{"id":685811,"date":"2025-02-10T11:52:41","date_gmt":"2025-02-10T10:52:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=685811"},"modified":"2025-02-10T11:52:41","modified_gmt":"2025-02-10T10:52:41","slug":"buchauszug-sandra-waeldin-praxisbuch-stressmanagement-fuer-die-hybride-arbeitswelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2025\/02\/10\/buchauszug-sandra-waeldin-praxisbuch-stressmanagement-fuer-die-hybride-arbeitswelt\/","title":{"rendered":"Buchauszug Sandra Waeldin: \u201ePraxisbuch Stressmanagement f\u00fcr die hybride Arbeitswelt\u201c"},"content":{"rendered":"<h1><\/h1>\n<h1>Buchauszug Sandra Waeldin: <strong>\u201ePraxisbuch Stressmanagement f\u00fcr die hybride Arbeitswelt\u201c<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_685812\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-685812\" class=\"size-full wp-image-685812\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/02\/waeldin-20211110.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/02\/waeldin-20211110.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/02\/waeldin-20211110-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/02\/waeldin-20211110-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-685812\" class=\"wp-caption-text\">Sandra Waeldin (Foto: PR\/Wiley Verlag)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\"><b data-olk-copy-source=\"MessageBody\">Wie man sich im Homeoffice gut strukturiert<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Homeoffice bedeutet ein gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t. In der Regel interessiert es keinen, wo genau oder wie wir unsere Arbeit machen. Balkon, Schreibtisch oder Couch, acht Uhr fr\u00fch oder zehn Uhr abends, mit langer oder quasi ohne Mittagspause \u2013 all das kommt folglich grunds\u00e4tzlich in Frage. Manches davon w\u00fcrden wir nie machen, anderes hingegen schon. Zu manchen Arbeitsformen haben wir schon die Erfahrung gesammelt, ob sie gut f\u00fcr uns funktionieren oder nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Die Literatur ist sich hier recht einig: Am besten sind ein separater und gut eingerichteter Arbeitsplatz und regelm\u00e4\u00dfige Arbeitszeiten entsprechend des Biorhythmus. Man wei\u00df, das sorgt nicht nur f\u00fcr einen gesunden Arbeitsplatz entsprechend der Arbeitsschutzkriterien. Vielmehr ist ein dezidierter Arbeitsbereich auch von weniger h\u00e4uslichen Unterbrechungen gepr\u00e4gt und sch\u00fctzt so vor Ersch\u00f6pfung und Leistungstiefs (Leroy et al., 2021). Aber wie es h\u00e4ufig ist: So ganz klar ist es dann doch wieder nicht. Empfohlen wird dann n\u00e4mlich auch, die Flexibilit\u00e4t zu nutzen, um eine bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie oder Freizeit herzustellen oder sich angemessen zu regenerieren.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Was macht nun also eine gute Struktur im Homeoffice aus? Es geht darum, die Flexibilit\u00e4t bedarfsgerecht zu nutzen und den Rest mit produktiven Arbeitsroutinen auszugestalten. Sofern es also keinen besonderen Bedarf an diesem Tag gibt, sollten Sie Routinen haben, die daf\u00fcr sorgen, dass Sie wach, fokussiert und grunds\u00e4tzlich motiviert an die Arbeit gehen. Idealerweise braucht es hierf\u00fcr kein wirkliches \u00dcberlegen, sondern der Tageseinstieg sollte automatisiert sein. Das f\u00e4ngt schon fr\u00fch am Morgen an. Duschen, Fr\u00fchst\u00fcck und Kaffee geh\u00f6ren f\u00fcr viele dazu und geschehen ohne extra Planung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Den Pendelweg zum B\u00fcro sparen Sie sich ja im Homeoffice. Damit haben Sie jedoch leider keine aktivierende Bewegung am Morgen. \u00dcberlegen Sie daher, ob Sie an Homeoffice-Tagen zumindest zehn Minuten Bewegung vor