{"id":686363,"date":"2025-06-26T21:23:08","date_gmt":"2025-06-26T19:23:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=686363"},"modified":"2025-06-26T21:23:08","modified_gmt":"2025-06-26T19:23:08","slug":"buchauszug-uwe-seebacher-effizient-faul-minimaler-aufwand-maximaler-erfolg-das-revolutionaere-prinzip-fuer-mehr-produktivitaet-weniger-stress-und-mehr-zeit-fuer-das-was-wirklich-zaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2025\/06\/26\/buchauszug-uwe-seebacher-effizient-faul-minimaler-aufwand-maximaler-erfolg-das-revolutionaere-prinzip-fuer-mehr-produktivitaet-weniger-stress-und-mehr-zeit-fuer-das-was-wirklich-zaehlt\/","title":{"rendered":"Buchauszug Uwe Seebacher: &#8222;Effizient faul: Minimaler Aufwand. Maximaler Erfolg. Das revolution\u00e4re Prinzip f\u00fcr mehr Produktivit\u00e4t, weniger Stress und mehr Zeit f\u00fcr das, was wirklich z\u00e4hlt.&#8220;\u00a0"},"content":{"rendered":"<h1 id=\"title\" class=\"a-spacing-none a-text-normal\"><span id=\"productTitle\" class=\"a-size-large celwidget\" data-csa-c-id=\"cbkaul-t4mtx5-8jms7f-wzqyv7\" data-cel-widget=\"productTitle\">Buchauszug <a href=\"https:\/\/uweseebacher.org\/\">Uwe Seebacher<\/a>: &#8222;Effizient faul: Minimaler Aufwand. Maximaler Erfolg. Das revolution\u00e4re Prinzip f\u00fcr mehr Produktivit\u00e4t, weniger Stress und mehr Zeit f\u00fcr das, was wirklich z\u00e4hlt.&#8220;\u00a0<\/span><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_686366\" style=\"width: 553px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-686366\" class=\"size-full wp-image-686366\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/06\/seebacher.uwe_.jpg\" alt=\"\" width=\"543\" height=\"524\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/06\/seebacher.uwe_.jpg 543w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/06\/seebacher.uwe_-300x290.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/06\/seebacher.uwe_-311x300.jpg 311w\" sizes=\"auto, (max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><p id=\"caption-attachment-686366\" class=\"wp-caption-text\">Uwe Seebacher (Foto: PR)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Faulheit neu gedacht<\/h1>\n<p><em>Der Weg zum Tun ist das Sein. <\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Lao-Tse, chinesischer Philosoph<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die US-Sitcom The Office, basierend auf dem englischen Original gleichen Namens, ist eine der erfolgreichsten Serien des 21. Jahrhunderts. In ihr verfolgen wir das Leben der Angestellten einer Papierfirma im ostamerikanischen Pennsylvania. Der inkompetente Chef Michael Scott, gespielt von Steve Carell, und seine Mitarbeiter brachten in neun Staffeln mit ihren Eigenheiten und absurden Situationen das Land zum Lachen.<\/p>\n<p>Eine der Hauptfiguren ist der Verk\u00e4ufer Jim Halpert, gespielt von John Krasinski. Er ist beliebt, witzig und klug, aber hat am Anfang der Serie keinerlei Ambitionen. Zufrieden mit seiner Situation, nutzt er jede Gelegenheit, um seinem Kollegen Dwight Schrute das Leben schwer zu machen. Seine einzige Motivation am Arbeitsplatz besteht darin, die Empfangsdame Pam zu umwerben, in die er verliebt ist.<\/p>\n<p>Jim wei\u00df stets, welche Leistung er bringen muss, um sich seine Sp\u00e4\u00dfe und Flirtereien erlauben zu k\u00f6nnen. Er nutzt seine Energie und Zeit effizient, um als Mitarbeiter unersetzbar zu werden und gleichzeitig keinen Stress zu versp\u00fcren. Ganz anders als der verbissene Dwight, der um jeden Preis in der Hierarchie der Firma aufsteigen will, scheint Jim mit seinem Leben zufrieden und gl\u00fccklich. Das macht ihn zu einem so angenehmen Zeitgenossen. Mehrmals schl\u00e4gt er sogar die M\u00f6glichkeiten einer Bef\u00f6rderung aus, weil er sich nicht mit mehr Stress belasten will.