{"id":684424,"date":"2024-05-28T17:00:04","date_gmt":"2024-05-28T15:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=684424"},"modified":"2024-05-28T21:19:51","modified_gmt":"2024-05-28T19:19:51","slug":"buchauszug-ingo-hamm-wie-wir-arbeit-wieder-lieben-lernen-lust-auf-leistung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2024\/05\/28\/buchauszug-ingo-hamm-wie-wir-arbeit-wieder-lieben-lernen-lust-auf-leistung\/","title":{"rendered":"Buchauszug Ingo Hamm: &#8222;Wie wir Arbeit (wieder) lieben lernen: Lust auf Leistung&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"text-left lg:pt-0\">Buchauszug Ingo Hamm: &#8222;Wie wir Arbeit (wieder) lieben lernen: Lust auf Leistung&#8220;<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_684473\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-684473\" class=\"size-full wp-image-684473\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/05\/hamm.ingo_.3.quer_.mbestenjulianbeekmannfotografie-hamm-2-002-1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/05\/hamm.ingo_.3.quer_.mbestenjulianbeekmannfotografie-hamm-2-002-1.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/05\/hamm.ingo_.3.quer_.mbestenjulianbeekmannfotografie-hamm-2-002-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/05\/hamm.ingo_.3.quer_.mbestenjulianbeekmannfotografie-hamm-2-002-1-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-684473\" class=\"wp-caption-text\">Ingo Hamm (Foto; Beck Verlag\/PR\/ Julian Beekmann)<\/p><\/div>\n<p><strong>LEISTUNGSLUST DURCH SUCHE NACH ERFOLGEN STATT VERMEIDEN VON MISSERFOLGEN<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbI never dreamed of success. I worked for it.\u00ab<br \/>\nEst\u00e9e Lauder<\/p>\n<p><strong>Das Geheimnis des Gl\u00fccks<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 in Beruf und Leben ist also: Leistungslust. Wenn das so ist, dann: Wollen wir!<br \/>\nBrauchen wir! Bitte mehr davon! So schnell wie m\u00f6glich, so viel wie m\u00f6glich, so<br \/>\nintensiv wie m\u00f6glich. Aber:<\/p>\n<p>Ausgesprochene Leistungslust als Basis f\u00fcr ein erf\u00fclltes Leben: Wie soll das<br \/>\ngehen? Muss man damit nicht geboren sein? Ist das nicht vererbt? In die Wiege<br \/>\ngelegt? Wer sich bei der Geburt die falschen Eltern ausgesucht hat, hat eine Niete<br \/>\ngezogen? Dieses Argument der genetischen Pr\u00e4disposition, des DNS-Determinismus<br \/>\nhore ich oft: \u226bJa, verstehe, im Machen liegt das Gluck. Aber ich war nie so<br \/>\nehrgeizig und leistungsgetrieben wie zum Beispiel einige Kollegen im Betrieb oder<br \/>\nMitglieder meiner Familie. So bin ich nun eben. In meinem Alter \u00e4ndert sich das<br \/>\nauch nicht mehr.\u226a Richtig.<br \/>\nAb einem bestimmten Alter andern sich gewisse Dinge nicht mehr, viele k\u00f6rperliche<br \/>\nMerkmale werden vererbt. Leistungslust nicht.<\/p>\n<p>Leistungslust wird nicht ererbt, sondern erworben. Prinzipiell, generell, ausnahmslos.<br \/>\nUnd was man bislang noch nicht erworben hat, kann man jetzt erwerben.<br \/>\nJederzeit, jedermann\/frau, \u00fcberall. Leistungslust ist wie k\u00f6rperliche Fitness:<br \/>\nnicht vererbt, sondern Trainingssache. Sie brauchen keinen Hometrainer oder<br \/>\nAb-Roller daf\u00fcr. Das Training kostet auch kein Geld. Leistungslust braucht keine<br \/>\n60-Minuten-Trainingseinheit t\u00e4glich \u2013 so viel Zeit hat ohnehin niemand mehr.<br \/>\nAlles in allem also ideale Voraussetzungen f\u00fcr ein erfolgreiches Training. Ein<br \/>\nWunder, dass nicht viel mehr Menschen Leistungslust trainieren und erwerben.<br \/>\nDie Grunde daf\u00fcr kennen wir bereits: kulturelle Leistungsverweigerung. Wobei<br \/>\ndiese kulturell verordnete Leistungsabneigung das beste respektive das schlechteste<br \/>\nArgument daf\u00fcr ist, dass Leistungsmotivation nicht vererbt, sondern erlernt<br \/>\nist. Denn unsere kulturelle Leistungsunlust haben wir nicht ererbt, sondern via<br \/>\nKultur erlernt. Kulturelle Indoktrination ist nichts anderes als ein Lernprozess.<br \/>\nF\u00fcr Erwachsene. Denn als Kinder haben wir etwas ganz anderes gelernt. Kinder<br \/>\nsind extrem leistungsorientiert, oft bedeutend mehr als ihre Eltern \u2013 bevor Letztere<br \/>\nErsteren die Leistungslust gr\u00fcndlich austreiben.<\/p>\n<p><strong>Schon Kinder lernen Leistungslust<\/strong><\/p>\n<p>Sie lernen Leistungslust ganz nat\u00fcrlich, automatisch, authentisch, menschlich,<br \/>\nnormal. Leistungslust liegt in der Natur des (jungen) Menschen. Ohne dieses<br \/>\nLernprogramm w\u00e4re die Menschheit langst ausgestorben. Das Erlernen von Leistungslust erst macht Menschen aus uns. Das wissen alle, die jemals kleine Kinder<br \/>\nbeim Gro\u00dfwerden beobachtet haben. Tun wir das, fallt uns fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf,<br \/>\nwas die beiden P\u00e4dagogen Manfred Holodynski und Rolf Oerter in vier Phasen<br \/>\naufgedeckt haben:<\/p>\n<p>1. Freude am Effekt, ab drei Monaten: Die menschliche Leistungsmotivation entwickelt<br \/>\nsich bereits so fr\u00fch. Klein-Susi zum Beispiel hat von ihrem Patenonkel eine<br \/>\nsch\u00f6ne neue Rassel in die Krippe gereicht bekommen, die nicht viel kann: Sie rasselt<br \/>\nhalt. Susi h\u00e4lt sie beseelt l\u00e4chelnd mit ihren kleinen H\u00e4ndchen, wedelt und rasselt<br \/>\ndamit, und als ihr stolzer Vater den Kopf in die Krippe steckt und \u00bbOh, wie s\u00fc\u00df!\u00ab<br \/>\nmacht, zieht Susi ihm damit eins \u00fcber, quietscht danach h\u00f6rbar und sichtlich vergn\u00fcgt.<br \/>\nWarum? Beobachten wir hier fr\u00fche Symptome einer sp\u00e4teren Psychopatin,<br \/>\nder es Freude bereitet, andere zu qu\u00e4len? Nein: Leistungslust. So sieht Leistungslust<br \/>\nim Alter von wenigen Monaten aus. Susi denkt, nein, empfindet eher: \u00bbDer Gro\u00dfe<br \/>\nmacht \u203aAutsch!\u2039. Ich kann das! Ich habe diesen Effekt ausgel\u00f6st!\u00ab Freude am<br \/>\nEffekt.