{"id":2203,"date":"2014-12-17T16:25:47","date_gmt":"2014-12-17T14:25:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=2203"},"modified":"2014-12-17T16:30:13","modified_gmt":"2014-12-17T14:30:13","slug":"wer-macht-was-mit-unseren-daten-gesundheit-und-krankenkassen-und-laufwege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2014\/12\/17\/wer-macht-was-mit-unseren-daten-gesundheit-und-krankenkassen-und-laufwege\/","title":{"rendered":"Wer macht was mit unseren Daten? Gesundheit und Krankenkassen und Laufwege."},"content":{"rendered":"<p>Im November k\u00fcndigte der erste Versicherungskonzern, die Generali, an, Mitgliedern Krankenversicherungs-Tarife anzubieten, die g\u00fcnstiger seien, wenn die Versicherten ihre Gesundsheitsdaten mit einer App dem Versicherer mitteilen. In einem Interview mit dem Spiegel erkl\u00e4rte der Chef der Generali, dass noch nichts fix sei. F\u00fcr den Moment und diesen Blogbeitrag nehme ich einfach mal an, dass &#8211; egal was die Generali genau tun wird &#8211; in Zukunft die Krankenkassen, ob privat oder gesetzlich diese Daten nutzen wollen, um Mitgliedern Angebote zu machen.<\/p>\n<p>Das bedeutet &#8211; wer sich ausreichend bewegt, vern\u00fcnftig isst, undsoweiterundsoweiter muss weniger Mitgliedsbeitr\u00e4ge zahlen. Wir Hobbysportler sammeln inzwischen in gro\u00dfer Zahl sehr gro\u00dfe Mengen an Daten an. Wir speichern sie auf Datenbanken der Hersteller von GPS-Uhren oder Lauf-Apps. Je nach Modell oder Anbieter lassen sich noch Gem\u00fctszust\u00e4nde und Gewicht eingeben.<\/p>\n<p>Zur Zeit gibt es in Deutschland keine sichtbaren Bestrebungen, f\u00fcr Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen solche Daten zu nutzen, um ihren Mitgliedsbeitrag zu beeinflussen. Bislang beschr\u00e4nkt sich die &#8222;Belohnung&#8220; von vermeintlich gesundem Lebenswandel auf Bonusprogramme, bei denen der Versicherte beispielsweise Geld zur\u00fcck bekommt, wenn er Mitglied in einem Verein ist. Oder einem Fitnessstudio. Ob er dann da \u00fcberhaupt Sport macht wird nicht kontrolliert. Diese Bonusprogramme werden in 2015 sicherlich zusammenschnurren.<\/p>\n<p>Dennoch w\u00e4re es naiv zu glauben, in Zukunft w\u00fcrde so etwas nicht auf breiter Basis diskutiert. Und es klingt ja zun\u00e4chst auch gut &#8211; wer gesund lebt, ist (vermutlich) seltener krank, kostet also weniger, darf also sparen.<\/p>\n<p>Bevor ich mir ein paar Worte erlaube zu diesem Thema, aber zun\u00e4chst mal der Punkt, warum ich das hier \u00fcberhaupt aufgreife: Die Sportuhren, die ich recht umfangreich teste. Diese Uhren tracken im Training alle m\u00f6glichen Daten. Dauer, Intensit\u00e4t, Pausen, alles, alles, alles. Mit den inzwischen zus\u00e4tzlich verbauten Activity-Trackern entsteht sogar ein 24-h-Bild, denn ich kann auch meinen Schlaf beobachten. Das ist nicht gro\u00dfartig pr\u00e4zise, aber wenn ich mich unruhig rumw\u00fchle, dann verzeichnet das Ger\u00e4t das ebenso wie die Schlafdauer. Wenig Schlaf &#8211; ungesund, oder?<\/p>\n<p>All diese Daten liegen auf Servern. Wem geh\u00f6ren sie und wer darf sie wie nutzen?<\/p>\n<p>Diese Frage habe ich den Unternehmen Polar, Garmin, runtastic und Suunto gestellt. Da ich es selber schlicht nicht wusste. Es war mir immer klar, dass Daten ge- und missbraucht werden k\u00f6nnen. Und wer hier die Datenschutzbestimmungen gelesen hat, bevor er &#8222;Weiter&#8220; klickte beim Installieren der Software und Anmeldung zum Webportal von Movescount \u00fcber Connect bis Flow, der werfe den ersten Server.