Das Ende der Kurve. Zwei Jahre warten. Eine Woche bis zum Tag X.

Es war ein Motorradkurs. Die Harleys blitzten und wogen schwer. In Fleesensee betreibt der Motorradhersteller eine Art Fahrschule, wo Wiedereinsteiger geschult werden. Nun wiegen Harleys mehr als 300 Kilo und mein Rennrad wohl keine 12 Kilo. Bremsen lernen, Gas geben, die Maschine mit nur der Spitze des Fingers im Gleichgewicht halten – Übungen, die die Angst vor der Maschine nehmen sollen. Erfahrene Motorradfahrer lieben Kurven. Anfängern machen sie Angst. Wenn Sie auf dem Motorrad immer „enger“ werden, wenn der Fahrer droht entweder durch übertriebene Seitenlage den Boden zu berühren oder eben über den Seitenstreifen zu heizen.

Der Autor unter einem der Helme auf dem Bild.

Der Autor unter einem der Helme auf dem Bild.

Wie fährt man so eine Kurve? Und – hier mal die pathetische Nummer – was kann man fürs Leben lernen?

Zunächst zur Technik, die einen übrigens auch auf allen anderen Zweirädern sicher durch die engsten Kurven bringt – auf das ENDE der Kurve schauen, dort, wo man HIN will. Nicht die Kurve beachten. Wenn das Auge auf den Punkt gerichtet ist, den man erreichen will, dann folgt der Rest von allein (Dass man den Lenker nach Rechts drücken muss, wenn man nach links will, lernt man da auch, aber dazu mal wann anders).

Es war, wie in einem meiner ersten Blogbeiträge geschildert, der 17. Juli 2011 als ich das Ende der Kurve in

Vor dem Ziel in 2011 noch ahnungslos, was noch kommen wird.

Vor dem Ziel in 2011 noch ahnungslos, was noch kommen wird.

Augenschein nahm: Einen „echten“ Triathlon durchzustehen, also die lange Distanz, den „Ironman“. Unerreichbar, unmöglich – das schien es damals. Auch wenn klar war – das muss gehen, andere haben es schließlich auch geschafft.

Zwei Jahre sind eine lange Zeit, das Ziel ist nun nah, die Unwägbarkeiten, die Unsicherheiten, die Fragen – alles das ist fast hinter mir. Jetzt heißt es durchkommen – Dividendenausschüttung.

Ausdauersport ist also nicht nur etwas, das den Körper ausdauernd fordert, sondern vor allem die Motivation, die Willensstärke. Viel mehr also, als nur sich bewiesen zu haben, dass man ein knackendes Skelett mittels Training noch mal zu erstaunlichen Leistungen antreiben kann, ist es für einen selber der Beweis, dass man an etwas dran bleiben kann, den Biss hat, auch die Rückschläge zu verkraften.

Nicht die schlechteste Erfahrung, die ein Hobbysportler haben kann und es hat in diesem Falle nichts mit der Entfernung zu tun. Jedes Ziel, das weit weg scheint, erfüllt diesen Zweck.

Es ist 8 Jahre her, dass ich keine 15 Minuten auf der Trainingsrolle mit dem Rennrad absolviert habe. Ein Radrennen über 100 Kilometer zu bestreiten, schien mir absurd. Länger als 10 Kilometer laufen? Sicher nicht ich.

Nun ist es noch eine Woche zum Debut auf der Langdistanz. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad, 42 Kilometer Laufen. An einem Tag. Die Zeit ist verflogen. Still und heimlich im Hinterkopf mit dem Wunsch  das zu schaffen, habe ich mich ihm Etappenweise genähert. Kann ich einen Marathon laufen? Kann ich eine Mitteldistanz durchstehen? Kleinere Ziele vor dem einen großen. Für eine „Bilanz“ ist es sicherlich zu früh. Macht aber nix. Die guten Erfahrungen in der Kurve, dass man sie bewältigt, die sind nicht mehr zu löschen. Für’s Leben nehme ich mit: Das Ende der Kurve im Visier ist es, das einen sicher dorthin bringt. Auch wenn das Ziel noch so utopisch scheint. Ich kann es erreichen.

 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert