{"id":688278,"date":"2026-09-06T16:00:06","date_gmt":"2026-09-06T14:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=688278"},"modified":"2026-09-07T14:11:57","modified_gmt":"2026-09-07T12:11:57","slug":"buchauszug-elina-berger-und-joerg-lichter-geld-fuer-alle-und-alle-sparen-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2026\/09\/06\/buchauszug-elina-berger-und-joerg-lichter-geld-fuer-alle-und-alle-sparen-mit\/","title":{"rendered":"Buchauszug Eliana Berger und J\u00f6rg Lichter: &#8222;Geld f\u00fcr alle&#8220; und &#8222;Alle sparen mit&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1>Buchauszug Eliana Berger und J\u00f6rg Lichter: <a href=\"https:\/\/greven-verlag.de\/shop\/geld-fuer-alle\/\">&#8222;Geld f\u00fcr alle&#8220;<\/a> und <a href=\"https:\/\/greven-verlag.de\/shop\/alle-sparen-mit\/\">&#8222;Alle sparen mit&#8220;<\/a><\/h1>\n<table role=\"presentation\" border=\"0\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"left\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table role=\"presentation\" border=\"0\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"left\">\n<div class=\"cp-mobile-image-container-style-psuRfMyF\">\n<div id=\"element-psuRfMyF\"><img decoding=\"async\" class=\"cp-element-image light-img\" src=\"https:\/\/static.cleverpush.com\/notification\/icon\/X8dJaMaCQ7wP5AefS.jpg?element=psuRfMyF\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"auto\" \/>(Foto: PR\/ Sparkasse K\u00f6ln-Bonn, Alexander Schwaiger)<\/div>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table role=\"presentation\" border=\"0\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"left\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Messe, Oppenheim und RTL: Die Sparkasse K\u00f6lnBonn im Krisenmodus<\/strong><\/p>\n<p>Im Juli 2005 sorgte die WDR-Fernsehdokumentation \u201eMilliarden-Monopoly\u201c f\u00fcr Aufregung in der K\u00f6lner Politik und der Sparkasse K\u00f6lnBonn. Im Fokus der Berichterstattung standen die Umst\u00e4nde des Neubaus der Messehallen Nord in den Jahren 2003 bis 2005, insbesondere der Auswahlprozess des Investors und Bauherren \u2013 die Oppenheim-Esch-Holding \u2013, die H\u00f6he der Baukosten und Miete, die unterbliebene europaweite Ausschreibung des Projekts sowie schlie\u00dflich die Garantie der Mietzahlungen der Messe an den Investor durch die Stadt K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Die Stadtsparkasse K\u00f6ln war an vier Stellen in dieses Projekt eingebunden:<\/p>\n<ul>\n<li>Sie pr\u00e4sentierte der Koelnmesse auf deren Wunsch hin drei Finanzierungsmodelle \u2013 Leasingfinanzierung, Finanzierung mittels eines Kommunalkredits sowie ein Investorenmodell samt Mietangebot der Oppenheim-Esch-Holding \u2013 und sprach sich deutlich f\u00fcr die Finanzierung \u00fcber einen geschlossenen Oppenheim-Esch-Fonds (OEF) aus, \u00e4hnlich wie beim Bau des Coloneums in den 1990er Jahren. Gustav Adolf Schr\u00f6der begr\u00fcndete das Votum f\u00fcr das teure OEF-Modell mit der Zuverl\u00e4ssigkeit und Bonit\u00e4t der Oppenheim-Esch-Gruppe damit, dass Risikoaversion einerseits grunds\u00e4tzlich ihren Preis habe, auf der anderen Seite jedoch Planungssicherheit auch Kalkulationssicherheit bedeute\u201c. Einfacher dr\u00fcckte er es gegen\u00fcber einer Zeitung aus: \u201eDie kennen wir als bonit\u00e4tsm\u00e4\u00dfig 1a.\u201c<\/li>\n<li>Die Stadtsparkasse erhielt Provisionen in zweistelliger Millionenh\u00f6he f\u00fcr die Vermittlung des Investorenmodells.