<\/p>\n<p>Die von Polar stehen in Finnland. Darauf wies mich &#8211; nicht ohne sichtliche Zufriedenheit &#8211; der deutsche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Polar, Thomas Seifert, hin. Damit gelten f\u00fcr die Daten auf den Servern europ\u00e4isches Recht. Dass die NSA meine Trainingseinheiten durchschn\u00fcffelt, ist sicher ein absurder Gedanke. Gleichwohl &#8211; an sie heranzukommen ist sicher schwieriger so. Darum geht es mir aber nicht. Es geht um die Daten \u00fcber meine k\u00f6rperliche Verfassung, die ich entweder freiwillig teile oder eventuell in einer fernen Zukunft, aufgefordert werde mitzuteilen, wenn ich den Fit-G\u00fcnstig-Supi-Krankenkassentarif haben m\u00f6chte. Belege statt Mitgliedschaften.<\/p>\n<p>Eine Anfrage an Runtastic und Garmin ergab das gleiche Ergebnis: Es gibt keine Kooperationen, die Daten verbleiben beim Anbieter und jeder Nutzer k\u00f6nne selber bestimmen, mit wem er die Daten teile. Das Unternehmen Suunto beantwortete die Frage nicht, also habe ich mich durch die Privacy Policy gew\u00fchlt. Ergebnis: Aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls keine Kooperation mit Gesundheitsanbietern durch eine Hintert\u00fcr, welcher Art auch immer.<\/p>\n<p>Die beruhigende Erkenntnis und damit Falsifizierung meiner Annahme: Die Gesundheitsdaten sind bis heute NICHT Gegenstand der Gesch\u00e4ftsmodelle der genannten Unternehmen. Die Datenschutzrichtline des mittlerweile recht beliebten Portals Strava ist da ein wenig diffuser. Hier das Zitat, das nahelegt, dass anonymisierte Daten gegebenenfalls an Dritte weitergegeben werden d\u00fcrfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&#8222;Informationen zu deiner Person oder deiner Nutzung der Website k\u00f6nnen mit anderen auf der Website erfassten Informationen zusammengefasst werden oder in anderer Weise verwendet werden, solange du dadurch nicht pers\u00f6nlich identifiziert werden kannst oder diese keine pers\u00f6nlichen Informationen darstellen. Wir k\u00f6nnen solche zusammengefassten oder statistischen Informationen zur Verbesserung der Qualit\u00e4t der Website oder f\u00fcr andere von uns als angemessen betrachtete Zwecke verwenden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Nun bedeutet das eben gerade nicht, dass meine individuellen Daten weitergegeben werden. Aber &#8211; wir malen mal den Teufel an die Wand &#8211; schon Erkenntnisse dar\u00fcber, wie &#8222;gesund&#8220; sich die Mitglieder nun genau benehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Meine pers\u00f6nlichen Sorgen sind also soweit aus dem Weg ger\u00e4umt f\u00fcr den Moment. Ich gehe davon aus, dass meine Laufstrecken, mein Pulsschlag dabei oder auch meine Schlafaktivit\u00e4t dort bleibt, wo sie sind: Den Servern meines Anbieters.