{"id":1514,"date":"2014-05-13T15:17:38","date_gmt":"2014-05-13T13:17:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=1514"},"modified":"2014-05-13T17:09:48","modified_gmt":"2014-05-13T15:09:48","slug":"barfus-laufen-naturlich-in-den-knochenbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2014\/05\/13\/barfus-laufen-naturlich-in-den-knochenbruch\/","title":{"rendered":"Barfu\u00df laufen. Nat\u00fcrlich in den Knochenbruch."},"content":{"rendered":"<p>Wir kommen mit den F\u00fc\u00dfen zuletzt auf die Welt. Und dann beginnen die Probleme. (Na gut, erst wenn wir gehen k\u00f6nnen.) Von da an ist jeder Schritt ein Problem. Unsere F\u00fc\u00dfe m\u00fcssen alles aushalten. Jeden Stampfer der Verzweiflung, jeder Luftsprung vor Freude muss wieder aufgefangen werden. Wir muten den kaum 0,02 Quadratmetern Fl\u00e4che pro Fu\u00df allerhand zu mit Gewicht, schlechter Haltung und &#8211; im Falle der Manolo Blahniks und Jimmy Choos dieser Welt &#8211; k\u00fcnstlerisch beeindruckenden aber eben auch schmerzhaften Schuhen.<\/p>\n<p>In meinem Blog geht es im Grundsatz mehr um die Belastung im Kopf &#8211; der Motivation. Und nicht dem Fu\u00df, der soll einfach nur machen. Aus der Debatte, ob es also sinnvoll ist, den Trend zum Barfu\u00dflaufen mitzumachen oder nicht, wollte ich mich eigentlich raushalten. Es gibt qualifizierte Quellen, sich zu dieser Frage eine eigene Meinung zu bilden. Dennoch bin ich nun um eine Erfahrung reicher, die mich selber betrifft und deswegen teile ich sie dann doch mal.<\/p>\n<div id=\"attachment_1549\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1666.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1549\" class=\"size-thumbnail wp-image-1549\" alt=\"Unter Zeugen. Highspeedkameras f\u00fcr die Vermessung.\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1666-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1549\" class=\"wp-caption-text\">Unter Zeugen. Highspeedkameras f\u00fcr die Vermessung.<\/p><\/div>\n<p>Zu verdanken habe ich dieses Erlebnis zun\u00e4chst ein mal mehr twitter, wo auf ein Untersuchungsprogramm der Universit\u00e4t Berlin hingewiesen wurde, die L\u00e4ufer suchten, um deren Laufstil zu analysieren. Nun bietet inzwischen eine Reihe von guten Fachgesch\u00e4ften eine Laufbandanalyse an, bei der mittels einer Videokamera geschaut wird, wie der Fu\u00df knickt, ob ein Schuh eher neutral sein soll oder eine einseitige Belastung ausgleichen soll. Daf\u00fcr wird der Fu\u00df von hinten gefilmt.<\/p>\n<p>Nicht so in Berlin. Der Aufbau in der Sporthalle der Uni umfasst neben einem Laufband, das Druck messen kann, eine seitlich montierte Kamera, die Hochgeschwindigkeitsaufnahmen erlaubt, damit in Zeitlupe jeder Millimeter Bewegung gesichtet wird. Alles beides erfasst Alessandro Santuz (twitternick: <s>@<\/s>alesantuz), von Haus aus Ingenieur mit Motorsport-Hintergrund, der als begeisterter L\u00e4ufer in Berlin seine Kenntnisse f\u00fcr eine umfassende Laufstilanalyse von Hobbyisten und Profis anwendet. Und er wei\u00df viel. Knochen- und Muskelaufbau, Bewegungsabl\u00e4ufe, Haltungsfragen, etc. etc. etc. Erschlagend. Und erst in Recht in Kombination mit seinen Daten, die er in weniger als 10 Minuten von einem erfasst. Warmlaufen, 90 Sekunden gem\u00fctlich, 90 Sekunden schnell und 90 Sekunden normal und barfu\u00df.<\/p>\n<div id=\"attachment_1548\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1665.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1548\" class=\"size-thumbnail wp-image-1548\" alt=\"Laufen und Messen. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1665-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1548\" class=\"wp-caption-text\">Laufen und Messen. Notknopf inklusive!