{"id":2420,"date":"2015-03-24T14:02:28","date_gmt":"2015-03-24T12:02:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=2420"},"modified":"2015-03-25T22:36:02","modified_gmt":"2015-03-25T20:36:02","slug":"das-laaaaaaaaaaaaaaaange-interview-mit-triathlon-weltmeister-sebastian-kienle-dem-sieger-des-ironman-hawaii-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2015\/03\/24\/das-laaaaaaaaaaaaaaaange-interview-mit-triathlon-weltmeister-sebastian-kienle-dem-sieger-des-ironman-hawaii-2014\/","title":{"rendered":"Das laaaaaaaaaaaaaaaange Interview mit Triathlon-Weltmeister Sebastian Kienle, dem Sieger des Ironman Hawaii 2014"},"content":{"rendered":"<p>Es begab sich auf Twitter. Im Zuge eines Artikels \u00fcber GPS-Sportuhren in der WirtschaftsWoche erw\u00e4hnte ich auf Twitter auch @sebastiankienle. Der mich dann via Twitter wissen lie\u00df, dass er gar nicht so viel mit dem von uns Hobbyathleten so gern genutzten Werkzeug trainiere. Er kannte den Artikel. Denn der Ironman-Weltmeister und Sieger von Hawaii liest die WirtschaftsWoche. Das freut mich nat\u00fcrlich. Die Saison ist jung. Sebastian Kienle hat in seinem Sport alles gewonnen, was ein Langdistanz-Triathlet gewinnen will &#8211; also Hawaii. Wie motiviert man sich da noch? Was trainiert er wohl? Was isst er? Habe ich alles gefragt. Im Heft ist eine kurze Version unseres Gespr\u00e4chs gedruckt. Hier f\u00fcr alle Langdistanzler auch bei Lesest\u00fccken: Der gesamte Text. Das ist jetzt nicht gerade kurz, aber da waren auch noch die Fragen, die ich im Namen von einigen Freunden stellen sollte. Und \u00fcberhaupt. Wo man doch mal miteinander ins Reden kommt&#8230; Was es nicht gibt: Ein Bild von ihm und mir. Glatt das Star-Selfie vergessen. Ich versuche, es zu simulieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_1674\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/06\/IMG_3511.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1674\" class=\"size-thumbnail wp-image-1674\" alt=\"Selfie mit Sebastian Kienle - ich mit gr\u00fcner Kappe, er irgendwo hinten im Wasser.\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/06\/IMG_3511-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1674\" class=\"wp-caption-text\">Selfie mit Sebastian Kienle &#8211; ich mit gr\u00fcner Kappe, er irgendwo hinten schon im Wasser.<\/p><\/div>\n<p><strong>Herr Kienle, Sie haben 2014 im Alter von 30 Jahren den Europa- und den Weltmeistertitel im wohl h\u00e4rtesten Ausdauersport der Welt gewonnen. Welche Ziele kann es danach noch geben?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist bei mir recht \u00e4hnlich wie bei Unternehmen \u2013 es gibt gro\u00dfe \u00fcbergeordnete Ziele, die ich im Blick haben muss und die ich kleineren, kurzfristigen Gewinnen nicht opfern darf. F\u00fcr 2015 zum Beispiel ist mir ein vermeintlich altes Ziel wichtig \u2013 den Weltmeistertitel auf der halben Ironman-Distanz, dem sogenannten 70.3 zur\u00fcckzuholen, den ich 2012 und 2013 gewonnen hatte. Au\u00dferdem unterscheide ich im Alltag harte und weiche Ziele. Harte, messbare Ziele sind bestimmte Zeiten beim Schwimmen auf einer bestimmten Strecke und \u00c4hnliches. Zu den weichen Zielen geh\u00f6rt hingegen das Gef\u00fchl, das Beste aus sich herausgeholt zu haben. Mein volles Potenzial auszureizen ist sicher eines meiner gro\u00dfen \u00fcbergeordneten Ziele, das mich antreibt. Ich werde nur nie erfahren, ob ich das geschafft habe.<\/p>\n<p><strong>St\u00f6rt Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Ich liebe das, was ich mache. Ich habe ein sehr selbstbestimmtes Leben, wie kaum sonst ein Profisportler. Fu\u00dfballer haben Verpflichtungen wegen des Spielplans. Sie haben feste Trainingszeiten. Ich bin frei, wo immer ich auch starte. Ich kann jeden Tag, wenn ich aufstehe, entscheiden: Will ich trainieren oder liegen bleiben? Das ist eine gro\u00dfe Verantwortung sich selber gegen\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>Wie entscheiden Sie sich am Morgen?<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang meiner Profikarriere im Jahr 2007 bin ich oft liegen geblieben. Und habe es auch genossen. Mit der Freiheit musste ich erst lernen umzugehen. Manchmal w\u00fcnschte ich mir auch heute noch, ich h\u00e4tte einen B\u00fcrojob und k\u00f6nnte da einfach hin, und abends w\u00e4re der Job zu Ende. Meine Arbeit dauert aber 24 Stunden, denn alles, was ich mache, beeinflusst meine Leistung. Was ich esse, was ich trinke, wie viel ich schlafe, meine gesamte Freizeitgestaltung \u2013 es hat immer etwas damit zu tun, dass ich fit bin f\u00fcr mein Training.<\/p>\n<p><strong>Und was machen Sie nun, wenn Sie lieber liegen bleiben wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich frage mich, woran es liegt. Bin ich tats\u00e4chlich m\u00fcde vom Training? Oder liegt es einfach daran, dass es drau\u00dfen gerade regnet und ich eigentlich keine Lust habe.