<\/p>\n<p>Die Figur des Jim Halpert ist von Natur aus ein effizient Fauler. Er schafft es, Arbeit und Privatleben harmonisch miteinander zu verbinden. Seine Haltung erlaubt ihm einen distanzierten Blick auf Probleme, kreative L\u00f6sungen und eine gesunde Abgrenzung zum Job. Seine Leistungen sind gut, er ist als Kollege und Mitarbeiter gesch\u00e4tzt und beliebt. Das zeigt sich auch darin, dass es seinem Chef wichtiger ist, von Jim gemocht zu werden als von Dwight, obwohl Dwight seinem Boss jeden Wunsch von den Lippen abzulesen versucht. Oder gerade deswegen.<\/p>\n<p>Doch wir werden sehen, dass Jim etwas fehlt. Im Laufe der Serie bemerkt er, dass er sein volles Potenzial nicht ausnutzt. Er sp\u00fcrt, dass mit seinen F\u00e4higkeiten und seiner Intelligenz mehr m\u00f6glich w\u00e4re. Doch innerhalb des Papierunternehmens fehlt ihm die Motivation. Er beginnt, sich zu fragen, was er wirklich m\u00f6chte. Und schafft es, durch Selbstreflexion und kluges Planen einen Weg zu finden, sich behutsam eine Karriere aufzubauen, die ihn nach Gr\u00f6\u00dferem streben l\u00e4sst. Seine gem\u00fctliche Art ist ihm geblieben, doch Jim hat sich am Ende der Serie gewandelt: von einem effizient faulen Mitarbeiter, der seine Fertigkeiten einsetzt, um stets die Mindestanforderungen mit minimalem Aufwand zu erledigen, zu einem effizient faulen Unternehmer, der eine erfolgreiche Firma aufbaut, ohne daf\u00fcr sein Privatleben vernachl\u00e4ssigen zu m\u00fcssen. Jim Halpert kann jedem effizient Faulen ein Vorbild sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was die antiken Denker u\u0308ber die Faulheit wussten\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Faulheit ist heute gesellschaftlich ge\u00e4chtet. In einer Gesellschaft, die Arbeitseifer mit dem Wert des Menschen gleichsetzt, ist Faulheit das Zeichen von Asozialit\u00e4t und Gesellschaftsfeindlichkeit. Eine Gesellschaft aus Faulen w\u00e4re zum Scheitern verurteilt. Dabei wird allerdings rein auf den negativen Faulen fokussiert und nicht auf die M\u00f6glichkeiten, die sich mit einer tiefergehenden Auseinandersetzung gewinnen lie\u00dfen. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst schauen wir uns die historische Bedeutung des Begriffs an. Faulheit entstand erst im Mittelalter als Begriff (wie bereits erw\u00e4hnt von \u00bbF\u00e4ulnis\u00ab oder dem \u00bbVerfaulen\u00ab von Lebensmitteln). Die Antike kannte Faulheit in unserem heutigen Sinn nicht. Allerdings gab es einige Philosophen, die sich mit \u00e4hnlichen Konzepten auseinandersetzten.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmteste ist wohl Aristoteles. In seinem Werk\u00a0<em>Nikomachische Ethik<\/em>\u00a0fragte er danach, was ein ethisches und moralisch gutes Verhalten auszeichnet. Kurz zusammengefasst, ist Aristoteles der \u00dcberzeugung, jedes Lebewesen habe einen\u00a0<em>telos<\/em>, ein Ziel und einen Sinn im Leben. Diesen zu ignorieren oder gar gegen ihn zu handeln, sei moralisch falsch. Ein L\u00f6we, der nicht jagt, eine Biene, die keine Blumen best\u00e4ubt, eine Ameise, die nichts zu dem Bau ihres Volks beitr\u00e4gt, all das w\u00fcrde uns widernat\u00fcrlich vorkommen. Faulheit w\u00fcrde nach Aristoteles bedeuten, der Mensch handle gegen seine Ziele. Allerdings ist es schwieriger, das sinnhafte Tun eines Menschen zu bestimmen, als jenes einer Ameise oder Biene. Der Mensch hat mannigfaltige M\u00f6glichkeiten, sich zu verwirklichen. Ein erster Schritt ist also, fu\u0308r sich selbst das sinnhafte Tun zu finden (wie uns das gelingen kann, davon wird sp\u00e4ter die Rede sein).