{"id":686461,"date":"2025-07-17T06:00:11","date_gmt":"2025-07-17T04:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=686461"},"modified":"2025-07-18T00:27:11","modified_gmt":"2025-07-17T22:27:11","slug":"insolvenzen-wenn-geschaeftsfuehrer-zu-lange-zoegern-und-spaet-die-insolvenz-anmelden-riskieren-sie-ihr-privatvermoegen-wenn-der-insolvenzverwalter-sie-deshalb-verklagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2025\/07\/17\/insolvenzen-wenn-geschaeftsfuehrer-zu-lange-zoegern-und-spaet-die-insolvenz-anmelden-riskieren-sie-ihr-privatvermoegen-wenn-der-insolvenzverwalter-sie-deshalb-verklagt\/","title":{"rendered":"Insolvenzen: Wenn Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu lange z\u00f6gern und sp\u00e4t die Insolvenz anmelden, riskieren sie ihr Privatverm\u00f6gen, wenn der Insolvenzverwalter sie deshalb verklagt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_686473\" style=\"width: 633px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-686473\" class=\"size-full wp-image-686473\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/07\/briefkasten.gelb_.gross_-e1752790556245.jpg\" alt=\"\" width=\"623\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/07\/briefkasten.gelb_.gross_-e1752790556245.jpg 623w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/07\/briefkasten.gelb_.gross_-e1752790556245-300x235.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/07\/briefkasten.gelb_.gross_-e1752790556245-383x300.jpg 383w\" sizes=\"auto, (max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><p id=\"caption-attachment-686473\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Teure Post<\/h2>\n<p><strong>Was Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer tun k\u00f6nnen, um bei Insolvenz ihrer Firma pers\u00f6nliche Haftung zu vermeiden<\/strong><\/p>\n<p>(zuerst erschienen in der WiWo 24\/2025)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Schock ereilte ihn per Post. Als der ehemalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Maschinenbaufirma an diesem Samstagmorgen seinen Briefkasten leerte, war sein Wochenende gelaufen: Der Insolvenzverwalter seines Ex-Arbeitgebers schrieb ihm, er solle binnen 14 Tagen 300.000 Euro Schadenersatz \u00fcberweisen. Der Manager habe die Insolvenz der Firma zu sp\u00e4t angemeldet und hafte nun daf\u00fcr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pluta.net\/kontakt\/mitarbeiter\/maximilian-pluta.html\">Maximilian Pluta<\/a>, der als Restrukturierungsanwalt die Firma ber\u00e4t, kennt diverse F\u00e4lle, in denen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer f\u00fcr die versp\u00e4tete Insolvenz ihrer Firma verantwortlich sein sollen \u2013 und die oft einen jahrelangen Rechtsstreit nach sich ziehen. Pluta z\u00e4hlt zu den renommiertesten Insolvenzanw\u00e4lten, er schaffte es in das WirtschaftsWoche-Topkanzlei-Ranking (siehe Tabellen Insolvenzrecht und Restrukturierung). Die Gesch\u00e4fte der Insolvenz- und Restrukturierungsanw\u00e4lte laufen gut, hei\u00dft es aus den Anwaltskanzleien: In der Rezession gehen immer mehr Firmen pleite.<\/p>\n<p>Laut Statistischem Bundesamt gab es im Februar zw\u00f6lf Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahresmonat. Im Jahr 2024 insgesamt waren es sogar 22 Prozent mehr als noch 2023. Und mit der Zahl der Insolvenzen wachsen auch die Risiken f\u00fcr Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Weltwirtschaftliche Turbulenzen dr\u00fccken die Einnahmen, die Banken werden vorsichtiger, lehnen Kredite auch mal \u00fcberraschend ab. Das erschwert es den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern von notleidenden Unternehmen, einen Zw\u00f6lf-Monats-Plan f\u00fcr die Liquidit\u00e4t der Firma aufzustellen, wozu sie das Insolvenzgesetz verpflichtet \u2013 und zwar ab dem Moment der drohenden Zahlungsunf\u00e4higkeit oder \u00dcberschuldung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Der Insolvenzverwalter muss alles checken &#8211; im Nachhinein<\/h1>\n<p>\u201eDer h\u00e4ufigste Vorwurf ist im Nachhinein, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer habe den Insolvenzantrag zu sp\u00e4t gestellt\u201c, sagt <a