<\/li>\n<li>Sie gab der Messegesellschaft eine R\u00fcckkaufgarantie \u00fcber 70 Millionen Euro nach dem Ende der Mietdauer von 30 Jahren. Sie verpflichtete sich damit, 2035 das Grundst\u00fcck samt Aufbauten vom OEF zu kaufen und es f\u00fcr 70 Millionen Euro an die Messe weiterzureichen. Offen blieb dabei, welchen Preis die Sparkasse an den OEF in 30 Jahren zahlen musste. Im September 2025 kam eine Einigung zustande, wonach die Sparkasse K\u00f6lnBonn eine Abgeltungssumme von 57,2 Millionen Euro an die Messe zahlt und damit von der R\u00fcckkaufverpflichtung entbunden ist.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich vergab die Stadtsparkasse Kredite an die Zeichner des OEF \u201eGrundst\u00fccksgesellschaft K\u00f6ln Messe 15 bis 18 GbR\u201c, die ihre Einlage gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber Fremdkapital finanzierten \u2013 man sprach von bis zu 80 Prozent. So hatte die Sparkasse im Jahr 2010 knapp eine Milliarde Euro Kredite an 113 Zeichner von OEF im Portfolio. Die Zinserl\u00f6se waren betr\u00e4chtlich. Deshalb dr\u00e4ngte Sparkassenchef Gustav Adolf Schr\u00f6der im Oktober 2003 bei Oberb\u00fcrgermeister Fritz Schramma auf eine schnelle Entscheidung f\u00fcr den OEF.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Neubau der Messehallen Nord entwickelte sich vor allem f\u00fcr die Stadt K\u00f6ln zu einem politischen und juristischen Desaster. Die kommunale Garantie der j\u00e4hrlichen Mietzahlungen \u00fcber mindestens 20,7 Millionen Euro an den OEF richtete immensen politischen Schaden in der Stadt an, war doch allgemein bekannt, dass die Zeichner der OEF zu den wohlhabenden Bev\u00f6lkerungskreisen geh\u00f6rten, die auf diesem Weg ihren Reichtum risikolos mehren konnten \u2013 gegebenenfalls auf Kosten der normalen Steuerzahler. Ebenso gravierend war, dass die EU-Kommission den Fall untersuchte und der Europ\u00e4ische Gerichtshof im Oktober 2009 urteilte, dass f\u00fcr den Messeneubau \u2013 entgegen der Einsch\u00e4tzung der Stadt K\u00f6ln \u2013 eine europaweite Ausschreibung erforderlich gewesen w\u00e4re. Die Vertr\u00e4ge mussten auf Druck der EU-Kommission neu verhandelt werden.<\/p>\n<p>Der Neubau der Messe Nord war untrennbar mit einem anderen, f\u00fcr das Schicksal der Sparkasse K\u00f6lnBonn letztlich wichtigeren Projekt verbunden: dem Umbau der bisher von der Koelnmesse genutzten historischen Rheinhallen f\u00fcr den Fernsehsender RTL. Einzig aus diesem Grund war der Neubau zu diesem Zeitpunkt notwendig geworden. RTL stand aufgrund seines wachsenden Fl\u00e4chenbedarfs 2002 vor der Frage, wohin das Unternehmen seine Sendezentrale verlagern sollte, denn am bisherigen Sitz an der Aachener Stra\u00dfe war eine weitere Ausdehnung nicht mehr m\u00f6glich. Nach den Vorstellungen der Stadt K\u00f6ln sollte der Fernsehsender nach Ossendorf neben den TV-Studio-Komplex Coloneum ziehen \u2013 die Stadtsparkasse hatte dort bereits rund 45.000 Quadratmeter des ehemaligen Kasernengel\u00e4ndes \u201eButzweiler Hof\u201c f\u00fcr \u00fcber 30 Millionen Euro erworben. Dieser Plan drohte im Fr\u00fchjahr 2003 zu scheitern, zum einen, weil RTL das neue Areal am Stadtrand missfiel, zum zweiten, weil die Nachbarstadt H\u00fcrth RTL mit attraktiven Konditionen abwerben wollte. Daraufhin boten Jochen Witt, der Chef der Koelnmesse, und Oberb\u00fcrgermeister Fritz Schramma dem Privatsender die historischen Rheinhallen der Messe als neues Domizil an. RTL sollte als gro\u00dfer Gewerbesteuerzahler und wesentlicher Teil des Medien-Clusters in K\u00f6ln bleiben, und mit dem Verkaufserl\u00f6s wollte die Messe gr\u00f6\u00dfere und modernere Messehallen bauen. Sparkassenvorstand Gustav Adolf Schr\u00f6der konstatierte im Dezember 2005, \u201edass es auch f\u00fcr die Sparkasse ein Interesse gab, RTL in K\u00f6ln zu halten, um mittelbar und unmittelbar Gesch\u00e4ftschancen zu wahren und weiterzuentwickeln.