{"id":685240,"date":"2024-11-22T00:26:37","date_gmt":"2024-11-21T23:26:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=685240"},"modified":"2024-11-22T09:49:33","modified_gmt":"2024-11-22T08:49:33","slug":"daimler-und-benz-stiftung-mit-martin-voss-wir-taumeln-von-krise-zu-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2024\/11\/22\/daimler-und-benz-stiftung-mit-martin-voss-wir-taumeln-von-krise-zu-krise\/","title":{"rendered":"Daimler und Benz Stiftung mit Martin Voss: &#8222;Wir taumeln von Krise zu Krise&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Krisen, Katastrophen, Zeitenwende\u00a0\u2013 Neue Institutionen f\u00fcr eine resiliente Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen wir als Gesellschaft mit Krisen und Katastrophen umgehen? Wie kann man diesen existenziellen Gefahren pr\u00e4ventiv begegnen? <a href=\"https:\/\/www.geo.fu-berlin.de\/geog\/fachrichtungen\/anthrogeog\/katastrophenforschung\/ueber-die-kfs\/personen\/Leitung\/voss\/index.html\">Soziologe Martin Voss<\/a>, einer der f\u00fchrenden deutschen Wissenschaftler f\u00fcr Katastrophenforschung, der seit 2011 die Krisen- und Katastrophenforschungsstelle an der Freien Universit\u00e4t Berlin leitet, hielt hier\u00fcber einen Vortrag f\u00fcr die <\/strong><strong>Daimler und Benz Stiftung in der Reihe \u201eDialog im Museum\u201c. Ein Nachbericht von Miriam Weiss<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_685558\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-685558\" class=\"size-full wp-image-685558\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/11\/voss_martin.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"466\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/11\/voss_martin.jpg 350w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/11\/voss_martin-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><p id=\"caption-attachment-685558\" class=\"wp-caption-text\">Martin Voss (Foto: Daimler und Benz Stiftung\/Bernd Wannenmacher)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auseinanderklaffen von Wissen und Handeln<\/strong><\/p>\n<p>Im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum musste Martin Voss die Erwartungen des Publikums zu Beginn etwas d\u00e4mpfen: \u201eEiner, der sich durchaus schon l\u00e4nger mit Krisen und Katastrophen besch\u00e4ftigt hat, steht nun vor Ihnen und hat doch nicht die klugen Antworten parat.\u201c Mit Verweis auf den Anfang der Covid-19-Pandemie betonte der Soziologe, dass man den Begriff Krise heute anders als vor dem Jahr 2020 verstehe. \u201eDie Krisen der Zeit haben etwas damit zu tun, dass wir nicht tun, was wir wissen\u201c, lautete seine zentrale These. \u201eZwar wei\u00df man sehr viel und man verf\u00fcgt \u00fcber die technischen und \u00f6konomischen Mittel, um eine bessere Welt zu gestalten, aber wir bleiben in unserem Handeln weit dahinter zur\u00fcck und taumeln von Krise zu Krise.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Panikmythos<\/strong><\/p>\n<p>Als Beispiel nannte Voss den Panikmythos: Vonseiten der Politik werden in einer sich entwickelnden Krise Informationen zur\u00fcckgehalten aus Sorge, andernfalls zur Verunsicherung der Bev\u00f6lkerung und damit zur Entstehung von die Menschen gef\u00e4hrdender Panik beizutragen. Dass Menschen in Katastrophen grunds\u00e4tzlich panisch reagieren, wurde jedoch seit den 1940er-Jahren in zahlreichen empirischen Untersuchungen zum menschlichen Verhalten in Extremsituationen (Unf\u00e4lle, Erdbeben, Kriege) klar widerlegt. Vielmehr verhalten sich die meisten Menschen rational und hilfsbereit gegen\u00fcber anderen und organisieren sich selbst, um eine Krise zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei tats\u00e4chlichen F\u00e4llen von Massenpanik wie etwa bei der Love-Parade-Katastrophe 2010 in Duisburg f\u00fchrten jeweils sehr spezifische Bedingungen in die Katastrophe. Diese sind bis heute sehr gut erforscht und benennbar. \u201eAber es gibt keine Berichte aus westlichen L\u00e4ndern, bei denen blo\u00dfe Information oder eine Warnung vor einer m\u00f6glichen Gefahr zu wirklichem Schaden an Leib und Leben f\u00fchrte\u201c, so Voss. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall: Indem man Informationen zur\u00fcckh\u00e4lt, tr\u00e4gt man erst recht zur Verunsicherung der Menschen bei, die gerade in Krisenzeiten sehr nach Information suchen. Eine Folge davon sei das schwindende Vertrauen in die Beh\u00f6rden und ein wachsendes Misstrauen gegen\u00fcber staatlichen Institutionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn die Katastrophe ihren Lauf nimmt<\/strong><\/p>\n<p>Der Soziologe Lars Clausen, bis heute einziger Verfasser einer soziologischen Theorie der Katastrophe, verstand die Katastrophe als kollektives Scheitern, dessen Ursachen in der Gesellschaft zu suchen sind. \u201eDie Gesellschaft schaut h\u00e4ufig nur auf schnelle Antworten. So ist etwa die L\u00e4nder- und Ressort\u00fcbergreifende Krisenmanagement\u00fcbung des Bundes (L\u00dcKEX) so angelegt, dass man eher nicht an Grenzen kommt. Doch eine \u00dcbung sollte genau das tun, um Schwachstellen zu zeigen\u201c, betonte Voss. In diesem Abwehrmechanismus, an die Grenze zu gehen, liegt f\u00fcr Clausen ein zentrales Motiv, aus dem Katastrophen resultieren: \u201eDie Katastrophe nimmt ihren Lauf, wenn eine Gesellschaft nicht mehr \u00fcberall sucht, sondern den Rundum-Horizont drohender Gefahren verengt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein L\u00f6sungsvorschlag: Alle unter einem Dach<\/strong><\/p>\n<p>\u201eKlimawandel, Pandemie, Gefl\u00fcchtete, Ukraine, Terror, Antisemitismus undsoweiter. Jede Krise, jede Katastrophe wirft ganz spezifische Fragen auf und verlangt nach sehr spezifischen Expertisen und Antworten\u201c, sagte Voss. Was also tun? Einen L\u00f6sungsvorschlag skizzierte der Soziologe in einem Gedankenspiel: \u201eIch stelle mir vor, es g\u00e4be ein sehr gro\u00dfes Haus, unter dessen Dach Wissenschaftler aller f\u00fcr krisenhafte Prozesse relevanten Disziplinen, Experten aus der Praxis, Vertreter von NGOs, Vereinen, Initiativen, sozialen Bewegungen, Interessengruppen und Stiftungen an der L\u00f6sung systemischer gesellschaftlicher Probleme arbeiten.\u201c Wichtig sei dabei die dauerhafte Zusammenarbeit und die Ausbildung des eigenen Nachwuchses, der von vornherein disziplin\u00fcbergreifend denkt. Unter anderem w\u00fcrde man Szenarien entwerfen und zuk\u00fcnftige Entwicklungen modellieren: Wie k\u00f6nnte ein lebenswertes Deutschland im Jahr 2050 aussehen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die tats\u00e4chliche Komplexit\u00e4t der Herausforderung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Menschen w\u00fcrden all das gemeinsam tun, was bislang in zahllosen verschiedenen Winkeln der Gesellschaft getan, aber nicht zusammengef\u00fchrt werde. Die Unabh\u00e4ngigkeit von unmittelbaren Konkurrenz- und Verwertungsinteressen des akademischen und \u00f6konomischen Betriebes erlaube den offenen Dialog und \u00f6ffne den Blick f\u00fcr die tats\u00e4chliche Komplexit\u00e4t der Herausforderung. \u201eDas alles schafft Vertrauen \u2013 und dieses ist in Zeiten, in denen Vertrauen in Beh\u00f6rden und in alle, die irgendwie im Verdacht stehen, im Staatsauftrag zu handeln, strategisch untergraben wird, von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung\u201c, unterstrich Voss zum Schluss und gab dem Publikum folgende, zum Nachdenken anregende Fragen mit auf den Heimweg: K\u00f6nnten \u00fcber derartige Impulse von au\u00dfen aus der Zivilgesellschaft Br\u00fccken gebaut werden zwischen den gesellschaftlichen Sph\u00e4ren? K\u00f6nnte so ein struktureller Wandel hin zu einer resilienteren Gesellschaft eingeleitet werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krisen, Katastrophen, Zeitenwende\u00a0\u2013 Neue Institutionen f\u00fcr eine resiliente Gesellschaft Wie k\u00f6nnen wir als Gesellschaft mit Krisen und Katastrophen umgehen? 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