<\/p>\n<p><strong>Klingt nach Zufallsprinzip.<\/strong><\/p>\n<p>Ich trainier nicht nach einem knallharten festen Plan. Ich entscheide Tag f\u00fcr Tag in Absprache mit meinen Trainern, was ich mache. Es gibt einen groben Rahmen, der mir sagt, was in den n\u00e4chsten Wochen passieren soll. Und ich orientiere mich nat\u00fcrlich an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Formaufbau. Aber im Wesentlichen muss man lernen, darauf aufzupassen, was einem der K\u00f6rper sagt, und das ist nicht immer einfach. Wenn ich nach vier, f\u00fcnf Tagen intensiver Trainingsarbeit das Gef\u00fchl habe, lieber eine Pause zu machen, dann mache ich das. Dazu geh\u00f6rt mehr Mut, als sich halberk\u00e4ltet f\u00fcr eine weitere Einheit aufs Rad zu setzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2431\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/IMG_3490.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2431\" class=\"size-thumbnail wp-image-2431\" alt=\"Der Hardtsee am Samstag vorm Rennen. Ohne Kienle. Ohne mich. Aber dekorativ. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/IMG_3490-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2431\" class=\"wp-caption-text\">Der Hardtsee am Samstag vorm Rennen. Ohne Kienle. Ohne mich. Aber dekorativ.<\/p><\/div>\n<p><strong>Haben Sie Gl\u00fcck, sich einfach oft genug f\u00fcrs Aufstehen entschieden zu haben?<\/strong><\/p>\n<p>Das sportliche Talent habe ich, das kann ich nicht beeinflussen, das wurde mir in die Wiege gelegt. Aber f\u00fcr meinen Sport sind auch Dinge wie Flei\u00df und Beharrlichkeit wichtig. Und auch meine Erziehung hat viel mit dem zu tun, was ich im Sport erreicht habe und erreichen kann.<\/p>\n<p><strong>Kein Mentalcoach oder Guru, der Sie auf die Spur bringt?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, inzwischen bin ich ja eher derjenige, der gefragt wird und davon erz\u00e4hlen soll, wie ich mich zu meinen Leistungen motiviere. Viele glauben, ich sei ein unglaublicher Motivationsk\u00fcnstler.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie es?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, eben nicht. Mich wundert es ja selbst. Ich musste mir vor meinem ersten Vortrag \u00fcber Motivation erst einmal ein Buch zum Thema kaufen, um das, was bei mir gut funktioniert, in markige Worte zu fassen.<\/p>\n<p><strong>Sie gelten als hervorragender Radfahrer und eher mittelm\u00e4\u00dfiger Schwimmer. \u00adTrainieren Sie Schw\u00e4chen oder St\u00e4rken?<\/strong><\/p>\n<p>Beides \u2013 anders geht es nicht in unserem Sport. Aber beim Schwimmen erziele ich schneller Fortschritte, und das motiviert. Beim Radfahren w\u00e4re ich hingegen sehr demotiviert, wenn die Verbesserungen trotz Training nicht von alleine k\u00e4men.<\/p>\n<p><strong>Sie haben nach Ihrem Vordiplom das \u00adPhysik-Studium abgebrochen und den Schritt in den Profisport gewagt. Eine \u00admutige Entscheidung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe davor keine Berechnung dar\u00fcber angestellt, zu wie viel Prozent dies und jenes klappen muss und wird. Man muss bei so einer Entscheidung auch bereit sein, seinem Herz zu folgen und nicht nur seinem Kopf. Sonst h\u00e4tte ich mich nie so entschieden. Das Sch\u00f6ne an dem Sport ist, dass der Erfolg nicht \u00fcber Nacht kommt.<\/p>\n<p><strong>Das klingt erst mal nicht so gut.<\/strong><\/p>\n<p>Nein, es kann auch das Harte daran sein. Aber der Erfolg trifft einen, wenn es klappt, nicht unvorbereitet. Zudem sind bestimmte Risiken wie etwa Verletzungen im Triathlon selten. Ich rei\u00dfe mir nicht eben mal im Training wegen eines Trainingsfouls die Kreuzb\u00e4nder. Nach dem Vordiplom haben auch meine Eltern gr\u00fcnes Licht gegeben. Au\u00dferdem habe ich das Studium auch nicht von heute auf morgen abgebrochen, sondern erst mal zwei Urlaubssemester gemacht. Dann lief es aber ganz gut.<\/p>\n<p><strong>Als Sieger des Ironman Hawaii k\u00f6nnen Sie den Erfolg vermarkten. Sie bezifferten in einem Interview den Marktwert des Sieges auf etwa eine Million Euro. W\u00e4re das Unternehmen Kienle auch so profitabel mit Platz zwei oder drei in Hawaii?<\/strong><\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen dem ersten und dem dritten Platz ist enorm. 20 Menschen haben das gleiche Talent, aber am entscheidenden Tag einfach eine unterschiedliche Form. 19 gewinnen das Rennen nicht. Die verdienen aber nicht nur zehn Prozent weniger, sondern nur noch einen Bruchteil dessen, was der Sieger davontr\u00e4gt. Das Preisgeld ist allerdings f\u00fcr einen Profi der kleinste Teil, die Werbepartnerschaften danach machen den Unterschied.