<\/p>\n<p>Das ist die erste Lernphase beim Erwerb von Leistungsmotivation. Deshalb<br \/>\nsto\u00dfen kleine Kinder mit gro\u00dfer Begeisterung Kl\u00f6tzchent\u00fcrme um oder werfen Besteck<br \/>\nvom Tisch. Das ist keine Zerst\u00f6rungswut, keine Provokation der am Rande<br \/>\ndes Nervenzusammenbruchs changierenden Erziehungspersonen, sondern reine,<br \/>\npure, unverf\u00e4lschte Lust am Effekt, ein erstes Kennenlernen der Selbstwirksamkeit.<br \/>\nKinder lernen ganz fr\u00fch nicht (nur) Essen und Trinken, sondern vor allem: Leistung \u2013 im ureigenen Sinne einer bewirkenden T\u00e4tigkeit \u2013 wird belohnt, f\u00fchlt sich<br \/>\ngut an! Die Geburtsstunde der Leistungsmotivation. Und so geht das weiter:<\/p>\n<p>2. Verst\u00e4ndnis der Urheberschaft, ab circa zwei Jahren: In diesem Alter erkennt und<br \/>\nversteht das Kind die Urheberschaft des lohnenden Effekts seiner Handlung: Das<br \/>\nbin ja ich! Ich bewirke das! Nicht die Rassel! Bis zu diesem Zeitpunkt hat das<br \/>\nkleine Kind den Effekt nur sehr vage verstanden. Setzt jedoch das Aha-Erlebnis<br \/>\nder Urheberschaft ein, signalisieren sie den Erwachsenen danach geh\u00e4uft \u00bbSelber<br \/>\nmachen wollen!\u00ab Sie lassen Papa nicht mehr die kleinen Schuhe zumachen \u2013 sie<br \/>\nwollen selber. Auch und gerade, wenn sie das nicht einmal ann\u00e4herungsweise k\u00f6nnen:<br \/>\nSo lernt man, so genie\u00dft man die eigene Urheberschaft. Leistungslust. Viele<br \/>\nKinder wollen in diesem Alter auch nicht mehr mit dem L\u00f6ffel gef\u00fcttert werden, sie<br \/>\ngreifen st\u00e4ndig selber danach, obwohl sie mit Brei das Zimmer dekorieren, sobald<br \/>\nsie den L\u00f6ffel tats\u00e4chlich zu fassen kriegen. Ein Schl\u00fcsselmoment der Entwicklung<br \/>\nvon Leistungsmotivation. Stolz. Urheber-Stolz. Werkstolz. Ohne die Erkenntnis der<br \/>\nUrheberschaft gibt es keine Leistung. F\u00fcr uns ist das selbstverst\u00e4ndlich. Es ist selbstverst\u00e4ndlich \u2013 das war es zwei lange Jahre jedoch nicht. Wir haben das erst lernen m\u00fcssen: Ich. Kann. Das.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-684474\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/05\/cover.hamm_.lustaufLeistung.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/05\/cover.hamm_.lustaufLeistung.jpg 207w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/05\/cover.hamm_.lustaufLeistung-163x300.jpg 163w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/hamm-lust-leistung\/product\/36535993\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ingo Hamm: <\/a><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/hamm-lust-leistung\/product\/36535993\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Wie wir Arbeit (wieder) lieben lernen: Lust auf Leistung&#8220;<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/hamm-lust-leistung\/product\/36535993\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verlag Franz Vahlen, <\/a><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/hamm-lust-leistung\/product\/36535993\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2024, 24,90 Euro, 288 Seiten<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Erkenntnis der eigenen Kompetenz, ab ungef\u00e4hr drei Jahren: Das Kind schreibt das<br \/>\nErgebnis seiner Taten mehr und mehr allein seiner Urheberschaft und vor allem<br \/>\nauch der der eigenen T\u00fcchtigkeit, F\u00e4higkeit, Kompetenz, Skills zu \u2013 und hier beginnt<br \/>\nder Einfluss der sozialen Umwelt. Sie nimmt Einfluss, indem sie wertet: \u00bbDas<br \/>\nhast du gut gemacht!\u00ab Damit wird die Kompetenz ganz im Sinne von B.F. Skinner<br \/>\nverst\u00e4rkt, konditioniert. Oder die Erwachsenen sagen nichts oder meckern. Dadurch<br \/>\nwird die betreffende F\u00e4higkeit geschw\u00e4cht. Das Kind lernt in dieser Lernphase<br \/>\nder Leistungslust, nicht mehr so sehr effektorientiert als st\u00e4rker leistungsorientiert<br \/>\nzu handeln: Effekt + Wertung = Leistung. In dieser fr\u00fchen Phase bilden sich zwei<br \/>\nMotive heraus, die unser ganzes Leben beherrschen werden: Erfolgsmotivation und<br \/>\nMisserfolgsmotivation. Erfolg motiviert zur Wiederholung der Handlung, Misserfolg<br \/>\nmotiviert zu deren Vermeidung. Klein-Susi lernt: Rassel auf den Kopf von Papi<br \/>\nhauen bringt zwar einen Effekt, wird auf Dauer aber als Leistung nicht honoriert \u2013<br \/>\ndaf\u00fcr strahlen alle Gro\u00dfen, wenn ich mein Glockenspiel an der Krippe selbst aufziehe.<br \/>\nDamit hat Susi zwei f\u00fcr das \u00dcberleben eines jungen Menschen und einer<br \/>\nganzen Spezies extrem wichtige Dinge gelernt: Erfolgs- und Misserfolgsmotivation.<\/p>\n<p>4. Festlegen des Anspruchsniveaus, ab circa viereinhalb Jahren: Kleine Menschen lernen jetzt, sich Ziele zu setzen aufgrund vergangener Erfahrungen mit Erfolgs- und<br \/>\nMisserfolgsmotivation: Den Kl\u00f6tzchen-Turm noch ein wenig h\u00f6her bauen als beim<br \/>\nletzten Mal, ein noch schwierigeres Lego-Modell komplett zusammenbauen \u2013 und<br \/>\nsich \u00fcber den Kompetenzzuwachs zu freuen: Leistungslust.<\/p>\n<p>Fazit: Nach diesen vier Lernphasen wussten und konnten wir alles, was Leistung<br \/>\nbringt und wurden daf\u00fcr mit Leistungslust belohnt. Damit war das Lernen nicht<\/p>\n<p>Leistungslust durch Suche nach Erfolgen statt Vermeiden von Misserfolgen<br \/>\nbeendet. Als Schuler, Jugendliche und Erwachsene lernten wir dank unserer westlichen<br \/>\nKultur hinzu, zum Beispiel: Leistung ist uncool, weil Strebertum, weil herausstechen,<br \/>\nweil Ellenbogen. Streng dich blo\u00df nicht zu sehr an! Chill mal, Alter!<br \/>\nDaher verlernten wir nach und nach: Leistungslust ist etwas vollkommen Nat\u00fcrliches,<br \/>\nBiologisches, Ur-Menschliches. Sie entwickelt sich, indem der Mensch sich<br \/>\nentwickelt. Wir erwerben sie, indem wir sie erlernen. Wir haben schon ganz fruh<br \/>\ngelernt, uns an Leistung zu freuen \u2013 bevor uns Erziehung, Kultur und Sozialisation<br \/>\ndiese Freude durch soziokulturelle Wertung nicht selten vermiest oder genommen<br \/>\nhaben. Wie wir mit Leistung umgehen, haben wir fruh gut gelernt, danach wieder<br \/>\nverlernt \u2013 also k\u00f6nnen wir es wieder lernen, neu lernen. Das ist nicht kompliziert.