{"id":688452,"date":"2026-08-19T06:00:51","date_gmt":"2026-08-19T04:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=688452"},"modified":"2026-08-19T01:21:55","modified_gmt":"2026-08-18T23:21:55","slug":"gastbeitrag-frank-dopheide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2026\/08\/19\/gastbeitrag-frank-dopheide\/","title":{"rendered":"Deutsche Unternehmen verlieren bald 30 Prozent ihrer Gehirnmasse &#8211; aber tun nichts dagegen. Gastbeitrag Frank Dopheide"},"content":{"rendered":"<p><strong data-olk-copy-source=\"MessageBody\">Wie sch\u00fctzen Sie sich gegen Unternehmens-Demenz? Die meisten gar nicht <\/strong><\/p>\n<p><strong data-olk-copy-source=\"MessageBody\">Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gr\u00fcnder der Unternehmensberatung Human United und Ex-Sprecher der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Handelsblatt Media Group*<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deutschlands Unternehmen verlieren in absehbarer Zeit knapp drei\u00dfig Prozent ihrer Gehirnmasse. Die vorhersehbarste Krise des Jahrhunderts ist da. Fast 14 Millionen Mitarbeitende verabschieden sich demn\u00e4chst aus den Unternehmen in Richtung Rente. Nun d\u00e4mmert es den Arbeitgebern, dass mit den Menschen auch Wissen, Erfahrung, Netzwerke, Pers\u00f6nlichkeit und Kultur verloren gehen. Demenz nennt die Medizin den Verlust geistiger F\u00e4higkeiten. \u00dcberraschenderweise weist der Unternehmensorganismus dabei dieselben Symptome und denselben Krankheitsverlauf auf.<\/p>\n<p><strong>Stufe 1 Vergesslichkeit: Kleine Selbstverst\u00e4ndlichkeiten ohne die dann fette Sch\u00e4den eintreten<\/strong><\/p>\n<p>Was zeitlebens selbstverst\u00e4ndlich war, l\u00f6st sich still und leise auf. Es beginnt mit Kleinigkeiten. Man blickt r\u00fccksichtsvoll dar\u00fcber hinweg, bis es eines Tages un\u00fcbersehbar wird. Wie in diesem Fall: Der alte Werkstattleiter hatte es im Blut und hatte zu Urlaubszeiten immer ein paar Teile extra auf Lager. Doch mit seinem Weggang ging auch das Gesp\u00fcr verloren. Ein Zehn-Euro-Kleinteil fehlte, musste bestellt werden und legte die Produktion zwei Tage still. Vergessen kostet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_684770\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-684770\" class=\"size-medium wp-image-684770\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/07\/dopheide.7.24a-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/07\/dopheide.7.24a-300x225.jpeg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/07\/dopheide.7.24a-400x300.jpeg 400w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/07\/dopheide.7.24a.jpeg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-684770\" class=\"wp-caption-text\">Frank Dopheide (Foto: C. T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p><b>Stufe 2 &#8211; Erschrecken: Wenn das n\u00f6tige Expertenwissen schon in Rente entschwunden ist<\/b><\/p>\n<p>Unternehmen besch\u00e4ftigen sich mit der Zukunft und nicht mit dem Gestern. Da ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis das b\u00f6se Erwachen kommt und damit die Angst. Wie bei diesem Weltmarktf\u00fchrer. Dank seiner \u201eMade-in-Germany\u201c- Qualit\u00e4t waren Hunderte gro\u00dfer Antriebsmaschinen der ersten Generation immer noch im Einsatz \u2013 weltweit. Als im letzten Jahr Probleme auftraten, fand sich im gesamten Unternehmen niemand mehr, der sie beheben konnte. Mit der Vorruhestandsregelung hatte man den Reputationsschaden gleich miteingebaut.\u00a0<b><\/b><\/p>\n<p><strong>Stufe 3 &#8211; Orientierungslosigkeit: Keine Ahnung, wohin man steuert<br \/>\n<\/strong><br \/>\nFr\u00fcher wurde Wissen im t\u00e4glichen Miteinander weitergegeben. Begreifen hatte etwas mit \u00c4rmel-hochkrempeln und in die eigenen H\u00e4nde nehmen zu tun. Heute ist Wissen in PowerPoint-Folien und Datenbanken abgelegt. Doch Content ohne Kontext bleibt oft unerkl\u00e4rlich. Man hat zwar Geschwindigkeitsmesser und Umdrehungszahl im Blick, aber keine Ahnung, wohin man steuert.