<\/p>\n<p>Wer im Einklang mit seinem Ziel lebt, der lebt laut Aristoteles tugendhaft. Das wiederum hindert den Menschen, zur Eudaimonie zu gelangen, zu einem gl\u00fccklichen und zufriedenen Leben. Die moderne Forschung bekr\u00e4ftigt dies: Menschen, die nichts tun oder eine fu\u0308r sie sinnlose T\u00e4tigkeit verrichten, f\u00fchlen sich ungl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Um einen Richtmesser zu haben, wie wir in unserem allt\u00e4glichen Leben tugendhaft sein k\u00f6nnen, gibt uns Aristoteles seine Mesotes-Lehre an die Hand. Mesotes ist die Kunst des richtigen Ma\u00dfes. Laut Aristoteles bilden emotionale Zust\u00e4nde stets ein Gegensatzpaar. Zwischen zwei Extremen gilt es, die Mitte zu finden. Diese ist die angemessene Haltung fu\u0308r ein tugendhaftes Leben. So liegt die Tapferkeit als tugendhaftes Verhalten zwischen den beiden Extremen Feigheit und Tollk\u00fchnheit. Der Feige dr\u00fcckt sich vor jeder Aufgabe, die ihn herausfordert, der Tollk\u00fchne wiederum springt ins Abenteuer, ohne dar\u00fcber nachzudenken. Beide erweisen sich und der Gesellschaft mit ihrem Verhalten keinen Dienst.<\/p>\n<p>Der Tapfere w\u00e4gt ab, welcher Kampf es wert ist, ausgefochten zu werden, und dr\u00fcckt sich nicht davor, wenn er notwendig ist. Im aristotelischen Sinn kann Faulheit ein Gegensatzpaar mit dem \u00dcbereifer bilden. W\u00e4hrend der Faule sich vor jeder T\u00e4tigkeit dr\u00fcckt, nimmt der \u00dcbereifrige jedes Projekt an, selbst wenn es unn\u00f6tig ist. Am Ende bleibt er ausgebrannt und \u00fcberfordert zuru\u0308ck. Was w\u00e4re die Mitte zwischen diesen beiden Extremen? Im Geiste Aristoteles\u2019 k\u00f6nnte hier die Effizienz genannt werden, die den Menschen zwar zum Arbeiten antreibt, die ihn jedoch begreifen l\u00e4sst, wie er dies auf gesunde Art tun kann, ohne sich ins Burn-out zu stressen.<\/p>\n<p>Eine oft vorgebrachte Kritik an Aristoteles lautet, dass selbst in den von ihm abf\u00e4llig behandelten Extremen wie Faulheit positive Eigenschaften schlummern k\u00f6nnen. So postuliert der \u00bbEffizient faul\u00ab-Ansatz, dass ein fauler Mensch, ausgestattet mit der Gabe der Effizienz, sowohl im Arbeits- als auch im Privatleben gro\u00dfe Fortschritte machen wird.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Die Idee der \u00bbGoldenen Mitte\u00ab erinnert uns daran, dass es wichtig ist, uns selbst Freir\u00e4ume fu\u0308r Erholung und Entspannung zu schaffen, um ein erf\u00fclltes und tugendhaftes Leben zu f\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiterer bedeutender Vertreter der griechischen Philosophie, der als Vordenker des Faulheitsbegriffs gelten kann und eine entgegengesetzte Position zu Aristoteles vertrat, war Epikur. Eine Generation j\u00fcnger als Aristoteles, wurde seine Philosophie (der Epikureismus) besonders im Hellenismus (die Zeit um Alexander den Gro\u00dfen) einflussreich.<\/p>\n<p>Mit seinen Anh\u00e4ngern versammelte er sich oft in einem Garten, weswegen seine Schule auch nach dem griechischen Wort fu\u0308r Garten,\u00a0<em>kepos<\/em>, benannt ist. In diesem Garten er\u00f6ffnete er seinen Zuh\u00f6rern eine damals wie heute polemische Sicht auf die Welt: Er stellte die menschliche Lust und Lebensfreude sowie das Streben danach als zentrale Lebensgrundlage dar. Laut ihm ist der Mensch dann gl\u00fccklich, wenn es ihm gelingt, Lust zu f\u00f6rdern und Unlust zu vermeiden. Fu\u0308r seine Kritiker wurde Epikur damit zum Urvater des Hedonismus, der M\u00fc\u00dfiggang und V\u00f6llerei T\u00fcr und Tor \u00f6ffnete. Doch eine genaue Betrachtung seiner Lehre zeigt, dass dies keineswegs Epikurs Intention war. Vielmehr ist er sich bewusst, dass ein ausschweifender Lebenswandel langfristig zum Ungl\u00fcck f\u00fchren wird. Allerdings wies er darauf hin, dass ein Mensch, der seine eigenen Bed\u00fcrfnisse stets ignoriert, ebenso ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzen wird. Faulheit, im epikureischen Sinne, muss also nicht bedeuten, unt\u00e4tig zu sein. Vielmehr kann es die F\u00e4higkeit bezeichnen, die eigenen Bed\u00fcrfnisse zu erkennen und sie in Einklang mit den Anforderungen der Gesellschaft zu bringen.