{"id":688180,"date":"2026-06-22T06:00:20","date_gmt":"2026-06-22T04:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=688180"},"modified":"2026-06-22T10:03:51","modified_gmt":"2026-06-22T08:03:51","slug":"buchauszug-volker-schrader-ki-und-der-biber-7-ungewoehnliche-begegnungen-und-perspektiven-auf-arbeit-sinn-werte-und-ki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2026\/06\/22\/buchauszug-volker-schrader-ki-und-der-biber-7-ungewoehnliche-begegnungen-und-perspektiven-auf-arbeit-sinn-werte-und-ki\/","title":{"rendered":"Buchauszug Volker Schrader: \u201eKI und der Biber \u2013 7 ungew\u00f6hnliche Begegnungen und Perspektiven auf Arbeit, Sinn, Werte und KI\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>Buchauszug Volker Schrader: <a href=\"https:\/\/www.vigilia-verlag.de\/buechershop\/ki-und-der-biber-was-ist-deine-arbeit-wert-wenn-ki-alles-macht.html\">\u201eKI und der Biber \u2013 7 ungew\u00f6hnliche Begegnungen und Perspektiven auf Arbeit, Sinn, Werte und KI\u201c<\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_688182\" style=\"width: 459px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-688182\" class=\"size-full wp-image-688182\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/06\/schrader.volker.linkedin.jpg\" alt=\"\" width=\"449\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/06\/schrader.volker.linkedin.jpg 449w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/06\/schrader.volker.linkedin-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/06\/schrader.volker.linkedin-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/><p id=\"caption-attachment-688182\" class=\"wp-caption-text\">Volker Schrader (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Elena aus 2154<\/h1>\n<p>Das Fenster ist wunderbar gro\u00df und sammelt so viel Licht und Leben ein, dass es f\u00fcr mich der beste Platz ist, um an Ideen zu arbeiten. Mein Lieblings-Caf\u00e9. So viel Stille, dass ich in die Gedanken eintauchen kann, genug Ablenkung, dass ich nicht zu tief versinke und immer wieder die Richtung wechseln kann.<\/p>\n<p>Laptop auf, Notizen verstreut. Ich sitze da und versuche, die klinische Klarheit eines KI-Gespr\u00e4chs in eine menschlichere Sprache zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>\u201eEntschuldigung, ist dieser Platz frei?\u201c<\/p>\n<p>Ich blicke auf. Eine Frau, vielleicht Mitte 40, steht vor mir. Sie tr\u00e4gt etwas zwischen Wanderjacke und elegantem Blazer \u2013 einen Stil, den ich nicht wirklich einordnen kann.<\/p>\n<p>\u201eJa, klar\u201c, sage ich und mache auf dem Tisch ein wenig Platz.<\/p>\n<p>Sie setzt sich, bestellt nichts. Stattdessen zieht sie ein altes, zerlesenes Buch aus ihrer Tasche. Mein Buch. Die gleiche Covergestaltung, nur abgegriffen, mit Eselsohren. Wie kann das sein?<\/p>\n<p>\u201eSie sind der Autor\u201c, stellt sie fest.<\/p>\n<p>\u201eJa. Aber woher haben Sie das? Ich deute verbl\u00fcfft auf mein Buch. \u201eDas erscheint erst n\u00e4chsten Monat.\u201c<\/p>\n<p>Sie l\u00e4chelt. \u201eIn meinem Studium war es Pflichtlekt\u00fcre. Wirtschaftsgeschichte des 21. Jahrhunderts. Das Kapitel \u00fcber den Biber hat mir damals die Augen ge\u00f6ffnet.\u201c<\/p>\n<p>Br\u00fcderchen Eitelkeit hat zuallererst das Wort \u201ePflichtlekt\u00fcre\u201c geh\u00f6rt. Das lenkt mich kurz ab. Dann f\u00e4llt mir auf, dass sie von \u201edamals\u201c in Bezug auf das Biber-Kapitel gesprochen hat. Au\u00dferdem hat sie das fertige Buch mitgebracht!? Ich entscheide mich f\u00fcr eine oscarreif vorgespielte Souver\u00e4nit\u00e4t: \u201eDas freut mich aber. Was hatten Sie gesagt, wann das war?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMein Name ist Elena. Ich komme aus dem Jahr 2154.