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p><strong>Stand der Sieg in Hawaii in Ihrem Businessplan?<\/strong><\/p>\n<p>Das war das Ziel. Trotzdem: Es hat mich gewundert, dass es schon so fr\u00fch geklappt hat. In der Woche vor dem Rennen habe ich mit Thomas Hellriegel, der 1997 den Ironman als erster Deutscher gewann, dar\u00fcber gesprochen, was ich 2015 besser machen k\u00f6nnte, damit es dann klappt. Denn zu dem Zeitpunkt damals habe ich mit einem Erfolg nicht gerechnet. Man hat nicht so viele Versuche. Das nimmt nicht gerade den Druck auf diejenigen, die wissen, dass sie in Hawaii siegen k\u00f6nnen. Viel mehr als drei bis f\u00fcnf Versuche hat man sicher nicht.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist das Unternehmen Kienle?<\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen gr\u00f6\u00dfer, als man denkt. Ich mache noch sehr viel selber, aber es geht nicht ohne Management. Ich arbeite mit zwei Trainern, habe meist einen Physiotherapeuten dabei und hoffe auf den entsprechenden Return on Investment.<\/p>\n<p><strong>Wurmt es Sie, dass der Sport, der 1978 in Hawaii mit 15 Teilnehmern aus der Taufe gehoben wurde, um herauszufinden, ob Schwimmer, Radler oder L\u00e4ufer fitter sind, bei Olympia in einer viel k\u00fcrzeren Version ausgetragen wird?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, das ist gerechtfertigt. Auch f\u00fcr den olympischen Sport ist es wichtig, dass er medial pr\u00e4sentabel ist. Das w\u00e4re bei einer Langdistanz, f\u00fcr die die besten Athleten gut acht Stunden brauchen, sehr schwierig.<\/p>\n<p><strong>Leidet die Sportart also zum Gro\u00dfteil an ihrer ureigenen Faszination, den extremen \u00adDistanzen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das ist so. Wir k\u00f6nnten die Langdistanz reizvoller machen, wenn die Streckenf\u00fchrung bei den Rennen stark verk\u00fcrzt w\u00fcrde und die Radfahrer in mehreren Runden \u00f6fter am Publikum vorbeik\u00e4men. Es wird aber sicher eine parallele Entwicklung geben wie in der Leichtathletik: Da gibt es den 100-Meter-Sprint und den Marathon. Die beiden Extreme wecken die Aufmerksamkeit, und in der Mitte sinkt das Zuschauerinteresse. Das wird der Triathlon vermutlich \u00e4hnlich erleben. Die kurze Distanz wird mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die lange Distanz zugleich nicht an Faszination einb\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Die Zahl der Mitglieder der Deutschen Triathlon Union steigt kontinuierlich, ebenso das Angebot an Wettbewerben in allen Regionen Deutschlands. Dort werden mit Schnupper- oder Sprint-Triathlon immer k\u00fcrzere Distanzen angeboten, die sich an jedermann richten. Ist Triathlon schon ein Volkssport?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_2433\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/IMG_2174.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2433\" class=\"size-thumbnail wp-image-2433\" alt=\"Sauber bleiben, sagt Kienle. Hier entlang der Strecke des Ironman Austria. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/IMG_2174-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2433\" class=\"wp-caption-text\">Sauber bleiben, sagt Kienle. Hier entlang der Strecke des Ironman Austria.<\/p><\/div>\n<p>Triathlon kombiniert die drei beliebtesten Ausdauersportarten in Deutschland. Schon dadurch hat der Sport das Potenzial, ein Breitensport zu werden. Volkssport w\u00e4re \u00fcbertrieben, denn da gibt es im Grunde nur zwei Kandidaten: Fu\u00dfball und Laufen. Alle anderen, auch Radfahren oder Schwimmen, sind keine Volkssportarten.<\/p>\n<p><strong>Aber der Sport boomt.<\/strong><\/p>\n<p>Sicher, er w\u00e4chst. Aber auch Boomsportart w\u00fcrde ich es nicht nennen, das w\u00e4re auch gar nicht erstrebenswert. Wir wachsen konstant. Das aber schon seit sehr langer Zeit. Ein sehr gesundes Wachstum. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Triathlon ist neben Marathon\u00a0<\/strong><strong>eine der wenigen Sportarten, wo Hobbysportler im gleichen \u00adRennen starten wie Profis. F\u00fcr\u00a0<\/strong><strong>die Amateure ist das ein Anreiz. F\u00fcr Profis auch?<\/strong><\/p>\n<p>Die Atmosph\u00e4re bei den Rennen ist bemerkenswert. Es sind sehr angenehme Kontakte, und das ist sicher auch der Grund, warum wir ohne Securitypersonal auskommen. Ich brauche keine Bodyguards. Wenn ich vorm Wettkampf meine Vorbereitungen treffe, sehen die Athleten schon, dass man mich nicht best\u00fcrmen sollte mit W\u00fcnschen nach Autogrammen oder Selfies. Auch die Profis wissen um die Verantwortung gegen\u00fcber den Amateuren: Man ist auf viel direktere Art Vorbild.<\/p>\n<p><strong>Die Zielgruppe der Triathlonindustrie ist direkt vor Ort.