<\/p>\n<p>Fu\u0308r Epikur lag das h\u00f6chste Ziel des Menschen im Erreichen von Ataraxia, einer Gem\u00fctsruhe und einem Seelenfrieden, der durch die Befreiung von Schmerz und Leid erlangt wird. Er sah den Weg zur Ataraxia in der Lust, genauer gesagt in der geistigen Lust, begr\u00fcndet. Dabei verstand er Lust nicht als ma\u00dflose Sinnlichkeit, sondern als das Gef\u00fchl der inneren Befriedigung und des Wohlbefindens, das durch die Erf\u00fcllung von nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnissen entsteht. Bis heute kontrovers ist Epikurs Auffassung, dass Selbstmord gerechtfertigt sei, sollte der Mensch mehr Unlust als Lust versp\u00fcren und sich diese als unumkehrbar erweisen (etwa bei einer schweren Krankheit). Das zeigt, wie aktuell die Fragen der griechischen Philosophie noch heute sind.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Epikurs Philosophie erinnert uns daran, dass selbst der M\u00fc\u00dfiggang nicht von Grund auf schlecht ist. Bewusst und aktiv eingesetzt, kann er uns die Erholung bringen, die wir brauchen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend also Aristoteles selbst der Faulheit gegen\u00fcber kritischer eingestellt ist, kann Epikur als erster Verfechter eines neuen Faulheitsbegriffs gelten. Beide Philosophen geben uns allerdings Theorien, mit denen Faulheit neu gedacht werden kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_686367\" style=\"width: 304px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-686367\" class=\"size-full wp-image-686367\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/06\/cover.seeberger.jpg\" alt=\"\" width=\"294\" height=\"466\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/06\/cover.seeberger.jpg 294w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/06\/cover.seeberger-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 294px) 100vw, 294px\" \/><p id=\"caption-attachment-686367\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: PR)<\/p><\/div>\n<h1 id=\"title\" class=\"a-spacing-none a-text-normal\"><span id=\"productTitle\" class=\"a-size-large celwidget\" data-csa-c-id=\"cbkaul-t4mtx5-8jms7f-wzqyv7\" data-cel-widget=\"productTitle\">Uwe Seeberger: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Effizient-faul-Minimaler-revolution%C3%A4re-Produktivit%C3%A4t\/dp\/3990018043\">&#8222;Effizient faul: Minimaler Aufwand. Maximaler Erfolg. Das revolution\u00e4re Prinzip f\u00fcr mehr Produktivit\u00e4t, weniger Stress und mehr Zeit f\u00fcr das, was wirklich z\u00e4hlt&#8220;<\/a> &#8211; Verlag edition a, 25,00 Euro, <\/span>304 Seiten<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein dritter Denker im Bunde, wenn es um die antiken Konzeptionen von Faulheit geht, ist der r\u00f6mische Staatsmann, Poet und Dichter Cicero. Vor allem als Gegenspieler C\u00e4sars und Verfechter der r\u00f6mischen Republik bekannt, fand Cicero die gr\u00f6\u00dfte Freude im Verfassen philosophischer Abhandlungen. In einer davon schreibt er auch u\u0308ber die Mu\u00dfe. Die Mu\u00dfe ist wohl jener antike Begriff, der unserem Wort Faulheit am n\u00e4chsten kommt.