{"id":684273,"date":"2025-01-18T02:12:14","date_gmt":"2025-01-18T01:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=684273"},"modified":"2025-01-18T02:16:31","modified_gmt":"2025-01-18T01:16:31","slug":"wiwo-de-rubrik-management-moment-der-woche-anne-brorhilkers-ruecktritt-ein-lehrstueck-fuer-manager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2025\/01\/18\/wiwo-de-rubrik-management-moment-der-woche-anne-brorhilkers-ruecktritt-ein-lehrstueck-fuer-manager\/","title":{"rendered":"wiwo.de-Rubrik &#8222;Management-Moment der Woche&#8220;: Anne Brorhilkers R\u00fccktritt, ein Lehrst\u00fcck f\u00fcr Manager"},"content":{"rendered":"<h1>Brorhilkers R\u00fccktritt: So gelingt Managern der Wechsel, wenn ihr Unternehmen sie entmachtet<\/h1>\n<p>(zuerst erschienen am 26.4.24)<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Der Management-Moment der Woche und was sich aus ihm lernen l\u00e4sst: Die Cum-Ex-Chefermittlerin Anne Brorhilker h\u00e4ngt ihren Beamtenjob an den Nagel trotz Verlust ihrer guten Pension. Wie es Manager besser anstellen k\u00f6nnen (218 Zeichen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Das ist passiert<\/h1>\n<p>In der vergangenen Woche hat die prominenteste Staatsanw\u00e4ltin Deutschlands, Anne Brorhilker, um ihre Entlassung aus dem Beamtenverh\u00e4ltnis gebeten. Die K\u00f6lnerin verfolgte seit elf Jahren die Betr\u00fcger der komplizierten Cum-Ex des gr\u00f6\u00dften Steuerskandals der Bundesrepublik. Nach vier Jahren wurde nach vier Jahren 2017 zur Abteilungsleiterin bef\u00f6rdert und machte sich einen Namen, weil sie nicht locker lie\u00df, bis sie die hochkomplizierten Konstrukte verstand. Kaum war eins erkannt, hatten die Betr\u00fcger schon das n\u00e4chste undurchsichtige Modell ersonnen. Es war ein Hase- und Igel-Spiel, sie leitete rund 120 Ermittlungsverfahren gegen 1700 Beschuldigte ein. Doch was fehlte, war die Unterst\u00fctzung aus der Politik, die sie so dringend brauchte, um die Betr\u00fcgereien erfolgreich zu bek\u00e4mpfen. Im Gegenteil, sie musste sich vom Bundeskanzler angebliche Ged\u00e4chtnisl\u00fccken gefallen lassen statt Unterst\u00fctzung zu bekommen.<\/p>\n<p>Nun verk\u00fcndete Brorhilker diese Woche, dass sie nicht mehr weitermacht, jedenfalls nicht an dieser Stelle und bat um ihre Entlassung aus dem Beamtenverh\u00e4ltnis &#8211; obwohl sie damit auf ihre gute Pension verzichtet. Und sie erkl\u00e4rte sich \u00f6ffentlich, immer wieder fielen die Worte ihrer Erkenntnis, dass man die Gro\u00dfen laufen lie\u00dfe und die Kleinen h\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Der Schritt war f\u00fcr viele eine \u00dcberraschung. Doch sieht man genauer hin, doch wieder nicht. Denn der Blick in die j\u00fcngere Vergangenheit zeigt: Vor rund sechs Monaten NRW-Justizminister Benjamin Limbach von den Gr\u00fcnen wollte im Oktober vergangenen Jahres, vor rund sechs Monaten, seine engagierte Oberstaatsanw\u00e4ltin entmachten. Er wollte ihr Team, halbieren und neben ihr einen weiteren Cum-Ex-Verfolger installieren. Nur weil diese Pl\u00e4ne \u00f6ffentlich wurden und in Medien wie dem \u201eHandelsblatt\u201c zu Emp\u00f6rung f\u00fchrten, blieben sie am Ende auf diesen externen Druck in der Schublade.<br \/>\nKlar war mit dieser Blo\u00dfstellung: sie hatte in den eigenen Reihen, jedenfalls bei ihren Vorgesetzten keinen R\u00fcckhalt mehr, sie genoss nicht mehr ihr Vertrauen. F\u00fcr jeden Manager eine Katastrophe, nicht nur f\u00fcr eine Oberstaatsanw\u00e4ltin. So kann man kaum erfolgreich weiter arbeiten.