<br \/>\nIm Prinzip k\u00f6nnen wir uns dabei auf nur zwei Handlungsmotivationen konzentrieren:<br \/>\nErfolgs- und Misserfolgsmotivation. Ist wie beim Fu\u00dfball.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie lieber St\u00fcrmer oder Verteidiger?<\/strong><\/p>\n<p>Leistungsmotivation hat zwei zentrale Dimensionen: Wir suchen Erfolg und versuchen,<br \/>\nMisserfolg zu vermeiden. Jede Fu\u00dfballmannschaft (und jedes Team jeder<br \/>\nanderen Ballsportart) macht es ebenso: Die \u226bOffense\u226a sorgt f\u00fcr Tore und so f\u00fcr den<br \/>\nerhofften Erfolg, wahrend die \u226bDefense\u226a den drohenden Misserfolg verhindern,<br \/>\nindem sie den Gegner am Toreschie\u00dfen\/-werfen hindert. Konzentrieren wir uns<br \/>\nauf diese beiden Handlungsmotive: Erfolg suchen und Misserfolg vermeiden.<\/p>\n<p>Wie jedes sportliche Team versp\u00fcrt auch jeder Mensch t\u00e4glich beide Handlungsmotive.<br \/>\nWir alle wollen Erfolg und meiden Misserfolg. Das ist nicht die Frage. Die<br \/>\nFrage ist: In welchem Verh\u00e4ltnis? Sturmen Sie zum Beispiel im Beruf st\u00e4ndig ungest\u00fcm<br \/>\nnach vorne und vernachl\u00e4ssigen dabei die \u226bVerteidigung\u226a Ihrer errungenen<br \/>\nErfolge? Oder verhalten Sie sich so defensiv, \u226bmauern\u226a, bremsen Sie Ihr Leben so<br \/>\nstark aus, dass es fast zum Stillstand kommt? Anders gefragt: Wer sind Sie?<br \/>\nEher Sturmer oder eher Abwehrspieler? Was \u00fcberwiegt?<br \/>\nEinige wenige Fragen helfen bei der Aufklarung der eigenen Motiv-Balance.<br \/>\nSturmer mit \u00fcberwiegender Erfolgsmotivation f\u00fchlen sich angesprochen von<br \/>\nfolgenden Aussagen (machen Sie gedanklich oder mit Stift Ihre Kreuzchen, und<br \/>\nzwar grunds\u00e4tzlich bzw. unabh\u00e4ngig davon, ob Sie dies in Ihrem aktuellen Job so<br \/>\numsetzen k\u00f6nnen):<\/p>\n<p>\u25a1 Ich setze mir gerne anspruchsvolle Ziele (also knapp \u00fcber meinem aktuellen Kompetenzniveau).<br \/>\n\u25a1 Es macht mir Freude, mich Herausforderungen zu stellen.<br \/>\n\u25a1 Ich sehe in jeder Herausforderung eine Chance.<br \/>\n\u25a1 Ich bin t\u00e4glich daran interessiert, meine F\u00e4higkeiten zu erweitern.<br \/>\n\u25a1 Ich vervollkommne gern mein K\u00f6nnen durch mein Tun.<br \/>\n\u25a1 Ich f\u00fcrchte mich nicht vor Fehlern \u2013 ich lerne gerne hinzu.<br \/>\n\u25a1 Erfolg ist mein Treibstoff!<\/p>\n<p>Wie viele Kreuze haben Sie gemacht? Bei welcher Aussage war das Kreuz am<br \/>\nst\u00e4rksten, haben Sie die intensivste affektive Aktivierung versp\u00fcrt? Wenn Sie sich<br \/>\nvon diesen Aussagen angesprochen f\u00fchlen, wenn diese etwas Positives in Ihnen<br \/>\nauslosen, haben Sie das Naturell eines St\u00fcrmers in Beruf und Leben. Wenn Sie sich<br \/>\nbei keiner dieser sieben Aussagen angesprochen und richtig wohlgef\u00fchlt haben,<br \/>\nsprechen Sie wohl eher folgende Statements an:<br \/>\n\u25a1 Ich verhalte mich in Beruf und Leben umsichtig, vorsichtig, warte lieber mal ab,<br \/>\nalso direkt loszust\u00fcrmen.<br \/>\n\u25a1 Fehler sind \u00e4rgerlich, und kein vern\u00fcnftiger Mensch sollte leichtsinnig unn\u00f6tige<br \/>\nRisiken eingehen.<br \/>\n\u25a1 Man sollte sich immer der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst sein, dann<br \/>\nauch lieber mal \u00bbNein\u00ab oder \u00bbStop!\u00ab sagen.<br \/>\n\u25a1 Ich betrachte jede Chance als Herausforderung.<br \/>\n\u25a1 Bei Misserfolgen f\u00fchle ich mich einfach mies, das kann ich nicht so leicht wegstecken.<br \/>\n\u25a1 Ich setze mir lieber leichte als schwere Ziele, denn dann prasselt auch weniger<br \/>\nKritik auf mich ein.<br \/>\nWer also sind Sie? Bei welchem der beiden Fragenblocke haben Sie mehr Kreuze gemacht?<br \/>\nDas ist nat\u00fcrlich kein wissenschaftlicher Test. Das sind blo\u00df einige exemplarische<br \/>\nFragen, mit Hilfe derer Sie sich selbst auf die Schliche kommen k\u00f6nnen. Also:<br \/>\nSind Sie lieber \u00bbErfolgssucher\u00ab oder \u00bbMisserfolgsvermeider\u00ab?<br \/>\nRaumen wir ein h\u00e4ufiges Missverst\u00e4ndnis aus: Es gibt keine Erfolgs- und Misserfolgsmenschen.<\/p>\n<p>Es gibt keinen lebenden Menschen, der bei den ersten sieben<br \/>\nAussagen sieben Kreuz macht und bei den zweiten sechs keines \u2013 oder umgekehrt.<br \/>\nEs gibt keine Menschen, die nur die eine, aber nicht die andere Motivation spuren<br \/>\n(abgesehen von schwer Depressiven, Traumaopfern, Bipolaren oder \u00e4hnlichem).<br \/>\nJeder Mensch erfolgsmotiviert sich in bestimmten Situationen, Gespr\u00e4chen,<br \/>\nLagen, Kontexten und misserfolgsmotiviert sich in anderen. Wenn Sie also das<br \/>\nChampions League-Upgrade dieses kleinen Tests machen wollen, dann beantworten<br \/>\nSie beide Blocke situationsbezogen a la: \u226bWenn ich mit meiner Chefin rede,<br \/>\nbin ich dann eher erfolgs- oder misserfolgsmotiviert?\u226a, \u226bWenn ich mit meinem<br \/>\nBeziehungspartner rede \u2026\u226a, \u226bWenn pl\u00f6tzlich die Steuerpr\u00fcfung ansteht, kriege<br \/>\nich dann Panik (Misserfolgsmotivation) oder freue ich mich, einer Finanzbeamtin<br \/>\nmeine tadellose Buchhaltung zu erl\u00e4utern (Erfolgsmotivation)?\u226a<br \/>\nSie f\u00fchlen sich von diesen tiefgr\u00fcndigen Fragen intellektuell angeregt? Dann<br \/>\nspuren Sie gerade Erfolgsmotivation. Sie finden die Fragen eher impertinent oder<br \/>\nschambesetzt? Misserfolgsmotivation. Was von beiden ist richtig? Beide. Es geht<br \/>\nnicht darum, dass eine Motivation besser ist als die andere. Es geht darum, zu erkennen, wann wir auf welche setzen und wann wir es lieber lassen sollten.