{"id":685249,"date":"2024-10-31T11:00:17","date_gmt":"2024-10-31T10:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=685249"},"modified":"2024-10-31T03:10:23","modified_gmt":"2024-10-31T02:10:23","slug":"buchauszug-kurt-becker-maessige-dich-ein-selbstgespraech-ueber-das-gute-leben-das-allzeit-alles-im-allzeit-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2024\/10\/31\/buchauszug-kurt-becker-maessige-dich-ein-selbstgespraech-ueber-das-gute-leben-das-allzeit-alles-im-allzeit-jetzt\/","title":{"rendered":"Buchauszug Kurt Becker: &#8222;M\u00e4\u00dfige dich. Ein Selbstgespr\u00e4ch \u00fcber das gute Leben. Das Allzeit-alles im Allzeit-jetzt&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1>Buchauszug <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurt_E._Becker\">Kurt Becker<\/a>: &#8222;M\u00e4\u00dfige dich. Ein Selbstgespr\u00e4ch \u00fcber das gute Leben. Das Allzeit-Alles im Allzeit-Jetzt&#8220;<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_685277\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-685277\" class=\"size-full wp-image-685277\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/10\/Becker.KEB-Portraet-221024.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/10\/Becker.KEB-Portraet-221024.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/10\/Becker.KEB-Portraet-221024-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/10\/Becker.KEB-Portraet-221024-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-685277\" class=\"wp-caption-text\">Kurt Becker (Foto: PR\/Verlag Lindemanns)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Governance des eigenen Selbst <\/strong><\/p>\n<p>\u201eESG\u201c ist schon wieder eine rational bu\u0308rokratische Missgeburt an sich, weil deren Erfinder Wesentliches untersch\u00e4tzen: die Fu\u0308hrung des eigenen Selbst. Denn \u201eEnvironmental, Social and Governance\u201c (kurz: ESG) zu regulieren, macht in einer aus den Fugen geratenen Welt speziell in Anbetracht des Klimawandels zwar an sich Sinn, z\u00e4umt das Pferd aber von hinten auf. Die Bew\u00e4ltigung der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen ist n\u00e4mlich in erster Linie eine Fu\u0308hrungsaufgabe, die ins Soziale hineinreicht und dort \u00dcberzeugungsarbeit durch zielgerichtete Kommunikation leisten muss, damit das von ESG priorisierte Thema u\u0308berhaupt erst in den Fokus allgemeinen Interesses geru\u0308ckt und mit Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus \u201eESG\u201c wird deswegen nach meiner \u00dcberzeugung \u201eGSE\u201c, damit im Prozessualen Effizienz und im Resultat Effektivit\u00e4t nicht aus den Augen verloren wird. Mehr noch: Die Neugewichtung der Komponenten verortet durch die Betonung des Governance-Faktors die Verantwortung fu\u0308r das gro\u00dfe Ganze nicht zuletzt beim Einzelnen und damit bei mir als Teilhaber und Teilnehmer am globalen \u00f6konomischen Prozess. Denn wenn die von ESG angestrebte \u00d6kologisierung der \u00d6konomie gelingen soll, was prinzipiell durchaus zu hinterfragen oder sogar zu bezweifeln ist, genu\u0308gt es nicht, auf breiter Front Unternehmen, Industrie, Transport, Handel, Verkehr und generell die privaten Haushalte regulatorisch in die Pflicht zu nehmen, jeder Einzelne muss angesprochen und u\u0308berzeugt zu einem Umdenken und einer Neuorientierung seines Handelns bewegt werden. \u201eGovernance\u201c geht insofern \u201eSocial\u201c und \u201eEnvironmental\u201c