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ein Pfund, mit dem wir gegen\u00fcber Sponsoren wuchern k\u00f6nnen, denn diese Amateure sind Multiplikatoren. Amateurtriathleten auf der Langdistanz machen das nicht mal nur einfach so und interessieren sich sonst nicht daf\u00fcr. Die sind sehr aktiv in den sozialen Medien. Und alle Sponsoren, die ich habe, sind sehr interessiert an diesen Amateurathleten, denn auch ohne riesige \u00d6ffentlichkeit bedienen wir sehr genau die Zielgruppe.<\/p>\n<p><strong>Eine, die bereit ist rund 500 Euro Startgeld f\u00fcr ein einziges Rennen und mehrere tausend Euro f\u00fcr Neoprenanzug, Rad und Training auszugeben im Jahr. Sind die alle ein wenig gaga?<\/strong><\/p>\n<p>Sie sind in der Regel \u00fcberdurchschnittlich gebildet und haben ein \u00fcberdurchschnittliches Einkommen.<\/p>\n<p><strong>Dass sie dann f\u00fcr die Zeitfahrmaschine ausgeben&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Es ist sicher kein Sport, den man ohne Mittel machen kann, wenn man ihn auf der Langdistanz aus\u00fcben m\u00f6chte. Viele Amateure f\u00fchlen sich deswegen auch als Mitglieder eines elit\u00e4ren Clubs, nicht nur, was ihre Leistung betrifft.<\/p>\n<div id=\"attachment_2436\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/15C240_06.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2436\" class=\"size-thumbnail wp-image-2436\" alt=\"Ab hier PR-Bilder: Kienle im Windkanal von Mercedes. (Copyright: Tobias Kuberski)\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/15C240_06-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2436\" class=\"wp-caption-text\">Ab hier PR-Bilder: Kienle im Windkanal von Mercedes. (Copyright: Tobias Kuberski)<\/p><\/div>\n<p><strong>M\u00fcssen Sie auf Dinge verzichten, die sonst im Alltag normal sind? Trinken Sie Alkohol?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Durchaus regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p><strong>Einmal im Jahr?<\/strong><\/p>\n<p>Das w\u00e4re auch eine Regel. Es geht mir um die innere Balance. Alkohol mindert die Leistung, gewiss, aber wenn ich ein Glas Wein in der Woche trinke, dann ist das kein Problem. Im Gegenteil. Man sollte sich nicht zu arg kasteien, sonst wird man zu unentspannt, und das muss man vermeiden.<\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft, Sie halten auch keine spezielle Di\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Ich beherzige, was der gesunde Menschenverstand sagt. Ich esse normal. Nat\u00fcrlich m\u00f6glichst viel frisches Obst und Gem\u00fcse. Wenn es geht, wenig Zucker, auch wenn sicher mehr als einmal die Woche Schokolade dabei ist. Ich koche auch gerne selber. Und wenn ich einen Ratschlag geben sollte, dann w\u00e4re es folgender: Sobald die Zubereitung l\u00e4nger als 30 Minuten dauert, kann ich schon gar nicht mehr so viel falsch machen. Dann ist genau das drin, was ich drin haben wollte.<\/p>\n<p><strong>Und im Rennen?<\/strong><\/p>\n<p>Da braucht es die spezielle Wettkampfnahrung, die vorher in harten Einheiten auf Vertr\u00e4glichkeit getestet wird.<\/p>\n<p><strong>Aber im Training tut es auch mal eine Stulle?<\/strong><\/p>\n<p>Klar.<\/p>\n<p><strong>Mit dieser Haltung, sind Sie sehr erfolgreich. Wissen Sie noch, was Sie am 20. Und 21. September 2014 gemacht haben?<\/strong><\/p>\n<p>Das war wahrscheinlich die Wahl zum Sportler des Jahres, sch\u00e4tze ich? Nein?<\/p>\n<p><strong>Nein, an dem Wochenende wurde der Franzose Bertrand Billard Weltmeister im Triathlon auf der Langdistanz.<\/strong><\/p>\n<p>Sie spielen auf eines der gr\u00f6\u00dften Probleme unseres Sports an. Nennen wir es freundlich das Nebeneinander und unfreundlich das Gegeneinander der drei gro\u00dfen Verb\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>Von denen zwei eine eigene Weltmeisterschaft veranstalten. Die World Triathlon Corporation mit der Marke Ironman und dem Rennen in Hawaii und der International Triathlon Union, die unter anderem f\u00fcr die Olympiaqualifikationen zust\u00e4ndig ist.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist fast noch un\u00fcbersichtlicher als im Boxen und sicher eine der Sachen, die uns im Weg stehen, den Sport besser vermarkten zu k\u00f6nnen. Die Organisation ist schwer zu verstehen, wenngleich der Sport selber doch so einfach zu begreifen ist.<\/p>\n<p><strong>Wer zuerst im Ziel ist, ist Sieger. Wo liegt das Problem?<\/strong><\/p>\n<p>Bertrand Billard kann sagen, er ist Triathlon-Weltmeister, so wie ich das das sagen kann. Es gibt sehr viele verschiedene Weltmeister auf verschiedenen Distanzen mit unterschiedlichen Wertigkeiten. Und genau das darf eigentlich nicht passieren. Es muss klar sein, dass der Weltmeister der beste Triathlet Welt ist \u00fcber die Distanz und das ist leider nicht immer der Fall. Ich f\u00e4nde es gut, wenn es eine Art Weltrangliste g\u00e4be, die allen erbrachten Leistungen in allen Verb\u00e4nden Rechnung tr\u00fcge.