<br \/>\nWeil\u00b4s dann sowieso nicht mehr drauf ankam, den Schein nach au\u00dfen noch wahren zu wollen nach dieser \u00f6ffentlichen Erniedrigung nutzte sie die B\u00fchne, die sie bekam und benannte die Gr\u00fcnde ihres Abschieds hat Brorhilker klar. Dass sie unzufrieden war mit den M\u00f6glichkeiten zur Aufkl\u00e4rung des Cum-Ex-Skandals und mangelnder R\u00fcckhalt aus der Politik. Dass ihr Fazit nach elf Jahren im Systems ist: Die Kleinen h\u00e4ngt man, die Gro\u00dfen l\u00e4sst man laufen. Die Justiz sei schwach aufgestellt, die Gegenseite aber sehr gut, mit viel Geld und guten Kontakten &#8211; eben in Politik und zu politischen Beamten in der Hierarchie \u00fcber ihr.<\/p>\n<p>Wohin sie wechselt? Zu einem NGO mit 25 Mitarbeitern, der B\u00fcrgerbewegung Finanzwende mit dem Ex- Gr\u00fcnen-Finanzexperten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/deutschland\/finanzskandal-buergerbewegung-fordert-mehr-ermittler-im-fall-cum-ex\/26164546.html\">Gerhard Schick<\/a>\u00a0an der Spitze, der sich selbst als Politiker auf der anderen Seite schon fr\u00fcher jahrelang die Z\u00e4hne im Kampf gegen die Cum-Ex-T\u00e4ter ausgebissen hatte. Bei ihm bewarb sich Brorhilker also nach ihrer Blo\u00dfstellung und der nimmt ein fachkundiges Schwergewicht wie sie gerne: sie wird Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin neben ihm.<\/p>\n<h1>Das k\u00f6nnen Sie daraus lernen<\/h1>\n<h1>1. Die Witterung der Vorgesetzten aufnehmen<\/h1>\n<p>Richten sich die eigenen Vorgesetzten gegen eine ihrer F\u00fchrungskr\u00e4fte, entziehen ihnen \u00f6ffentlich das Vertrauen, indem sie ihre Kompetenzen beschneiden und und Leute wegnehmen, passiert das nicht aus heiteren Himmel. So etwas deutet sich l\u00e4nger vorher an und \u00fcberraschend, sagt Topmanager-Coach Hanns-Ferdinand M\u00fcller, der auch selbst zuvor schon als CEO und Unternehmensberater Karriere gemacht hat. Er r\u00e4t F\u00fchrungskr\u00e4ften, nah dran zu bleiben an den Entscheidern \u00fcber ihnen, um mitzubekommen, wenn sich der Wind im Unternehmen dreht. \u201eSie sollten gut zuh\u00f6ren, auf Zwischent\u00f6ne achten und einen Sensor entwickeln, um fr\u00fch zu bemerken, wenn sich die strategische Gefechtslage \u00e4ndert\u201c, sagt der K\u00f6lner. Das gelte auch nicht nur f\u00fcr den eigenen direkten Vorgesetzten, sondern auch de Manager derselben Ebene und auch den Entscheider \u00fcber ihm, eine Umfeldanalyse also.<\/p>\n<div id=\"attachment_678445\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-678445\" class=\"size-thumbnail wp-image-678445\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/Foris.Mueller.2021._IMG_20211005_1326314-e1638311568658-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-678445\" class=\"wp-caption-text\">Hanns-Ferdinand M\u00fcller, Foris (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>Erstes Anzeichen daf\u00fcr sei, dass die \u201eKommunikation verschwurbelt wird\u201c, die Leute eher um den hei\u00dfen Brei herumreden statt den anstehenden Strategiewechsel auszusprechen. \u201eMan muss es sp\u00fcren, wenn der Chef pl\u00f6tzlich etwas Neues will, bevor es es ank\u00fcndigt, man muss gut beobachten und vor allem R\u00fcckfragen stellen\u201c, r\u00e4t M\u00fcller.<\/p>\n<p>Brorhilker h\u00e4tte erkennen m\u00fcssen, meint er, dass ein Ermittlungsverfahren mit hochgestellten Bankern, Politikern und insbesondere einem Bundeskanzler sofort viel schwieriger wird als in einem normalen juristischen Verfahren. Dass pl\u00f6tzlich kein Interesse mehr daran bestehe, die Wahrheit herauszubekommen. Wom\u00f6glich hat die konsequente Staatsanw\u00e4ltin nicht erwartet, dass sich dadurch etwas \u00e4ndert, gibt M\u00fcller zu bedenken. Vielleicht wollte sie nicht glauben, dass es auch in ihrem Ermittlungsverfahren unsachlich zugehen k\u00f6nne. Denn auch in Unternehmen gibt es nicht