{"id":684890,"date":"2024-11-12T13:03:59","date_gmt":"2024-11-12T12:03:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=684890"},"modified":"2024-11-12T16:16:05","modified_gmt":"2024-11-12T15:16:05","slug":"praemien-fuer-whistleblower-warum-die-gar-nicht-so-uebel-sind-interview-mit-strafverteidigerin-simone-kaempfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2024\/11\/12\/praemien-fuer-whistleblower-warum-die-gar-nicht-so-uebel-sind-interview-mit-strafverteidigerin-simone-kaempfer\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4mien f\u00fcr Whistleblower: Warum die gar nicht so \u00fcbel sind. Interview mit Strafverteidigerin Simone K\u00e4mpfer"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"s4\">\n<h1><strong>Strafverteidigerin Simone K\u00e4mpfer von Freshfields im Interview \u00fcber Belohnungen f\u00fcr Whistleblower, der grundlegende Irrtum der Unternehmen \u00fcber die Boshaftigkeit ihrer Mitarbeiter und warum es f\u00fcr Unternehmen schlecht ist, wenn sich ihre Leute lieber Beh\u00f6rden anvertrauen als ihrem eigenen Arbeitgeber. Wie Unternehmen gegensteuern sollten<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_681954\" style=\"width: 655px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-681954\" class=\"size-full wp-image-681954\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/03\/kaempfer.Simone_Kaempfer_Freshfields-Jann-Hoefer-e1723127713275.jpg\" alt=\"\" width=\"645\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/03\/kaempfer.Simone_Kaempfer_Freshfields-Jann-Hoefer-e1723127713275.jpg 645w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/03\/kaempfer.Simone_Kaempfer_Freshfields-Jann-Hoefer-e1723127713275-300x142.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/03\/kaempfer.Simone_Kaempfer_Freshfields-Jann-Hoefer-e1723127713275-500x237.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><p id=\"caption-attachment-681954\" class=\"wp-caption-text\">Simone K\u00e4mpfer (Foto: Freshfields PR\/ Jann Hoefer)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie Unternehmen raten, Whistleblower mit Geld zu belohnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>K\u00e4mpfer:<\/strong> Der Hinweisgeberschutz wird an allen Ecken und Enden gef\u00f6rdert. Erst k\u00fcrzlich hat die Berliner Polizei ihr anonymes Online-Hinweisgeber-System erweitert. Wir sind in Deutschland aber noch nicht so weit, was finanzielle Anreize angeht. Wir haben nicht einmal &#8211; wie in den USA &#8211; Beh\u00f6rden, die bereit sind, Pr\u00e4mien auszuzahlen und nur sehr wenige Unternehmen, die ein Pr\u00e4mienprogramm aufgesetzt haben. Unternehmen, die sich f\u00fcr eine Pr\u00e4mie f\u00fcr Whistleblower entscheiden, m\u00fcssen sich auch auf einen erheblichen Administrations- und Bearbeitungsaufwand einstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>&#8230; und zwar was?<\/strong><\/p>\n<div class=\"s4\">\n<p>Sie m\u00fcssen zuerst die Spielregeln festlegen: Das Unternehmen muss also transparent kommunizieren, welche Meldungen es mit einer Pr\u00e4mie in welcher H\u00f6he honoriert. Dann m\u00fcssen die zust\u00e4ndigen Mitarbeiter mehr Meldungen doppelt pr\u00fcfen: Erstens, ob weitere Untersuchungen n\u00f6tig sind und zweitens, ob die Meldung f\u00fcr eine Pr\u00e4mie qualifiziert ist. Das Ziel muss eine Verbesserung der Compliance-Kultur sein, aber nicht die F\u00f6rderung von Denunzianten &#8211; das ist eine gef\u00e4hrliche Gratwanderung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Haben Sie Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass Pr\u00e4mien hierzulande Denunzianten f\u00f6rdern?<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefahr ist da. Tats\u00e4chlich gab es auch schon in unserer Praxis F\u00e4lle, in denen sich jemand Vorw\u00fcrfe ausgedacht hat, um eine Pr\u00e4mie zu bekommen. Die angebliche Bestechung in Uganda hatte es dann gar nicht gegeben.<\/p>\n<p>Unternehmen m\u00fcssen auch deshalb kritisch einsch\u00e4tzen, ob sie den Preis \u2013 den administrativen, kapazitativen und kommunikativen Aufwand \u2013 f\u00fcr etwaige Vorteile zahlen k\u00f6nnen und wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sind die Amerikaner in dem Punkt ein Vorbild?