Arbeitsbeginn einbauen k\u00f6nnen. Wie sieht dann Ihr Arbeitsbeginn aus? PC starten, Mail und Messenger \u00f6ffnen sowie Arbeitszeit erfassen, sind typische Schritte. Was braucht es aber noch, damit Sie Projekte und Aufgaben abarbeiten k\u00f6nnen? Ein wichtiges Element hieraus ist, setzen Sie sich klare (Tages-)Ziele. Auch das Setzen von Grenzen gegen\u00fcber Haushaltsmitgliedern kann wichtig sein. In der nachfolgenden \u00dcbung 4.10 finden Sie eine Anleitung, um Ihre pers\u00f6nliche Morgen- und Tagesroutine zu finden. Ideen dazu sind beispielsweise:<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0gesund fr\u00fchst\u00fccken,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Tageslicht tanken,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0sich etwas bewegen,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Dehn\u00fcbungen,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Kaffee\/Tee trinken,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Haushaltsmitglieder \u00fcber den Arbeitsbeginn informieren,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Schreibtisch aufr\u00e4umen,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Smartphone\/andere Benachrichtigungen ausstellen,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0T\u00fcr schlie\u00dfen,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Tagesziel setzen,<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">\u2022\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Aufgabenliste sortieren.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Tageseinstiegsroutinen helfen Ihnen, dass es Sie nicht noch jeden Tag eine kleine extra Anstrengung kostet, \u00fcberhaupt ins Arbeiten zu finden. H\u00e4ufig entwickelt sich mit der Zeit eine gewisse Routine von allein. H\u00e4ufig gibt es jedoch noch Spielraum, um diese bewusster und wohltuender zu gestalten. Das st\u00e4rkt die Produktivit\u00e4t und das wiederum st\u00e4rkt die Arbeitszufriedenheit. Ebenso, wie der Tag bewusst und produktiv begonnen werden sollte, sollte er auch bewusst beendet werden. Nutzen Sie hier Tagesabschlussrituale, die beim Abschalten helfen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Keineswegs muss jedoch diese Tagesroutine immer starr eingehalten werden. Weder im B\u00fcro bei der Pr\u00e4senzarbeit und schon gar nicht im Homeoffice. Vielmehr darf der Tagesablauf bedarfsgerecht flexibel gestaltet werden. Geht es also beispielsweise um ein neues Projekt, f\u00fcr das erst einmal kreative Ideen gefunden werden m\u00fcssen, tut m\u00f6glicherweise der Balkon als ungewohnte Arbeitsumgebung gut. Hat der Sohn in der Schule einen Advents-Backtag, bei dem man als Eltern unterst\u00fctzen kann und m\u00f6chte, passt vielleicht eine verl\u00e4ngerte Mittagspause gut. Die restliche Arbeit wird an dem Tag abends erledigt. \u00c4hnlich vielleicht bei einem notwendigen Beh\u00f6rdengang. Manchmal fordert die Arbeit vielleicht mehr oder intensiveres Arbeiten. Manchmal ist man m\u00f6glicherweise nicht so fit und braucht mehr Pausen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p aria-hidden=\"true\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-685813\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/02\/cover.waeldin.