{"id":686734,"date":"2025-09-25T06:00:35","date_gmt":"2025-09-25T04:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=686734"},"modified":"2025-10-02T17:14:18","modified_gmt":"2025-10-02T15:14:18","slug":"buchauszug-patrick-bernau-buerokratische-republik-deutschland-report-aus-einem-ueberregulierten-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2025\/09\/25\/buchauszug-patrick-bernau-buerokratische-republik-deutschland-report-aus-einem-ueberregulierten-staat\/","title":{"rendered":"Buchauszug Patrick Bernau: &#8222;B\u00fcrokratische Republik Deutschland. Report aus einem \u00fcberregulierten Staat.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Patrick Bernau: <a href=\"http:\/\/B\u00fcrokratische Republik Deutschland | Bernau, Patrick | Broschur\">&#8222;B\u00fcrokratische Republik Deutschland.\u00a0Report aus einem \u00fcberregulierten Staat.&#8220;<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_686749\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-686749\" class=\"size-full wp-image-686749\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/09\/bernau.patrickfaz.querformat.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/09\/bernau.patrickfaz.querformat.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/09\/bernau.patrickfaz.querformat-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/09\/bernau.patrickfaz.querformat-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-686749\" class=\"wp-caption-text\">Patrick Bernau (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verbraucherschutz ist eine der gro\u00dfen Quellen von \u00dcberregulierung \u2013 und das hat auch mit Lobby-Interessen zu tun. Die Metzger aus dem Schwarzwald finden zum Beispiel: Der Verbraucher w\u00fcrde get\u00e4uscht, wenn Schwarzw\u00e4lder Schinken nicht wirklich aus dem Schwarzwald kommt.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich hoffen die Schwarzw\u00e4lder Metzger auch auf h\u00f6heren Umsatz, wenn Metzger aus anderen Regionen ihren gep\u00f6kelten Bauchspeck nur als \u201eSchinken Schwarzw\u00e4lder Art\u201c verkaufen d\u00fcrfen. Das ist nicht ehrenr\u00fchrig. Aber der Gesetzgeber h\u00f6rt auch noch auf sie.<\/p>\n<p>Es ist aktenkundig: Der Gesetzgeber geht wirklich davon aus, dass Metzger das einschl\u00e4gige Rezept nur dann gut beherrschen, wenn sie dabei von badischen Tannen beschattet werden. Wenn sie den Schwarzwald verlassen, scheinen sie in der Logik des Gesetzgebers schlagartig alles zu vergessen.<\/p>\n<p>So versorgen die Schwarzw\u00e4lder Metzger das Land nicht nur mit Schinken, sondern auch mit allerlei b\u00fcrokratischen Possen. Zum Beispiel kann man jetzt in einer ausf\u00fchrlichen Definition nachlesen, wo genau die Grenzen des Schwarzwaldes liegen: \u201eGemarkungen, die bis zur Gemeindegebietsreform in Baden-W\u00fcrttemberg Anfang der 1970iger Jahre von den genannten Grenzlinien durchschnitten werden, gelten zur G\u00e4nze als einbezogen.\u201c Sp\u00e4ter hat der Schutzverband der Schwarzw\u00e4lder Schinkenhersteller das Bundespatentgericht, den Bundesgerichtshof und den Europ\u00e4ischen Gerichtshof jahrelang mit der Frage besch\u00e4ftigt, ob in Scheiben verkaufter Schwarzw\u00e4lder Schinken auch innerhalb dieser festgelegten Grenzen geschnitten werden muss. Erst 2021 entschied der Bundesgerichtshof in letzter Instanz, dass\u202fauch Menschen in Westfalen kompetent genug sind, eine Scheibe solchen Schinkens abzuschneiden.<\/p>\n<p>Die Schwarzw\u00e4lder Metzger sind nicht die einzigen. W\u00e4hrend ich diese Zeile schreibe, verzeichnet die Datenbank der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr gesch\u00fctzte Herkunftsangaben ganze 3955 Eintr\u00e4ge, von der Dithmarscher Gans bis zur Kartoffel aus Valderredible in Nordspanien. Allein in den Monaten der Arbeit an diesem Buch ist die Zahl um 414 gewachsen.