad ist inzwischen gut 15 Jahre alt und es stammt aus einer Zeit und von einem Hersteller, der es erlaubte, dass man den Markennamen-Aufkleber (in diesem Falle das selten d\u00e4mliche Wortspiel &#8222;2danger&#8220;) entfernen konnte. Habe ich auch sofort gemacht. Bis auf zwei Rad-Shirts und die mit den vielen Wettbewerben angefallenen Finisher-Shirts ist auch der Rest meiner Tights und Jacken frei von Emblemen, Symbolen oder gar Nachrichten. Das meiste davon ist von verschiedenen Discountern, aber wenn ich k\u00f6nnte, w\u00fcrden die Herstellernamen auch auf den zwei Laufutensilien verschwinden, die ich von einer bekannten Marke besitze.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde am liebsten nackt laufen. Bekleidet &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; \u00a0aber frei von s\u00e4mtlichen Schriftz\u00fcgen auf dem Stoff. Besonders im Radsport geh\u00f6rt ein Trikot im Stil der Radprofis f\u00fcr viele Hobbysportler dazu. Sie identifizieren sich mit ihren Idolen und ich habe da auch nichts gegen. Mir widerstrebt nur die Idee, dass ich f\u00fcr ein Shirt, das mit Werbung vollgepflastert ist auch noch mehr Geld zahlen soll als f\u00fcr das ohne alles. Andersrum w\u00fcrde ich noch dr\u00fcber nachdenken.<\/p>\n<p>Beim Laufen &#8211; mangels professionellen Lauf-&#8222;Rennst\u00e4llen&#8220; wie im Radsport &#8211; ist die Sache schon deutlich zur\u00fcckhaltender. Die meisten Bekleidungsst\u00fccke sind neutral, gerade noch mal das Markenlogo prangt auf der Brust oder l\u00e4uft am Bein herunter. Das ist zum Teil willkommen aber doch meist auch gar nicht zu vermeiden.<\/p>\n<p>Dazu nun aber gesellen sich bei jedem \u00f6ffentlichen Wettbewerb die Sportler, die die Gelegenheit nutzen, ein Anliegen vorzubringen, schlicht ihr Unternehmen zu bewerben oder auf eine Webseite verweisen. Die Werbebotschaften sind rein egoistischer Natur &#8211; meinetwegen. Diese Werbung habe zumindest ich in den allermeisten F\u00e4llen nach der Anstrengung eh vergessen.<\/p>\n<p>Die Menschen mit den Botschaften sind es, die mich ins Gr\u00fcbeln brachten. Laufen gegen oder Laufen f\u00fcr etwas. F\u00fcr eine Gesinnung, gegen ein Leiden. F\u00fcr ein Projekt. Vieles, vermutlich das meiste davon, ist ehrenhaft und dient einem guten Zweck.<\/p>\n<p>Ich selber aber ziehe es vor, so neutral wie irgend m\u00f6glich an den Start zu gehen. (Au\u00dfer als Zugl\u00e4ufer beim K\u00f6lnmarathon, da trage ich nat\u00fcrlich auch gerne das offizielle Laufshirt &#8211; ich bin Teil der Veranstaltung und das soll dann ruhig jeder sehen.) Es g\u00e4be sicher viele gute Sachen, f\u00fcr die man sich engagieren k\u00f6nnte oder gegen die man sich aussprechen k\u00f6nnte. Aber f\u00fcr mich geh\u00f6ren die nicht auf die Laufstrecke.<\/p>\n<p>Einer der wunderbaren Aspekte am Laufen ist es, dass es fast jeder aus\u00fcben kann. Dass es Menschen verbindet, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Und vor den M\u00fchen eine Marathons sind wir alle gleich, ob Rechtsanw\u00e4ltin oder Raumpfleger &#8211; es ist quasi der FKK-Strand des Sports. Alle haben die gleichen Voraussetzungen: Strecke und den K\u00f6rper, den sie da irgendwie dr\u00fcber bringen m\u00fcssen. Laufen verbindet ganz nat\u00fcrlich. Denn es eint uns, weil es so sehr in unseren Anlagen steckt, sich laufend zu bewegen. Da \u00e4ndern auch die Jahrhunderte an Sitzm\u00f6beln nichts. Der Mensch ist ein perfektes Laufwesen auch wenn andere Lebewesen schneller oder ausdauernder sind.<\/p>\n<p>Die Herausforderung und der Spa\u00df an der Bewegung eint uns und in meinen Augen sollte das im Zentrum einer Laufveranstaltung stehen. Es kann den Gemeinschaftssinn wecken. Mich irritieren dann Shirts, auf denen zu einer bestimmten Lebensart aufgerufen wird oder auf eine Krankheit aufmerksam gemacht werden soll. Es bringt eine Distanz zwischen mich und dem Menschen, der da gerade nur 2 Meter vor mir das gleiche tut wie ich.\u00a0Diese Distanz ist nicht schwerwiegend, nicht tragisch. Aber sie ist da und sie lenkt mich ab.<\/p>\n<p>Ich werde also auch weiterhin so gut es geht auf jeden Schriftzug an meiner Wettkampf-Kleidung verzichten, weil ich beim sportlichen Wettstreit die Gemeinsamkeit sch\u00e4tze. Ich respektiere, dass viele Menschen mit ganz vielen anderen Ansichten zu vielen Dingen in dem Moment das gleiche tun wie tausende andere und so in dem Moment ein gro\u00dfe Gemeinschaft entsteht, die nicht differenziert zwischen den Teilnehmern. Sie ist dann offen und tolerant. Ein Wert, den man nicht hoch genug sch\u00e4tzen kann.<\/p>\n<p>Das kann jeder anders sehen: Die Kommentare sind offen. Bitte h\u00f6flich bleiben, danke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Rennrad ist inzwischen gut 15 Jahre alt und es stammt aus einer Zeit und von einem Hersteller, der es erlaubte, dass man den Markennamen-Aufkleber (in diesem Falle das selten d\u00e4mliche Wortspiel &#8222;2danger&#8220;) entfernen konnte. 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