<\/p>\n<p>Ein Mensch, der erfolgreich Beruf und Leben bestehen mochte, braucht beide<br \/>\nMotivationen \u2013 und das ist auch gar nicht anders m\u00f6glich, so wie eine Fu\u00dfball-<br \/>\nMannschaft auch Offensive und Defensive braucht. Eine Mannschaft, die bei<br \/>\neinem von beiden Schwachen hat, mag zwar hin und wieder ein Spiel gewinnen<br \/>\noder zumindest nicht verlieren. Aber eine Meisterschaft gewinnt man so nicht.<br \/>\nDeshalb sind Menschen mit kontextuell \u00fcberwiegender Misserfolgsmotivation<br \/>\nauch keine \u226bLoser\u226a. Sie verhalten sich ganz im Gegenteil absolut rational, indem<br \/>\nsie Risiken vermeiden. Das ist zwar vern\u00fcnftig, hat jedoch einen Haken: Wer Risiken<br \/>\nvermeidet, vermeidet damit oft ungewollt auch Chancen. Das ist nicht mehr<br \/>\nrational, sondern insbesondere auf Dauer selbst sch\u00e4digend: So kann man sich<br \/>\nBeruf und Leben kaputtmachen. Indem man zu oft blind voran st\u00fcrmt oder zu oft<br \/>\nso heftig bremst, dass das eigene Leben zum Stillstand kommt. Beides ist \u00e4rgerlich,<br \/>\naber wie gesagt: vorwiegend unterbewusst verursacht.<\/p>\n<p><strong>Nur Pessimisten sind \u00bbhinterher immer schlauer\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Meist kommen wir erst hinterher drauf: \u226bIch hatte meinem Chef nicht 20 neue<br \/>\nKunden versprechen d\u00fcrfen, wenn ich schon zehn kaum schaffe!\u226a Bereut der kontextuelle Uber-Sturmer sein Ungest\u00fcms. Oder: \u226bAls alle Kumpels Krypto kauften,<br \/>\nhab\u2019 ich erst mal vorsichtig abgewartet. Jetzt sind einige der Kumpels reich, und ich<br \/>\nkann kaum meine Wohnungsmiete bezahlen.\u226a Die Klage des situativen Bremsers.<br \/>\nHinterher sind wir immer schlauer \u2013 leider nutzt das nichts, weil wir selten<br \/>\ndraus lernen. Besser als hinterher schlauer zu sein ist es, im Voraus schlauer zu<br \/>\nsein. Das schaffen alle, die ihre leistungsmotivatorische Dysbalance zum Beispiel<br \/>\ndank heuristischer Tests wie dem obigen erkannt haben und dann zum Beispiel<br \/>\nim Coaching sagen:<\/p>\n<p>\u2022 \u00bbIm Mitarbeitergespr\u00e4ch morgen mit der Chefin werde ich meinen inneren Verteidiger<br \/>\ndie letzten f\u00fcnf Minuten vom Gespr\u00e4ch vom Feld nehmen, damit mein innerer<br \/>\nSt\u00fcrmer endlich auf das Tor schie\u00dft und ich vielleicht die Gehaltserh\u00f6hung bekomme,<br \/>\ndie ich schon lang verdient aber nie erreicht habe, weil ich in solchen kritischen<br \/>\nGespr\u00e4chen zu oft nur mauere!\u00ab<\/p>\n<p>\u2022 \u00bbN\u00e4chste Woche im Projektmeeting nehme ich meinen St\u00fcrmer an die Z\u00fcgel, damit<br \/>\ner nicht noch mehr Arbeitspakete annimmt und gro\u00dfe Leistung verspricht. Mir wird<br \/>\nes sonst vielleicht langsam zu viel, und das nur zur \u00fcbertriebenen Selbstdarstellung.\u00ab<br \/>\nWie das Orakel zu Delphi sagte: \u226bNosce te ipsum.\u226a Wer sich selbst erkennt, kann<br \/>\nsich andern. Nur wer seine eigene Leistungsmotivation (er)kennt, kann hinzulernen,<br \/>\nsich in kritischen Situationen anders zu verhalten. Was absolut rational ist.<br \/>\nApropos rational: Sind Sie beim letzten Statement des obigen Tests auch leicht<br \/>\nzusammengezuckt? Kam Ihnen das auch etwas irrational vor, ja geradezu paradox?<br \/>\nDa haben Sie recht.<\/p>\n<p><strong>Das Misserfolgs-Paradoxon der zu leichten und zu schweren Aufgaben<\/strong><\/p>\n<p>Es fallt auf, dass Menschen mit \u00fcberwiegender Misserfolgsmotivation oft entweder<br \/>\nviel zu leichte oder aber viel zu schwere Aufgaben w\u00e4hlen. Ersteres ist leicht zu<br \/>\nverstehen: Ist die Aufgabe viel zu leicht, kann ich mich dabei nicht durch Misserfolg<br \/>\nblamieren, weil ich die Aufgabe locker bew\u00e4ltige. Ich sch\u00fctze dadurch mein<br \/>\nSelbstwertgef\u00fchl vor Abwertung. Unvermeidlicher Nachteil: Ich untersch\u00e4tze mich<br \/>\nkonsequent und prinzipiell. Ich mache es mir zu oft zu leicht, bleibe also unter<br \/>\nmeinen M\u00f6glichkeiten, wachse daher nicht in meinen F\u00e4higkeiten, lerne wenig und<br \/>\nerfahre daher auch keine oder kaum noch Leistungslust.<\/p>\n<p>Wenn ich es mir im Leben viel zu leicht mache, erlebe ich so gut wie nie Misserfolge!<br \/>\nIch bringe es nur eben nicht sehr weit und habe auch kaum Freude an<br \/>\nErfolgen (weil sie so selten sind, wenn man hauptsachlich defensiv lebt). Die Vermeidung von Misserfolgen spendet nicht dieselbe Freude und Zufriedenheit wie<br \/>\ndas Erringen von Erfolgen. Das klingt logisch. Doch warum sollten viel zu hohe<br \/>\nZiele demselben Zweck dienen?<\/p>\n<p>Weil auch und gerade im Misserfolgsfall die Blamage ausbleibt, denn: \u226bSieht<br \/>\ndoch jeder, dass diese Aufgabe viel zu schwer f\u00fcr mich war!\u226a Auch die anderen<br \/>\nwerden sicher denken: \u226bDas hat nicht gutgehen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr kann sie\/er doch<br \/>\nnichts!\u226a Damit ist ebenfalls das Ziel des Selbstwertschutzes durch Defensivverhalten<br \/>\nerreicht. Der Misserfolg wird nicht dem eigenen Mangel an F\u00e4higkeiten<br \/>\nzugeschrieben, sondern der \u00fcberw\u00e4ltigend schweren Aufgabe \u2013 die sogenannte<br \/>\nexternale Attribution, dazu gleich mehr.<\/p>\n<p>Diese Taktik vermeidet zwar die Selbstbildbesch\u00e4digung, doch sie f\u00fchrt immer<br \/>\nweiter weg von der lustvollen Erfolgsmotivation. Man steigert mit den gestiegenen<br \/>\nAnforderungen nicht die eigene Kompetenz und erfahrt daher viel zu selten die<br \/>\nSelbstwirksamkeit des St\u00fcrmers: zu viel Defensive, zu wenig Offensive. F\u00fcr ein<br \/>\ngutes Fu\u00dfballspiel und ein gutes Leben braucht man aber beides in einem ausgewogenen Verh\u00e4ltnis. Was hei\u00dft das?<br \/>\nMan mochte als Mensch doch auch Tore schie\u00dfen und gewinnen und nicht<br \/>\neinfach immer nur nicht verlieren. Nicht wegen irgendeines Pokals, eines Bonus,<br \/>\neines Wettbewerbs oder Siegerkranzes oder des schlichten Besser-sein-Wollens,<br \/>\nsondern weil man nur mit Erfolgsmotivation erfahrt, was man draufhat, was man<br \/>\nalles bewegen, erreichen kann, sich in seiner eigenen Starke, Kraft und Kompetenz<br \/>\nerlebt: Selbstwirksamkeit, Leistungslust.