\u201c Sie sagt es so beil\u00e4ufig, als w\u00fcrde sie \u00fcber das Wetter plaudern, und bl\u00e4ttert w\u00e4hrenddessen in meinem Buch. \u201eWir nennen Ihre Zeit die \u201aGro\u00dfe Schwellenphase\u2018. Jede und jeder wusste, dass sich alles \u00e4ndert, aber niemand wusste genau wie.\u201c<\/p>\n<p>Ich starre sie an. Passiert mir das gerade? \u201eIch nehme an, Sie haben Beweise?\u201c<\/p>\n<p>Sie h\u00e4lt ihr zerlesenes Buch ein wenig h\u00f6her. \u201eIch halte einen in der Hand. Erstausgabe! Dieses Exemplar ist 128 Jahre alt.\u201c, Klappt es zu und legt es auf den Tisch. \u201eIhr Werk ist f\u00fcr uns, was Adam Smiths \u201aWohlstand der Nationen\u2018 f\u00fcr Sie ist \u2013 ein Zeitdokument, das erfasst, wie Menschen dachten, bevor sich alles \u00e4nderte.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Forscherin der \u00dcberg\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWarum sind Sie hier?\u201c, frage ich, die Absurdit\u00e4t der Situation au\u00dfer Acht lassend.<\/p>\n<p>\u201eIch habe eine Frage, die in den Geschichtsb\u00fcchern unbeantwortet bleibt.\u201c Sie lehnt sich vor, ihre Neugier ist greifbar. Ein kleines Licht blinkt kurz an ihrer Schl\u00e4fe \u2013 ein Implantat, das offensichtlich meine K\u00f6rpersprache liest. Sie bemerkt meinen Blick und l\u00e4chelt entschuldigend. \u201eSorry, affektives Feedback. Hilft mir, die emotionale Dimension zu erfassen, die in Archivdaten fehlt.\u201c<\/p>\n<p>Sie streicht, wie aus Gewohnheit, fl\u00fcchtig \u00fcber die Stelle. \u201eAlle Daten zeigen den strukturellen Wandel\u201c, f\u00e4hrt sie fort. \u201eKI \u00fcbernahm Routinearbeiten, neue Berufe entstanden. Aber was ich nicht verstehe: Wie f\u00fchlte es sich an? Diese t\u00e4gliche Unsicherheit? Dieses Gef\u00fchl, dass das, was gestern noch wertvoll war, morgen schon obsolet sein k\u00f6nnte?\u201c Sie spricht nicht\u00a0wie eine Prophetin, sondern wie eine Doktorandin, die eine Prim\u00e4rquelle interviewt.<\/p>\n<p>\u201eEs war \u2026 ist \u2026 beunruhigend\u201c, gestehe ich. \u201eAls w\u00fcrde der sichere Boden, auf dem ich gestern noch stand, langsam unter den F\u00fc\u00dfen wegbrechen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAh.\u201c Sie macht sich eine Notiz auf einem kleinen, eher unscheinbaren Tablet. Ihre Finger bewegen sich nicht \u2013 sie diktiert stumm, eine integrierte KI-Agentin transkribiert ihre Gedanken. \u201eDas ist interessant\u201c, sagt sie, ohne den Blick von ihrem Tablet zu wenden. \u201eIn unseren Simulationen modellieren wir leider nur die wirtschaftlichen Schocks, aber nicht diese existenzielle Erosion.\u201c Sie sieht auf. \u201eErz\u00e4hlen Sie mir vom Biber. Warum ein Tier, warum dieses?\u201c<\/p>\n<p>Langsam gew\u00f6hne ich mich an die Situation und sammle mich kurz. \u201eEr handelt, ohne zu z\u00f6gern. Die KI analysiert endlos, aber sie beginnt nicht von selbst.\u201c<\/p>\n<p>Elena nickt euphorisch. \u201eGenau! Das ist einer der kritischen Punkte. In meiner Zeit ist der \u201aBiber-Modus\u2018 ein anerkannter psychologischer Zustand \u2013 wir trainieren ihn sogar. Aber sein Ursprung \u2026\u201c, sie rudert mit der Hand, \u201ewar mir ein R\u00e4tsel. Bis ich Ihr Buch las.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_688181\" style=\"width: 439px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-688181\" class=\"size-full wp-image-688181\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/06\/cover.SCHRADER-KI-und-der-Biber_RGB_flat_WEB.jpg\" alt=\"\" width=\"429\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/06\/cover.SCHRADER-KI-und-der-Biber_RGB_flat_WEB.jpg 429w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2026\/06\/cover.SCHRADER-KI-und-der-Biber_RGB_flat_WEB-198x300.jpg 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 429px) 100vw, 429px\" \/><p id=\"caption-attachment-688181\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: PR\/Vigalia Verlag)<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vigilia-verlag.de\/buechershop\/ki-und-der-biber-was-ist-deine-arbeit-wert-wenn-ki-alles-macht.html\">\u201eKI und der Biber \u2013 7 ungew\u00f6hnliche Begegnungen und Perspektiven auf Arbeit, Sinn, Werte und KI\u201c &#8211; Viglia Verlag, 160 Seiten, 20,&#8211; Euro\u00a0<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Drei Dom\u00e4nen, ein Problem<\/strong><\/p>\n<p>Sie klappt ihr Tablet zu. \u201eWissen Sie, was nach der Gro\u00dfen Transition \u00fcbrigblieb? Drei Arten von Arbeit.