psychologisch, logisch und faktisch voraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schauen wir deswegen gemeinsam auf den Governance-Faktor. In dessen Zentrum: zun\u00e4chst keine staatlichen oder institutionellen Autorit\u00e4ten, sondern mein Selbst. Was verbinde ich mit der Frage nach einer \u201eGovernance des eigenen Selbst\u201c? Was macht diese Art Governance wesentlich? Was sind ihre Elemente in einem Koordinatensystem der Werte und des Wertens in unserer so und nicht anders gewordenen und von uns mitverursachten und mitgestalteten Welt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Governance des eigenen Selbst, essenziell wirkende Komponente im Gefu\u0308ge einer demokratisch verfassten Gesellschaft, wird bestimmt von der elementaren Einsicht, dass ich als menschliches Wesen ein Teil der Natur bin. Ich stehe nicht au\u00dferhalb und schon gar nicht u\u0308ber der Natur. Ich bin als Sterblicher in meiner Leiblichkeit durch und durch Natur, mag mein Glaube an die Unsterblichkeit meiner Seele in der abendl\u00e4ndischen Denktradition eines Sokrates mich auch noch so sehr in eine spirituelle, \u201eu\u0308bernatu\u0308rliche\u201c Dimension entru\u0308cken. In der reinen Physis unseres Lebens, in unserer vitalen K\u00f6rperlichkeit folgen wir den unentrinnbaren Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten alles Kreatu\u0308rlichen: Wir werden geboren, wir entwickeln uns, leben und sterben. Als vermutlich einziges Wesen in der Natur haben wir aber auch ein Bewusstsein eben unserer Kreatu\u0308rlichkeit und damit unserer Sterblichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen wissen, was und wer wir sind. Wir haben ein Bewusstsein unseres Selbst. Dieses wissende und wissbegierige Bewusstsein unseres Selbst macht uns zu einem bipolaren Wesen, das im Erkennen seiner Bipolarit\u00e4t zu sich selbst kommt und gleichzeitig seine in der Bipolarit\u00e4t angelegte Entfremdung zumindest in unserem Kulturkreis als unabdingbar und zutiefst menschlich zu akzeptieren gelernt hat. Und indem wir uns unseres bipolaren Selbst bewusst werden, schaffen wir gleichzeitig die Voraussetzung zur Fu\u0308hrung, zur Governance des eigenen Selbst. Diese Fu\u0308hrung aber gru\u0308ndet auf und in Gewaltsamkeit gegenu\u0308ber dem Selbst. Was legt Goethe seinem Faust in den Mund?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eZwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, <\/em><\/p>\n<p><em>die eine will sich von der andern trennen: <\/em><\/p>\n<p><em>Die eine h\u00e4lt in derber Liebeslust <\/em><\/p>\n<p><em>sich an die Welt mit klammernden Organen; <\/em><\/p>\n<p><em>die andre hebt gewaltsam sich vom Dust <\/em><\/p>\n<p><em>zu den Gefilden hoher Ahnen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gewaltsamkeit liegt unstrittig in der menschlichen Natur. Wir \u201ewalten\u201c als Menschen in der uns umgebenden Natur und in unserer uns spezifisch eigenen Natur. Nicht von ungef\u00e4hr geht das Verb \u201ewalten\u201c etymologisch auf \u201estark sein\u201c zuru\u0308ck und konnotiert mit \u201ewirken\u201c und \u201eherrschen\u201c. Ohne Gewaltsamkeit keine Kultur. Ohne Kultur kein menschliches Leben. Denn der Mensch in seiner selbstentfremdeten Doppelnatur als kreatu\u0308rliches und gleichzeitig immer auch kultu\u0308rliches Wesen nimmt notwendig Einfluss auf seine eigene und auf die ihn umgebende Natur. Der Mensch ist ein Walter und Gestalter