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_688443\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-688443\" class=\"size-medium wp-image-688443\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/08\/cover.lichter.1.Geld_fuer_alle_200_Jahre_Sparkasse_KoelnBonn_Lichter_Dummy-724x1024-1-212x300.png\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/08\/cover.lichter.1.Geld_fuer_alle_200_Jahre_Sparkasse_KoelnBonn_Lichter_Dummy-724x1024-1-212x300.png 212w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/08\/cover.lichter.1.Geld_fuer_alle_200_Jahre_Sparkasse_KoelnBonn_Lichter_Dummy-724x1024-1.png 460w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><p id=\"caption-attachment-688443\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: PR\/Greven Verlag)<\/p><\/div>\n<p>Im Sommer 2003 entschied sich RTL f\u00fcr die Rheinhallen mit der Vorgabe des sp\u00e4testen Einzugstermins am 1. April 2008. Im Verwaltungsrat-Protokoll der Sparkasse K\u00f6lnBonn hei\u00dft es dazu: \u201eSofortiger Einstieg der ehemaligen Stadtsparkasse K\u00f6ln in die Planungen f\u00fcr den neuen Standort RTL. Im September 2003 genehmigte der Verwaltungsrat den Kauf der Rheinhallen; der Verwaltungsratsvorsitzende Rolf Bietmann betonte dabei, \u201edass der Erfolg dieses f\u00fcr die Standortentwicklung K\u00f6lns richtungsweisenden Projekts nur durch ein Zusammenwirken von Stadt K\u00f6ln, Stadtsparkasse K\u00f6ln und Koelnmesse sichergestellt werden kann.\u201c Die Sparkasse \u00fcbernahm in der Tradition der Standort- und Wirtschaftsf\u00f6rderpolitik und in Anlehnung an das Coloneum- und MMC-Projekt die finanzielle Verantwortung f\u00fcr den Umbau der alten Messehallen f\u00fcr die RTL-Gruppe, die zwischen 61.000 und 80.000 Quadratmeter Fl\u00e4che anmieten wollte, und einem noch zu findenden Mieter f\u00fcr weitere 80.000 Quadratmeter \u2013 dies wurde Ende 2009 der Versicherungskonzern Talanx. Bereits Ende Juli 2003 hatte der K\u00f6lner Stadtrat das Erbbaurecht der Koelnmesse aufgehoben und das Grundst\u00fcck samt der Hallen 1, 2, 3 und 5 (Rheinhallen) f\u00fcr 75 Millionen Euro an die Stadtsparkasse verkauft. Der Verkaufserl\u00f6s floss gr\u00f6\u00dftenteils an die Messe.<\/p>\n<p>Die Immobilie verkaufte die Stadtsparkasse f\u00fcr 54 Millionen Euro an die Oppenheim-Esch-Holding, denn f\u00fcr die Finanzierung der Umbauma\u00dfnahmen griff die Stadtsparkasse erneut auf einen geschlossenen OEF zur\u00fcck \u2013 genauer: der f\u00fcr den geplanten Bau der RTL-Studios in Ossendorf aufgelegte OEF \u201eOssendorf VIII\u201c wurde auf die Rheinhallen \u201eumgem\u00fcnzt\u201c \u2013 er hie\u00df nun \u201eGrundst\u00fccksgesellschaft B\u00fcroh\u00e4user K\u00f6ln Rheinhallen GbR\u201c. Der OEF finanzierte den Umbau der Rheinhallen, die Sparkassen-Tochter S-RheinEstate (SRE) wurde Generalmieter der Fonds und vermietete die eine H\u00e4lfte der 160.000 Quadratmeter Fl\u00e4che an RTL \u2013 f\u00fcr 15 Jahre mit einer zweimaligen Verl\u00e4ngerungsoption um jeweils 5 Jahre, w\u00e4hrend der OEF f\u00fcr mehr als 20 Jahre an die SRE vermietete. Die andere H\u00e4lfte wurde vom neuen OEF \u201eGrundst\u00fccksgesellschaft B\u00fcroh\u00e4user K\u00f6ln Rheinpark GbR\u201c finanziert und von der Sparkassentochter SKBB an Talanx vermietet.