\u201c Sie z\u00e4hlt an ihren Fingern ab, als teile sie eine faszinierende Entdeckung mit.<\/p>\n<p>\u201eAls Erstes: Orchestrierung. Menschen, die KI, Teams und Ressourcen zusammenf\u00fchren \u2013 wie Dirigenten, die selbst nicht jedes Instrument spielen.<\/p>\n<p>Zweitens: Entscheidungsarbeit. Alles, wo es keine klaren Daten gibt. Ethik, Politik, strategische Abw\u00e4gungen. Die KI kann Optionen liefern, aber nicht die letzte Verantwortung tragen.<\/p>\n<p>Und drittens: Menschenarbeit. Alles, wo Menschen bewusst andere Menschen wollen. Therapie, komplexe Verhandlungen, tiefe Zusammenarbeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas klingt \u2026 sinnvoll\u201c, sage ich, \u201eaber ziemlich unvollst\u00e4ndig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWissen Sie, was zwischen Ihrer Zeit und meiner passierte?\u201c, fragt sie in ernstem Ton.<\/p>\n<p>\u201eDie 2040er nannte man sp\u00e4ter die \u201aVerlorene Dekade\u2018. Nicht wirtschaftlich \u2013 technisch ging alles voran. Aber eine ganze Generation fiel durch alle Raster.\u201c Nachdenklich sieht sie aus dem Fenster.<\/p>\n<p>\u201eMein Ur-Ur-Gro\u00dfvater war einer davon. Automobilingenieur in Stuttgart. 2043 wurde seine Abteilung \u201aaugmented\u2018 \u2013 das hei\u00dft, KI \u00fcbernahm 80 % der Aufgaben, er sollte die restlichen 20 % koordinieren. Er versuchte es zwei Jahre, dann k\u00fcndigte er. Mit 52.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas tat er dann?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDrei Jahre lang nichts. Die Umschulungsprogramme waren da, aber \u2026 wissen Sie, wie es sich anf\u00fchlt, wenn Ihr ganzes Selbstbild an einem Beruf h\u00e4ngt, den es nicht mehr gibt? Erst sp\u00e4ter fand er seine Leidenschaft \u2013 er z\u00fcchtete alte Apfelsorten. Wurde richtig gut darin.\u201c Sie l\u00e4chelt. \u201eAber diese drei Jahre haben ihn fast zerbrochen. Das gr\u00f6\u00dfte Problem meiner Zeit ist nicht materiell\u201c, f\u00e4hrt sie fort. \u201eEs ist die Purpose-<br \/>\nUngleichheit. Viele haben genug zu leben, aber nichts, wof\u00fcr es sich zu leben lohnt. Die KI erledigt alles Effiziente. Was bleibt, sind die ineffizienten, aber bedeutungsvollen Fragen.\u201c<\/p>\n<p>Ich unterbreche sie. \u201eAber wie leben die Menschen? Womit verdienen sie Geld?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGeld! Das ist \u2026 kompliziert geworden.\u201c Sie lacht. \u201eEs gibt drei Einkommensstr\u00f6me in meiner Zeit.<\/p>\n<p>Der erste ist universelles Basiskapital. Jeder bekommt es, finanziert aus Automatisierungsgewinnen. Reicht zum Leben, nicht zum Luxus. Etwa so, als h\u00e4tten alle in Ihrer Zeit eine kleine Wohnung und genug zu essen \u2013 garantiert.<\/p>\n<p>Als Zweites gibt es projektbasiertes Einkommen. Sie arbeiten an etwas \u2013 Forschung, Kunst, Unternehmung \u2013 und wenn andere es wertvoll finden, bekommen Sie mehr. Wie Crowdfunding, aber systematischer.<\/p>\n<p>Die dritte Einkommensquelle ist der interessante Teil, und zwar Reputationskapital. Wenn Sie in etwas au\u00dfergew\u00f6hnlich gut sind, bekommen Sie Zugang zu Ressourcen, die Geld nicht kaufen kann: Labore, Kooperationspartner, Mentoren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKlingt utopisch\u201c, sage ich skeptisch.<\/p>\n<p>\u201eNein.\u201c Ihre Stimme wird ganz klar.