nur Sachebenen, sondern es gehe dort wie \u00fcberall auch emotional zu. Vielleicht wollte Brorhilker genau das nicht akzeptieren, dass das Emotionale eben doch eine gro\u00dfe Rolle spiele. Ob man gemocht wird oder jemand anderen nervt, wenn man &#8211; zumal als Jurist &#8211; glaubt, allein die Sachebene entscheide, so Coach M\u00fcller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>2. Taktisch k\u00fcndigen und auf die Suche gehen<\/h1>\n<div id=\"attachment_679815\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-679815\" class=\"size-thumbnail wp-image-679815\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/05\/frahmauto-e1725406914776-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/05\/frahmauto-e1725406914776-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/05\/frahmauto-e1725406914776-298x300.jpg 298w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/05\/frahmauto-e1725406914776.jpg 487w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><p id=\"caption-attachment-679815\" class=\"wp-caption-text\">Sebastian Frahm (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>Manager, denen Zust\u00e4ndigkeiten und Mitarbeiter weggenommen werden, m\u00fcssen das als eindeutiges Zeichen ihrer Kaltstellung bewerten, denn das ist ist das Gegenteil von Wertsch\u00e4tzung und Vertrauen, ordnet Arbeitsrechtler Sebastian Frahm von der Kanzlei Frahm Kuckuk ein. Insbesondere wenn es vor den Augen der ganzen Belegschaft geschieht. Denn es bedeutet: Er hat die R\u00fcckendeckung der Hierarchie verloren. Die braucht man aber, um den Job \u00fcberhaupt machen zu k\u00f6nnen und nicht mit einem stumpfen Schwert dazustehen, sagt der Stuttgarter.<\/p>\n<p>Dann sollte man seine Konsequenzen auch ziehen, r\u00e4t Frahm. Brorhilker konnte als Beamtin auf Lebenszeit in ihrer Lage nicht darauf abzielen, noch eine Abfindung beim Ausscheiden auszuhandeln &#8211; anders als Manager. Der Rat des Arbeitsrechtlers f\u00fcr diese scheinbar aussichtslose Position ist eindeutig: Der Manager solle selbst k\u00fcndigen, aber mit einer sehr langen K\u00fcndigungfrist, zwei Jahre zum Beispiel. Denn diese kann man frei w\u00e4hlen. \u201eEr zeigt damit, dass mit ihm in der Zeit auch nicht mehr zu rechnen ist\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>3. Den Exit geschickt verhandeln<\/h1>\n<p>Dahinter steckt die Hoffnung, dass der Manager nunmehr freigestellt wird von seinem Arbeitgeber. Dann kann er im n\u00e4chsten Schachzug in Abfindungsverhandlungen eintreten mit dem Ziel, m\u00f6glichst zwei Jahresgeh\u00e4lter zu bekommen, sagt Anwalt Frahm. Der Rechtsanwalt eines so gedem\u00fctigten und freigestellten Managers hat dann gute Argumente gegen\u00fcber dem Unternehmen: Zum Beispiel, dass das Unternehmen selbst die Ursache gesetzt hat und sein Mandant sich nichts habe zuschulden kommen lassen.<\/p>\n<p>Frahms Rat ist: Sobald die Karten auf dem Tisch liegen und die Freistellung des Managers erfolgt ist, kann er sich auf allen Kan\u00e4len \u00fcberall bewerben. Ab dem Moment k\u00f6nne er tun und lassen, was er will. Vorher sollte er sich lieber nur auf \u201ekleiner Flamme\u201c bei Unternehmen bewerben, seine Netzwerke in Anspruch nehmen oder Headhunter ansprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lesen Sie auch hier:<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/deutschland\/finanzskandal-buergerbewegung-fordert-mehr-ermittler-im-fall-cum-ex\/26164546.html\">https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/deutschland\/finanzskandal-buergerbewegung-fordert-mehr-ermittler-im-fall-cum-ex\/26164546.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. 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