<br \/>\nDas hei\u00dft aber auch: Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, hinter der M\u00f6hre her zu laufen. Wir<br \/>\nsollten uns nicht wegen der M\u00f6hre anstrengen, sondern wegen unseres Selbstbildes<br \/>\nund Seelenheils, unseres Selbstwertgef\u00fchls und einer gesunden, nachhaltigen<br \/>\nSelbstwirksamkeitserfahrung.<br \/>\nGenau deshalb sind heutzutage doch so viele Menschen so unzufrieden mit<br \/>\nBeruf, Familie und Leben. Nicht, weil sie keinen Bonus bekommen haben, sondern weil sie an jedem Tag ihres Lebens nicht ausreichend mitbekommen,<br \/>\nwas sie alles draufhaben, was sie alles bewegen konnten \u2013 wenn man sie nur lie\u00dfe<br \/>\nund wenn sie sich nur selber lie\u00dfen. Und wie schnell wird aus der vermeintlichen<br \/>\nErfolgsmotivation (\u226bBonus\u226a) eine permanente Defensive, ein Verteidigen des Status<br \/>\nQuo (\u226bBonus respektive bequemen Job blo\u00df nicht verlieren, sonst steht man<br \/>\nals Loser dar\u226a)<\/p>\n<p><strong>Der Ballast der kindlichen Erlebnisse<\/strong><\/p>\n<p>Sollten Sie noch Zweifel haben, wie entscheidend ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis von<br \/>\nErfolgs- und Misserfolgsmotivation sich auf unser Leben auswirkt: Hier die Ergebnisse<br \/>\neiner etwas \u00e4lteren psychologischen Studie von C. H. Mahone, die heute<br \/>\nnoch G\u00fcltigkeit besitzt, weil sie einen grundlegenden Mechanismus menschlichen<br \/>\nErfolgs und Lebensglucks aufdeckt und beschreibt:<\/p>\n<p>\u2022 \u00dcberwiegend erfolgsmotivierte Menschen w\u00e4hlten der Studie nach zu 94 Prozent<br \/>\nBerufe, die in der Beurteilung der studienbegleitenden Psychologen realistisch zu<br \/>\nbew\u00e4ltigen sind, betrachtet man K\u00f6nnen und Kompetenz der Studienteilnehmer.<br \/>\n\u2022 \u00dcberwiegend misserfolgsmotivierte Menschen w\u00e4hlten zu 83 Prozent hochgradig<br \/>\nunrealistische Berufe (die im oben diskutierten Sinne viel zu einfach oder viel zu<br \/>\nschwer waren).<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Wer in der Kindheit die falsche Balance der Leistungsmotivationen erlernt<br \/>\nhat, w\u00e4hlt eher den falschen Beruf und leidet ein ganzes Leben lang darunter.<br \/>\nWas deterministisch klingt, aber es nicht ist. Denn genauer formuliert m\u00fcssen wir<br \/>\nerkennen: Wer in der Kindheit zu defensiv erzogen und kulturell beeinflusst wurde<br \/>\n\u2013 und seither nichts dazu gelernt hat in Bezug auf seine schlagseitige Handlungsmotivation<br \/>\n\u2013 der leidet ein Leben lang unter dem falschen Beruf. Mit einem Risiko<br \/>\nvon 83 Prozent. Wie George Santayana sagte: \u226bThose who don\u2019t remember the past<br \/>\nare condemned to repeat it.\u226a Wer dagegen sein Erbe der Kindheit erkennt, kann es<br \/>\nablehnen und hinzulernen, indem er seine Leistungsmotivation wieder in Balance<br \/>\nbringt, denn \u2013 nochmal in aller Klarheit \u2013 Erfolgs- und Misserfolgsmotivation wird<br \/>\nerlernt und ist reversibel.<br \/>\nWer als Kind die falsche Leistungsmotivation lernte \u2013 und seither nicht umlernte<br \/>\n\u2013 ergreift fast zwangsl\u00e4ufig den falschen Beruf. So viel zum Thema \u226bTraumberuf<br \/>\n\u226a. Trotzdem ist das Problem nat\u00fcrlich l\u00f6sbar: Was H\u00e4nschen gelernt hat, verlernt<br \/>\nHans locker \u2013 wenn er sich dazu aufraffen kann. Was H\u00e4nschen gelernt hat, kann<br \/>\nund sollte Hans verlernen. Oder noch entwicklungsorientierter ausgedruckt: Ich<br \/>\nhore im Alter von sieben Jahren nicht auf zu lernen, sondern lerne auch und gerade<br \/>\nuber meine Leistungsmotivation immer noch und immer weiter dazu. Denn sonst<br \/>\nwache ich als 45-Jahriger Mensch eines unsch\u00f6nen Morgens in einem Beruf auf,<br \/>\nden ich mir mit dem Mindset eines (Klein)Kindes unterbewusst gew\u00e4hlt habe. Das<br \/>\nist leider die Crux am Motivationsproblem: Wir erlernen beide Leistungsmotive<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Attribution: Wer hat\u2019s verbockt? Und wer hat\u2019s geleistet?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nim Grunde v\u00f6llig unterbewusst \u2013 und so wirken sie auch. Nirgends sieht man das<br \/>\ndeutlicher als bei der Frage: Wer ist schuld?<br \/>\nAttribution: Wer hat\u2019s verbockt? Und wer hat\u2019s geleistet?<br \/>\nZur\u00fcck zur Sportmetapher: Unser Team hat schon wieder verloren! Wie kann<br \/>\ndas sein? Sind wir so schwach oder die Gegner so stark? Was stimmt mit unserer<br \/>\nLeistung nicht? Wo haben wir Leistungsdefizite? Oder haben uns etwa die Schiedsrichter auf dem Kieker? Oder fehlt uns der R\u00fcckhalt der Fans?<br \/>\nWas zur Antwort auf diese Fragen fuhrt, nennt man in der Psychologie \u226bAttribution<br \/>\n\u226a (Zuordnung, Zuschreibung): An wem oder was liegt es? Wem ordnen<br \/>\nwir \u2013 meist v\u00f6llig unterbewusst \u2013 die Verantwortung f\u00fcr ein Resultat zu? Wir<br \/>\nunterscheiden zwei diametrale Attributionsstile, die entscheidend unser Lebensgl\u00fcck,<br \/>\nunsere Leistungslust und unseren Erfolg determinieren \u2013 auch wenn das<br \/>\ndie meisten Menschen noch nicht bemerkt haben, weil Attribution wie gesagt<br \/>\nunterbewusst passiert:<\/p>\n<p>\u2022 Die internale Attribution: Ich habe es selbst geschafft, habe die Aufgabe erfolgreich<br \/>\ngemeistert, aus eigener T\u00fcchtigkeit, Leistung und Kompetenz heraus oder wie Goethe<br \/>\nin seiner Sturm-und-Drang-Zeit (im \u00bbPrometheus\u00ab) meinte: \u00bbHast du\u2019s nicht alles<br \/>\nselbst vollendet, heilig gl\u00fchend Herz?\u00ab<br \/>\n\u2022 Die externale Attribution: \u00bbDanke f\u00fcrs Kompliment \u2013 aber ich hatte auch ein gutes<br \/>\nTeam (Gl\u00fcck, g\u00fcnstige Umst\u00e4nde, Hilfe durch den Zufall, ein gro\u00dfz\u00fcgiges Budget).