seines Selbst und als solcher auch ein Walter und Gestalter in der Natur, denn nur eine vom Menschen beeinflusste und gestaltete Natur erm\u00f6glicht sein \u00dcberleben \u2013 zumindest in unserer Zivilisation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und als Walter in Fragen des eigenen \u00dcberlebens ist sich der Mensch einerseits seiner kreatu\u0308rlichen M\u00e4ngel bewusst, er wei\u00df um sein Dasein als M\u00e4ngelwesen, das, im Gegensatz zum Tier, ohne Gefieder und Fell nackt in der Welt ist, er wei\u00df andererseits aber auch um seine F\u00e4higkeit, diese M\u00e4ngel u\u0308berwinden zu k\u00f6nnen, indem er sich eine elementare Kultur etwa der Bekleidung und des Behaustseins erfindet. Ohne Kleidung, ohne vier W\u00e4nde und einem Dach u\u0308ber dem Kopf w\u00e4re ich in meiner menschlichen Kreatu\u0308rlichkeit n\u00e4mlich nicht u\u0308berlebensf\u00e4hig. Waltend und gestaltend t\u00e4tig werde ich, weil ich durch die Welt und ihr So-Sein aus Gru\u0308nden meiner natu\u0308rlichen M\u00e4ngel zur aktiven Ver\u00e4nderung des Bestehenden gezwungen werde. Immer wieder und immer wieder aufs Neue. Denn nur dem Eingreifen in die Welt, dem gestaltenden Walten an ihr, verdanke ich mein \u00dcberleben. Mehr noch: Ich und meinesgleichen mu\u0308ssen die Welt in Permanenz ver\u00e4ndern, um u\u0308berhaupt u\u0308berleben zu k\u00f6nnen \u2013 und sei es auch \u201enur\u201c, indem wir uns durch bestimmte Ma\u00dfnahmen und Vorkehrungen vor den natu\u0308rlichen Urgewalten schu\u0308tzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-685278\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/10\/cover.Becker_Selbstgespraech_Titel_VS.jpg\" alt=\"\" width=\"409\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/10\/cover.Becker_Selbstgespraech_Titel_VS.jpg 409w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/10\/cover.Becker_Selbstgespraech_Titel_VS-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/><\/p>\n<h1><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurt_E._Becker\">Kurt Becker<\/a>: &#8222;M\u00e4\u00dfige dich. Ein Selbstgespr\u00e4ch \u00fcber das gute Leben. Das Allzeit-Alles im Allzeit-Jetzt&#8220; Verlag Lindemanns<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Gestaltung als besonderer Form menschlichen T\u00e4tigseins gebu\u0308hrt dabei eine Sonderrolle in Bezug auf das Zeitliche. Gestaltet wird n\u00e4mlich im Heute in ein Nachher oder ein Morgen hinein. Gedanklich nehmen wir insofern im Gestalten Zuku\u0308nftiges vorweg, weil wir uns entweder ein Bild vom zu Gestaltenden machen oder einen Entwurf unseres Gedachten anfertigen. Gestalten ist deswegen in einem umfassenden Sinn Arbeit an der Welt. An der und in der geistigen Welt genauso wie an der und in der materiellen. Zumindest die Realisierung des zu Gestaltenden vollzieht sich dabei in der Regel im Sozialen. Und selbst der auf sich gestellte und allein an einem \u0152uvre arbeitende Ku\u0308nstler entl\u00e4sst sein fertiges Produkt dann letztlich in einen sozialen Raum hinein, verleiht seinem Kunstwerk mit dieser Entlassung aus seiner nur ihm spezifisch eigenen Sph\u00e4re kreativen Schaffens eine soziale Dimension. Das solcherart von wem und wie auch immer Hergestellte wird zu einem Produkt entweder einer aktiv gestaltenden oder aber zumindest einer passiv wahrnehmenden Vielheit von Menschen \u2013 und damit Geschichte, den Kristallisationsprozess der Zeit