<\/p>\n<h1>Ein Pizza-Rezept wird zum Gesetz<\/h1>\n<p>Solche Herkunftsfragen stellen sich nicht nur in der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Ernsthafte\u202fVerhandlungen um Freihandelsabkommen werden regelm\u00e4\u00dfig von erbitterten Auseinandersetzungen dar\u00fcber aufgehalten, woher welches Lebensmittel stammen darf. Europa versucht gerade, sich von China und den USA unabh\u00e4ngiger zu machen. Das k\u00e4me den Verbrauchern sehr zugute.<\/p>\n<p>Aber die Verhandlungen mit anderen Handelspartnern sind nicht leicht.<\/p>\n<p>Das Freihandelsabkommen mit Kanada ist immer noch nicht in der ganzen Europ\u00e4ischen Union verabschiedet, es gibt gen\u00fcgend Streitpunkte \u2013 da h\u00e4tte man nicht auch noch dar\u00fcber diskutieren m\u00fcssen, aus welchen Landstrichen Parmesan, Feta und Bresaola kommen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Immerhin: Auf diese Weise hat es sogar ein ganzes Backrezept in ein Gesetz geschafft. \u201eDer Pizzab\u00e4cker schiebt die belegte Pizza mit Hilfe von etwas Mehl mit einer Drehbewegung auf einen Holz- oder Aluminiumschieber, dann l\u00e4sst er sie mit einer schnellen Bewegung des Handgelenks auf die Ofensohle gleiten, ohne dass der Belag \u00fcberschwappt.\u201c So, und nur so, geht die echte Pizza Napoletana \u2013 zumindest steht das in der EU-Verordnung 97\/2010, genauer gesagt: in Anhang II. Aber bitte passen Sie auf: Das Mehl muss einen Proteingehalt von 11-12,5 Prozent haben, und die Tomaten d\u00fcrfen beim Backen nur eine Temperatur von 75 bis 80 Grad erreichen, der Mozzarella sogar h\u00f6chstens\u00a070 Grad.<\/p>\n<h1>Verbraucherschutz und Lobbyismus vermischen sich nicht nur beim Essen.<\/h1>\n<p>2014 kam das amerikanische Unternehmen Uber nach Deutschland, das per App Fahrer vermittelt. Uber hatte sich zunutze gemacht, dass der technische Fortschritt einige Probleme l\u00f6st, f\u00fcr die man vorher lizensierte Taxifahrer brauchte: Uber zeigt dem Fahrer den besten Weg, er muss nicht erst alle 9700 Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze in Berlin auswendig lernen. Uber l\u00e4sst jeden Nutzer und jeden Fahrer st\u00e4ndig bewerten, das steigert die Sicherheit \u2013 zumal Uber im Zweifel sowieso wei\u00df, welcher Kunde in welches Auto eingestiegen ist. Und Uber hat die Preise f\u00fcr chauffierte Fahrten gedr\u00fcckt (in Sto\u00dfzeiten allerdings sind die Preise gestiegen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_686736\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-686736\" class=\"size-full wp-image-686736\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/09\/cover.bernau.patrick.jpeg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"430\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/09\/cover.bernau.patrick.jpeg 260w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/09\/cover.bernau.patrick-181x300.jpeg 181w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><p id=\"caption-attachment-686736\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: PR\/Beck Verlag)<\/p><\/div>\n<h2 class=\"author h2 fontColor01\"><a href=\"https:\/\/www.chbeck.de\/bernau-buerokratische-republik-deutschland\/product\/38844408\">Patrick Bernau: &#8222;B\u00fcrokratische Republik Deutschland. Report aus einem \u00fcberregulierten Staat&#8220; &#8211; Verlag C.H.Beck, 175 Seiten, 18 Euro<\/a><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gegen all das machten die Taxifahrer Front, so lange, bis auch Uber sich den entsprechenden Regeln unterwerfen musste. Dabei betonten die Taxi-Lobbyisten immer, dass der Kunde nur bei richtigen Taxifahrern