\u00ab<br \/>\nJa, wir alle kennen Menschen, die ihre Erfolge external attribuieren, sie also wegerkl\u00e4ren und den Erfolg anderen oder g\u00fcnstigen Umstanden zuschreiben. Das wirkt<br \/>\nbescheiden bis altruistisch und sorgt daf\u00fcr, dass external attribuierende Menschen<br \/>\nselten bis nie die Fruchte ihres Erfolgs genie\u00dfen k\u00f6nnen, weil sie diese Fruchte<br \/>\ndankend ablehnen und immer gleich an andere verteilen. Wir kennen den Ausdruck<br \/>\n\u226bdie Schuld auf andere schieben\u226a. Nun, external Attribuierende mit ausgepr\u00e4gter,<br \/>\neinseitiges Misserfolgsmotivation schieben ausgerechnet den Erfolg (ja, den haben<br \/>\nsie tatsachlich manchmal) anderen zu. Warum sie das tun, f\u00fchrt an dieser Stelle zu<br \/>\nweit (\u00fcber die tiefenpsychologischen Ursachen dieser fast schon charakterlichen<br \/>\nEigenart, dieses Traits, sind ganze Bibliotheken geschrieben worden). So tief wollen<br \/>\ndie meisten Menschen auch gar nicht gehen. Ihnen reicht die Erkenntnis: \u226bJa, da<br \/>\nkenne ich auch einige super bescheidene Mauerbl\u00fcmchen.\u226a Oder: \u226bStimmt \u2013 damit<br \/>\nmache ich mir oft das Leben schwer.\u226a Wie der Volksmund sagt: Bescheidenheit ist<br \/>\neine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.<\/p>\n<p>Als sei dies im Erfolgsfall nicht schon selbstsabotierend genug, kommt bei<br \/>\nsolchen Menschen im Misserfolgsfall noch etwas hinzu: Ist irgendwo irgendwem<br \/>\nein Fehler passiert, attribuieren sie nun internal: \u226bJa, mein Fehler (nein, war es objektiv<br \/>\nbetrachtet nicht oder nicht komplett), geht voll auf meine Kappe (warum das<br \/>\ndenn? Andere tragen doch auch Verantwortung), ich hau st\u00e4ndig daneben (st\u00e4ndig?<br \/>\nStimmt doch gar nicht). Ich hab\u2019s halt nicht drauf (wegen eines banalen Fehlers<br \/>\ndie komplette eigene Kompetenz negieren?). Ich kapier\u2019 das nie (Selbstwertgef\u00fchl<br \/>\nendg\u00fcltig im Keller). So war ich schon immer (Kommentar er\u00fcbrigt sich).\u226a<br \/>\nMisserfolg wird internal attribuiert, Erfolg external \u2013 was br\u00fcllend unlogisch<br \/>\nist: F\u00fcr den Misserfolg des gesamten mich umgebenden Biotops bin ich selbst,<br \/>\nnur ich und nur ich allein verantwortlich, aber f\u00fcr meinen Erfolg immer nur die<br \/>\nanderen? Das ist zwar nicht logisch, daf\u00fcr aber psychologisch. So attribuieren<br \/>\nMisserfolgsmotivierte: external f\u00fcr Erfolg, internal f\u00fcr Misserfolg. Es gibt kein<br \/>\nwirksameres, nachhaltigeres oder t\u00f6dlicheres Rezept f\u00fcr anhaltend tief empfundenes<br \/>\nUngl\u00fcck in Leben, Beziehung, Familie und Beruf. Und das machen<br \/>\ndie Betroffenen v\u00f6llig freiwillig (aber eben unbewusst)! Die Holle auf R\u00e4dern.<br \/>\nFehlattribution ist mieses Karma im Kubik. Daher meine Empfehlung, nein, mein<br \/>\ndringender Wunsch:<\/p>\n<p><strong>H\u00f6ren Sie auf, sich selbst ein motivatorisches Bein zu stellen!<\/strong><\/p>\n<p>Was der Erfolgs-externale und Misserfolgs-internale Attributionsstil mit dem eigenen<br \/>\nSelbstwertgef\u00fchl und den eigenen Erfolgsaussichten in der Zukunft anstellt, ist<br \/>\nnicht selten verheerend. Wer so einen Attributionsstil (nat\u00fcrlich v\u00f6llig unbewusst<br \/>\nund unabsichtlich) pflegt, braucht keine Feinde und kann sich den Spruch von Pogo<br \/>\n\u00fcbers. Bett h\u00e4ngen: \u226bWe have seen the enemy and he is us.\u226a Auch Raymond Chandler variierte (in \u226bThe Long Goodbye\u226a) dieses universelle Motto der Selbstsabotage:<\/p>\n<p>\u226bThere is no trap so deadly as the trap you set for yourself.\u226a Eben, indem man Erfolg<br \/>\nexternal und Misserfolg internal attribuiert. Es sollte genau umgekehrt sein:<br \/>\nAttribuieren Sie (auch mal) Erfolge internal, Misserfolge external!<br \/>\nAlso zum Beispiel nach einer gelungenen Projektpr\u00e4sentation: \u226bJa, mein Team<br \/>\nwar wieder einmal toll. Doch die Folien habe ich wirklich gut erkl\u00e4rt. Alle im Publikum<br \/>\nhaben spontan mit dem Kopf genickt. Das Erkl\u00e4ren hab\u2019 ich einfach gut<br \/>\ndrauf.\u226a Das ist Eigenlob, das stinkt? Ja und nein. Es ist Eigenlob, aber dass es stinkt,<br \/>\ndenken und sagen wirklich nur \u2013 wer?<\/p>\n<p>Richtig geraten: Misserfolgsmotivierte. Es hilft ihnen (Ihnen?) schon, wenn<br \/>\nman ihnen und\/oder wenn sie sich t\u00e4glich ein Dutzend Mal sagen: \u226bEigenlob<br \/>\nstimmt!\u226a Das ist vielleicht nicht immer sachlich gerechtfertigt, doch Eigenlob<br \/>\nstimmt eigentlich immer in Bezug worauf? In Bezug auf unser Selbstwertgef\u00fchl.<br \/>\nDieses kann in unseren Weltkrisenzeiten gar nicht genug Lob bekommen.<br \/>\nEs hei\u00dft ja nicht nur deshalb \u226bSelbstwert\u226a, weil dieser Wert alles \u00fcber uns selbst<br \/>\naussagt, sondern weil wir diesen Wert auch komplett selbst definieren k\u00f6nnen \u2013<br \/>\nwenn wir ihn bewusst definieren, zum Beispiel mit bewusster statt unbewusster<br \/>\nAttribution. Manchmal gelingt das ganz leicht: \u226bJa, stimmt, ich hatte zwar auch<br \/>\nein gutes Team, aber die entscheidenden Impulse f\u00fcrs Projekt kamen dann doch<br \/>\nklar von mir. Dazu stehe ich.\u226a Bravo! Gut attribuiert! Erfolg? Internal attribuiert,<br \/>\nSelbstwertgef\u00fchl wachst! Leider selten. H\u00e4ufiger h\u00f6re ich:<\/p>\n<p>\u226bAber ich hatte doch wirklich ein gutes Team! Ist doch eigens\u00fcchtig, wenn ich<br \/>\nden Erfolg ganz fur mich allein vereinnahme!