<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht utopisch. Etwa 15 % meiner Generation haben kein Glimmern mehr.<\/p>\n<p>Sie leben vom Basiskapital, konsumieren KI-generierten Content, werden \u00e4lter. Wir nennen sie die Gedrifteten.\u201c Sie h\u00e4lt kurz inne. \u201eSie sind nicht arm, auch nicht krank. Aber sie \u2026 existieren nur. Das ist unser gr\u00f6\u00dftes ungel\u00f6stes Problem. Der Sozialvertrag funktioniert f\u00fcr die meisten, aber f\u00fcr manche ist er eine furchtbar elegante Falle.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEntschuldigung, \u201aGlimmern\u2018?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGlimmern. Wie erkl\u00e4re ich das? Was dich morgens weckt, nicht weil du musst, sondern weil du willst. Deine positive\u00a0Unruhe. Bei euch hei\u00dft das Leidenschaft, Berufung und ist auch mal negativ besetzt \u2013 Obsession, Zwang. Bei uns ist es das Wertvollste: das Glimmern, aus dem alles entsteht.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u201aGlimmern\u2018 als Rettung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnd wie helfen Sie diesen Menschen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIndem wir lernen, was Ihre Meister wussten.\u201c Sie zeigt auf mein Buch. \u201eLeonardos intensive Neugier. Cranachs Talent, Systeme zu bauen. Curies Intuition gegen alle Daten. Aber vor allem lernen wir vom Biber!\u201c<\/p>\n<p>\u201eVom Biber?\u201c, echoe ich.<\/p>\n<p>\u201eSein Wert liegt im Anfangen. Im Commitment. In meiner Zeit ist das die seltenste Ressource geworden. Wenn alles simuliert, optimiert, vorhergesagt werden kann \u2013 wer traut sich noch, ohne perfekten Plan zu beginnen?\u201c<\/p>\n<p>Ihr Tablet vibriert leise. Sie macht es kurz auf \u2013 eine agentische KI hat ihre Forschungshypothese bereits mit historischen Daten abgeglichen und drei neue Untersuchungspfade vorgeschlagen. Sie wischt die Benachrichtigung weg. \u201eSp\u00e4ter.\u201c<\/p>\n<p>Elena mustert mich. \u201eIhr Buch stellt die Frage: Was macht uns wertvoll? 2154 lautet die Antwort: die bewusste Wahl der pers\u00f6nlichen Leidenschaft. Was erzeugt dein Glimmern? Die KI kann alles, au\u00dfer leidenschaftlich sein. Sie kann alles, au\u00dfer sich f\u00fcr eine Sache zu entscheiden, die irrational, pers\u00f6nlich und nicht vollst\u00e4ndig optimierbar ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist der Rat, den Sie uns mitbringen? Werden Sie leidenschaftlich?\u201c<\/p>\n<p>Sie sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eDas ist keine Anleitung. Das ist eine Beobachtung. Die Menschen, die in meiner Zeit am meisten bewirken, sind die Myzel-Netzwerker, die System-G\u00e4rtner, die ethischen Architekten \u2013 und sie alle haben ihr eigenes Glimmern.\u201c<\/p>\n<p>Ihre n\u00e4chste Frage kommt etwas z\u00f6gerlich: \u201eWas ist Ihres?\u201c<\/p>\n<p>In der Tat, sie trifft mich unvorbereitet. \u201eIch \u2026 ich schreibe dieses Buch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeil ich Antworten suche.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn Sie sie bek\u00e4men?\u201c Sie l\u00e4chelt sehr nett. \u201eW\u00fcrden Sie aufh\u00f6ren?\u201c<\/p>\n<p>Ich verstehe. \u201eNein. Dann w\u00fcrde ich das n\u00e4chste Buch schreiben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann sind Sie bereits auf dem Weg.\u201c Sie schaut mich ermutigend an und steht dann unvermittelt auf. \u201eIch muss zur\u00fcck. Meine Forschung wartet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHaben Sie einen letzten Rat f\u00fcr mich?\u201c, frage ich und fasse ihren Arm.<\/p>\n<p>\u201eNun! Nehmen Sie den Biber ernst. Und den Pilz. Sie sind keine Metaphern \u2013 sie sind Blaupausen.