<\/p><\/div>\n<p>Das Laufband misst den Druck beim Aufprall, die Kameras den Bewegungsablauf knieabw\u00e4rts. In Superzeitlupe l\u00e4sst sich dann anhand von Winkeln der Bewegungsablauf h\u00e4sslich pr\u00e4zise auseinandernehmen. Man will ja nicht h\u00f6ren, dass man humpelt, aber gut, da war es zu sp\u00e4t und ich schon voller Elan dabei.<\/p>\n<p>Ich selber bildete mir ein, nach einer bewussten Umstellung meines Laufstils vor rund 2 Jahren und dem Erwerb des dazu passenden Laufschuhs, ein Vor- und Mittelfu\u00dfl\u00e4ufer zu sein. Was hei\u00dft das?<\/p>\n<div id=\"attachment_1554\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1671.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1554\" class=\"size-thumbnail wp-image-1554\" alt=\"Laufen im Vergleich. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1671-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1554\" class=\"wp-caption-text\">Laufen im Vergleich.<\/p><\/div>\n<p>Ich nahm an, nicht \u00fcber den Hacken zu laufen, so wie es die Mehrheit aller Hobbyl\u00e4ufer tut. Auf dem Hacken zu laufen und landen bringt viele Probleme mit sich, die meist schmerzhaft im Knie enden. Alessandro hatte ein sehr einfaches Bild, um zu erkl\u00e4ren, was der K\u00f6rper eigentlich instinktiv tut. Wer \u00fcber ein Hindernis springt, oder einfach nur in die Luft, wird ganz von allein vermeiden, zuerst mit dem Hacken aufzukommen. Denn dann gibt es null D\u00e4mpfung und folglich Schmerz. Der Fu\u00df landet erst vorne auf dem Fu\u00dfballen und federt so ab. Ganz nat\u00fcrlich. Ohne Nachdenken. Umso sinnvoller, dies beim Laufen nicht die ganze Zeit zu tun, dachte ich.<\/p>\n<div id=\"attachment_1557\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1674.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1557\" class=\"size-thumbnail wp-image-1557\" alt=\"Jeder Schritt, eine Messung. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/IMG_1674-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1557\" class=\"wp-caption-text\">Jeder Schritt eine Messung. Die gro\u00dfen F\u00fc\u00dfe sind der Durchschnitt.<\/p><\/div>\n<p>Tue ich &#8211; wissenschaftlich betrachtet &#8211; aber. Wie die Mehrheit. Bei einer Drittelung des Fu\u00dfes lande ich zuerst wie die Mehrheit aller Menschen auf dem Hacken. Vielleicht nicht so intensiv wie andere, aber neutral betrachtet: Hackenl\u00e4ufer. Aha. Im Bild ist es rasch zu erkennen: 1. Paar links mit Schuh, zweites barfu\u00df, drittes mit Schuh, viertes barfu\u00df.<\/p>\n<p>10 Minuten Laufen &#8211; 40 Minuten Nachbesprechung. Mit Details \u00fcber meine Bewegungsablauf, die keine Fragen offen lassen und mehr Antworten geben als ich mir merken kann. Wir reden \u00fcber Freude am Laufen, Schmerzen in den Waden, die B\u00fccher des Ultramarathonl\u00e4ufers Scott Jurek, seinen Begegnungen mit dem fabelhaften Laufvolk Tarahumara, die im Norden Mexikos Tiere barfu\u00df oder leichten Sandalen jagen und so Strecken von 300 Kilometern zur\u00fccklegen. Meine umgerechnet gut 900 Meter auf dem Laufband sind prosaischer, aber effizient.<\/p>\n<p>Zu den erstaunlichen Erkenntnissen, die mich ins Gr\u00fcbeln brachten:<\/p>\n<p>1. Ich laufe barfu\u00df besser als mit Schuhen.<\/p>\n<p>2. Ich habe den f\u00fcr mich passenden Schuh.<\/p>\n<p>3. Ich laufe schief, wenn ich in Schuhen laufe.<\/p>\n<p>4. Ich sollte besser barfu\u00df laufen.<\/p>\n<p>5. Ich soll auf KEINEN FALL k\u00fcnftig barfu\u00df oder in Barfu\u00df-Schuhen laufen!!! GEFAHR.<\/p>\n<div id=\"attachment_1561\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/barfu\u00df.