\u226a Nein, ist es nicht, sondern einfach<br \/>\nnur mental-hygienisch erforderlich, angemessen und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Au\u00dferdem:<br \/>\nGeh\u00f6rst du nicht auch zum Team? Also was soll die \u00fcbertrieben altruistische und<br \/>\nkodependente Verschiebung des errungenen Erfolgs nur und ausschlie\u00dflich aufs<br \/>\nTeam (also auf die anderen)? Warum sich selbst herausnehmen? Weil der situativ<br \/>\nfalsche aber leider unreflektierte Attributionsstil uns das diktiert. Wir sind die<br \/>\nSklaven seines Diktats \u2013 nicht des Schicksals, nicht des Lebens, nicht der widrigen<br \/>\nUmstande: So, wie der Mensch attribuiert, so ist er auch. N\u00e4mlich erfolgreich,<br \/>\nwenn er bei gegebenem Anlass Erfolge internal attribuiert oder unzufrieden,<br \/>\nunterfordert und ungl\u00fccklich, wenn er hauptsachlich nur external attribuiert.<br \/>\nDaher die Eine Faustregel der Erfolgs- und Misserfolgs-Attribution<br \/>\nNein, das hei\u00dft nicht, dass wir Misserfolge external stets andern in die Schuhe<br \/>\nschieben: Bitte nicht immer so haltlos \u00fcbertreiben! Und es hei\u00dft auch nicht, dass<br \/>\nwir uns st\u00e4ndig internal mit fremden Federn schm\u00fccken. Wie jede Faustregel will<br \/>\nauch diese mit Fingerspitzengef\u00fchl angewandt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Sehen Sie und stehen Sie zu Ihrem pers\u00f6nlichen Anteil am Erfolg!<br \/>\n\u2022 Auch wenn er noch so klein und \u00bbunbedeutend\u00ab sein mag. Erfolg und Erfolgsbeteiligung<br \/>\nist niemals unbedeutend \u2013 nicht f\u00fcr Ihr Selbstwertgef\u00fchl.<br \/>\n\u2022 Denken Sie daran: Erfolg haben Sie sich verdient.<br \/>\n\u2022 G\u00f6nnen Sie sich diese Leistungslust!<br \/>\nUnd auf der anderen Seite:<br \/>\n\u2022 Verfallen Sie bei Misserfolgen nicht in Toxic Self-Blaming: \u00bbAlles wieder meine<br \/>\nSchuld! Bin einfach zu bl\u00f6d daf\u00fcr.\u00ab<br \/>\n\u2022 Vereinnahmen Sie lediglich Ihren Anteil am Fehler und lassen Sie anderen deren<br \/>\nAnteil. Erinnern Sie die Gemeinschaft an der gemeinsamen Verantwortung.<br \/>\n\u2022 Akzeptieren Sie lediglich Ihren Problemanteil \u2013 und nicht die Schuld der ganzen<br \/>\nWelt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sich der eigenen, auch kleinen Erfolge bewusst werden<br \/>\nMit Fehlattribution aufzuh\u00f6ren geht nicht so leicht, wenn man das seit 20, 30, 60<br \/>\nJahren praktiziert? Doch. Nehmen Sie zum Beispiel Ihren Werdegang. Sie sind,<br \/>\nwo Sie sind, sind vielleicht zufrieden, stolz oder im Gegenteil frustriert \u00fcber ihren<br \/>\naktuellen Bullshit-Job. Im letzteren Fall k\u00f6nnen Sie jammern, fluchen, auf Ihre<br \/>\nInkompetenz fehlattribuieren. Sie k\u00f6nnen sich aber auch bewusstwerden, was Sie<br \/>\nbis hierhin alles schon geleistet, bewerkstelligt, gelost, gelernt haben. Pl\u00f6tzlich ist<br \/>\nes nicht mehr der aktuell miese Job, sondern eine weite Karriere, die eigentlich<br \/>\nRespekt zollt.<\/p>\n<p>Was haben Sie eben gespurt? Ein klein wenig Stolz wegen des hervorragenden<br \/>\nStudiums, auch wenn dies schon ein wenig her ist? Ein wehmutiger Ruckblick auf<br \/>\nIhre Leistungen in Ihrem ersten Job? Dann attribuieren Sie richtig (Erfolgs-internal).<br \/>\nOder ging bei Ihnen das spontane Bauchgef\u00fchl eher in die Richtung: \u226bSoviel<br \/>\ngemacht, soviel probiert, und nun bin ich hier\u2026\u226a Inzwischen wissen Sie, was das<br \/>\nist. Nicht gut. Gar nicht gut. Wenn Ihre Erfolgs-externale Attribution noch Hand in<br \/>\nHand mit Ihrer Misserfolgs-internalen Attribution geht, werden Sie vielleicht selbst<br \/>\nschon gespurt haben, wie dieser Attributionsstil Sie in Leben und Beruf behindert<br \/>\nund ungl\u00fccklich macht \u2013 und sich daf\u00fcr insgeheim sch\u00e4men; was bedeutet: noch<br \/>\nmehr sch\u00e4dliche Misserfolgs-internale Attribution. H\u00f6ren Sie auf damit!<\/p>\n<p>Jetzt. Sofort. Und sagen Sie sich: \u226bStimmt eigentlich. Mein ganzer Werdegang<br \/>\nist Leistung. Ich habe vieles gut und gerne gemacht, klar, nicht alles, aber doch<br \/>\neiniges!\u226a Und das wird sich immer besser anf\u00fchlen, je \u00f6fter Sie korrekte, leistungsgerechte, selbstwertforderliche und gl\u00fccksinduzierende Attribution lernen,<br \/>\nneu lernen, wieder lernen und sich jeden Tag die n\u00f6tige, notwendige und selbstwerterhaltende bis selbstwertforderliche Dosis g\u00f6nnen. Als Kinder konnten wir das noch alle. Der Kl\u00f6tzchenturm steht? Freude! Er fallt? Dito Freude! Weil wir beides<br \/>\nmit eigener H\u00e4nde Leistung schafften. Wir sollten diese zutiefst menschliche Leistungslust nicht untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Denn wer nicht Erfolgs-internal denkt, attribuiert sich direkt in die latente bis<br \/>\ngaloppierende Depression, Lebenskrise und resignative Berufsunzufriedenheit. So<br \/>\nschlimm das ist: Es kommt noch schlimmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Anstrengungs-Leistungs-Disconnect<\/strong><\/p>\n<p>Was passiert schlimmstenfalls, wenn ein Mensch seinen Erfolg anderen in die Schuhe<br \/>\nschiebt und jeden Misserfolg auf die eigene Kappe nimmt? Er durchtrennt praktisch<br \/>\nmit dem ersten Tag, der ersten Fehlattribution die geradezu naturgesetzlich<br \/>\nvorgegebene Verbindung zwischen eigener Anstrengung und verdienter Leistung.<br \/>\nEr strengt sich an, bringt Leistung und erzielt Erfolg \u2013 zu dem er nicht steht?<br \/>\n\u226bIhre Verbindung wurde leider unterbrochen!\u226a Er tut nichts, macht nichts, bringt<br \/>\nkeine Leistung und macht sich trotzdem f\u00fcr sich einstellenden Misserfolg verantwortlich?\u00a0Dito Leistungsunterbrechung.<\/p>\n<p>Auf Dauer zerst\u00f6rt das den Selbstwert jedes Nobelpreistr\u00e4gers und Olympiasiegers.<br \/>\nDas fuhrt in die chronifizierte Opferhaltung der erlernten Hilflosigkeit,<br \/>\nbei der sich die Misserfolge h\u00e4ufen, weil man sie quasi selbst produziert, indem<br \/>\nman falsch attribuiert. Weil man denkt, man sei Spielball des Schicksals, dunkler<br \/>\nMachte, sadistischer F\u00fchrungskr\u00e4fte, nerviger Ellenbogen-Kollegen, fieser Lehrer<br \/>\noder verst\u00e4ndnisloser Beziehungspartner. Aus dieser Opferhaltung kommen Spruche,<br \/>\nBucher und Filme a la \u226bDas Schicksal ist ein mieser Verr\u00e4ter\u226a. Das ist der Titel<br \/>\neines sehr popul\u00e4ren Films, aber auch einer noch viel popul\u00e4reren Fehlattribution:<br \/>\nDas Schicksal diktiert mein Leben, nicht ich, ich (armes altes krankes etc.) Opfer.