gut aufgehoben sei. Ist das wirklich so? In den USA ist jedenfalls inzwischen ermittelt worden, dass Uber sogar die Nutzung von Bus und Bahn steigern kann, weil man leichter zu den Haltestellen kommt. In Deutschland wurde Ubers Gesch\u00e4ftsmodell kr\u00e4ftig eingegrenzt. Da wurde ganz offenbar der Verbraucher vor sich selbst gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Wann Verbraucher wirklich Schutz brauchen Dass Verbraucherschutz von Lobbyisten gekapert wird, ist nur ein Teil seines B\u00fcrokratie-Problems. Der andere ist, dass selbst Verbraucherschutz mit den besten Intentionen manchmal \u00fcbers Ziel hinausschie\u00dft. Das hat der Oxford-\u00d6konom Mark Armstrong schon vor einigen Jahren analysiert. Seine wichtige Annahme kennen wir bereits, sie wird nur oft vergessen: Die Menschen sind unterschiedlich. Es gibt nicht nur ignorante Kunden, sondern auch solche, die sich gut informieren. Wichtig ist, wie viel sie miteinander zu tun haben.<\/p>\n<p>Auf vielen M\u00e4rkten leben \u2013 erstens \u2013 informierte und ignorante Kunden nebeneinander her, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen. Dann kann Verbraucherschutz helfen. Zumindest ist Verbraucherschutz dann hilfreich, wenn ignorante Kunden bei besserer Information mit Sicherheit ein anderes Produkt w\u00e4hlen w\u00fcrden \u2013 zum Beispiel, wenn giftige Lebensmittel verboten werden. Wichtig ist die Bedingung, dass man bei besserer Information mit Sicherheit ein anderes Produkt w\u00e4hlt. Dar\u00fcber sollte man besonders lange nachdenken. Denn oft untersch\u00e4tzen wir unsere Mitmenschen. Studien haben gezeigt, dass Menschen sich nur schlecht vorstellen k\u00f6nnen, dass andere Leute andere W\u00fcnsche haben. Andere Leute w\u00e4hlen andere Produkte nicht etwa, weil sie schlecht informiert sind, sondern weil sie tats\u00e4chlich andere Vorlieben haben. Das anzuerkennen, f\u00e4llt vielen Menschen schwer, auch Bundestagsabgeordneten, wie eine Studie zeigt.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch \u2013 zweitens \u2013 M\u00e4rkte, auf denen schlecht informierte Kunden von den aufmerksamen profitieren. Da ist der Verbraucherschutz nicht so dringend. Wenn im Supermarkt gen\u00fcgend Leute auf den Milchpreis achten und zum Discounter wechseln, sobald die Milch zu teuer ist \u2013 dann wird der Supermarkt die Milch nicht zu teuer machen, und von den gebremsten Preisen profitieren alle. \u00c4hnlich funktioniert das beim Strompreis und bei den Handytarifen, die jahrelang immer weiter gesunken sind.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gibt es \u2013 drittens \u2013 M\u00e4rkte, auf denen die informierten Kunden von den ignoranten Kunden profitieren: Die Unternehmen decken ihre Kosten mit dem Geld der ignoranten Kunden, dadurch k\u00f6nnen sie den informierten Kunden einen gr\u00f6\u00dferen Rabatt einr\u00e4umen. Die Reisewelt funktioniert oft nach diesem Motto: Wer das Hotel auf dem richtigen Weg bucht und sich rechtzeitig um seine Bordkarte k\u00fcmmert, zahlt weniger.<\/p>\n<p>Solche M\u00e4rkte unreguliert zu lassen, hat einige Vorz\u00fcge. Erstens erhalten die Kunden einen Anreiz, sich gut zu informieren. Dann schauen sie den Unternehmen auch genauer auf die Finger. Zweitens erm\u00f6glicht ein solcher unregulierter Markt Menschen mit wenig Geld, billig durchs Leben zu kommen, wenn sie gut aufpassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Patrick Bernau: &#8222;B\u00fcrokratische Republik Deutschland.\u00a0Report aus einem \u00fcberregulierten Staat.&#8220; &nbsp; &nbsp; Verbraucherschutz ist eine der gro\u00dfen Quellen von \u00dcberregulierung \u2013 und das hat auch mit Lobby-Interessen zu tun. 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