{"id":687953,"date":"2026-04-27T06:00:38","date_gmt":"2026-04-27T04:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=687953"},"modified":"2026-04-28T23:28:44","modified_gmt":"2026-04-28T21:28:44","slug":"gastbeitrag-dopheide-wenn-sicherheit-nicht-ignoriert-wurde-sondern-eiskalt-einkalkuliert-und-auf-kosten-von-menschenleben-exekutiert-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2026\/04\/27\/gastbeitrag-dopheide-wenn-sicherheit-nicht-ignoriert-wurde-sondern-eiskalt-einkalkuliert-und-auf-kosten-von-menschenleben-exekutiert-wurde\/","title":{"rendered":"Wenn Sicherheit eiskalt einkalkuliert und auf Kosten von Menschenleben exekutiert wird. Gastbeitrag von Frank Dopheide"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"application-outlet\">\n<div class=\"authentication-outlet\">\n<div class=\"reader reader-right-rail\">\n<div class=\"scaffold-layout scaffold-layout--breakpoint-xl scaffold-layout--main-aside scaffold-layout--reflow \">\n<div class=\"scaffold-layout__inner scaffold-layout-container scaffold-layout-container--reflow \">\n<div class=\"scaffold-layout__row scaffold-layout__content scaffold-layout__content--main-aside scaffold-layout__content--has-aside \">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div data-scaffold-immersive-reader=\"\">\n<article>\n<header aria-label=\"Artikel\u00fcberschrift\">\n<h1 class=\"relative\">Wenn Profit \u00fcber Menschlichkeit gestellt wird, erh\u00f6ht es kurzfristig das Ergebnis, aber f\u00fchrt langfristig ins Aus<\/h1>\n<h1 class=\"reader-article-header__title\" dir=\"ltr\"><span data-scaffold-immersive-reader-title=\"\">Wenn Verantwortungslosigkeit zum Gesch\u00e4ftsmodell wird. Ein Gastbeitrag von F<\/span>rank Dopheide, dem Gr\u00fcnder von Human Unlimited, dem Ex-CEO der Handelsblatt Group und Ex-Chairman der Werbeagentur Grey Worldwide<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/header>\n<div class=\"relative reader__grid\">\n<div class=\"reader-author-info__container\">\n<div class=\"display-flex align-items-center justify-space-between\">\n<div class=\"reader-actions\">\n<div class=\"artdeco-dropdown__content artdeco-dropdown--is-dropdown-element artdeco-dropdown__content--justification-right artdeco-dropdown__content--placement-bottom ember-view reader-overflow-options__content\" aria-hidden=\"true\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/07\/dopheide.7.24a.jpeg\" \/><\/div>\n<div id=\"ember57\" class=\"ember-view\">\n<div id=\"ember58\" class=\"ember-view\">Frank Dopheide (Foto: C. T\u00f6dtmann)<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"mt4\">Die M\u00fchlen der Justiz mahlen langsam, doch wer zwischen sie ger\u00e4t, kann zerrieben werden. So wie Mark Zuckerberg und Meta. Ein Gericht in Kalifornien hat sein Urteil gef\u00e4llt. Was Millionen Eltern seit Jahren am eigenen Kind erleben, ist jetzt rechtsg\u00fcltig: Metas Plattformen Facebook, Instagram und WhatsApp haben ihre Produkte so gebaut, dass sie abh\u00e4ngig und krank machen. Wissentlich und gezielt. Dark Patterns hei\u00dfen die gezielten Designtricks, um mit endlosem Scrollen, Push-Nachrichten oder Likes gef\u00e4hrdete Jugendliche schneller s\u00fcchtig zu machen und die Verweildauer zu erh\u00f6hen.