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet der Wettbewerb unter den Dachmarken f\u00fcr einen Profi-Triathleten?<\/strong><\/p>\n<p>Wir Profis sind nat\u00fcrlich tief in der Materie drin und wissen die Wertigkeit eines Titels genau einzusch\u00e4tzen und ein Gro\u00dfteil des Geldes, das ich verdiene kommt ja aus dem Sport. Die Sponsoren sind Radhersteller, Ausr\u00fcster, die k\u00f6nnen das auch noch verstehen. Gleichzeitig ist es aber so, dass die Weltmeisterschaft sich selber kr\u00f6nt, weil der Ironman auf Hawaii die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht. Da wir Profis mit den verschiedenen Verb\u00e4nden Vertr\u00e4ge haben, m\u00fcssen wir aufpassen, dass wir die verschiedenen Qualifikationen erf\u00fcllen, um bei den wichtigen Wettbewerben dabei zu sein. Als Hawaii-Sieger muss ich mich zwar f\u00fcr das Folgejahr nicht \u00fcber das Hawaii-Punkte-System der WTC qualifizieren, aber mindestens ein Langdistanz-Rennen der WTC unter dem Ironman-Label erfolgreich beenden. Deswegen kann ich zum Beispiel nicht in Roth, dem \u00e4ltesten Langdistanztriathlon in Europa, starten, was ich bedauere, aber mehr als zwei lange Rennen im Jahr kann ich nicht absolvieren, ohne meine Vorbereitung auf die wichtigen Rennen zu gef\u00e4hrden. Zudem m\u00fcssen wir auf die Wertigkeit f\u00fcr die Sponsoren achten, nicht \u00fcberall erhalten die Athleten von den Sponsoren die gleichen Bonuszahlungen f\u00fcr einen Erfolg.<\/p>\n<div id=\"attachment_2437\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/Plasma5_Launch_Aigle_triathlon_Sebastian_Kienle_Portrait_2015_BIKE_SCOTT-Sports03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2437\" class=\"size-thumbnail wp-image-2437\" alt=\"Tarnkappenrad. Dahinter: Der Athlet Kienle. (Copyright: Scott)\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/Plasma5_Launch_Aigle_triathlon_Sebastian_Kienle_Portrait_2015_BIKE_SCOTT-Sports03-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2437\" class=\"wp-caption-text\">Tarnkappenrad. Dahinter: Der Athlet Kienle. (Copyright: Scott)<\/p><\/div>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie da allem gerecht werden?<\/strong><\/p>\n<p>Allen Veranstaltern? Allen Sponsoren? Allen Medien?<\/p>\n<p><strong>Dem Unternehmen Sebastian Kienle.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich schwierig. Meine sportlichen Ziele sind nicht zwingend deckungsgleich mit denen die \u00f6konomisch sinnvoll w\u00e4ren. Mein pers\u00f6nliches Ziel ist es sicher, den Weltmeistertitel \u00fcber die Mitteldistanz\u2026<\/p>\n<p><strong>\u2026also 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer Laufen\u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026zur\u00fcckzuholen. Was \u00f6konomisch lange nicht so sinnvoll ist, wie den Titel von Hawaii zu verteidigen. Das ist ein ganz anderer finanzieller Anreiz. Das gilt so auch f\u00fcr die Serie, die im Oman, Bahrain und Dubai stattfindet, wo es f\u00fcr den Gesamtsieg eine Million Dollar gibt.<\/p>\n<p><strong>Das klingt doch prima.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber ich habe auf die Teilnahme verzichtet aus sportlichen Gr\u00fcnden, weil ich sonst viel fr\u00fcher mit der Saison h\u00e4tte beginnen m\u00fcssen und damit dann die Titelverteidigung in Hawaii im Oktober riskiere. Zum Gl\u00fcck sind die sportlichen und finanziellen Anreize aber oft deckungsgleich, denn die wichtigsten Wettbewerbe ziehen auch die wichtigsten Athleten an und das ist mein Ziel: Mich mit den Besten messen und die besten Athleten zu schlagen. Ob das Rennen noch einen Weltmeistertitel tr\u00e4gt, ist f\u00fcr mich nicht das wesentlichste.<\/p>\n<p><strong>Gibt es sportliche Opfer in der Organisation Ihres Wettkampfkalenders?<\/strong><\/p>\n<p>Olympiasieger werde ich nie. Dazu muss ich aber sagen, dass meine Talente nicht so verteilt sind, dass auf der k\u00fcrzeren Distanz, die bei den olympischen Spielen ausgetragen wird, ein Sieg dort ein realistisches Ziel f\u00fcr mich w\u00e4re. Es w\u00e4re sicher ein sehr hohes Ziel und man als Mensch immer gern das h\u00e4tte, was man nicht hat. Aber da muss ich realistisch sein: Das ist nicht relevant, weil ich keine Chance h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>Triathlon ist einer Umfrage zufolge beliebter als Volleyball und Rodeln aber unbeliebter als Tanzen und Skispringen. Wie viel Potenzial steckt denn drin?