<\/p>\n<p>Die Mu\u00dfe ist eine freie Zeit, in der keine gesellschaftliche Aufgabe erf\u00fcllt werden muss. Fu\u0308r Cicero waren das etwa die Stunden, in denen er nicht im Senat sa\u00df oder seine Reden vorbereitete, sondern v\u00f6llig frei in seiner Zeiteinteilung war. Doch Mu\u00dfe bedeutet keineswegs Nichtstun, sondern das Verfolgen individueller Interessen und Leidenschaften. In Ciceros Fall eben das Schreiben. Tats\u00e4chlich hielt Cicero die Mu\u00dfe fu\u0308r lebensnotwendig, denn nur in ihr ist richtige Erholung und Ruhe zu finden. Wichtig zu betonen ist, dass die Mu\u00dfe in einer Aktivit\u00e4t gefunden werden muss. Und zwar in einer Aktivit\u00e4t, die uns erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass die Mu\u00dfe der griechischen und r\u00f6mischen B\u00fcrger nur durch die Sklaverei erm\u00f6glicht wurde. W\u00e4hrend harte physische Arbeit von Sklaven verrichtet wurde, hatten die (m\u00e4nnlichen) B\u00fcrger Zeit, sich Politik und Kunst zu widmen. Eine solche Arbeitsaufteilung ist heutzutage zum Glu\u0308ck undenkbar. Heute m\u00fcssen wir selbst daf\u00fcr sorgen, dass sich Arbeit und Mu\u00dfe die Waage halten.<\/p>\n<p>Im Mittelalter wurde die Faulheit zur Tods\u00fcnde. Die Kirche sowie Feudalherren forderten von den Menschen eine best\u00e4ndige Arbeit, die sie unter anderem davon abhalten sollte, ihre soziale Stellung zu hinterfragen oder gar gegen ihren Zustand aufzubegehren. Das fu\u0308hrte schlie\u00dflich zu Immanuel Kants Begriff der Faulheit in der Aufkl\u00e4rung, in der die Faulheit vor allem intellektuell verstanden wurde. Kant kritisierte, dass die Menschen zu faul seien, u\u0308ber ihre Lebenssituation nachzudenken und zu reflektieren. Der schlechte Ruf der Faulheit, der sich in dieser Zeit fest in der Gesellschaft verankerte, hat sich bis heute gehalten.<\/p>\n<p>Allerdings gab es seitdem immer wieder gegens\u00e4tzliche Positionen. Besonders seit der Industrialisierung und der zunehmenden \u00dcberforderung des Menschen gewann die Faulheit an Wert und wurde zu einem Kampfbegriff all jener, die das st\u00e4ndige Arbeiten kritisch betrachteten. So schrieb der franz\u00f6sische Sozialist und Arzt Paul Lafargue 1880 einen Essay mit dem Namen \u00bbDas Recht auf Faulheit \u00ab, in dem er gegen die herrschende \u00bbArbeitssucht\u00ab ein Recht auf Freizeit fu\u0308r jeden Arbeiter einforderte. Im Grunde waren dies die ersten Forderungen nach freien Tagen und Urlaub.<\/p>\n<p>Stellvertretend fu\u0308r \u00e4hnliche Str\u00f6mungen sei auch die Arbeit des deutschen Philosophen und Psychoanalytikers Erich Fromm genannt. Beeinflusst durch die Frankfurter Schule, setzte er sich mit der modernen Lebens- und Arbeitswelt auseinander. In seinem Buch\u00a0<em>Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft<\/em>\u00a0kritisierte er die moderne Konsumgesellschaft, in der der Fokus auf \u00e4u\u00dferem Besitz und materiellem Reichtum liegt. Er pl\u00e4dierte fu\u0308r ein Leben im Sein, in dem die Menschen bewusst ihre inneren Bed\u00fcrfnisse erkennen und nach deren Erf\u00fcllung streben. Seine Betonung der inneren Zufriedenheit, der Tugendhaftigkeit und des zwischenmenschlichen Mitgef\u00fchls spiegeln die zeitlosen Fragen und Themen wider, die auch von den antiken Philosophen behandelt wurden und weiterhin eine wichtige Bedeutung fu\u0308r die Suche nach einem erfu\u0308llten Leben haben.<\/p>\n<p>Durch die Auseinandersetzung mit Theorien wie jener Fromms und anderer Denker und Philosophen haben wir als Gesellschaft damit begonnen, herk\u00f6mmliche Vorstellungen von Arbeit und Produktivit\u00e4t zu hinterfragen. 30 Wir erkennen, dass st\u00e4ndige \u00dcberarbeitung und Perfektionismus nicht der einzige Weg zum Erfolg sind, sondern dass Faulheit und Erholung wichtige Rollen spielen. Diese Erkenntnisse haben zu einem verst\u00e4rkten Interesse an flexiblen Arbeitsmodellen, Work-Life-Balance und Selbstfu\u0308rsorge gef\u00fchrt. Und zu einer Neubewertung des Begriffs Faulheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Uwe Seebacher: &#8222;Effizient faul: Minimaler Aufwand. Maximaler Erfolg. 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