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1561\" class=\"size-thumbnail wp-image-1561\" alt=\"Sch\u00f6n w\u00e4r`s. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/barfu\u00df-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1561\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00f6ner w\u00e4r&#8217;s ohne.<\/p><\/div>\n<p>Mein K\u00f6rper sch\u00fctzt mich vor Schmerz. Laufe ich barfu\u00df, verhindert mein Bewegungsablauf, dass der Aufprall zu hart wird. Das ist gut. Instinktiv tut unser K\u00f6rper das Richtige. Das allertollste ist: Ich laufe so sogar schneller und effizienter. Weniger Bodenkontaktzeit, mehr Energie in die Bewegung statt in das Abfedern von St\u00f6\u00dfen. SUPER! Will ich.<\/p>\n<p>Darf ich nicht. Alessandro holt ein wenig aus, bis ich begreife: Wir haben uns das abgew\u00f6hnt. Da wir immer mit Schuhen gehen, kann so gut wie keiner von uns nach den Jahrzehnten in Schuhen einfach so lange barfu\u00df laufen. Selbst wenn wir es beginnen &#8211; die Muskeln passen sich an, die Sehnen passen sich an &#8211; aber die Knochen, die brauchen ewig. Wir reden \u00fcber Jahre, nicht Monate, bis die Knochen in der Region des Fu\u00dfballens sich angepasst haben, die Belastung des reinen Vorfu\u00dflaufs\u00a0 auszuhalten. Allessandro erz\u00e4hlt von einem Profil\u00e4ufer, der sich bei der raschen Umstellung einen Bruch zuzog. Mir w\u00fcrde es kaum anders gehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1562\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/schuh.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1562\" class=\"size-thumbnail wp-image-1562\" alt=\"Besser ist das. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/05\/schuh-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1562\" class=\"wp-caption-text\">Ges\u00fcnder ist&#8217;s wohl mit.<\/p><\/div>\n<p>Weil der Mensch so ist, wie er ist, kamen die Sportschuhhersteller auf die Idee, den Absatz zu verst\u00e4rken, um den Bewegungablauf im Schuh eher dem Barfu\u00dflaufen anzupassen, Alessandro zeichnet ein paar Winkel in meinen Bewegungsablauf und meine Fu\u00dfhaltung, die zeigen, dass beim Barfu\u00dflauf ein Keil unter der Sohle bleibt, den Abs\u00e4tze eigentlich f\u00fcllen k\u00f6nnten. Der Mensch aber &#8211; stur wie er ist &#8211; missbrauchte gewisserma\u00dfen diese Unterst\u00fctzung. Er machte l\u00e4ngere Schritte, die wiederum zwangsl\u00e4ufig auf dem Hacken landen m\u00fcssen. Und um dennoch keine Schmerzen zu haben werden diese Hacken bed\u00e4mpft, nicht wenige L\u00e4ufer sehnen sich deswegen nach weichem Waldboden, ich selber liebe Asphalt.<\/p>\n<p>Mein Schuh hat wenig Absatz aber D\u00e4mpfung. Und sobald ich ihn anhabe, bewegt sich mein Fu\u00df, wie es eigentlich nicht richtig gut f\u00fcr schnelles Laufen ist, das w\u00e4re barfu\u00df besser. Aber doch gut f\u00fcr meine Knochen. Alessandros Fazit: Richtigen Schuh gefunden. Ab und zu auf der Wiese mal f\u00fcnf Minuten barfu\u00df laufen, um den K\u00f6rper sehr schonend an die andere Belastung heranzuf\u00fchren um vielleicht mit der Zeit das ultimative Ziel zu erreichen: Auf dem Ballen Laufen mit angepasster Muskulatur, Sehnen und Knochen. Nat\u00fcrlich ist nicht immer das, was die Steinzeitmenschen getan haben, sondern auch das, was man selber seit seiner Geburt mit den F\u00fc\u00dfen getan hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kommen mit den F\u00fc\u00dfen zuletzt auf die Welt. Und dann beginnen die Probleme. (Na gut, erst wenn wir gehen k\u00f6nnen.) Von da an ist jeder Schritt ein Problem. Unsere F\u00fc\u00dfe m\u00fcssen alles aushalten. 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