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"648\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/02\/cover.waeldin.jpg 420w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2025\/02\/cover.waeldin-194x300.jpg 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wiley-vch.de\/de\/fachgebiete\/finanzen-wirtschaft-recht\/wirtschaft-und-management-13ba\/allg-wirtschaft-u-management-13ba0\/ratgeber-wirtschaft-13ba01\/praxisbuch-stressmanagement-fuer-die-hybride-arbeitswelt-978-3-527-51195-2\">Wiley-VCH &#8211; Praxisbuch Stressmanagement f\u00fcr die hybride Arbeitswelt <\/a>368 Seiten, 19,99 Euro<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\"><b>Exkurs: Krank im Homeoffice arbeiten (Pr\u00e4sentismus)<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Pr\u00e4sentismus bedeutet, dass man arbeitet, obwohl man krank ist. Sp\u00e4testens seit Corona bleibt man auch lieber mal erk\u00e4ltet zu Hause, um andere nicht anzustecken. Viele arbeiten dann jedoch von zu Hause aus, um Schuldgef\u00fchle zu vermeiden. Hohe Arbeitslast und hohe Gewissenhaftigkeit f\u00f6rdern u. a. Pr\u00e4sentismus. Nach dem Motto: \u00bbIch h\u00e4tte mir einen Tag frei nehmen k\u00f6nnen, aber ich habe von zu Hause aus weitergearbeitet, weil ich das Team nicht fallen lassen wollte.\u00ab (W\u00fctschert et al., 2022). Arbeitet man krank im Homeoffice, kann man das \u00bbWorkahomeism\u00ab nennen (work-at-home-presenteeism (Brosi &amp; Gerpott, 2023)). Manchmal tut uns die Arbeit ja sogar gut, wenn wir uns morgens nicht ganz wohl f\u00fchlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Wichtig zu wissen ist jedoch: Es gibt einen Unterschied zwischen \u00bbnicht ganz fit\u00ab und \u00bbkrank\u00ab. Das eine kann man mal \u00fcbergehen, das andere sollte man nicht \u00fcbergehen. Krank arbeiten hat negative Folgen sowohl f\u00fcr Unternehmen wie auch f\u00fcr den Einzelnen: Die Produktivit\u00e4t sinkt, die langfristige Gesundheit leidet (Brosi &amp; Gerpott, 2023). Ersch\u00f6pfung und Stress nehmen zu. Ist man krank und arbeitet dennoch, verdoppelt sich das Risiko f\u00fcr zuk\u00fcnftige schwere Infekte (Kinman, 2019).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Viele finden es schwer, zu entscheiden, ob sie nun wirklich krank sind. Eine \u00e4rztliche Diagnose oder R\u00fccksprache k\u00f6nnen hilfreich sein \u2013 das geht manchmal auch telefonisch. Ich habe auch schon ein Beispiel erlebt, in dem morgens ein Vertrauenskollege oder die Teamleiterin angerufen und R\u00fccksprache gehalten wurde. Was ist f\u00fcr Sie ein klares Zeichen, dass Sie krank sind?<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\"><b>\u00dcbung \u2013 Morgen- und Tagesroutine im Homeoffice<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Schritt 1 \u2013 Produktivit\u00e4tsbooster: Notieren Sie in einer Liste oder per Brainstorming alles, was Sie f\u00fcr einen gelungenen Einstieg in den Arbeitstag zu Hause ben\u00f6tigen. Was st\u00e4rkt Ihr Wohlbefinden? Wodurch f\u00fchlen Sie sich wach, fokussiert und sortiert? Beziehen Sie dabei gerne Dinge mit ein, die Sie machen k\u00f6nnten oder bei anderen beobachtet haben.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Schritt 2 \u2013 Ist-Zustand: Notieren Sie nun einmal Ihre typischen Aufstehzeiten und all die Dinge, die sie danach machen, bis Sie mit der Arbeit beginnen. Au\u00dferdem die ersten typischen Schritte, mit denen Sie in die Arbeit einsteigen. Nun \u00fcberlegen Sie bitte: Was davon ist wichtig? Was tut gut, was m\u00f6glicherweise weniger?<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Schritt 3 \u2013 Plan: Nun entwerfen Sie Ihre ideale Morgenroutine. Wie ist der beste Ablauf f\u00fcr Sie, damit Sie produktiv in den Tag starten? Die Routine darf gerne ambitioniert, sollte aber realistisch sein. Kommunizieren Sie sie gerne an Ihre Familie oder Freunde und Freundinnen, das erh\u00f6ht die Verbindlichkeit. Legen Sie sich diesen Plan an eine gut sichtbare Stelle und setzen Sie sich Erinnerungen, damit Sie ab morgen fr\u00fch daran denken.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Vertiefung: Probieren Sie diese Routine zun\u00e4chst aus, etablieren Sie sie und passen Sie sie bei Bedarf an. Im n\u00e4chsten Schritt k\u00f6nnen Sie eine Tagesroutine daraus entwickeln. Wann ist die ideale Pause f\u00fcr Sie? Wann ist ein guter Zeitpunkt f\u00fcr den Feierabend, Meetings oder andere T\u00e4tigkeiten?