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"color: #000000;font-weight: bold\">Interne Dokumente zeigen: Marc Zuckerberg kannte die negativen Effekte auf die Psyche von Teenagern<\/span><\/div>\n<div class=\"relative reader__grid\">\n<div data-scaffold-immersive-reader-content=\"\">\n<div class=\"reader-article-content reader-article-content--content-blocks\" dir=\"ltr\">\n<div class=\"reader-content-blocks-container\">\n<p id=\"ember62\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Er schob die Studien vom Tisch und entschied sich f\u00fcr die Umsatzsteigerung seines 200-Milliarden-Dollar-Konzerns. Jetzt bekommt er die Rechnung. Drei Millionen Dollar Schadensersatz f\u00fcr einen Teenager hier. 375 Millionen Dollar f\u00fcr eine Sammelklage dort. Und das ist erst der Anfang. Wer das amerikanische Rechtssystem kennt, wei\u00df: Nun rollt die Prozesswelle. Hunderte von Anw\u00e4lten schalten Werbespots und sammeln Kl\u00e4ger, um bei Erfolg bis zu vierzig Prozent des Streitwerts zu kassieren. Die Haifische haben die Witterung aufgenommen. Schon gibt es Tausende \u00e4hnlicher Klagen in 41 Bundesstaaten. Zu Recht. In den USA sind ein Drittel der Teenager rund um die Uhr in Social Media aktiv, im Schnitt sind es alle Kinder f\u00fcnf Stunden pro Tag. Zuckerberg hat Verantwortungslosigkeit zum Gesch\u00e4ftsmodell gemacht.<\/p>\n<h1 id=\"ember63\" class=\"ember-view reader-text-block__heading-3\">Maximiere Nutzung. Minimiere Verantwortung. Im Zweifel f\u00fcr den Profit: Lieber erwartbare Todesf\u00e4lle entsch\u00e4digen als Tanks sicherer zu bauen<\/h1>\n<p id=\"ember64\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Das Verhalten ist nicht neu. Schon vor f\u00fcnfzig Jahren entschied die Ford Motor Company bei ihrem Modell Pinto, auf die Verantwortungsbremse zu treten: Interne Kosten-Nutzen-Rechnungen zeigten: Es war g\u00fcnstiger, erwartbare Todesf\u00e4lle zu entsch\u00e4digen, als den Tank sicherer zu bauen. Sicherheit wurde nicht ignoriert, sie wurde eiskalt einkalkuliert und auf Kosten von Menschenleben exekutiert. Diese Entscheidung f\u00fchrte auch imagem\u00e4\u00dfig zu einem Totalschaden.<\/p>\n<p id=\"ember65\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Die Tabakindustrie hat \u00fcber Jahrzehnte die krankmachende Wirkung von Nikotin bestritten, auch wenn sie intern hundertfach belegt war. Millionenbudgets in Lobbyismus und Werbung zu pumpen, schien erl\u00f6str\u00e4chtiger als jede Selbstverpflichtung. Die Zigarettenhersteller wurden Jahrzehnte die Big Spender der Werbewelt. Dann begannen die M\u00fchlen der Justiz zu mahlen, und mit dem Master Settlement Agreement wurden \u00fcber 200 Milliarden Dollar f\u00e4llig \u2013 plus jeder Menge Werbeverbote.<\/p>\n<p class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\"><span style=\"color: #000000;font-weight: bold\">Werbung macht den Weltmeister. Philip Morris steckte f\u00fcr Marlboro jeden Dollar ins Marketing und feierte damit jahrelang gro\u00dfe Erfolge. <\/span><\/p>\n<h1 id=\"ember68\" class=\"ember-view reader-text-block__heading-3\">Boeing hat sich verkalkuliert<\/h1>\n<p id=\"ember69\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Das 737-MAX-Desaster mit zwei Flugzeugabst\u00fcrzen und 346 Toten war kein Mangel an Kompetenz, sondern ein Mangel an Moral. Interne Mails zeigen f\u00fcr jedermann zum Mitlesen, wie \u00fcberzogene Profiterwartungen sicherheitsrelevante Entscheidungen \u00fcbertrumpften. Auch Boeing hatte sich verkalkuliert. 2,5 Milliarden Entsch\u00e4digungszahlungen an die Familien der Opfer, gesch\u00e4tzte 15 Milliarden Zusatzkosten durch fehlende Betriebserlaubnis und Lieferverz\u00f6gerungen. Sieben Jahre sp\u00e4ter liegt der Aktienkurs immer noch f\u00fcnfzig Prozent unter dem damaligen Wert.