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist die Frage, wie die Weichen gestellt werden unter den konkurrierenden Verb\u00e4nden. Schaffen sie es, sich unter einem Dach zu vereinen, dass alle f\u00fcr den Sport an einem Strang ziehen oder bleibt es beim Kleinklein, dann wird es schwieriger. Dann h\u00e4ngt vieles davon ab, ob diejenigen, die den Sport aus\u00fcben ihn sp\u00e4ter auch am Bildschirm konsumieren wollen. Die St\u00e4rke unseres Sports ist nicht die gro\u00dfe Fernsehpr\u00e4senz. Da sind Rodeln oder Skispringen weit vorne. Aber kennen Sie jemanden, der in seiner Freizeit rodelt oder skispringt? Beim Triathlon ist die Chance gar nicht so schlecht, dass Sie da jemanden kennen. Das ist vielleicht nachhaltiger, als wenn es ein Wachstum w\u00e4re, das am Erfolg im Fernsehen h\u00e4ngt. Die Fernsehpr\u00e4senz beim Rodeln wird vielleicht in dem Moment verschwinden, wo keine deutschen Sportler mehr Erfolge feiern. Das haben wir beim Skispringen in der Vergangenheit schon gesehen. Nach Martin Schmitt und Sven Hannawald war es nicht mehr bei RTL, sondern bei Eurosport zu sehen.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p><strong>Welchen Einfluss haben die Athleten auf die Verb\u00e4nde?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, dass einer von den Chefs der drei wichtigen Verb\u00e4nde noch kein Interview in einem gro\u00dfen deutschen Wirtschaftsmagazin gegeben hat. Insofern haben wir Athleten eine Stimme, das ist eine Plattform, die wir nutzen k\u00f6nnen, um das in unserem Sinne zu steuern. Aber die WTC mit den Ironman-Wettbewerben \u00a0ist ein normales Unternehmen, das zu einer Private Equity-Holding geh\u00f6rt. Die haben eigene Interessen. Aber es gibt die Idee, eine Profigewerkschaft zu gr\u00fcnden, obwohl es sehr fraglich ist, ob es die je geben wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_2438\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/Plasma5_Launch_Aigle_triathlon_Sebastian_Kienle_Portrait_2015_BIKE_SCOTT-Sports01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2438\" class=\"size-thumbnail wp-image-2438\" alt=\"Entspannt bleiben! Sagt Kienle. Der muss es wissen. (Copryright: Scott)\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2015\/03\/Plasma5_Launch_Aigle_triathlon_Sebastian_Kienle_Portrait_2015_BIKE_SCOTT-Sports01-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2438\" class=\"wp-caption-text\">Entspannt bleiben! Sagt Kienle. Der muss es wissen. (Copryright: Scott)<\/p><\/div>\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr sind zu viele Individualisten in unserem Sport unterwegs. Aber zufriedene Athleten und mehr Wettk\u00e4mpfe sind auch f\u00fcr die \u00f6rtlichen Veranstalter wie auch die Lizenzgeber wie Challenge und Ironman wichtig, denn daraus entsteht deren Wachstum.<\/p>\n<p><strong>Deutschland ist mit Athleten wie Norman Stadler, Lothar Leder, Thomas Hellriegel und Faris Al-Sultan schon sehr lange erfolgreich im Triathon. Nun sind Jan Frodeno, Michael und Andreas Raelert und Sie selbst Weltspitze. Was sind die Gr\u00fcnde?<\/strong><\/p>\n<p>Durch die Erfolge von Stadler oder Leder haben mehr Jugendliche den Sport begonnen und aus dieser Substanz entwickeln sich mehr Talente. Und Deutschland hat ein ziemlich gutes Sportf\u00f6rdersystem. Auch wenn viele immer drauf schimpfen, ich halte es f\u00fcr gut und konkurrenzf\u00e4hig. Die meisten Athleten, die auf der Langdistanz erfolgreich sind, kommen urspr\u00fcnglich aus der Kurzdistanz, in der es auch ein Ligasystem gibt mit regelm\u00e4\u00dfigen Wettbewerben. Auch ich habe eine Zeit lang von Strukturen profitiert, die daf\u00fcr da sind, Sportler nach Olympia zu bringen. Und letztlich kann man mit Flei\u00df und Beharrlichkeit in diesem Sport schon sehr viel erreichen. Auch wenn ich Jungs aus Australien kenne, die noch viel flei\u00dfiger sind als ich.<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><strong>Es gibt weltweit etwa 2000 Profitriathleten. Gibt es f\u00fcr die genug zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Da k\u00f6nnen Sie auch Fragen, ob ich annehme, dass alle Profitriathleten den Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde verdienen\u2026<\/p>\n<p><strong>Und wie w\u00e4re die Antwort?<\/strong><\/p>\n<p>Ich vermute eher nicht. Unter den 2000 Profis sind einige dabei, die studieren noch, andere haben das Geld, um genug zu trainieren und erf\u00fcllen sich den Traum. Von dem Sport gut leben k\u00f6nnen meiner Meinung nach nicht mehr als 20 M\u00e4nner und 15 Frauen weltweit. Der Rest verdient zwar Geld, aber nicht genug, um davon vern\u00fcnftig zu leben.<\/p>\n<p><strong>Die weiblichen Topathleten wie Chrissie Wellington oder Mirinda Carefrae im Triathlon sind kaum weniger bekannt als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen, auch die Preisgelder sind f\u00fcr beide gleich. Was sind die Gr\u00fcnde?