{"id":1226,"date":"2014-02-13T17:51:42","date_gmt":"2014-02-13T15:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/?p=1226"},"modified":"2014-02-18T18:30:06","modified_gmt":"2014-02-18T16:30:06","slug":"der-uberwachte-mensch-ein-armband-das-antreibt-im-test-der-polar-loop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/2014\/02\/13\/der-uberwachte-mensch-ein-armband-das-antreibt-im-test-der-polar-loop\/","title":{"rendered":"Der \u00fcberwachte Mensch. Ein Armband, das antreibt? Im Test der Polar Loop"},"content":{"rendered":"<p>Der Grund, sich viel zu bewegen, oder zumindest mehr als es der Beruf zul\u00e4sst, ist auf den ersten Blick banal: Es ist gesund. Es verbrennt Kalorien, der Herzmuskel wird trainiert, die B\u00e4nder bleiben beweglich.<\/p>\n<p>Nur viele Menschen scheitern daran, sich so viel zu bewegen, wie es vielleicht sinnvoll w\u00e4re. Den Hintern hoch zu bekommen, den Schweinehund zu \u00fcberwinden und nach Arbeit und anderen Verpflichtungen auch noch die k\u00f6rperliche Fitness aufrecht zu erhalten &#8211; das f\u00e4llt vielen Menschen zurecht schwer.<\/p>\n<p>Es gibt B\u00fccher, es gibt Filme, es gibt gute Tipps &#8211; tun muss es am Ende dennoch jeder selber. In den Reigen der Helferlein reihen sich nun seit einigen Jahren die sogenannten Activity Tracker &#8211; zu den bekannteren geh\u00f6rt sicher Fitbit, aber auch Nike oder Adidas f\u00fchren Modelle.<\/p>\n<div id=\"attachment_1328\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_2138.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1328\" class=\"size-thumbnail wp-image-1328\" alt=\"Ziel erreicht auf der Uhrenmesse. (Die rechts ist h\u00fcbscher. Kann aber nur die Zeit anzeigen.) \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_2138-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1328\" class=\"wp-caption-text\">Ziel erreicht auf der Uhrenmesse in Genf. (Die rechts ist h\u00fcbscher. Kann aber nur die Zeit anzeigen.)<\/p><\/div>\n<p>Frisch auf dem Markt ist der Polar Loop. Er kostet 90 Euro. Seit Mitte Januar trage ich ihn, mehr oder minder 24 Stunden am Tag, bisweilen st\u00f6rt er ein wenig beim Schlafen, dann lege ich ihn beiseite. Der Tragekomfort ist prima, das Band wird allerdings zum optimalen Sitz zurechtgeschnitten, wem das Band also zu eng wird &#8211; der kann das Ger\u00e4t nicht l\u00e4nger nutzen.<\/p>\n<p>Der Loop kann auch mit Herzfrequenzgurt gemessen werden, dann sind die Kalorienangaben noch pr\u00e4ziser laut Hersteller. Ich habe keinen benutzt, da mir die Idee der Activity Tracker auch ohne Messung des Puls umgesetzt scheint. Mit Band (nochmals etwa 55 euro) erf\u00fcllt er schon vieles, was eine Sportuhr leistet &#8211; die man f\u00fcr 150 Euro inklusive Gurt aber auch schon bekommt!<\/p>\n<p>Aber der Activity Tracker &#8211; ob Polar Loop oder Fuelband oder Fitbit &#8211; hat einen anderen Anspruch. Er ist nicht allein Chronist der Bewegung, er soll auch Motivator und Trainer sein. Anspornen. Kurz: Ein Schweinehundbezwinger. Meiner weitaus komplexeren Triathlon-Uhr von Garmin ist es ziemlich egal, ob ich wenig oder viel trainiere. Sie zeichnet stumm auf und h\u00e4lt sich aus meinem Leben raus.<\/p>\n<div id=\"attachment_1331\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_24101.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1331\" class=\"size-thumbnail wp-image-1331\" alt=\"Golf oder Basketball? Nee, lieber Gitarre. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_24101-150x150.png\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1331\" class=\"wp-caption-text\">Golf oder Basketball? Nee, lieber Gitarre.