<\/p>\n<p>Fallt Ihnen etwas auf? Stichwort Verschw\u00f6rungstheorien. Nota bene: Viele arme<br \/>\nalte kranke Menschen sind arm, alt und krank \u2013 und haben trotzdem beide H\u00e4nde<br \/>\nam Steuerrad ihres Lebens. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, wie<br \/>\nauch Viktor Frankl, der Begr\u00fcnder der Logotherapie wusste: \u226bZwischen Reiz und<br \/>\nReaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer<br \/>\nReaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.\u226a26<br \/>\nWer dagegen glaubt, dass ihm das Schicksal (wer oder was auch immer das sein<br \/>\nmag) keine Wahl lasst, erfahrt auch keine, weil er keine aus\u00fcbt. Aber das ist jetzt<br \/>\nfast schon philosophisch. Kehren wir lieber zur\u00fcck auf die Ebene des konkreten<br \/>\nLernens von Leistungslust.<\/p>\n<p><strong>Wie gute F\u00fchrung bei Erfolgsattribution unterst\u00fctzt<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht kam Ihnen auch schon der Gedanke: Die Parallelen zwischen Attribution<br \/>\nund F\u00fchrungskompetenz sind frappierend. Wir alle kennen Vorgesetzte (Eltern,<br \/>\nLehrer, Ausbilder, Trainer \u2026), die uns jede Fehlentwicklung (des Marktes, von Lieferanten, Gesch\u00e4ftspartnern, Umstanden, Wetter, h\u00f6here Gewalt \u2026) pseudo-internal<br \/>\nattribuierend in die Schuhe schieben, wahrend sie unsere Erfolge ignorieren, external<br \/>\nattribuieren (\u226bSie hatten doch blos Gluck!\u226a) oder gar f\u00fcr sich vereinnahmen.<br \/>\nLeaders from hell. Toxic Leaders.<\/p>\n<p>Es gibt leider nicht viele F\u00fchrungskr\u00e4fte in Wirtschaft, Familie, Politik und<br \/>\nGesellschaft, die wertsch\u00e4tzend und konstruktiv attribuieren (k\u00f6nnen und wollen).<br \/>\nSteile These? Dann verraten Sie mir doch mal, wann Sie das letzte Mal von einer<br \/>\nF\u00fchrungskraft im Misserfolgsfall Satze geh\u00f6rt haben wie:<br \/>\n\u2022 \u00bbDas ging daneben \u2013 kein Ding, wir machen das Beste draus!\u00ab<br \/>\n\u2022 \u00bbMund abputzen, weitermachen, einfach mehr anstrengen, dann packen wir (!) das<br \/>\nauch!\u00ab<br \/>\n\u2022 \u00bbWenigstens haben wir (!) was daraus gelernt und machen es das n\u00e4chste Mal<br \/>\nbesser.\u00ab<br \/>\n\u2022 \u00bbWegstecken und beim n\u00e4chsten Mal: besseres Konzept, mehr Budget, bessere<br \/>\nVernetzung \u2013 damit schaffen wir\u2019s (!) dann!\u00ab<br \/>\nUnd jetzt die peinlichere Frage: Wann haben Sie das letzte Mal solche oder \u00e4hnliche<br \/>\nSatze gesagt? Zu Ihren Kolleginnen und Kollegen, in Ihrer Familie, beim Hobby,<br \/>\nbeim Sport, im Verein?<\/p>\n<p>Wir leben in Krisenzeiten. St\u00e4ndig wird uns das von Medien und Politik gepredigt.<br \/>\nZum Beispiel: Die Rezession droht! Sagen alle. Denken alle: Opferdenke.<br \/>\nWirklich selten hort man jemanden sagen: \u226bOkay, der Markt ist schwach \u2013 daf\u00fcr<br \/>\nhauen wir umso starker rein!\u226a Das ist Motivation, das ist eine Erfolgsstrategie.<br \/>\nWeil solche Satze auf die internale Attribution von Erfolgen referieren. Und nur<br \/>\ndie internale Attribution von Erfolgen fuhrt zu Leistung: Ich kann\u2019s, also mache<br \/>\nich\u2019s. Das ist das Geheimnis von Erfolg, oder wie die Amerikaner sagen: It works,<br \/>\nif you work it. Der einzige Garant f\u00fcr Erfolg: eigene Anstrengung. Man kann diese<br \/>\nGarantie eigentlich nicht \u00fcbersch\u00e4tzen \u2013 aber \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p><strong>Flogging a Dead Horse \u2013 Attribution hat Grenzen<\/strong><\/p>\n<p>Wer Erfolg internal attribuiert und sich daher voll engagiert f\u00fcr das, was man tut,<br \/>\nerntet unweigerlich psychologische Erf\u00fcllung, und nicht selten auch Erfolg. Mit<br \/>\neiner Ausnahme: klinisch tote Projekte. Sich f\u00fcr diese zu engagieren, ist Zeitverschwendung.<br \/>\nTrotzdem tun wir\u2019s (zu) oft. Weil wir emotional zu sehr daran hangen.<br \/>\nWir k\u00f6nnen nicht loslassen. Sollten wir aber.<br \/>\nWeil selbst mit gr\u00f6\u00dfter Anstrengung nichts mehr zu holen ist. Dass Erfolg<br \/>\nhauptsachlich ein Produkt unserer Anstrengung ist, sollte uns nicht zum<br \/>\nJimmy-Cliff-\u00dcbergeneralisierungsschluss verleiten: You can get it if you really want<br \/>\nit! Nein, kannst du nicht. Nicht immer, nicht in jedem Fall.<br \/>\nNicht alles im Leben ist Resultat eigener Skills, Kompetenz, Leistung und<br \/>\nAnstrengung. Es gibt auch Zu- und Unfalle, Gluck, Pech, h\u00f6here Gewalt und fiese<br \/>\nKonkurrenten, die mit \u00fcblen Tricks spielen. Pessimisten missbrauchen dieses Naturgesetz zur Fehlfolgerung: \u226bSag ich schon immer: Es lohnt nicht, sich zu engagieren!<\/p>\n<p>\u226a Typisch Misserfolgsmotivation. Wer sich nicht engagiert, blamiert sich auch<br \/>\nnicht \u2013 denkt der Misserfolgsmotivierte. Doch in einer erfolgsmotivierten Kultur tut<br \/>\ner das gerade durch seine Leistungsverweigerung (gut, dass wir keine Erfolgskultur<br \/>\nhaben). Erfolgsmotivierte Menschen kommen zu einer anderen Schlussfolgerung.<br \/>\nSie denken und sagen: \u226bIch weis, dass es Projektkiller und Shop Stopper gibt.<br \/>\nDoch den Kill Point, den Point of no Return, an dem ich das Projekt aufgebe \u2013 den<br \/>\nbestimme allein ich!\u226a So sieht Selbstbestimmung, Leistungsethos und Erfolgsmotivation im Angesicht von un\u00fcberwindlichen Hindernissen aus. So f\u00fchlt sich das an. Stark, weil selbstwirksam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Ingo Hamm: &#8222;Wie wir Arbeit (wieder) lieben lernen: Lust auf Leistung&#8220; &nbsp; LEISTUNGSLUST DURCH SUCHE NACH ERFOLGEN STATT VERMEIDEN VON MISSERFOLGEN \u00bbI never dreamed of success. 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