{"id":683790,"date":"2024-01-24T11:55:53","date_gmt":"2024-01-24T10:55:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=683790"},"modified":"2024-01-24T11:55:53","modified_gmt":"2024-01-24T10:55:53","slug":"buchauszug-florian-schwinn-die-klima-kuh-von-der-umweltsuenderin-zur-weltenretterin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2024\/01\/24\/buchauszug-florian-schwinn-die-klima-kuh-von-der-umweltsuenderin-zur-weltenretterin\/","title":{"rendered":"Buchauszug Florian Schwinn: \u201eDie Klima-Kuh. Von der Umwelts\u00fcnderin zur Weltenretterin\u201c"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Buchauszug Florian Schwinn: \u201eDie Klima-Kuh. Von der Umwelts\u00fcnderin zur Weltenretterin\u201c<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Die Kuh ist ein Klimakiller, weil sie das hochwirksame Treibhausgas Methan ausst\u00f6\u00dft. Bei der Produktion eines Kilos Rindfleisch werden 15.000 Liter Wasser verbraucht. \u201eWirklich? Ist das so?\u201c, fragt der Journalist Florian Schwinn und unternimmt mit seinem Buch \u201eDie Klima-Kuh\u201c den Versuch der Ehrenrettung unseres wichtigsten Nutztieres. Denn es gibt viele Narrative \u00fcber die Landwirtschaft, die schlicht falsch sind, oder die gerne mal falsch verstanden werden.\u00a0Das bisweilen auch absichtlich: Gezieltes Missverstehen ist eine Form der politischen Auseinandersetzung. Entsprechend schwer sind solche Erz\u00e4hlungen als M\u00e4rchen zu entlarven oder gar aus der Welt zu schaffen. Aber es geht auch andersherum: Wir k\u00f6nnen mit K\u00fchen die Klimakrise aufhalten, die Biodiversit\u00e4t wiederherstellen, die Kulturlandschaft retten und den Naturschutz st\u00e4rken. Nebenbei lichten wir die W\u00e4lder auf und schaffen neue, vernetzte Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Wildpflanzen und Wildtiere und Erholungsgebiete f\u00fcr gestresste St\u00e4dter. So wie die Kuh der Nukleus unserer ganzen Kultur ist, weil wir unsere Zivilisation auf dem R\u00fccken der Rinder aufgebaut haben, so kann die \u201eKuhwende\u201c der Nukleus einer umfassenden Agrarwende werden. Mit der sichern wir unsere Zukunft \u2013 die Landwirtschaft.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_683793\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-683793\" class=\"size-full wp-image-683793\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/01\/schwinn.Florian-Schwinn-Sebastian-Reimold.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/01\/schwinn.Florian-Schwinn-Sebastian-Reimold.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/01\/schwinn.Florian-Schwinn-Sebastian-Reimold-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/01\/schwinn.Florian-Schwinn-Sebastian-Reimold-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-683793\" class=\"wp-caption-text\">Florian Schwinn (Foto PR\/Sebastian Reimold)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Kuh-Klima-L\u00fcge<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbEin Narrativ\u00ab, sagt Wikipedia, sei \u00bbeine sinnstiftende Erz\u00e4hlung, die Einfluss auf die Art hat, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen, ist in der Regel auf einen Nationalstaat oder ein bestimmtes Kulturareal bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erz\u00e4hlungen, die mit einer Legitimit\u00e4t versehen sind.\u00ab<\/p>\n<p>Hier geht es um ein solches Narrativ. Allerdings um eines, das eher Unsinn stiftet und eher keine Legitimit\u00e4t besitzt. Ganz so wie das, was der hessische Biobauer Dieter Euler mir einmal gesagt hat und was ich hier noch einmal zitiere: \u00bbNeunzig Prozent der sogenannten Narrative \u00fcber die Landwirtschaft stimmen nicht, oder sie stimmen so nicht. Der Fakt als solcher stimmt, aber die Schl\u00fcsse, die daraus gezogen werden, sind falsch oder unsinnig.