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Kritik entz\u00fcndete sich am Weiterverkauf des Grundst\u00fccks an den OEF unter Einstandspreis. Gustav Adolf Schr\u00f6der konnte diese betr\u00e4chtliche Differenz im Verwaltungsrat nicht vollst\u00e4ndig erkl\u00e4ren. Von den 75 Millionen Euro seien 10 Millionen als Freistellungskosten vom Kaufpreis abzuziehen, dazu 0,95 Millionen Euro erhaltene Provisionszahlungen sowie 5 Millionen Euro f\u00fcr das Panoramarestaurant, das nicht an den OEF verkauft wurde. Er kommt somit auf eine Summe von 59,05 Millionen Euro. Dazu k\u00e4men Zinsdifferenzen zugunsten der Sparkasse \u2013 der OEF zahlte die gesamte Kaufsumme sofort, die Sparkasse in Raten. \u201eDar\u00fcber hinaus [g\u00e4be] es weitere Vereinbarungen zugunsten der `Finanzgruppe Sparkasse K\u00f6lnBonn`\u201c, die aber nicht erl\u00e4utert wurden. Insgesamt gehe die Rechnung auf. Kritische Nachfragen aus dem Verwaltungsrat zu dieser Berechnung gab es nicht. Wahrscheinlich ist, dass der Verkauf, isoliert betrachtet, zwar ein Verlustgesch\u00e4ft war, jedoch auf einer Mischkalkulation basierte: Schon beim Vorg\u00e4ngerfonds \u201eOssendorf VIII\u201c ver\u00e4u\u00dferte die Stadtsparkasse das Baugrundst\u00fcck 3 Millionen Euro unter Einstandspreis an den OEF; die Ertragserwartungen aus \u201eFondsenderwerberfinanzierungen\u201c lagen allerdings bei 42 Millionen Euro, hie\u00df es 2008 in einem von der Sparkasse in Auftrag gegebenen Gutachten. Im Jahre 2007 interessierte sich auch die EU-Kommission f\u00fcr die Umst\u00e4nde des Rheinhallen-Verkaufs an den OEF, sah darin jedoch keine unzul\u00e4ssige Beihilfe.<\/p>\n<div id=\"attachment_688444\" style=\"width: 231px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-688444\" class=\"size-medium wp-image-688444\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/08\/cover.lichter.2.Alle_sparen_mit_200_Jahre_Sparkasse_KoelnBonn_Berger_Dummy_Roter-Farbschnitt_20260324-221x300.png\" alt=\"\" width=\"221\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/08\/cover.lichter.2.Alle_sparen_mit_200_Jahre_Sparkasse_KoelnBonn_Berger_Dummy_Roter-Farbschnitt_20260324-221x300.png 221w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/08\/cover.lichter.2.Alle_sparen_mit_200_Jahre_Sparkasse_KoelnBonn_Berger_Dummy_Roter-Farbschnitt_20260324.png 479w\" sizes=\"auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px\" \/><p id=\"caption-attachment-688444\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: PR\/Greven Verlag)<\/p><\/div>\n<p>Diese Mischkalkulation ging aus zwei Gr\u00fcnden bei dem sp\u00e4ter als \u201eRheinparkmetropole\u201c bezeichneten Projekt nicht auf. Die Umbaukosten der Rheinhallen f\u00fcr RTL kalkulierte die Sparkasse mit 40 Millionen Euro. Damit sollten sowohl standortspezifische Mietsonderleistungen wie Abriss, Denkmal- und Hochwasserschutz als auch nutzungsspezifische Mietsonderleistungen wie eine verbesserte Ausstattung gedeckt sein. F\u00fcr den Rheinpark (Talanx) setzte die Sparkasse 30 Millionen Euro an. Tats\u00e4chlich beliefen sich die Gesamtinvestitionen f\u00fcr die Rheinhallen bis Ende 2011 auf mehr als 165 Millionen Euro, die des Rheinparks auf \u00fcber 69 Millionen Euro, zusammen knapp 235 Millionen Euro \u2013 so das Ergebnis eines Gutachtens der Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Der RSGV kam in seiner Pr\u00fcfung auf eine noch h\u00f6here Summe von \u00fcber 238 Millionen Euro. Als Grund f\u00fchrten die Gutachter schon 2008 an, dass die SRE bei den Rheinhallen \u201eein Geb\u00e4ude mittlerer Art und G\u00fcte vom Fonds angemietet, jedoch eine Spezialimmobilie mit besonderen technischen Anforderungen an RTL weitervermietet habe. Um diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen, habe sich ein Kostenblock als Delta ergeben, der zulasten der Zwischenmieterin SRE gehe.