<\/p>\n<div class=\"reader-image-block reader-image-block--full-width\">\n<div class=\"ivm-image-view-model reader-image-block__img-container\">\n<div class=\"ivm-view-attr__img-wrapper \"><\/div>\n<\/div>\n<h1 class=\"reader-image-block__figure\">Wer spart, zahlt am Ende drauf \u2013 Boeing k\u00fcrzte Produktionsbudgets und erlebte den gro\u00dfen Absturz<\/h1>\n<\/div>\n<h1 id=\"ember73\" class=\"ember-view reader-text-block__heading-3\">Der Kern des Problems ist gr\u00f6\u00dfer als die moralische Schw\u00e4che der Topmanager<\/h1>\n<p id=\"ember74\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Es ist die systemische Logik, die unmenschlich ist. Was sich nicht sofort monetarisieren l\u00e4sst, wird systematisch untersch\u00e4tzt. Was sich nicht sofort einklagen l\u00e4sst, wird systematisch ausgereizt.<\/p>\n<p id=\"ember75\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Diese Logik hat allerdings einige blinde Flecken: die langfristigen Auswirkungen, das Vertrauen und die gesellschaftliche Akzeptanz. Diese l\u00e4sst sich nicht so einfach kalkulieren, aber sie bilden die Infrastruktur, die ein Unternehmen am Laufen h\u00e4lt. Die ber\u00fchmte \u201eLicence to operate\u201c (Betriebsgenemigung). Ohne sie ist auf lange Sicht kein Gesch\u00e4ft zu machen.<\/p>\n<p id=\"ember76\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Deshalb verrechnen sich die Profitfixierten: Diese Betriebskosten sind nicht linear. Sie kommen schleichend, doch dann gleichzeitig und unaufhaltsam. Dann steht das System am Kipppunkt. Mark Zuckerberg und die gesamte Plattformindustrie werden es am eigenen Leib erleben:<\/p>\n<ul>\n<li>strengere Regulierung (Digital Services Act, Jugendschutzgesetze)<\/li>\n<li>steigende Klagewellen<\/li>\n<li>politische Eingriffe in Algorithmen<\/li>\n<li>wachsende Nutzer-Skepsis<\/li>\n<li>die Abwendung der Werbeindustrie<\/li>\n<\/ul>\n<p id=\"ember78\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Dabei ist die Lektion denkbar einfach.<\/p>\n<h1 id=\"ember79\" class=\"ember-view reader-text-block__heading-3\">Unternehmen scheitern, wenn sie Profit \u00fcber Menschen stellen<\/h1>\n<p id=\"ember80\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Es ist nur eine Frage der Zeit. In der digitalen Welt gilt: Was herauskommen kann, kommt heraus. Meist zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Interna unter der Decke zu halten, ist unm\u00f6glich. Die Urteile gegen Meta und die anderen Plattformen sind daher mehr als juristische Einzelf\u00e4lle. Sie sind ein Fr\u00fchindikator. F\u00fcr einen Moment, in dem Gesellschaften beginnen, die Spielregeln neu zu schreiben und Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen. Vertrauen ist ein Vorschuss, der zur\u00fcckgezahlt werden muss. Die Gesellschaft kann jederzeit den Stecker ziehen.<\/p>\n<p id=\"ember81\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">Es scheint, als w\u00e4re heute ein guter Zeitpunkt, um ihre Meta-Aktien zu verkaufen.<\/p>\n<p id=\"ember82\" class=\"ember-view reader-text-block__paragraph\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bedarf der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Wenn Profit \u00fcber Menschlichkeit gestellt wird, erh\u00f6ht es kurzfristig das Ergebnis, aber f\u00fchrt langfristig ins Aus Wenn Verantwortungslosigkeit zum Gesch\u00e4ftsmodell wird. 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