<\/strong><\/p>\n<p>In den USA werden Pr\u00e4mien mittlerweile ziemlich oft ausbezahlt. Es gibt viel mehr Meldungen \u2013 daran zeigt sich, dass die Aussicht auf eine finanzielle Belohnung die Motivation f\u00fcr Whistleblower-Hinweise ganz sicher erh\u00f6ht. 2023 gab die US-amerikanische Wertpapier- und B\u00f6rsenaufsicht SEC einem Whistleblower fast 279 Millionen US-Dollar &#8211; das war die h\u00f6chste Summe in ihrer Geschichte. Erst diesen August haben zwei Whistleblower zusammen 98 Millionen US-Dollar erhalten. Finanziert werden die Pr\u00e4mien \u00fcber eingenommene Bu\u00dfgelder. Pr\u00e4mien von US-Unternehmen sollen dasselbe bewirken \u2013 mit dem Unterschied, dass Besch\u00e4ftigte sich gerade nicht an Beh\u00f6rden wenden, sondern interne Meldewege nutzen sollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das l\u00e4uft in Deutschland bisher anders? Hinweisgeber vertrauen den Unternehmen nicht und wenden sich lieber an andere Stellen?<\/strong><\/p>\n<p>Unsere internationale Studie hat f\u00fcr Deutschland gezeigt: Besch\u00e4ftigte gehen lieber zu den Beh\u00f6rden und ver\u00f6ffentlichen in den sozialen Medien. Das bedeutet f\u00fcr Unternehmen nichts Gutes: Sie verlieren die Kontrolle und riskieren erhebliche Reputationssch\u00e4den. Obendrein k\u00f6nnen schon anonyme Hinweise strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft inklusive Durchsuchungen ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kennen Sie Unternehmen, die sich anders erkenntlich gezeigt haben? <\/strong><\/p>\n<p>Einmal hatte ein Mitarbeiter eine erhebliche Pr\u00e4mie f\u00fcr seinen Hinweis nicht haben wollen. Stattdessen hat er darum gebeten, einmal den Firmenjet nutzen zu d\u00fcrfen. Das war f\u00fcr das Unternehmen am Ende nicht teurer, und der Mitarbeiter konnte sich einen kleinen Traum erf\u00fcllen \u2013 eine echte Win-Win-Situation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unternehmen sollten also ein echtes Interesse daran haben, dass die Mitarbeiter die Hotlines auch nutzen &#8211; und sie nicht nur haben, um den Anforderungen des Gesetzgebers zu gen\u00fcgen?<\/strong><\/p>\n<p>Interne Meldungen \u00fcber die Whistleblower-Hotlines erm\u00f6glichen es den Unternehmen, Missst\u00e4nde m\u00f6glichst fr\u00fch zu erkennen und abzustellen. Dadurch k\u00f6nnen sie verhindern, dass sich eher geringf\u00fcgige Probleme zu kapitalen \u2013 und teuren \u2013 Notf\u00e4llen entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>War die Angst der Unternehmen, von Intrigantenlawinen \u00fcberrollt zu werden, also unbegr\u00fcndet? Die Unternehmenslenker scheinen ihre Mitarbeiter nicht gut zu kennen, wenn sie ihnen so viele unedle Motive unterstellen.<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Nat\u00fcrlich gab es auch einige Falschbeschuldigungen. Von einer Lawine kann aber \u00fcberhaupt keine Rede sein. Die Mehrzahl der Hinweise hatte bislang entweder Hand und Fu\u00df oder war \u2013 auch das gibt es \u2013 unabsichtlich unzutreffend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu welchen Ma\u00dfnahmen raten Sie Unternehmen, um Akzeptanz in der Belegschaft f\u00fcr die Whistleblower-Hotlines zu schaffen \u2013 und wom\u00f6glich auch \u00c4ngste zu nehmen wie etwa bei metoo-Opfern? \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Klare Kommunikation hierzu \u2013 und leichte Auffindbarkeit im Intranet, und vielleicht sogar mal ein Aushang in der Kaffeek\u00fcche. Und: Zeigen, dass man es ernst meint \u2013 soweit m\u00f6glich \u00fcber die Aufarbeitung von Whistleblower-Vorg\u00e4ngen berichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kick-backs oder #metoo sind klassische Meldef\u00e4lle. Was bl\u00fcht Unternehmen in Zukunft an Meldungen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich rechne mit einer gro\u00dfen Bandbreite. Unternehmen sehen sich derzeit mit einer F\u00fclle von Regularien in s\u00e4mtlichen operativen Bereichen konfrontiert \u2013 seien es die Menschenrechte, seien es Anforderungen an Nachhaltigkeit, sei es die Geldw\u00e4sche, sei es der AI Act beim Einsatz von KI. Die Liste der aktuellen Herausforderungen ist lang. Viele Regeln f\u00fchren erfahrungsgem\u00e4\u00df auch zu vielen Verst\u00f6\u00dfen. Ich glaube, Whistleblower werden sich in all diesen Bereichen melden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Link zur Freshfields Umfrage:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.freshfields.us\/insights\/campaigns\/whistleblowing\/\">https:\/\/www.freshfields.us\/insights\/campaigns\/whistleblowing\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"s12\">\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strafverteidigerin Simone K\u00e4mpfer von Freshfields im Interview \u00fcber Belohnungen f\u00fcr Whistleblower, der grundlegende Irrtum der Unternehmen \u00fcber die Boshaftigkeit ihrer Mitarbeiter und warum es f\u00fcr Unternehmen schlecht ist, wenn sich ihre Leute lieber Beh\u00f6rden anvertrauen als ihrem eigenen Arbeitgeber. 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