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben im Grunde eine Gleichberechtigung. Das liegt allein schon daran, dass wir unsere Weltmeisterschaft alle gemeinsam am gleichen Tag auf der gleichen Strecke austragen. Das allein ist ein Riesenvorteil des Triathlons.\u00a0 Es gibt allerdings f\u00fcr Frauen nur 35 statt 50 Startpl\u00e4tze f\u00fcr die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Meiner Meinung nach ist die Leistungsdichte noch nicht so stark bei den Frauen wie bei den M\u00e4nnern. Viele wollen aber gleiche Startzahlen bei den Profis f\u00fcr Frauen wie M\u00e4nner.<\/p>\n<p><strong>Wer sich bei Hobbywettk\u00e4mpfen umschaut sieht: Der Anteil weiblicher Starter ist sehr gro\u00df. \u00dcberrascht sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Ein wenig, denn allein das Radfahren gilt als recht m\u00e4nnliche Disziplin. Aber das ist es gar nicht. Zudem muss man sich nur vor Augen halten:\u00a0 Die Weltmeisterin Mirinda Carefree ist ihren abschlie\u00dfenden Marathon auf Hawaii schneller gelaufen als ich meinen. Je l\u00e4nger die Strecke wird, desto geringer ist der Abstand zwischen den Geschlechtern. Beim Ausdauersport, das zeigen auch die prozentualen Abweichungen beim 100-Meter-Lauf und beim Marathon zwischen M\u00e4nnern und Frauen kommen sich die Geschlechter n\u00e4her, je l\u00e4nger die Distanz ist.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie nicht Profi geworden w\u00e4ren, wo w\u00e4ren Sie heute mit ihrem doch recht speziellen Studium der Physik?<\/strong><\/p>\n<p>Das Physikstudium ist doch im Gegenteil sogar sehr unspezifisch! Damit kann man Bundeskanzlerin werden als auch im CERN arbeiten. Oder notfalls als Patentanwalt. Mir war bis zum Vordiplom nicht ganz klar, wo das enden w\u00fcrde. In der Zeit habe ich allerdings begonnen mein Faible f\u00fcr Wirtschaft zu entwickeln. Ich w\u00e4re sicher nicht im Elfenbeinturm gelandet, sondern eher wie viele meiner Kollegen in die Unternehmensberatung gegangen.<\/p>\n<p><strong>Was schauen Sie sich von anderen Athleten ab?<\/strong><\/p>\n<p>Man muss seinen eigenen Weg gehen. Aber wer nicht rechts und links schaut, der kann den gar nicht finden. Meine Kollegin Sonja Barzel, mit der ich oft trainiere, ist eine technisch hervorragende Schwimmerin, da schiele ich schon hin, was die anders macht als ich. Triathlon ist Konkurrenzkampf in Reinkultur und alles was gut erscheint, wird sofort kopiert. Man muss immer bereit aus den Fehlern der anderen zu lernen. Da hilft heute Social Media heute ungemein, viele Sportler posten auf Facebook ihre Trainingsdaten. Gleichzeitig darf man sich nicht irritieren lassen, denn st\u00e4ndig trainiert irgendwo einer mehr als man selber. Das funktioniert nicht, wenn man denkt, man m\u00fcsse der sein, der am Ende der Woche die meisten Stunden hat.<\/p>\n<p><strong>Der erste Triathlon der Welt auf Hawaii 1978 entstand aus der Frage, wer fitter sei: Der Schwimmer, der Radler oder der L\u00e4ufer? Wer ist denn nun eigentlich fitter?<\/strong><\/p>\n<p>Das kann man nicht sagen. Ich halte auch nichts davon, Sportler interdisziplin\u00e4r zu vergleichen. Als Triathlet orientiert man sich aber dennoch an den Spezialisten, denn wir alle finden \u00fcber eine der Sportarten zum Triathlon. Und wir schauen, was machen die? Und mit dem \u00dcberblick kann ich sagen, dass in allen drei Sportarten von Triathleten unglaubliche Leistungen erbracht werden.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnten Sie bei den Spezialisten mithalten?<\/strong><\/p>\n<p>Keine Chance. Als M\u00e4nner schaffen Triathleten es gerade so, sich mit den Spezialisten bei den Frauen zu messen. Aber selbst da bin ich weit davon entfernt, nur beim Rad fahren, da bin ich besser. Aber die schnellste Frau schwimmt schneller als ich und l\u00e4uft schneller als ich.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4tten Sie als Radprofi eine Chance?<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht. Wenn ich das vor zehn bis zw\u00f6lf Jahren so entschieden h\u00e4tte. Heute? Keine Chance. Beim Zeitfahren bei der Tour de France w\u00fcrde ich zumindest nicht untergehen. Aber auch, weil ein gro\u00dfer Teil der Fahrer sich schont, weil sie eh keine Chance auf den Sieg haben.<\/p>\n<p><strong>Zu den Eigenheiten des Radsports und weniger erfreulichen Themen dieser Szene geh\u00f6rt das Doping. Sie haben sich entschieden dagegen ausgesprochen, dass Lance Armstrong im Triathlon starten darf. Ist der Triathlon sauber?<\/strong><\/p>\n<p>Im Triathlon ist zumindest anders, dass wir keine Teams sind. Es gab Dopingf\u00e4lle auch in unserem Sport. Aber da es kein Mannschaftssport ist, ist das fl\u00e4chendeckende Dopen das vom Teamleiter gedeckt wird und von dem alle Mitglieder des Teams wussten, nicht unser gr\u00f6\u00dftes Problem.