\u201c Die RTL-Sonderw\u00fcnsche wurden zur G\u00e4nze von der SRE getragen \u2013 ohne die M\u00f6glichkeit, die Miete anpassen zu k\u00f6nnen. Dazu kamen h\u00f6here Baupreise und Bauverz\u00f6gerungen. Anstatt am 1. April 2008 bezog RTL erst ab Anfang Februar 2009 sein neues Domizil. Zu den \u00fcberh\u00f6hten Investitionen addierten sich laut PwC noch Kostenrisiken von \u00fcber 70 Millionen Euro aus der Bewirtschaftung der Immobilien bis 2030, der RSGV bezifferte diese Risiken immer noch mit \u00fcber 57 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Die zweite Fehlkalkulation betraf die H\u00f6he der Mieteinnahmen und -ausgaben. Ende November 2010 versuchte der Vorstand, die Rentabilit\u00e4tsberechnungen aus dem Dezember 2005 nachzuvollziehen, die f\u00fcr das RTL-Projekt auf Basis der geplanten Baukosten einen positiven Barwert in zweistelliger Millionenh\u00f6he auswiesen. Die Berechnungen des Jahres 2010 kamen demgegen\u00fcber zu einem negativen Ergebnis, das zum einen auf die \u00fcberh\u00f6hten Investitionskosten zur\u00fcckzuf\u00fchren war, zum Zweiten aber auf die zu optimistisch kalkulierten Mieteinnahmen der Sparkassent\u00f6chter. Die Sparkasse konnte nicht nur keine h\u00f6here Miete f\u00fcr die zus\u00e4tzlichen Investitionen durchsetzen, dar\u00fcber hinaus gew\u00e4hrte der Vorstand des Jahres 2005 dem Untermieter RTL nachtr\u00e4glich eine Mietminderung von 1 Euro pro Quadratmeter, auf die urspr\u00fcnglich gemieteten 61.000 Quadratmeter, nachdem der Fernsehsender weitere 19.000 Quadratmeter anmietete (Optionsfl\u00e4che). RTL sa\u00df bei den Gespr\u00e4chen am l\u00e4ngeren Hebel, da die Verhandlungsf\u00fchrer wussten, dass die K\u00f6lner Kommunalspitze den Sender unbedingt in der Stadt halten wollte.<\/p>\n<p>Nun bezahlte der Generalmieter SRE an den Vermieter OEF eine h\u00f6here Miete, als sie dem Untermieter RTL in Rechnung stellte. Beinahe resignierend hie\u00df es im Gesch\u00e4ftsbericht 2009: \u201eUnterschiedliche Bestimmungen zwischen den An- und Vermietervertr\u00e4gen wirken sich in erheblichem Ausma\u00df zulasten der Sparkasse und ihrer verbundenen Unternehmen aus\u201c. Und zwei Jahre sp\u00e4ter war immer noch von \u201eUnsicherheiten\u201c die Rede, die aus der Vertragsgestaltung resultierten. Der von der Sparkasse beauftragte Gutachter des Jahres 2010 kam zu dem Ergebnis, dass im R\u00fcckblick Anfang Dezember 2005 eine \u201eVerlustentscheidung\u201c getroffen wurde, allerdings konnte damals davon ausgegangen werden, \u201edass unter Ber\u00fccksichtigung der Verbundgesch\u00e4fte insgesamt ein \u00dcberschuss entsteht\u201c. Zu den \u201eVerbundgesch\u00e4ften\u201c geh\u00f6rten u.a. \u201ealle Finanzierungen f\u00fcr die Fondszeichner\u201c. Das Minus aus den h\u00f6heren Baukosten und geringeren Mieteinnahmen war jedoch so hoch, dass selbst diese Mischkalkulation nicht mehr aufging. In der Summe musste die Sparkasse in den Jahre 2007 bis 2010 Wertberichtigungen auf das Rheinparkmetropole-Projekt von knapp 277 Millionen Euro vornehmen.<\/p>\n<p>Der Umbau der Rheinhallen verfolgt die Sparkasse bis in die Gegenwart. Noch im Jahresabschluss 2023 wurde die Zuf\u00fchrung einer Drohverlustr\u00fcckstellung im Zusammenhang mit dem Projekt der Rheinparkmetropole erw\u00e4hnt. Latent vorhandene Risiken seien in angemessenem Umfang abgeschirmt, hie\u00df es. Hinsichtlich der bestehenden vertraglichen Verpflichtungen, die von der Sparkasse K\u00f6lnBonn \u00fcbernommen wurden, verblieben jedoch projektimmanente Unsicherheiten.