<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\"><b>Besonderheiten der digitalen Kommunikation<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Das, was uns in der Pr\u00e4senzarbeit manchmal in Form von Unterbrechungen in Bedr\u00e4ngnis bringt, wirkt sich bei einem Mangel ebenso negativ aus: der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen. Nat\u00fcrlich tauschen wir uns auch im Homeoffice mit Kollegen und Kolleginnen aus \u2013 aber eben anders. Im Homeoffice ist der Austausch durch physische Distanz und digitale Technik gepr\u00e4gt. Dadurch sind die M\u00f6glichkeiten, sich auszutauschen und direkt miteinander zusammenzuarbeiten, ver\u00e4ndert und an vielen Stellen reduziert. Insbesondere spricht man hier von einer reduzierten Reichhaltigkeit (media richness, Watanabe et al., 2024).<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Treffen wir eine*n Kollegen\/Kollegin pers\u00f6nlich, k\u00f6nnen wir unweigerlich schon bei der Begr\u00fc\u00dfung grob absch\u00e4tzen, ob er\/sie gerade abgehetzt-verschwitzt, sehr entspannt oder etwas dazwischen ist. Das verraten uns die K\u00f6rperhaltung, kleine Bewegungen oder der Gesichtsausdruck. Auch nehmen wir m\u00f6glicherweise verschwitzte H\u00e4nde oder eine ver\u00e4nderte Stimmh\u00f6he oder Sprechtempo als Zeichen wahr. Vieles davon nehmen wir nicht unbedingt bewusst wahr, dennoch sind es viele Informationen, die wir bereits durch die Art der Pr\u00e4senz der anderen Person erhalten.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Wozu das wichtig ist? Weil Kommunikation oft nicht eindeutig ist und wir so viele Informationen wie m\u00f6glich ben\u00f6tigen und auch automatisch nutzen, um sie zu steuern. Stellen Sie sich vor, Sie m\u00f6chten Ihre*n Kollegen\/Kollegin eigentlich gerne fragen, ob er\/sie Ihnen bei einer nicht dringenden Angelegenheit hilft, beispielsweise Ihnen eine R\u00fcckmeldung geben kann, ob Ihr letzter Bericht alle wesentlichen Punkte enthielt oder ob er\/sie Verbesserungsideen hat. Hierf\u00fcr m\u00f6chten Sie einen guten Zeitpunkt abpassen, um die Chancen zu erh\u00f6hen, dass Sie Unterst\u00fctzung erhalten und auch Ihr Gegen\u00fcber nicht unn\u00f6tig unter Druck setzen. Typischerweise w\u00fcrden Sie solch eine Frage nicht stellen, wenn Sie sehen, dass Ihr*e Kollege\/Kollegin gerade mit zusammengekniffenen Lippen den B\u00fcrogang hinunterhetzt.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Sind Sie im Homeoffice, haben Sie jedoch nur die M\u00f6glichkeit, per Videocall oder Telefon zu sprechen. In der Situation kann Ihnen h\u00f6chstens die Kurzatmigkeit oder ein kurz angebundenes Verhalten verraten, dass Ihr Gegen\u00fcber sp\u00fcrbar in Eile ist. Wenn Sie eine Nachricht per Mail oder Messenger schreiben, k\u00f6nnen Sie \u00fcberhaupt nicht wissen, wie es um den anderen steht, au\u00dfer er\/sie sagt es explizit (was wir jedoch selten tun, lieber lassen wir die Nachricht l\u00e4ngere Zeit unbeantwortet und damit andere im Ungewissen). Schriftliche Nachrichten sind die am wenigsten reichhaltige Medienform. Das hei\u00dft, wir erhalten zwar die inhaltliche Information, jedoch keine Kontextinformationen. Maximal deutet m\u00f6glicherweise ein Emoji auf die bewusst gezeigte Gem\u00fctslage hin \u2013 und muss dabei aber keineswegs der tats\u00e4chlichen entsprechen. Kontextinformationen ben\u00f6tigen wir f\u00fcr ein fein abgestimmtes Miteinander.