\u00ab<\/p>\n<p>Der Fakt w\u00e4re in unserem Fall, dass Wiederk\u00e4uer das Treib\u00adhausgas Methan aussto\u00dfen. Das produzieren die Mikroorganismen in ihrem Verdauungstrakt, wenn sie dabei helfen, den schwer verdaulichen Zellstoffbrei zu zersetzen. Fakt ist auch, dass Methan um ein Vielfaches klimawirksamer ist als Kohlendioxid. Um wie viel mehr genau, das ist allerdings schon wieder strittig, zumindest gibt es dazu unterschiedliche Angaben. Und was das bedeutet, ist auch nicht ganz klar, denn Methan zerf\u00e4llt schnell und ist also rasch wieder weg aus der Atmosph\u00e4re. Wenn es deshalb nur kurze Zeit klimawirksamer als Kohlendioxid ist, was besagt dann die h\u00f6here Klimawirksamkeit \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Wegen des Methanaussto\u00dfes die Wiederk\u00e4uer generell und die Rindviecher insbesondere zu Klimas\u00fcndern oder gar Klimakillern zu stilisieren, ist jedenfalls einer jener falschen und unsinnigen Schl\u00fcsse, die aus den Fakten gezogen werden. Warum das so ist, wird im Folgenden hoffentlich ausreichend erkl\u00e4rt. Wer hier weiterliest, wird wom\u00f6glich am Ende einer liebgewonnenen Erz\u00e4hlung beraubt sein\u00a0\u2013 was nat\u00fcrlich nicht bedeutet, dass diese aus der Welt geschafft w\u00e4re.<\/p>\n<p>Denn das zugeh\u00f6rige Narrativ ist nun einmal in die mediale Welt gesetzt und aus ihr wahrscheinlich auch nie wieder zu entfernen. Selbst wenn es sich bei genauerem Hinschauen wissenschaftlich nicht halten l\u00e4sst. Dass solche Narrative ein hohes Beharrungsverm\u00f6gen haben, liegt daran, dass sie plausibel klingen und auch deshalb immer wiederholt werden. Durch hohe Penetranz erlangen sie schlie\u00dflich den Status des Allgemeinwissens. Und dann werden sie, wie eine Sage in fr\u00fcheren Zeiten, von Mund zu Mund weitergegeben.<\/p>\n<p>Es gibt eine eigene Forschungsrichtung, die sich mit solchen \u00dcberlieferungen besch\u00e4ftigt. Der Volkskundler Rolf Wilhelm Brednich geh\u00f6rt zu den Wissenschaftlern, die den Begriff der \u00bbModernen Sage\u00ab eingef\u00fchrt haben. In den 1990er-Jahren legte er mehrere Sammlungen moderner Mythen vor, die im letzten Jahrzehnt ohne Internet dennoch um die Welt gegangen sind. So die Erz\u00e4hlung von der giftigen \u00bbSpinne in der Yuccapalme\u00ab, die dann auch Titelgeschichte eines seiner B\u00fccher wurde.3 Rolf Wilhelm Brednich versuchte bei den modernen Sagen nachzuvollziehen, wie sie jeweils entstanden waren, wo sie zuerst erz\u00e4hlt wurden, welche Funktion sie hatten und wem sie vielleicht n\u00fctzten.<\/p>\n<p>Cui bono? Das w\u00e4re auch die Frage beim Mythos vom Klimakiller Kuh. Die Tier\u00e4rztin Anita Idel, Lead-Autorin des Weltagrarberichts,4 hat schon ihre Dissertation zur Rinderhaltung geschrieben und 2010 mit ihrem Buch Die Kuh ist kein Klima-Killer! die Weiderinder der fossil betriebenen Agrarindustrie gegen\u00fcbergestellt. \u00c4hnlich wie der Volkskundler Rolf Wilhelm Brednich suchte auch Anita Idel nach dem Ursprung der modernen Sage, in diesem Fall der von der Klimakillerin Kuh. F\u00fcndig wurde sie bei der von der Weltern\u00e4hrungsorganisation FAO 2006 ver\u00f6ffentlichten Studie \u00bbLivestock\u2019s Long Shadow\u00ab.5 Die sei wenigstens daf\u00fcr verantwortlich, den Mythos beschleunigt um die Welt getragen zu haben. Anita Idels Einordnung:<\/p>\n<p>\u00bbZwar war es \u00fcberf\u00e4llig, den Finger auf die Wunden zu legen, die der lange Schatten der Tierhaltung mit der Produktion und dem Konsum von Fleisch, Milch und Eiern immer weiter aufrei\u00dft. Aber die Autoren hatten ihre Untersuchungen nicht auf unterschiedliche Produktionssysteme und -intensit\u00e4ten ausgerichtet, obwohl sinnvolle Schlussfolgerungen nur m\u00f6glich sind, wenn bekannt ist, welcher Aufwand an Ressourcen f\u00fcr welches Ergebnis aufgebracht werden musste. Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, h\u00e4tten die Daten getrennt erhoben werden m\u00fcssen:<\/p>\n<p>f\u00fcr unterschiedliche Produktionsysteme\u00a0\u2013 von nachhaltiger bis zu intensiver Produktion;<\/p>\n<p>f\u00fcr unterschiedliche Produktionsrichtungen: zum Beispiel f\u00fcr die Tierhaltung auf der Weide und im Stall.<\/p>\n<p>Die Studie \u203aLivestocks\u2019 Long Shadow\u2039 provoziert nicht nur hinsichtlich mangelnder Informationen zur Weidehaltung Irritationen. Problematisch ist die Interpretation von Ergebnissen zudem immer dann, wenn sich die Autoren hinsichtlich des Klimawandels auch bei ihren Schlussfolgerungen auf Emissionen beschr\u00e4nken und dadurch die Potenziale nachhaltiger Kreislaufwirtschaft weitgehend ignorieren.\u00ab6<\/p>\n<p>Die Geschichte funktioniert also nach dem altbekannten M\u00e4rchenmuster: \u00bbEs war einmal\u00a0\u2026\u00ab Ein Setting wird behauptet, in diesem Fall: Es war einmal eine Studie. Und die Frage \u00bbCui bono\u00ab\u00a0\u2013 wem n\u00fctzt das? Im Gespr\u00e4ch sagt Anita Idel, der Mythos von der klimasch\u00e4digenden Kuh sei eine perfekt gez\u00fcndete Nebelkerze: \u00bbIch halte es f\u00fcr einen der gr\u00f6\u00dften Erfolge der \u00d6lkonzerne, erreicht zu haben, dass tats\u00e4chlich die meisten Menschen an die Kuh denken, wenn die Rede vom Klima und von Methan ist. Und das auf allen Kontinenten.\u00ab Dieser Scheinzusammenhang, dann auch noch von einer Studie der FAO abgesegnet, also von einer Organisation der Vereinten Nationen, lenke wunderbar ab von der Tatsache, dass seit Jahrzehnten der Zuwachs an Methan in der Atmosph\u00e4re nachweislich aus fossilen Quellen stammt.<\/p>\n<p>\u00bbKlimaexperten gehen davon aus, dass das Fracking die Ursache f\u00fcr die Zunahme des Methans in der Atmosph\u00e4re ist\u00ab, sagt sie: \u00bbIn den K\u00f6pfen ist aber, dass das Methan etwas mit der Kuh zu tun hat.\u00ab Daran, dass das weiter so funktioniert, habe nicht nur die \u00d6l- und Gasindustrie ein Interesse. \u00bbNat\u00fcrlich ist das auch ganz im Sinne derer, die an der Industrialisierung der Landwirtschaft verdienen, denn mit dieser Industrialisierung und Intensivierung ist immer fossile Energie verbunden.\u00ab<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass man mit der Begr\u00fcndung der Methan-Reduktion die K\u00fche von der Weide in den Stall treiben kann, und damit in den Zugriff der Agrarindustrie. Eine Hochleistungskuh, die zw\u00f6lftausend Kilo Milch im Jahr gibt, muss schon deshalb mit einer gro\u00dfen Menge Kraftfutter versorgt werden. Sie steht im Stall, weil sie auf der Weide gar nicht satt w\u00fcrde. Und weil sie im Stall entsprechend weniger kuhtypisches Raufutter aufschlie\u00dfen muss, produziert sie pro Liter Milch weniger Methan als eine Weidekuh, die weniger Milch gibt, weil sie ja weniger Kraftfutter bekommt. Klingt doch logisch, oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-683829\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/01\/cover.Schwinn_Klima-Kuh_95RGB.jpg\" alt=\"\" width=\"408\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/01\/cover.Schwinn_Klima-Kuh_95RGB.jpg 408w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2024\/01\/cover.Schwinn_Klima-Kuh_95RGB-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 408px) 100vw, 408px\" \/><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-klima-kuh\/\">Florian Schwinn \u2013 Die Klima-Kuh \u2013 Ein E-Book vom Westend Verlag<\/a> &#8211; 256 Seiten, 24 Euro, Westend Verlag<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>L\u00e4sst sich auch wunderbar mit Studien nachweisen. Vor allem, wenn man es unterl\u00e4sst, die Produktionssysteme zu vergleichen und deren unterschiedlichen Einfluss auf Biodiversit\u00e4t und Klima, wie schon von der ma\u00dfgeblichen FAO-Studie vorgef\u00fchrt. Wenn es allerdings nicht mehr um die Produktionsoptimierung geht, also um die schiere Menge produzierter Milch, sondern um den Methanaussto\u00df pro Liter Milch, dann sind die Weidek\u00fche sogar besser als die Hochleistungsstallk\u00fche. Auch das ist schon nachgewiesen und wird hier gleich behandelt.