\u201c<\/p>\n<p>Sie z\u00f6gert und zum ersten Mal wirkt sie verlegen. \u201eUnd \u2026 k\u00fcrzen Sie vielleicht das eine oder andere Kapitel. Meine Studierenden sind nur k\u00fcrzere Abschnitte gewohnt, fanden es teils etwas langatmig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhre Studierenden kritisieren mein Buch?\u201c, frage ich gespielt emp\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u201eNun ja.\u201c Sie l\u00e4chelt schuldbewusst. \u201eEine gab Ihnen auf der Plattform drei von f\u00fcnf Sternen. Kommentar: \u201eWichtig, aber zu viele Wiederholungen.&#8220;\u2018 Die KI schlug \u00fcbrigens vor, alles au\u00dfer den Interviews zu streichen und durch ein interaktives Simulationsmodul zu ersetzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd? Haben Sie es implementiert?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHimmel hilf, nein! Das w\u00e4re Blasphemie.\u201c Jetzt wiegt sie ihren Kopf. \u201eObwohl ich zugeben muss, das Simulationsmodul war schon ziemlich gut.\u201c<\/p>\n<p>Ihr Zeitfenster schlie\u00dft sich. Die Transition-AGI hat ihre R\u00fcckkehr optimiert, die temporale Varianz minimiert.<\/p>\n<p>\u201eWarten Sie!\u201c, h\u00f6re ich mich in einer Art \u00dcbersprungshandlung rufen. \u201eSie kommen aus der Zukunft. Sie k\u00f6nnten mir Lottozahlen geben, Aktienkurse \u2026 was auch immer!\u201c<\/p>\n<p>Sie grinst mich breit an. \u201eGlauben Sie, das h\u00e4tte ich nicht auch versucht? Beim ersten Mal kaufte ich Bitcoin. Massenhaft. Ich kam zur\u00fcck, \u00fcberpr\u00fcfte die Timeline \u2013 und in der Version, wo ich Bitcoin gekauft hatte, crashte Bitcoin drei Jahre fr\u00fcher wegen regulatorischer Panik. Temporale Paradoxien sind furchtbar \u00fcbersch\u00e4tzt. Sie sind haupts\u00e4chlich eins: \u00e4rgerlich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlso keine Abk\u00fcrzungen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKeine Abk\u00fcrzungen.\u201c Sie zwinkert. \u201eAber wenn Sie zuf\u00e4llig 2028 in nachhaltige Pilzzucht-Startups investieren wollen \u2026 rein hypothetisch gesprochen \u2026\u201c<\/p>\n<p>Und dann ist sie weg. Erstaunlich.<\/p>\n<p>Ich starre auf den Bildschirm meines Laptops \u2013 auf mein eigenes, noch unver\u00f6ffentlichtes Buch, das in einer fernen Zukunft Studierende lesen werden. Als Dokument einer Zeit, in der wir alle noch suchten.<\/p>\n<p>Auf dem Tisch liegt noch ihr Tablet. Sie hat es vergessen. Oder absichtlich liegengelassen? Ich klappe es langsam auf und lese:<\/p>\n<p>Forschungsnotiz: Die Wertsch\u00f6pfung der Zukunft beginnt nicht mit Optimierung, sondern mit der Wahl des richtigen, sinnvollen Widerstands.<\/p>\n<p>Frage an Autor: Was ist Ihr Widerstand?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bedarf der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Volker Schrader: \u201eKI und der Biber \u2013 7 ungew\u00f6hnliche Begegnungen und Perspektiven auf Arbeit, Sinn, Werte und KI\u201c &nbsp; &nbsp; &nbsp; Elena aus 2154 Das Fenster ist wunderbar gro\u00df und sammelt so viel Licht und Leben ein, dass es &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2026\/06\/22\/buchauszug-volker-schrader-ki-und-der-biber-7-ungewoehnliche-begegnungen-und-perspektiven-auf-arbeit-sinn-werte-und-ki\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1890,12717,12716,12718],"class_list":["post-688180","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buchauszug","tag-viglia-verlag","tag-volker-schrader","tag-ki-und-der-biber-7-ungewoehnliche-begegnungen-und-perspektiven-auf-arbeit-sinn-werte-und-ki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=688180"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":688188,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688180\/revisions\/688188"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=688180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=688180"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=688180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}