<\/p>\n<p>Urs\u00e4chlich f\u00fcr die Verluste der Sparkasse bei Coloneum und Rheinhallen waren zu hohe Baukosten und zu geringe Mieteinnahmen. Im Nachgang pr\u00fcfte die Sparkasse juristische Schritte gegen die Vorstandsmitglieder Gustav Adolf Schr\u00f6der und Franz-Josef Sch\u00e4fer. Es blieb jedoch unklar, ob es sich bei den Entscheidungen rund um den Umbau der historischen Rheinhallen um ein zul\u00e4ssiges Risiko, \u00fcberoptimistische Erwartungen oder um Fahrl\u00e4ssigkeit handelte. Gustav Adolf Schr\u00f6der hatte nach eigenem Bekunden \u201eein weites Verst\u00e4ndnis des Begriffs der Wirtschaftsf\u00f6rderung als \u00f6ffentliche Aufgabe\u201c. Damit stand er kontr\u00e4r zum neoliberalen Zeitgeist der 1990er und 2000er Jahre. Im R\u00fcckblick konstatiert Schr\u00f6der: \u201eWir haben auch risikoreiche und mittelfristig nicht gewinnversprechende Gesch\u00e4fte gemacht, ganz eindeutig.\u201c Er verweist u.a. auf den 2002 ins Leben gerufenen BioCampus Cologne, der Keimzelle erfolgreicher Biotechnologieunternehmen ist. Coloneum und Rheinhallen seien jedoch zu viel gewesen, sie h\u00e4tten \u201edie Dimension \u00fcberschritten.\u201c So gro\u00dfe Projekte k\u00f6nne man ohne finanzielle Unterst\u00fctzung der \u00f6ffentlichen Hand nicht machen.<\/p>\n<p>Er h\u00e4lt aber fest: \u201eEs war zum Nachteil der Sparkasse, aber zum Wohle der Stadt.\u201c Damit d\u00fcrfte Schr\u00f6der nicht ganz falsch liegen. Denn als sicher darf gelten, dass die Sparkasse wie im Fall des Coloneum erneut als Wirtschaftsf\u00f6rderinstitut im Auftrag der Kommunalpolitik agierte. Eine Rolle, die zusammen mit der aggressiven Wachstumsstrategie unter Gustav Adolf Schr\u00f6der die Kapitalkraft des Instituts in der Polykrise der 2000er-Jahre \u00fcberdehnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Zu den Autoren:<\/h1>\n<h1><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/eliana-berger-bbb75a15a\/\">Eliana Berger<\/a> ist Redakteurin bei &#8222;Zeit Wissen&#8220;, <a href=\"https:\/\/greven-verlag.de\/?s=J%C3%B6rg+Lichter\">J\u00f6rg Lichter<\/a> ist Director Research des HRI Handelsblatt Research Institutes<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bedarf der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Eliana Berger und J\u00f6rg Lichter: &#8222;Geld f\u00fcr alle&#8220; und &#8222;Alle sparen mit&#8220; (Foto: PR\/ Sparkasse K\u00f6ln-Bonn, Alexander Schwaiger) &nbsp; Messe, Oppenheim und RTL: Die Sparkasse K\u00f6lnBonn im Krisenmodus Im Juli 2005 sorgte die WDR-Fernsehdokumentation \u201eMilliarden-Monopoly\u201c f\u00fcr Aufregung in der &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2026\/09\/06\/buchauszug-elina-berger-und-joerg-lichter-geld-fuer-alle-und-alle-sparen-mit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1890,12834,12832,12835,12833],"class_list":["post-688278","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buchauszug","tag-eliana-berger","tag-greven-verlag","tag-joerg-lichter","tag-sparkasse-koeln-bonn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688278","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=688278"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688278\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":688532,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688278\/revisions\/688532"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=688278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=688278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=688278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}