u\u0308berwindend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was der Mensch n\u00e4mlich herstellt, ist in der Zeit geworden und unterliegt nicht dem Diktat des Ewigen, \u00f6ffnet indes den Blick fu\u0308r das Werden und Vergehen in der vom Menschen bearbeiteten und durch die Arbeit sich tats\u00e4chlich oder zumindest scheinbar wandelnden Welt. Mehr noch: Das Narrativ von der menschlichen Arbeit an der Welt ist das Grundmotiv jedweder Kulturgeschichte und verweist auf einen in der Zukunft beheimateten Mythos, der das \u201ePrinzip Hoffnung\u201c in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Governance meines eigenen Selbst beginnt und endet zumindest in unserer geistigen Hemisph\u00e4re insofern mit den bereits erw\u00e4hnten beru\u0308hmten vier Fragen Immanuel Kants:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Was kann ich wissen?<\/li>\n<li>Was darf ich hoffen?<\/li>\n<li>Was soll ich tun?<\/li>\n<li>Was ist der Mensch?<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sich diesen Fragen immer wieder und immer wieder aufs Neue zu stellen, ist die Grundvoraussetzung meiner Selbstfu\u0308hrung. Die Fragen dieser Selbstfu\u0308hrung bleiben immer die gleichen, meine Antworten indes variieren je nach existenziellem und zeitlichem Kontext. Meine Bipolarit\u00e4t als einerseits kreatu\u0308rliches und andererseits kulturelles Wesen gebiert verschiedenartige Rollen und Verantwortlichkeiten in meinem Verh\u00e4ltnis zu mir selbst, gegenu\u0308ber meinesgleichen, meinen Mitmenschen also, aber auch gegenu\u0308ber meiner Welt n\u00e4chst und fernst meiner selbst und damit gegenu\u0308ber der belebten und der, je nach Sicht auf die Dinge, auch unbelebten Natur, deren Teil ich bin und auf die ich angewiesen bin, ohne die es mein eigenes Leben nicht geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin, was ich bin und wie ich bin, als ein in ein gro\u00dfes Ganzes des Weltseins eingebundenes Wesen, das sich bewusst ist, dass alles mit allem zusammenh\u00e4ngt, wie wir von Alexander von Humboldt gelernt haben. Das Allzeit-Alles im Allzeit-Jetzt verdichtet sich in dieser Sicht des Weltseins u\u0308ber unsere notwendig limitierte menschlich rationale, aber auch u\u0308ber unsere selektiv konsumistische Wahrnehmung hinaus zum All-Einen, von dem vornehmlich die Weisheitslehren des Orients raunen und die dem Menschen im all-einen Weltsein die Rolle des ewig Lernenden zuweisen: \u201eZu lernen, ohne des Lernens mu\u0308de zu werden, darin liegt der Weg, sich selbst zu fu\u0308hren\u201c, spricht Laotse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lebenslanges Lernen als Prinzip der Selbstfu\u0308hrung ist denn auch die <em>conditio sine qua non<\/em> unseres mensch(heit)lichen Existierens auf unserem blauen Planeten u\u0308berhaupt und kann als essenzielle Antwort auf Kants Frage nach dem \u201eSollen\u201c verstanden werden. Mehr noch: Ich lerne, weil ich bin. Lernen ist als genetischer Code in unserem Lebendigsein angelegt und verdichtet sich vor dem Hintergrund existenzieller Herausforderungen in unserer Welt und in unserer Zeit zu einem Sollen, ja, zu einem Mu\u0308ssen. Ich muss lernen, um mich sinnvoll selbst fu\u0308hren zu k\u00f6nnen und dadurch nicht zuletzt dem Tsunami der vielf\u00e4ltigen Verfu\u0308hrungen, die zum Beispiel in der Augenblicks-\u00d6konomie unseres Allzeit-Jetzt als Begehrlichkeit nach dem Allzeit-Alles auf mich zurollen, widerstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit diesem Widerstehen verbunden ist eine Befreiung meines Selbst von den kultu\u0308rlichen Zw\u00e4ngen nicht zuletzt auch des rein demonstrativen Konsums (Thorstein Veblen) in einer Welt des Allzeit-Alles einerseits und eine Freiheit zu einem selbstbestimmten, meines Selbst bewussten Lebens in Harmonie mit dem gro\u00dfen Ganzen andererseits. M\u00e4\u00dfigung ist demzufolge die Voraussetzung fu\u0308r die Freiheit zu meinem Selbst. Ich muss deswegen lernen, dieses unfassbar gro\u00dfe Ganze als gegeben und mich selbst in aller Demut und ohne wirkliches Wissen um mein eigenes Schicksal als dessen Teil zu sehen. Denn dieses Lernen hat natu\u0308rliche Grenzen, weil unser Verstand begrenzt ist und die letzten Fragen nach unserem Menschsein deswegen ohne Antwort bleiben mu\u0308ssen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Jeder Versuch einer Antwort auf diese Fragen ist und bleibt spekulativ und dem Reich des Glaubens u\u0308berlassen. M\u00e4\u00dfigung in unserem Wissensanspruch geh\u00f6rt deswegen auch in den essenziellen Katalog unserer nach Bewusstsein (nicht Wissen) strebenden Selbstfu\u0308hrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn die Logik unserer Wissenschaft wurde \u201elediglich\u201c als rationales, zweckorientiertes Vehikel der Nu\u0308tzlichkeit erfunden und genu\u0308gt insoweit menschlich u\u0308berschaubarem Interesse, als wir damit nicht zuletzt zum Beispiel eine technische Kultur herstellen konnten. Das \u201eDing an sich\u201c, die \u201eWelt an sich\u201c, aber bleiben durch die Wissenschaft unberu\u0308hrt, auch wenn wir Begriffe dafu\u0308r erfinden oder in Komplementari\u00e4ten zu denken gelernt haben. Und wenn uns gar nichts mehr anderes einf\u00e4llt, sprechen wir halt von Unbestimmtheitsrelationen (Werner Heisenberg), gleichbedeutend einer Relativierung jeglicher, von der Wissenschaft eigentlich als notwendig reklamierten Objektivit\u00e4t, weil die Unbestimmtheit (oder Unsch\u00e4rfe) in unserem Erkenntnisverm\u00f6gen auf dessen Subjektivit\u00e4t zuru\u0308ckverweist, auf das Subjekt im Sinne Schopenhauers als Bewusstseinsort unserer Vorstellung von der Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fu\u0308r die Fu\u0308hrung unseres Selbst aber hei\u00dft das, dass wir die Grenzen des Wissbaren auszuloten aufgefordert sind einerseits, uns andererseits aber auch bewusst machen mu\u0308ssen, dass es hinter den Grenzen des rational Wissbaren eine Welt des rational Unwissbaren gibt, von der wir allenfalls raunen k\u00f6nnen, deren unabdingbar unfassbare, unserem Erkenntnisverm\u00f6gen verschlossene Existenz wir aber demutsvoll akzeptieren mu\u0308ssen: vom bestirnten Himmel u\u0308ber und dem moralischen Gesetz in mir, hatte Kant gesprochen. Die demu\u0308tige Akzeptanz einer Existenz des rational Unwissbaren, gleichbedeutend einer M\u00e4\u00dfigung unseres dualistisch angelegten rationalen Wissenwollens, ist die Voraussetzung fu\u0308r das Finden und Fu\u0308hren des uns spezifisch eigenen Selbst nicht zuletzt und vor allem in ethischer Hinsicht. Daisetz Teitaro Suzuki, ein westlicher Vertreter des Zen-Buddhismus, spricht in diesem Zusammenhang vom \u201eLebens-Ku\u0308nstler\u201c, dessen Grundton des Lebens aus dem All-Einen komme: \u201eEs genu\u0308gt nicht zu sehen. Der Ku\u0308nstler mu\u00df in das Ding eindringen, es von innen erfu\u0308hlen und sein Leben leben &#8230; Der Dualismus kann sich nur dann halten, wenn er von etwas, das nicht dualistisch ist, getragen wird.