<\/p>\n<p>So wie hier: Der Vertriebler kannte seine Pappenheimer auf Kundenseite. Er hatte den Blick hinter die Kulissen und einen Draht zu den unsichtbaren Entscheidern hinter den Einkaufsabteilungen. Ohne diesen Kontext dauerte es nur wenige Wochen, bis Sand ins Getriebe geriet. Das informelle Netzwerk war abgeschaltet, die Orientierung und der Kunde gingen verloren.<\/p>\n<p><strong>Stufe 4 &#8211; Ver\u00e4nderte Pers\u00f6nlichkeit: Daten ersetzen keine Weisheit<\/strong><\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich ver\u00e4ndert der fortschreitende Wissensverlust den Charakter der Betroffenen. Geht das informelle, das kontextuelle und das pers\u00f6nliche Wissen verloren, verlieren Organisationen sich am Ende selbst. Sie werden unsicher und ver\u00e4ndern ihr Wesen. Es ist das finale Stadium. Langgelebte Werte gehen unwiederbringlich verloren und die Seele des Unternehmens nimmt Schaden.<\/p>\n<p>Wo fr\u00fcher Werte und Wissen Orientierung gaben, klammern sich die Mitarbeiter nun an Regeln, KPIs und Jobdescriptions, wie an das Gel\u00e4nder im Treppenhaus. Weisheit wird durch Daten ersetzt. Erfahrung durch Prozesse. Intuition durch Meetings. Bei Generationswechseln ist dies besonders sp\u00fcrbar. Doch der Alltag und die Aufgaben sind zu komplex, um sie per Bedienungsanleitung zu l\u00f6sen. Am Ende verliert das Unternehmen lebenswichtige F\u00e4higkeiten und sich selbst.<\/p>\n<p><strong>Vorsorge als Wettlauf gegen die Zeit &#8211; denn leider ist 70 Prozent des kritischen Wissens nirgends dokumentiert<\/strong><\/p>\n<p>Die gute Nachricht ist: Unternehmens-Demenz l\u00e4sst sich wirksam behandeln. Auch hier ist Vorsorge das beste Rezept, aber ein Wettlauf gegen die Zeit. K\u00fcnstliche Intelligenz verspricht dabei gute Behandlungserfolge. Doch Vorsicht. Unternehmens-Demenz nachhaltig zu kurieren, ist kein IT-Projekt, sondern echte Pflegearbeit. Studien haben berechnet, dass 70 Prozent des kritischen Wissens nicht dokumentiert sind.<\/p>\n<p><strong>Unternehmen brauchen Erfahrung, Weisheit und Intuition<\/strong><\/p>\n<p>Der Fokus ist, anders als bisher gedacht, nicht das Fakten-, das Projekt- und Steuerungswissen, sondern vor allem auch das implizite, das menschliche, das ankedotische aber unerz\u00e4hlte Wissen f\u00fcr die nachkommenden Generationen zu erhalten und nutzbar zu halten. Das Unternehmen braucht Erfahrung, Weisheit und Intuition. Es braucht inoffizielle Netzwerke und jede Menge Tipps und Tricks. Ein Unternehmen ohne Erfahrungsschatz, Bauchgef\u00fchl und Wertebild ist der Welt orientierungs- und hilflos ausgeliefert.<\/p>\n<p><strong>Inneres Firmen-Verm\u00f6gen schutzbed\u00fcrftig wie die Goldreserve der Bundesbank<\/strong><\/p>\n<p>Das alles muss erfasst, strukturiert, verbunden, geteilt und weiterentwickelt werden, dann sind Unternehmen auf der sicheren Seite. Diese Ma\u00dfnahme sch\u00fctzt die Identit\u00e4t der Organisation und macht sie f\u00fcr die Zukunft schneller, schlauer und weniger fehleranf\u00e4llig. Wie der Mensch braucht auch das Unternehmen die linke und die rechte Gehirnh\u00e4lfte, um f\u00fcr alle Herausforderungen gewappnet zu sein. Das innere Verm\u00f6gen des Unternehmens muss gesichert werden wie die Goldreserve der Bundesbank. Diesen einzigartigen Erfahrungsschatz sicherzustellen, ist weniger schwierig, als man denkt. Die Technologie ist da, jetzt muss nur noch der Mensch mitmachen, mit all seinen Sinnen, damit Unternehmen auch ohne Babyboomer gesund und munter und Weltmarktf\u00fchrer bleiben. Am besten sichern Sie sich schnell einen Vorsorgetermin.<\/p>\n<p>* Der Text erschien zuerst im Handelsblatt am 21.1.2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bedarf der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sch\u00fctzen Sie sich gegen Unternehmens-Demenz? Die meisten gar nicht Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gr\u00fcnder der Unternehmensberatung Human United und Ex-Sprecher der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Handelsblatt Media Group* &nbsp; Deutschlands Unternehmen verlieren in absehbarer Zeit knapp drei\u00dfig Prozent ihrer Gehirnmasse. 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