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Dieses feinabgestimmte Miteinander ben\u00f6tigen wir in nicht ganz eindeutigen Situationen (M\u00f6chte\/kann mein Kollege helfen? Wird erwartet, dass ich das selbst l\u00f6se?). Es st\u00e4rkt die Zusammenarbeit sp\u00fcrbar. Geeignete digitale Tools, die Medienreichhaltigkeit sowie die Breite und Tiefe des Austauschs st\u00e4rken die Kreativit\u00e4t (Chao et al., 2020; Hermawan et al., 2023).<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Videokonferenzen z\u00e4hlen zu den reichhaltigsten Kommunikationsmitteln und sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Zu 58 % nutzen wir sie beruflich, zu 23 % f\u00fcr Weiterbildung und in 19 % der F\u00e4lle auch f\u00fcr den privaten Austausch (Anh et al., 2023). Sie erweitern die M\u00f6glichkeiten zum Austausch, stellenweise ersetzen sie auch den pers\u00f6nlichen Austausch. So m\u00fcssen manche Kollegen und Kolleginnen aus dem Ausland per Teams zugeschaltet werden, andere machen zwar lieber einen HomeofficeTag, nehmen aber dennoch am Meeting teil. Sp\u00e4testens seit der Pandemie hat die Nutzung virtueller Konferenzsysteme zugenommen und dabei ihre Kehrseite gezeigt.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Videocalls sind so h\u00e4ufig geworden, dass man sogar in der Fachliteratur von \u00bbMeeting-M\u00fcdigkeit\u00ab oder \u00bbZoom-Fatigue\u00ab spricht (Riedl, 2022). Je mehr wir in Meetings sind und je weniger Tools es zur Auswahl gibt, desto st\u00e4rker macht sich M\u00fcdigkeit bemerkbar (Anh et al., 2023). Dabei nimmt auch die Effizienz ab, mit der wir kommunizieren.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Bei der Nutzung virtueller Konferenzsysteme sind wir von Technostress durch mehrere Gr\u00fcnde betroffen. Die erh\u00f6hte Komplexit\u00e4t, die mangelnde Verl\u00e4sslichkeit und die erweiterte Erreichbarkeit setzen uns unter Stress. Erg\u00e4nzend machen es uns die \u2013 im Vergleich zur Pr\u00e4senz \u2013 mangelnden Kontextinformationen schwerer, Dinge einzuordnen. Es ist f\u00fcr uns typischerweise etwas anstrengender, denselben Inhalt zu verstehen. Daneben lassen sich Argumente finden, dass auch die durch die digitale \u00dcbertragung um Millisekunden verz\u00f6gerte Antwort kognitive Zusatzleistung erfordert (Anh et al., 2023).<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Hinzu kommt, dass es bei Videokonferenzen viele parallele Informationen gibt, die den Austausch fordernd gestalten k\u00f6nnen (zum Beispiel das Audio des Sprechers, die Videos der anderen Teilnehmenden, der blinkende Chat und das zu bearbeitende Whiteboard). Manche argumentieren daf\u00fcr, die eigene Videoansicht auszustellen, da wir sonst vermehrt auch noch mit Selbstdarstellung besch\u00e4ftigt sein k\u00f6nnen (impression management).<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Ein bisher weitgehend wenig ber\u00fccksichtigter Stressor ist, dass wir unsere t\u00e4glichen Routinen durch die h\u00e4ufige Nutzung virtueller Tools anpassen m\u00fcssen. Virtuelle Meetings werden leider h\u00e4ufig deutlich enger aufeinanderfolgend getaktet oder kurzfristiger geplant als Pr\u00e4senzmeetings. Manchmal werden wir m\u00f6glicherweise sogar dazu verleitet, parallel an zwei digitalen Meetings teilzunehmen oder w\u00e4hrend eines Meetings noch an anderen Dingen zu arbeiten \u2013 das setzt uns unter Druck und w\u00e4re in Pr\u00e4senzmeetings schlecht denkbar. Hier ist also ein gutes Augenma\u00df gefragt.