<\/p>\n<div id=\"attachment_2059\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/10\/Foto-26.10.14-10-15-50.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2059\" class=\"size-thumbnail wp-image-2059\" alt=\"Es darf auch mal Alkohol sein, sagt Kienle. Vielleicht nicht im Rennen, so wie hier beim R\u00f6ntgenlauf. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/10\/Foto-26.10.14-10-15-50-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2059\" class=\"wp-caption-text\">Es darf auch mal Alkohol sein, sagt Kienle. Vielleicht nicht im Rennen, so wie hier beim R\u00f6ntgenlauf.<\/p><\/div>\n<p><strong>Sondern?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben inzwischen fast eine Umkehr der Beweislast. Wer in der Weltspitze vorne liegt, muss im Grunde belegen, dass er nicht gedopt ist. Nur &#8211; es ist fast unm\u00f6glich gegen Vermutungen in der \u00d6ffentlichkeit anzutesten. Ich geh\u00f6re dem Testpool der deutschen Dopingagentur an und wir werden sehr intensiv getestet. So muss ich zum Beispiel, wenn ich wie heute fr\u00fcher f\u00fcr unser Interview zu Hause los fahre, eine SMS an das System schicken, dass ich nicht zu der fest vereinbarten Zeit zu Hause bin, an der Kontrollen stattfinden k\u00f6nnen. Das ist alles in Ordnung, aber es sch\u00fctzt mich nicht, als Sieger einem Generalverdacht ausgesetzt zu sein.<\/p>\n<p><strong>Amateure werden im Triathlon kaum kontrolliert, obwohl es dort zwar nicht um riesige Geldsummen geht &#8211; aber zumindest die Qualifikation f\u00fcr die WM in Hawaii.<\/strong><\/p>\n<p>Bei Amateuren wird inzwischen auch mehr getestet, sicher aber nicht in der Tiefe. Amateure sind oftmals auch gedopt, ohne es zu wissen. Medikamente wie Wick Medinait oder Aspirin Complex sind beispielsweise zu bestimmten Zeiten f\u00fcr Athleten verboten. Das wissen nur viele gar nicht. Wir Profis m\u00fcssen genau wissen, welche Medikamente wir nicht nehmen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><strong>Zum Schluss einige Fragen, die einige Bekannte gerne beantwortet haben wollen: Gehen Sie auf Partys?<\/strong><\/p>\n<p>Bevorzugt nach dem Gewinn einer Ironman-Weltmeisterschaft. Da habe ich einige Partys mitgenommen. Aber im Alltag verliert es mit 30 auch seinen Reiz.<\/p>\n<p><strong>Wie viel Stunden Schlaf?<\/strong><\/p>\n<p>Bestimmt im Schnitt acht Stunden Nachtschlaf und eine Stunde Mittagsschlaf.<\/p>\n<p><strong>Musik beim Training?<\/strong><\/p>\n<p>Unterschiedlich. Ich trainiere auch auf dem Laufband oder dem Rollentrainer. Da immer mit Musik. Drau\u00dfen weniger. Musik kann ein toller Motivator sein. Wenn man es immer nutzt, geht der Reiz aber auch verloren.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Stunden trainieren Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Rund 28 Stunden in der Woche.<\/p>\n<p><strong>Sie waren bei der Challenge Roth sehr erfolgreich, besonders auf dem Radsplit &#8211; gute Tipps f\u00fcr die Strecke?<\/strong><\/p>\n<p>Die Standardtipps: Am Solarer Berg sich nicht von der Euphorie anstecken lassen und in der ersten Runde auf dem gro\u00dfen Blatt hochst\u00fcrmen. Und beim Laufen auf einen recht langen Marathon einstellen. Der f\u00fchlt sich l\u00e4nger an, weil man am Kanal auch sehr weit schauen kann. Da nur von Schritt zu Schritt denken. Und in der Vorbereitung auf Schotter trainieren.<\/p>\n<p><strong>Trainieren Sie viel den Oberk\u00f6rper? Ein Beobachter meinte, mehr Muskeln als im Vergleich zu anderen gesehen zu haben.<\/strong><\/p>\n<p>Nein, ich bin nicht so extrem am Limit, was das K\u00f6rperfett angeht, da sieht das vielleicht so aus. Leider bringen die Muskeln nicht so viel f\u00fcr das Schwimmen.<\/p>\n<p><strong>Was verzehren Sie nach harten Einheiten?<\/strong><\/p>\n<p>Eiwei\u00df und Kohlenhydrate im Verh\u00e4ltnis 2 zu 1. So wird die Erholung beschleunigt. Schokomilch vielleicht oder Pfannkuchen mit Quark. Oder Kartoffeln mit Ei. Nach dem Training tut es aber auch ein Proteinriegel.<\/p>\n<p><strong>Sie haben alles gewonnen, viel schneller war auch noch kaum einer. Ist Ironman f\u00fcr Sie noch hart?<\/strong><\/p>\n<p>Absolut. Und ich staune auch selber immer wieder. Als wir vergangenes Jahr nach Frankfurt fuhren im Auto, waren das ziemlich genau 180 Kilometer und wegen viel Verkehrs haben wir gut drei Stunden gebraucht. Und ich sa\u00df da und dachte: Die Strecke willst du mit dem Fahrrad fahren? Und danach noch einen Marathon laufen? Der Ironman bleibt auch f\u00fcr mich eine faszinierende Herausforderung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es begab sich auf Twitter. Im Zuge eines Artikels \u00fcber GPS-Sportuhren in der WirtschaftsWoche erw\u00e4hnte ich auf Twitter auch @sebastiankienle. 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