{"id":686830,"date":"2025-11-06T06:00:12","date_gmt":"2025-11-06T05:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=686830"},"modified":"2025-11-06T22:09:12","modified_gmt":"2025-11-06T21:09:12","slug":"daimler-und-benz-stiftung-original-oder-faelschung-strategien-zur-entlarvung-von-kunstfaelschungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2025\/11\/06\/daimler-und-benz-stiftung-original-oder-faelschung-strategien-zur-entlarvung-von-kunstfaelschungen\/","title":{"rendered":"Daimler und Benz Stiftung: Original oder F\u00e4lschung? Strategien zur Entlarvung von Kunstf\u00e4lschungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Original oder F\u00e4lschung? Strategien zur Entlarvung von Kunstf\u00e4lschungen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_686831\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-686831\" class=\"size-full wp-image-686831\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/10\/daimlerundBenzStiftung.Henry-Keazor-5.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"504\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/10\/daimlerundBenzStiftung.Henry-Keazor-5.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/10\/daimlerundBenzStiftung.Henry-Keazor-5-300x233.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/10\/daimlerundBenzStiftung.Henry-Keazor-5-387x300.jpg 387w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-686831\" class=\"wp-caption-text\">Henry Keazor (Foto: PR\/Daimler)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>\u201eF\u00e4lschungen k\u00f6nnen Zeitbomben sein, die erst lange Zeit nach ihrer Herstellung detonieren\u201c, sagt Henry Keazor, Professor f\u00fcr Kunsthistorik an der Universit\u00e4t Heidelberg und Spezialist f\u00fcr franz\u00f6sische und italienische Barockmalerei. Er forscht zu Kunstf\u00e4lschungen und wurde bekannt als Interviewer des Kunstf\u00e4lschers Wolfgang Beltracchi in dem 2014 erschienenen Dokumentarfilm \u201eBeltracchi \u2013 Die Kunst der F\u00e4lschung\u201c. Keazor hielt <strong>dazu k\u00fcrzlich einen Vortrag in der Reihe \u201eDialog im Museum\u201c f\u00fcr die Daimler und Benz Stiftung. Aufgeschrieben hat ihn f\u00fcr den Management-Blog die Autorin Miriam Weiss.<\/strong><\/h1>\n<h1><\/h1>\n<p><strong>Ein aktueller F\u00e4lschungsfall: Die B\u00fcste der Cecilia Gonzaga<\/strong><\/p>\n<p>Was eine F\u00e4lschung zur Zeitbombe mache, erl\u00e4utert Keazor an einem aktuellen und politisch brisanten Fall aus der Slowakei, der eine Marmorb\u00fcste betrifft, die die italienische Adlige Cecilia Gonzaga darstellt. Die B\u00fcste, die sich \u00fcber Jahrhunderte im Besitz der Adelsfamilie Csaky befand, war nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten und wurde nun in einem Depot des Spi\u0161 Museums in Levo\u010da in der Slowakei wiederentdeckt. Aufgrund der im Sockel eingemei\u00dfelten Signatur Ceciliae Gonzagae opus Donatelli schrieb man die B\u00fcste dem ber\u00fchmten Renaissance-Bildhauer Donatello zu. Diese vermeintliche Sensation f\u00fchrte in der Slowakei zu einer Kontroverse: Am 29.\u00a0Mai 2025 wurde die B\u00fcste von der slowakischen Regierung beschlagnahmt und an einen streng geheimen Ort gebracht. Als Grund daf\u00fcr nannte Kulturministerin Martina \u0160imkovi\u010dov\u00e1 die mangelnden Sicherheitsstandards des Spi\u0161 Museums zum Schutz des Werkes.<\/p>\n<p>Kunstkenner und Opposition der nationalistischen slowakischen Regierung vermuteten jedoch, dass die B\u00fcste von der Regierung zu einem hohen Preis verkauft werden k\u00f6nnte. \u201eDa das Alter einer Marmorskulptur in der Regel nicht durch die Untersuchung des Marmors selbst bestimmt werden kann, musste der sich mit dem Fall befassende italienische Kunstexperte Francesco Caglioti auf eine stilistische Analyse zur\u00fcckgreifen\u201c, so Keazor. Im August 2025 kam Caglioti zu dem Schluss, dass es sich bei der B\u00fcste um eine Marmorkopie nach einer anonymen Skulptur aus dem 19. Jahrhundert und damit um eine F\u00e4lschung handele.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Methoden der F\u00e4lschungsentlarvung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDieser Fall zeigt, dass zur Aufdeckung von F\u00e4lschungen eine Vielzahl von Methoden notwendig ist\u201c, betont Keazor. \u201eJede einzelne Methode hat ihre Schw\u00e4chen und M\u00e4ngel, die man nur dadurch ausgleichen kann, dass man die Methoden miteinander kombiniert.