href=\"https:\/\/www.hengeler.com\/de\/anwaelte\/dr-martin-tasma\/\">Martin Tasma, Restrukturierungsanwalt bei Hengeler Mueller,<\/a> der ebenfalls im Ranking der WirtschaftsWoche-Topkanzleien vertreten ist. Der Insolvenzverwalter pr\u00fcft dann, ob der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer noch Rechnungen freigegeben hat, als diese mangels Liquidit\u00e4t nicht mehr h\u00e4tten bezahlt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wer zu lange zahlt, sch\u00e4digt die Gl\u00e4ubiger und muss dann pers\u00f6nlich Schadenersatz leisten. Es darf kein Geld mehr \u00fcberwiesen werden, wenn nicht mehr genug Verm\u00f6gen vorhanden sei, um die Firma abzuwickeln \u2013 und gleichzeitig die Finanzierung f\u00fcr zw\u00f6lf Monate nicht mehr sichergestellt sei, sagt Pluta. Oder auch, wenn f\u00fcr alle f\u00e4lligen Rechnungen nicht mehr genug Geld auf den Konten vorhanden sei.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage lautet somit: Wann m\u00fcssen die Manager den Insolvenzantrag bei Gericht stellen? Diese zu beantworten, ist allerdings alles andere als einfach. Gerade in unvorhersehbaren Zeiten m\u00fcssen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ihre Finanzplanung auf viele Annahmen und Pr\u00e4missen st\u00fctzen. Die k\u00f6nnen in einem Moment vern\u00fcnftig erscheinen. Doch kommt es zur Pleite, finden Richter in der R\u00fcckschau Argumente daf\u00fcr, warum die Annahmen unrealistisch oder \u00fcberoptimistisch gewesen sein k\u00f6nnten, beschreibt Anwalt Tasma das Dilemma.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Ein Krisentagebuch anlegen, um sich zu sch\u00fctzen<\/h1>\n<p>Er berichtet von einem Manager, der erwartet hatte, dass seine Bank in sechs Monaten einen weiteren Kredit gew\u00e4hren w\u00fcrde. Doch die Bank forderte stattdessen pl\u00f6tzlich den laufenden Kredit zur\u00fcck. Pluta r\u00e4t: \u201eUm Jahre sp\u00e4ter im Prozess beweisen zu k\u00f6nnen, dass man sorgf\u00e4ltig alle Aspekte bedacht hat, sollte man alle Entscheidungen taggenau wie ein Krisentagebuch dokumentieren.\u201c In die t\u00e4glich festgehaltene Planung geh\u00f6rten das erwartete Umsatzvolumen, zugrunde gelegte Kostenannahmen und die Skizzierung des wirtschaftlichen Umfelds, in dem die Entscheidungen getroffen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die Staatsanwaltschaft bekommt automatisch die Insolvenzantr\u00e4ge<\/h1>\n<p>Was die wenigsten Betroffenen wissen: Die Gerichte leiten alle Insolvenzantr\u00e4ge an die Staatsanwaltschaft. Die muss pr\u00fcfen, ob Insolvenzverschleppung vorliegt, sagt der Strafrechtler <a href=\"https:\/\/www.heuking.de\/de\/anwaelte\/profil\/dr-andre-m-szesny.html\">Andr\u00e9 Szesny von Heuking<\/a>. Best\u00e4tigt sich der Verdacht, drohen Geldbu\u00dfen, Berufsverbot oder gar Gef\u00e4ngnis. Die Managerhaftpflichtversicherung zahlt keinen Cent, sollte die Verschleppung vors\u00e4tzlich herbeigef\u00fchrt worden sein. Wo Staatsanw\u00e4lte im Nachhinein die Grenze zwischen Vorsatz und Fahrl\u00e4ssigkeit ziehen, ist unklar. Gut f\u00fcr Manager sei es, fr\u00fch Insolvenz anzumelden, um ihr eigenes Haftungsrisiko zu senken. Die Firma kann das aber in die Abw\u00e4rtsspirale ziehen. \u201eGerade Inhaber verz\u00f6gern die Insolvenzanmeldung oft viel zu lange, weil sie bis zuletzt an die Rettung der Firma glauben\u201c, sagt Pluta. F\u00fcr sie stehe oft alles auf dem Spiel, wenn ihr ganzes Verm\u00f6gen im Unternehmen steckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lesetipp: Gastronom und Fernsehkoch Alfons Schuhbeck wurde u.a. wegen Insolvenzverschleppung verurteilt.\u00a0<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/urteil-im-fall-alfons-schuhbeck-star-koch-zu-vier-jahren-und-drei-monaten-haft-verurteilt,UqtnaBX\">Schuhbeck-Urteil: Vier Jahre und drei Monate Haft f\u00fcr Star-Koch | BR24<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Teure Post Was Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer tun k\u00f6nnen, um bei Insolvenz ihrer Firma pers\u00f6nliche Haftung zu vermeiden (zuerst erschienen in der WiWo 24\/2025) &nbsp; Der Schock ereilte ihn per Post. 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