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Reichhaltig ja, aber nicht dauerhalft und bitte erst recht nicht ohne Pause oder st\u00e4ndiges Multitasking. Das Problem dabei ist h\u00e4ufig, dass die Meetings von unterschiedlichen Teams oder Kollegen und Kolleginnen geplant werden. So ist dann dem\/ der Kollegen\/Kollegin, der\/die ein virtuelles Meeting plant, nicht bewusst, dass dadurch der eine Kollege in vier Meetings hintereinander sitzt. Manche Abteilungen sind daher aus diesem Grund dazu \u00fcbergegangen, Meeting-Beginn bzw. -Ende jeweils f\u00fcnf bis zehn Minuten nach bzw. vorzuverlegen (also Beginn 10:05 und Ende 10:50). So ergibt sich h\u00e4ufiger eine Pause dazwischen, die herzlich gerne f\u00fcr eine \u00bbBiopause\u00ab, Vorbereitung oder Beantwortung von Nachrichten verwendet wird. Das kann aufgrund der verk\u00fcrzten Zeit f\u00fcr besser strukturierte Meetings sorgen, muss aber durch alle regelm\u00e4\u00dfig eingefordert werden. Sprechen Sie das also gerne einmal im Team an und thematisieren Sie bei denen, die Meetings planen, unbedingt, wenn Sie in zu vielen aufeinanderfolgenden Meetings sind.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">W\u00e4hlen Sie m\u00f6glichst reichhaltige Medien wie Videocalls, je mehr kreative Zusammenarbeit, gemeinsames Probleml\u00f6sen gefragt ist oder je uneindeutiger eine Situation f\u00fcr Sie ist. Ansonsten d\u00fcrfen es auch \u00bbeinfachere\u00ab Medien sein.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Neben der Medienreichhaltigkeit gibt es noch ein weiteres Merkmal, in dem sich digitale von analoger Kommunikation von Angesicht zu Angesicht (face-to-face) unterscheidet: die Synchronit\u00e4t. Direkter Austausch bedeutet direkte R\u00fcckmeldung. Machen wir einen Scherz, erhalten wir durch ein L\u00e4cheln oder Lachen direkt die R\u00fcckmeldung, dass er lustig war. \u00c4hnlich bei einer Idee, die wir aussprechen und gemeinsam im Gespr\u00e4ch weiterentwickeln. Das ist synchrone Kommunikation und findet digital im Telefonat, der Videokonferenz und manchmal im Messenger oder Chat statt. E-Mail ist hingegen ein typisches Medium, mit dem wir uns asynchron unterhalten. Es besteht also eine Ungleichzeitigkeit in der Kommunikation. Mein*e Kollege\/Kollegin kann in einer anderen Zeitzone oder nachts arbeiten und dennoch k\u00f6nnen wir uns (asynchron) unterhalten, da ich erst antworte, sobald ich arbeite und die Mail lese. Manchmal werden auch Chats so genutzt (sehen Kollegen und Kolleginnen den Chat jedoch als synchrones Kommunikationsmittel, kann das Spannungen erzeugen; besprechen Sie es oder nutzen Sie aktiv den An-\/Abwesenheitsstatus).<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Asynchrone Kommunikation hat weitere Vorteile. Sie erlaubt deutlich besser Fragen oder andere Themen gezielt in den eigenen Arbeitsprozess einzubauen. So ist es empfehlenswert, E-Mails zu gew\u00e4hlten Zeitpunkten am Tag zu beantworten, sodass sie nicht fokussierte Arbeit an einem anderen Thema unterbrechen. Empfohlen wird, E-Mails m\u00f6glichst kurz, b\u00fcndig und freundlich zu halten (Jackson et al., 2003). Formulieren Sie direkte Fragen oder Bitten. Sowohl synchrone wie asynchrone Kommunikation hat ihre Berechtigung. W\u00e4hlen Sie sie je nach Zweck gezielt aus.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Zur indirekten, asynchronen Kommunikation kann man auch den geteilten Kalender, gemeinsame Arbeitsordner oder das Intranet z\u00e4hlen. Sie eignen sich hervorragend, um Teammitgliedern Informationen bereitzustellen, die diese gesammelt abrufen k\u00f6nnen, sobald sie an dem Thema arbeiten.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNoSpacing\">Asynchrone Medien wie Mails sind geeignet f\u00fcr klar umrissene, nicht sehr dringende Fragen oder Themen. Akute Fragen, kreative Arbeit oder Probleml\u00f6sen sollte \u00fcber synchrone Medien erfolgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Sandra Waeldin: \u201ePraxisbuch Stressmanagement f\u00fcr die hybride Arbeitswelt\u201c &nbsp; &nbsp; &nbsp; Wie man sich im Homeoffice gut strukturiert Homeoffice bedeutet ein gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t. 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