\u201c Provenienzforschung, bei der Herkunft und Besitzverh\u00e4ltnisse von Kunstwerken gekl\u00e4rt werden, z\u00e4hlen ebenso dazu wie die chemische Untersuchung von Farbproben oder physikalische Methoden wie die R\u00f6ntgenfluoreszenzanalyse, bei der mit R\u00f6ntgenstrahlung bestimmt werden kann, welche Substanzen im jeweiligen Kunstwerk verarbeitet sind. Die stilistische Analyse widmet sich unter anderem der zeitlichen Einordnung eines Kunstwerks und dessen Zuordnung zu einem K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>KI ist derzeit noch zu fehleranf\u00e4llig<\/strong><\/p>\n<p>\u201eK\u00fcnstliche Intelligenz (KI) als weiterer Ansatz wird in Zukunft sicherlich vielversprechend sein, ist aber heute noch zu fehleranf\u00e4llig\u201c, sagt Keazor. Er nennt Beispiele wie das von der Physikerin Carina Popovici gegr\u00fcndete Start-up Art Recognition, das damit wirbt, mithilfe von KI die Echtheit von Kunstwerken \u00fcberpr\u00fcfen und damit F\u00e4lschungen entlarven zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eDas Problem ist, dass die KI mit Werkkatalogen gespeist wird, die auch F\u00e4lschungen enthalten k\u00f6nnen. So lernt die KI, F\u00e4lschungen als Originale zu betrachten. Der Werkkatalog des Malers Heinrich Campendonck etwa enthielt ihm zugeschriebene Gem\u00e4lde von Wolfgang Beltracchi, bis dieser als F\u00e4lscher \u00fcberf\u00fchrt wurde\u201c, so der Kunsthistoriker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was macht ein Objekt zu einer F\u00e4lschung?<\/strong><\/p>\n<p>Anhand einer Stufengrafik zeigt Keazor den Weg vom Original zur F\u00e4lschung auf:<\/p>\n<p>\u201eDem Original am n\u00e4chsten kommt die Replik, mit der ein K\u00fcnstler sein Werk ein zweites Mal schafft.<\/p>\n<p>Von Kopie spricht man, wenn ein K\u00fcnstler das Werk eines anderen K\u00fcnstlers nachbildet.<\/p>\n<p>Im sogenannten Pasticcio werden Versatzst\u00fccke aus Werken eines anderen K\u00fcnstlers kombiniert, sodass daraus ein neues Werk entsteht. Die Stilnachahmung oder -aneignung schafft ein Werk nach der Handschrift eines bestimmten K\u00fcnstlers etwa als Hommage an diesen. Am weitesten weg vom Original liegt schlie\u00dflich die F\u00e4lschung.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keazor nennt Replik, Kopie, Pasticcio und Stilnachahmung als legitime und in der Kunstgeschichte traditionelle und etablierte Formen, die aber auch zu F\u00e4lschungen werden k\u00f6nnen, wenn diese als Originale ausgegeben werden. Wie aber werden diese F\u00e4lschungen \u00fcberzeugend als vermeintliches Original angesehen? \u201eDies geschieht mittels der objektiven Verf\u00e4lschung\u201c, erl\u00e4utert er. \u201eDabei greift man in ein geschaffenes Werk so ein, dass es zum Beispiel alt wirkt. Oder man f\u00fcgt eine Signatur hinzu, die urspr\u00fcnglich gar nicht zu dem Werk geh\u00f6rt.\u201c Bei der subjektiven Verf\u00e4lschung hingegen werde das Objekt selbst nicht ver\u00e4ndert, aber der Rezeptionsrahmen manipuliert: \u201eDabei wird das Objekt in Bezug gesetzt zu irref\u00fchrenden, manipulierten Dokumenten, etwa die Herkunftsgeschichte betreffend.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Forschen an F\u00e4lschungen<\/strong><\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend nennt Keazor noch zwei weitere Methoden, die zur F\u00e4lschungsentlarvung beitragen k\u00f6nnen: \u201eEin wichtiger Aspekt ist das Lernen vom Objekt.\u201c Studierende der Kunstgeschichte k\u00f6nnen an der Universit\u00e4t Heidelberg an F\u00e4lschungen forschen, die in der 2021 gegr\u00fcndeten Heidelberger F\u00e4lschungs-Studiensammlung (HeF\u00e4StuS) aufbewahrt werden. \u201eWeiterhin ist das Lernen von der Vergangenheit ein wichtiger Schl\u00fcssel f\u00fcr die F\u00e4lschungsbek\u00e4mpfung in der Gegenwart\u201c, erg\u00e4nzt er. Keazor stellt hierzu ein aktuelles Forschungsprojekt vor, das die Entlarvungs- und Pr\u00e4ventionsstrategien gegen Kunstf\u00e4lschungen analysiert, die zwischen 1899 und 1939 in der Zeitschrift \u201eMittheilungen des Museen-Verbandes\u201c publiziert wurden mit dem Ziel, durch Aufkl\u00e4rung die Herstellung und den Verkauf von F\u00e4lschungen zu unterbinden. \u201eLetztlich k\u00f6nnten diese Forschungen auch Hinweise darauf liefern, wo sich F\u00e4lschungen heute befinden\u201c, so sein Res\u00fcmee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte \u2013 wer Interesse hat, sich Inhalte \u2013 \u00fcber den Link hinaus und ohne davon abh\u00e4ngig zu sein \u2013 zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bedarf der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Original oder F\u00e4lschung? Strategien zur Entlarvung von Kunstf\u00e4lschungen &nbsp; &nbsp; \u201eF\u00e4lschungen k\u00f6nnen Zeitbomben sein, die erst lange Zeit nach ihrer Herstellung detonieren\u201c, sagt Henry Keazor, Professor f\u00fcr Kunsthistorik an der Universit\u00e4t Heidelberg und Spezialist f\u00fcr franz\u00f6sische und italienische Barockmalerei. 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