Frankreichs zweifelhafte Mali-PR

Bamako, im Januar

Kriegsberichterstatter sind natürlich Profis – und deswegen merkt der Leser ihren Reportagen selten sofort an, dass sie gar nicht wirklich aus dem Auge des Sturms berichten. Sobald die Kameras ausgeschaltet sind, schäumen die Journalisten ob des Umstands, dass die französische Armee praktisch keine Journalisten mit eigenen Augen auf den Krieg gegen die Terroristen im Norden von Mali blicken lässt.

Und so beteiligt sich Frankreich munter an jener unsittlichen PR-Strategie, die man in der Branche „embedded journalism“ nennt: Presseleute des Militärs eskortieren Medien-Vertreter schwer bewacht in die Kriegsgebiete – aber erst, nachdem sie aufgeräumt haben. Wer auf eigene Faust recherchieren will, um Informationen ungefiltert zu bekommen, den hindern schon Polizisten und Soldaten an den Straßensperren von seinem Vorhaben ab.

Wer genauer hinschaut, sieht dies auch den Bildern an: Im Netz und in den Zeitungen kursieren Bilder zerstörter Gebäude, nicht aber von der Zerstörung selbst. Fernsehsender zeigen Opfer der Islamisten, nicht aber die Terroristen. Einige Kollegen sind inzwischen in die Hauptstadt Bamako zurückgekehrt – Opfer der Terroristen und Flüchtlinge findet man auch dort zuhauf. Und in Bamako gibt es Hotels, die halbwegs komfortabel sind, sowie Restaurants, in denen man sich nicht vor dem ersten Bissen den Magen mit Ingwer-Saft ausspülen muss, der Bakterien tötet.

Auch WiWo-Fotograf David Sperry war nach Tagen des Wartens in einem Dorf, das die Franzosen „befreit“ hatten. Enttäuscht kam er zurück: „Die Franzosen hatten in diesem Dorf penibel aufgeräumt. Es gab kaum Opfer, wenig Zerstörung – so, als ob nichts gewesen wäre.“ Das klingt zynisch, doch der Leser verlangt authentische Bilder. Und nicht jene gestellte, die die französische Armee offenbar inszeniert.

Natürlich werden die Franzosen auf die Sicherheit verweisen. Klar ist mit Islamisten nicht zu spaßen, die für ihre ideologisch verbrämte Lust am Töten bekannt sind. Journalisten aus dem Ausland sind zudem ideale Entführungsopfer, denn die Redaktionen und deren Versicherungen zahlen im Zweifel hohe Lösegelder. Die Blockade und Kontrolle der Berichterstattung rechtfertigt das trotzdem nicht – Gefahren sollte der Journaliste selbst einschätzen dürfen. Schließlich rühmt sich Mali wie Frankreich der Pressefreiheit.

Schnell kann die Lage kippen: Menschen aus dem Norden berichten von Racheakten der malischen Armee an Tuareg und Islamisten in den eingenommenen Städten Goa und Timbuktu. Die restriktive Pressepolitik nährt der Verdacht, dass womöglich gar erwartete Menschenrechtsverletzungen unter dem Teppich bleiben sollen. Zumal in Bamako kolportiert wird, dass die Franzosen regionale Medien gerade erst mit 20 Millionen Euro „unterstützt“ haben. Auf dass sie positiv über den Krieg im Norden berichten?

Die Krieger des Francois Hollande beginnen Fehler zu machen. Weiter bleibt die große Frage, was nach der schlussendlich glorreichen Rückeroberung im Norden Malis kommt: Etwa ein französisches Besatzungsregime? Dann können lokale Racheakte, Entzug von Freiheiten und Bevormundung rasch in Widerstand umschlagen – siehe Afghanistan. 

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