<\/p><\/div>\n<p>Nicht so der Loop. Noch 1h:22min Golf spielen. Oder stehend Gitarre 2h17min spielen! Dann habe ich mein Ziel erreicht, mahnt er! Das wird belohnt. Mit einem h\u00fcbschen tanzenden LED-Spektakel auf dem Armband. Dann steht da Goal. Das t\u00e4gliche Goal sind 10.000 Schritte.Was aber hei\u00dft das im Alltag? Ein normaler B\u00fcrotag reicht nicht. Der Tag auf der Uhrenmesse in Genf? Nur, weil ich morgens gelaufen bin. Auf dieser Messe selber nicht. Auf der Messe Ambiente in Frankfurts riesigen Hallen, die ich Montag abschritt: Viel mehr Meter. Da reicht das Durchstreifen der Leistungsschau der Konsumg\u00fcterindustrie allemal. Wer k\u00f6rperlich arbeitet, wird nie unter dem Ziel bleiben. Wer allerdings im Fitnesstudio Kraftraining macht, wird nicht extra belohnt. Liegest\u00fctze zum Beispiel hinterlassen kaum Bewegungsspuren am Handgelenk, sind aber hinreichend anstrengend. Ich schaffe 10. Vielleicht elf. Die z\u00e4hlt aber bestimmt gar nicht mehr, so wie ich sie ausf\u00fchre.<\/p>\n<p>Dabei registriert der wirklich bemerkenswert pr\u00e4zise Sensor jede Bewegung. Und eben auch keine. Dann gibt es einen Inaktivit\u00e4tsalarm. Die Schrittz\u00e4hlung darf man nicht zu genau nehmen. 100 Schritte gehen und denken, sie m\u00fcssten exakt stimmen &#8211; so wird es nichts, der Arm darf ruhig in der Tasche sein. Er nimmt jede halbe Bewegung wahr, addiert b\u00fccken, biegen oder schlendern zusammen. Bis eben das \u00c4quivalent von 10.000 Schritten erreicht ist. Andererseits hat er bei all meinen verbrieften und vermessenen L\u00e4ufen die Distanz au\u00dferordentlich pr\u00e4zise erfasst &#8211; sowohl die 50 Kilometer des Ultramarathon in Rodgau wie auch den Spaziergang von 21 Kilometer am Tag danach. Ich war erstaunt. Die ohne Messung des Puls berechnete Zahl an verbrauchten Kalorien &#8211; kann sein. Kann auch nicht sein. Zu gro\u00dfz\u00fcgig rechnet der Logarithmus nicht, dem man Gewicht, Alter und Geschlecht als Basisinfo mitgibt. 3000 Kalorien sind schnell gegessen. Und das sind die Trainingstage!<\/p>\n<div id=\"attachment_1332\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_24071.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1332\" class=\"size-thumbnail wp-image-1332\" alt=\"Erholsamer Schlaf und Rumw\u00fchlen. \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_24071-150x150.png\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1332\" class=\"wp-caption-text\">Erholsamer Schlaf und Rumw\u00fchlen.<\/p><\/div>\n<p>Schlafe ich gesund oder unruhig? Wird erfasst. Seine Daten \u00fcbermittelt der Loop sehr problemlos entweder via Kabel an einen Computer &#8211; so wird er auch aufgeladen. Oder per Bluetooth an ein iPhone oder iPad oder iPod. \u00a0 Den einzigen nennenswerten Kritikpunkt in der Bedienung, den ich an meinem Testger\u00e4t h\u00e4tte, w\u00e4re, dass die Taste am Band nur sehr z\u00f6gerlich reagiert. Mit trockenem Finger musste ich doch reichlich lange drauf rumtippen, -streicheln und -tun, damit die Leuchtanzeige anging. Daf\u00fcr flackert sie unter der Dusche oder gar im Schwimmbecken von ganz allein wie eine Lichtorgel in der Heimdisko.<\/p>\n<p>Die Auswertung am iPad oder iPhone ist mir lieber gewesen als die am Computer, die grafische Aufbereitung macht mehr Spa\u00df. Die Auswertung ist allerdings ein wenig &#8211; naja &#8211; stur. Wenn es darum geht, dass man sich genug bewegt, k\u00f6nnte die Auswertung\u00a0 ein wenig intelligenter sein. Dass Sie den Tag des Ultramarathons mit 50 Kilometer Laufen zwar als &#8222;Gro\u00dfartig&#8220; bezeichnet, hindert sie nicht daran, ein wenig kleinkariert zu bemerken: &#8222;Du hast nicht allzu viel Zeit im Sitzen verbracht. Das tut dir gut.&#8220;. &#8222;Allzu viel&#8220;??? Danke, Loop, danke. Auch was gestern war: Ist Loop wurscht. Eine Stunde &#8222;inaktiv&#8220; also vielleicht sitzend im B\u00fcro bei der Arbeit am Tag nach einem Marathon: Inaktivit\u00e4tsalarm. Gern auch mit Warnton. Es gibt Momente, da m\u00f6chte man dem Loop sagen, was man denkt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1333\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_24091.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1333\" class=\"size-thumbnail wp-image-1333\" alt=\"ICH WILL AUCH MAL SITZEN!\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/schweinehund\/files\/2014\/02\/IMG_24091-150x150.png\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1333\" class=\"wp-caption-text\">ICH WILL AUCH MAL SITZEN!<\/p><\/div>\n<p>Mahner, Chronist, Ansporner. Das alles beherrscht das Ger\u00e4t. Wer meint, das ihm das hilft, oder gar seine eigenen Daten mit denen anderer Nutzer auf der Webseite zu vergleichen &#8211; dann leistet das Ger\u00e4t gute Dienste.<\/p>\n<p>Und dennoch werde ich meinen nach der Testphase mit sehr gutem Gef\u00fchl wieder ablegen. Denn bei der Frage, ob ein solches Ger\u00e4t einem hilft, sich zu motivieren, den Schweinehund zu \u00fcberwinden sage ich: Kann es, mir nicht.<\/p>\n<p>Es ist ein Hilfsmittel. Eine St\u00fctze. Aber den Willen, es zu tun &#8211; den muss ich auch weiterhin selber aufbringen. Ich pers\u00f6nlich glaube, dass Motivation, die von sich aus da ist, l\u00e4nger h\u00e4lt als jene, die ich aufbringe, weil ein Ger\u00e4t sagt, ich m\u00fcsse etwas tun.<\/p>\n<p>Und es braucht ein starkes Selbstbewusstsein, um gegebenenfalls sich dem Druck, den die Daten auf einen erzeugen k\u00f6nnen, zu entziehen. Die Activity Tracker sind gnadenlos. Die Statistiken sind erbarmungslos, die motivierenden Worte in allen Ehren. Wenn ich zu wenig tue, dann erfahre ich das. Nicht jeder Mensch kann widerstehen, wenn der Druck zu gro\u00df wird und ganz entspannt denken: Ich heute nicht. Du sollst dies nicht, du musst jenes tun &#8211; Acitivity Tracker sind Eltern am Handgelenk.<\/p>\n<p>Die Debatte dar\u00fcber, ob die erfassten Daten und damit doch erstaunlich pr\u00e4zisen Bewegungsprofilen, die in den Datenbanken erfasst sind, zu \u00dcberwachung oder sonstwas beisteuern, m\u00f6chte ich an dieser Stelle nicht f\u00fchren. Richtig ist: Wer das Ger\u00e4t nutzt, gibt erneut Daten von sich preis. Das tun nat\u00fcrlich auch GPS-Sportuhren. Facebook oder Foursquare auch. Wie der einzelne dazu steht, ist jedem selbst \u00fcberlassen. Dass es so ist, sollte jedem Interessenten klar sein.<\/p>\n<p>In der Summe bin ich die falsche Zielgruppe, an etwa 4 Tagen der Woche habe ich dank des umfangreichen Lauftrainings schon vor dem Mittagessen das Soll erf\u00fcllt. Wenn der Inaktivit\u00e4tsalarm sich meldet, l\u00e4chel ich nur sanft.<\/p>\n<p>In der Funktion, Handhabung und Komfort ist der Polar Loop ein tolles Ger\u00e4t und h\u00e4lt, was es verspricht. Doch ob es einem hilft, seinen Schweinehund zu \u00fcberwinden &#8211; diese Frage sollte sich jeder, der damit lieb\u00e4ugelt vorher gr\u00fcndlich stellen. Eine Allzweckwaffe, die mir die Qual der \u00dcberwindung abnimmt, kann es meines Erachtens nicht sein.<\/p>\n<p>P.S. Wichtiger Nachtrag: Sollte das Band beim K\u00fcrzen ZU kurz geworden sein, l\u00e4sst sich, wie ich sp\u00e4ter erfuhr, \u00fcber den Kundenservice ein neues Band besorgen, der Loop ist also auch &#8211; mit ein wenig Aufwand &#8211; wieder zu verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Grund, sich viel zu bewegen, oder zumindest mehr als es der Beruf zul\u00e4sst, ist auf den ersten Blick banal: Es ist gesund. Es verbrennt Kalorien, der Herzmuskel wird trainiert, die B\u00e4nder bleiben beweglich. 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