{"id":684276,"date":"2024-04-29T12:00:15","date_gmt":"2024-04-29T10:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=684276"},"modified":"2024-04-29T17:31:49","modified_gmt":"2024-04-29T15:31:49","slug":"eine-falafel-bowl-mit-kartellrechtsanwalt-kaan-guerer-von-linklaters-der-bei-mandanten-auch-schon-mal-moebel-ruecken-muss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2024\/04\/29\/eine-falafel-bowl-mit-kartellrechtsanwalt-kaan-guerer-von-linklaters-der-bei-mandanten-auch-schon-mal-moebel-ruecken-muss\/","title":{"rendered":"Eine Falafel-Bowl mit Kartellrechtsanwalt Kaan G\u00fcrer von Linklaters, der bei Mandanten auch schon mal M\u00f6bel r\u00fccken muss"},"content":{"rendered":"<h1><\/h1>\n<h1>Eine Bowl mit Kartellrechtler Kaan G\u00fcrer von Linklaters<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass sich Kaan G\u00fcrer von einem LKA-Beamten bei einer Kartelldurchsuchung in einem Unternehmen\u00a0 absch\u00fctteln lie\u00df, das sei ihm nur einmal passiert. Ganz am Anfang seiner Anwaltskarriere, bei seiner ersten Razzia, erz\u00e4hlt der Anwalt von Linklaters. . Von jetzt auf gleich kam damals der Anruf in die Kanzlei, dass das Bundeskartellamt bei einem Mandanten mit f\u00fcnf Vans mit Bonner Autokennzeichen anger\u00fcckt war und die LKA-Beamten die B\u00fcror\u00e4ume bereits durchsuchten. In dem Moment wird jeder Kartellrechtsanwalt gebraucht, um dorthin zu eilen, und zwar schnell. Schlie\u00dflich sorgt so ein Polizeieinsatz mit den LKA-Beamten, die gerne ihre Halfter mit Pistolen aufblitzen lassen, f\u00fcr helle Aufregung in den Unternehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_684278\" style=\"width: 466px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-684278\" class=\"size-full wp-image-684278\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/04\/gueran.kaan_.linklaters.1-e1714178477976.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/04\/gueran.kaan_.linklaters.1-e1714178477976.jpg 456w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/04\/gueran.kaan_.linklaters.1-e1714178477976-281x300.jpg 281w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><p id=\"caption-attachment-684278\" class=\"wp-caption-text\">Kaan G\u00fcrer (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bluffen und absch\u00fctteln<\/strong><\/p>\n<p>Der Beamte, auf den G\u00fcrer acht geben sollte, sagte nach einiger Zeit, er m\u00fcsse zum WC. Doch zur\u00fcck kam er daher nicht mehr. Er hatte G\u00fcrer geblufft. Einfach abgesch\u00fcttelt. Das war genau das, was einem Shadower nicht passieren darf. So werden die Anw\u00e4lte der Unternehmen genannt, die sich w\u00e4hrend einer Razzia an die durchsuchenden Beamten tackern m\u00fcssen. Je Anwalt ein Beamter und auf den muss er aufpassen. Wonach der sucht. Was er sagt, wenn er mit seinen Kollegen telefoniert? Was er abfotografiert, undsoweiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufpassen reicht nicht. Was der Shadower erf\u00e4hrt, muss er obendrein versuchen, den anderen Anw\u00e4lten vor Ort mitzuteilen. Denn typischerweise wissen die Juristen in diesem Moment nicht, was die Beamten in der Hinterhand haben. Aus anderen Razzien etwa oder von Whistleblowern. Jede Erkenntnis hilft weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Atem des Anwalts im Nacken sp\u00fcren<\/strong><\/p>\n<p>Er hatte damals noch Hemmungen, erinnert sich der K\u00f6lner. Er h\u00e4tte eigentlich den Beamten zum WC begleiten m\u00fcssen und sich davor postieren. Das braucht auch nicht mal unauff\u00e4llig geschehen. Im Gegenteil, der Beamte &#8222;soll den Amten des Anwalts im Nacken sp\u00fcren&#8220;.\u00a0 Hemmungen darf ein Wirtschaftsanwalt dann nicht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Falsche F\u00e4hrten legen<\/strong><\/p>\n<p>G\u00fcrer musste auch lernen, dass die LKA-Beamten bei der Durchsuchung f\u00fcr die Anw\u00e4lte falsche F\u00e4hrten legen. Wenn sie miteinander sprechen und zum Beispiel laut genug erw\u00e4hnen, dass als n\u00e4chstes die B\u00fcros der Firma in Essen durchsucht werden sollten &#8211; tats\u00e4chlich aber weiter in deren B\u00fcros nach K\u00f6ln fahren. Erst 45 Minuten sp\u00e4ter kamen die Anw\u00e4lte deshalb dort an. Es ist immer ein Katz-und-Maus-Spiel, erz\u00e4hlt G\u00fcrer.