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Dem Grundsatz nach sollte ich vielleicht sogar daf\u00fcr sein, dass Gesundheitsdaten genutzt werden, um meinen Tarif bei der Krankenkasse zu beeinflussen. Ich lebe vergleichsweise sehr sportlich, mithin &#8222;gesund&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bin ich jedoch ganz entschieden nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Gesundheit ist etwas anderes als Verhalten im Stra\u00dfenverkehr. Wenn also KFZ-Versicherungen per Blackbox mein Fahrverhalten tracken und mir bei stetem Einhalten der Geschwindigkeitsgebote einen g\u00fcnstigen Tarif anbieten &#8211; fein. Denn es gibt Verkehrsregeln, an die ich mich halten kann. Daf\u00fcr gibt es Gesetze.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Gibt es f\u00fcr Gesundheit nicht. Aus guten Gr\u00fcnden. Nur ein kleiner Ausflug: Fr\u00fcher galten f\u00fcnf kleine Mahlzeiten am Tag als gesund. Mittlerweile wieder drei eher gr\u00f6\u00dfere. Die Vorgaben \u00e4ndern sich ST\u00c4NDIG. Denn es gibt keine absolut sicheren Erkenntnisse. Grenzen f\u00fcr Cholesterinwerte, die als ungesund gelten, werden revidiert. Es gibt sportliches Verhalten und Sportsucht. Wo sind die Grenzen, wo h\u00f6ren sie auf? Ist es gut, wenn ich w\u00f6chentlich zwei Mal zum Fussballtraining gehe? Bestimmt. Nicht aber, wenn mir mein Gegenspieler dabei die Knochen bricht. Dann bin ich ein Kostenfaktor. Ski fahren. Kann sehr gef\u00e4hrlich sein. Rennrad fahren ebenso. Laufen &#8211; nicht so, oder? Vielleicht aber doch, wenn es mir meinen Meniskus ruiniert und langwierige OPs folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Gesundheit ist ein Geschenk. Wer gesund ist, sollte froh sein. Es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Es gibt ausreichend kranke Menschen, die gar nicht den Sport betreiben d\u00fcrften, den ich mache. Sie w\u00fcrden sich gef\u00e4hrden. Sollten sie per App bestraft werden? Der Fu\u00dfballer etwas mehr zahlen als der Volleyballer, der keinen Kontakt zum Gegner hat? Die Schwimmer am wenigsten, weil es doch soooo gesund ist &#8211; und gelenkschonend? Schadet ein Marathon-Teilnehmer nicht sogar seiner Gesundheit mehr als er ihr gutes tut?<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die Krankenkasse ist ein Solidarprinzip. Wenn wir beginnen, jedes individuelle Verhalten zu beurteilen ohne eine solide und abgesicherte Erkenntnis, was gesund und nicht ist, dann verraten wir diese Idee. Apps, die unsere Sportdaten nutzen w\u00fcrden, um &#8222;gesundes&#8220; Verhalten zu belohnen, torpedieren das Solidarprinzip und h\u00f6hlen es aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ein Bonus f\u00fcr die Mitgliedschaft in einem Verein oder in einem Fitnessstudio ist etwas anderes: Schlie\u00dflich kontrolliert das niemand, ob ich hingehe. Wenn jedoch harte Fakten auf dem Tisch liegen, beginnen wir aufzurechnen, BMX-Fahrer gegen Raucher, Veganer gegen Vegetarier, H\u00fchnchenesser gegen Schweinebauchliebhaber, Trainingsflei\u00dfige gegen Wettkampfschw\u00e4nzer. Es wird kein Ende nehmen. Wer lebt ges\u00fcnder &#8211; der Faule oder der Hochrisikosportler?<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Insofern hoffe ich, dass die Daten, die wir in Zukunft alle messen k\u00f6nnen auch weiterhin nur f\u00fcr meine Information sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November k\u00fcndigte der erste Versicherungskonzern, die Generali, an, Mitgliedern Krankenversicherungs-Tarife anzubieten, die g\u00fcnstiger seien, wenn die Versicherten ihre Gesundsheitsdaten mit einer App dem Versicherer mitteilen. 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