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Bezug auf unser Verh\u00e4ltnis zu unseren Mitmenschen hei\u00dft das: \u201eIch und Du mag angehen, aber in Wirklichkeit k\u00f6nnen wir es nicht sagen; denn sobald wir es sagen, bin ich Du, und du bist Ich.\u201c Im Sinne der Lebens-Kunst eines Suzuki gru\u0308ndet das Wir im Ich und Du, transzendiert aber deren Grenzen und erschafft sich immer wieder neu aus dem unersch\u00f6pflichen Quell seines im All-Einen angelegten unwissbar Unbewussten. Das \u201eEs\u201c im Sinne Freuds und Groddecks gewinnt in dieser Sicht der Welt eine holistische Tiefendimension des Menschseins, die sich dem wissenschaftlichen Apparat einer dualistischen Sicht der Dinge verweigert und deren Existenz uns nur durch Ahnung und Intuition zug\u00e4nglich wird. Gleichzeitig ver\u00e4ndern, wandeln wir uns von Augen-Blick zu Augen-Blick unseres ahnend intuitiven Lernens u\u0308ber unser Selbst in seiner Beziehung zum All-Einen, die ganzheitliche Tiefendimension unseres Allzeit-Alles-Ich auslotend, von unserem Gro\u00dfdichter Goethe als Erfahrung des Pantheismus charakterisiert. Wie schreibt Helmut Tributsch? \u201eDer Mensch kann auf ganzheitliche Vorstellungen, wie sie nur Religionen oder Philosophien bieten k\u00f6nnen, nicht verzichten, um seinen Platz in der Natur wiederzufinden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht von ungef\u00e4hr hatte mich der polyglotte, vielsprachige Ren\u00e9 K\u00f6nig, dessen Navajo-Report ich die gro\u00dfe Freude hatte vor vielen Jahren redaktionell betreuen zu du\u0308rfen, mit der demutsvollen Praxis der Naturv\u00f6lker vertraut gemacht, nach dem Erlegen eines Tiers oder dem F\u00e4llen eines Baums bei den h\u00f6heren M\u00e4chten Abbitte zu leisten. Von dieser grundlegenden Einsicht zum Beispiel der Navajos in unser mensch(heit)liches Existieren ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Gaia-These, die die grundlegenden Fragen unserer so und nicht anders gewordenen Welt in einen holistisch kosmischen Zusammenhang einbettet. Wer sich dem All-Einen durch was und wie auch immer verbunden fu\u0308hlt, es zu schauen meint oder zumindest daran glaubt, leitet fu\u0308r sich daraus daru\u0308ber hinaus nicht selten einen Anspruch auf ein irgendwie geartetes ewiges Leben ab, seinem Allzeit-Alles-Ich dadurch die metaphysische Dimension von etwas Transzendentem einr\u00e4umend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf eine Diskussion dieser zweifellos gewichtigen Thematik wollen wir verzichten, stattdessen daraus sinnvoll ableitbare ethische Dimensionen in den Blick nehmen, ohne uns zu sehr in das Reich des Glaubens und der Religion vorzuwagen. Es sei denn, wir erwarten mit Bruno Latour von der Religion, dass sie sich selbst Grenzen setzt \u201e\u2026 und sich mit den Wissenschaften und der Politik zu verbu\u0308nden lernt, um dem Begriff Grenze wieder Sinn zu geben.\u201c Grenze, Begrenzung, M\u00e4\u00dfigung. Unser Tu\u0308r\u00f6ffner fu\u0308r unsere \u00dcberlegungen ist, wie bereits erw\u00e4hnt, die Gaia-These. Mit der Gaia-These, ihrer Bedeutung fu\u0308r ESG und unserer individuellen Beziehung dazu wollen wir uns deswegen nun befassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Kurt Becker: &#8222;M\u00e4\u00dfige dich. Ein Selbstgespr\u00e4ch \u00fcber das gute Leben. 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