<\/p>\n<p><strong>Irref\u00fchren d\u00fcrfen die Beamten, nicht aber Anw\u00e4lte<\/strong><\/p>\n<p>Doch klar ist: St\u00f6ren d\u00fcrfen Anw\u00e4lte so eine Durchsuchung nicht. Und auch nicht die Beamten irref\u00fchren und sie zum Beispiel in den Keller statt in die Vorstandsr\u00e4ume zu schicken. So wie die Mitarbeiter, die den Beamten ihre Passworte herausr\u00fccken m\u00fcssen. G\u00fcrer selbst habe es noch nicht erlebt, aber bei manchen Razzien schreddern Mitarbeiter noch w\u00e4hrenddessen Akten und vernichten Beweise, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die Frage, ob man sp\u00e4ter vielleicht die Durchsuchung mit juristischen Mitteln\u00a0 angreift, geh\u00f6rt zur Taktik und will vorbereitet sein. Vielleicht will der Mandant sich ja sp\u00e4ter doch noch mit dem Kartellamt einigen und eine Reduzierung des Bu\u00dfgelds aushandeln? Dann d\u00fcrfen die Anw\u00e4lte es sich nicht gleich verderben mit den Beamten. Und genau damit spielen die Beamten auch, sagt G\u00fcrer. Weil sie es wissen.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch die Durchsuchungsbeamten, die ihre Grenzen \u00fcbertreten, wissentlich. Eigentlich d\u00fcrfen sie nur Sachfragen stellen, wo welche Unterlagen aufbewahrt werden beispielsweise. Aber sie d\u00fcrfen kein Schuldeingest\u00e4ndnis provozieren. Tats\u00e4chlich stellen sie den Mitarbeitern der Firma dann aber Fangfragen wie &#8222;Wo finden ich den Ordner mit der XY-Vereinbarung? Und versuchen so, sie reinzulegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Anw\u00e4lte abends die M\u00f6bel r\u00fccken<\/strong><\/p>\n<p>Wenn eine Durchsuchung ein und desselben Standorts mehrere Tage dauert, versiegeln die Beamten nachts die R\u00e4ume. Als dieses Siegel beim Konzern Eon vor vielen Jahren mal zerbrochen wurde, musste das Unternehmend daf\u00fcr 38 Millionen Euro Strafe zahlen, erz\u00e4hlt Kartellrechtler G\u00fcrer. Damit das nicht passieren kann, filmen sich die Linklaters-Anw\u00e4lte gegenseitig, wie sie Tische vor versiegelte R\u00e4ume schieben und das Ganze mit einem eigenen Linklaters-Siegel zupappen. Manchmal werde auch noch ein Wachmann engagiert, der die Nacht davor verbringe, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Diskretion ist h\u00f6chstes Gebot<\/strong><\/p>\n<p>Und noch etwas m\u00fcssen die Anw\u00e4lte sicherstellen: Sie m\u00fcssen den Mitarbeitern des Unternehmens einsch\u00e4rfen, dass sie auf gar keinen Fall jetzt die Wettbewerber anrufen. Ihnen von der Razzia erz\u00e4hlen und sie warnen. Die Devise: Nichts von den Durchsuchungsgeschehnissen darf nach au\u00dfen dringen. Denn andernfalls kann der eigene Mandant vielleicht nicht mehr der Hauptkronzeuge werden, der ganz straffrei ausgeht, wenn ein anderer Kartellbeteiligter schneller ist &#8211; und als erster dem Bundeskartellamt anzeigt, dass er kooperieren will. Das kann die Firma dreistellige Millionenbetr\u00e4ge kosten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_684277\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-684277\" class=\"size-full wp-image-684277\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/04\/gueran.kaan_.2.bowl_.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/04\/gueran.kaan_.2.bowl_.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/04\/gueran.kaan_.2.bowl_-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><p id=\"caption-attachment-684277\" class=\"wp-caption-text\">Falafel-Bowl (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Bowl mit Kartellrechtler Kaan G\u00fcrer von Linklaters &nbsp; Dass sich Kaan G\u00fcrer von einem LKA-Beamten bei einer Kartelldurchsuchung in einem Unternehmen\u00a0 absch\u00fctteln lie\u00df, das sei ihm nur einmal passiert. 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