<\/p>\n<p>Zuvor aber noch ein anderer Aspekt zum Narrativ von der klimasch\u00e4digenden Kuh und dessen Herkunft oder dessen Verst\u00e4rkung. Dieter Euler vom Demeter-Hofgut Lindenberg im hessischen Kinzigtal macht weder die Agrarindustrie noch die \u00d6lkonzerne daf\u00fcr verantwortlich, dass der Mythos von der Klimakillerin Kuh gerade bei uns so viel Fahrt aufgenommen hat. F\u00fcr ihn sind es die Nichtregierungsorganisationen, die das Narrativ dankbar aufgegriffen haben. \u00bbIrgendwann haben wir gemerkt, dass die Kuh Methan r\u00fclpst\u00ab, sagt Dieter Euler. \u00bbDas ist aber schon sehr lange her. In der Vorlesung Tierern\u00e4hrung wurde uns Studenten das als Tatsache vorgestellt. Das war in den 1970er-Jahren, und ich erinnere mich noch, dass wir damals staunend erfahren haben, dass man mit dem Methan, was eine Herde von vierzig Rindern am Tag ausst\u00f6\u00dft, den ganzen Betrieb heizen k\u00f6nnte. Es wei\u00df nur niemand, wie man das Methan auffangen soll.\u00ab Zumindest noch nicht.7<\/p>\n<p>So weit, so normal, so bekannt. Dann aber kam die besagte FAO-Studie. \u00bbUnd dann hat Thilo Bode von Foodwatch erfahren, dass die Kuh Methan r\u00fclpst. F\u00fcr ihn war das etwas Neues und er machte einen Skandal daraus.\u00ab Vielleicht hatte sich auch eine andere Umweltorganisation noch fr\u00fcher um die Bef\u00f6rderung des Narrativs durch Skandalisierung bem\u00fcht. In Dieter Eulers Erinnerung war es jedenfalls Foodwatch. Was aber bleibt: \u00bbDie Menschen, die durch die Skandalisierung aufger\u00fcttelt wurden, kennen die Zusammenh\u00e4nge gar nicht. Fr\u00fcher h\u00e4tte ich gesagt: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Heute sage ich: Herr vergib ihnen nicht! Sie sollen sich gef\u00e4lligst mal schlau machen.\u00ab<\/p>\n<p>Dann machen wir uns mal schlau. Methan ist CH4, besteht also, wie die Formel beschreibt, aus vier Teilen Wasserstoff und einem Teil Kohlenstoff. Fossiles Methan holen wir aus der Erde, um es zu verbrennen. Dann nennen wir es Erdgas. Wenn uns Wladimir Putin den Gashahn zudreht, nennen wir das Energiekrise, weil wir das Methan teurer anderswo einkaufen m\u00fcssen. Zum Beispiel da, wo es via Fracking aus dem Boden gel\u00f6st wird, wobei erhebliche Methanverluste entstehen. Auch bei der F\u00f6rderung von Erd\u00f6l entweicht fossiles Methan. Die \u00d6lindustrie nennt das Operational Losses, ebenso wie bei \u00d6l, das ins Meer oder sonst wohin flie\u00dft. Zudem entweicht aus undichten Bohrl\u00f6chern und Gasleitungen Methan, zumal, wenn diese gesprengt werden, wie 2022 die Nordstream-Pipelines. Da str\u00f6mte tagelang Methan aus. So wie auch aus den russischen F\u00f6rderanlagen, die wegen des Boykotts in Folge des Angriffs auf die Ukraine ihr Erdgas nicht mehr losgeworden sind.<\/p>\n<p>In der Atmosph\u00e4re ist Methan laut Umweltbundesamt 25-fach klimawirksamer als Kohlendioxid.8 Auch 28-fach ist zu lesen, zum Beispiel auf dem Bildungsserver einer Informationsseite f\u00fcr Lehrerinnen und Lehrer.9 Bei der Max-Planck-Gesellschaft ist Methan dagegen nur 21-mal klimawirksamer als CO2.10 Doch egal wievielmal st\u00e4rker Methan wirkt, jedenfalls bleibt es nicht lange in der Atmosph\u00e4re. W\u00e4hrend das von uns heute emittierte Kohlendioxid laut Weltklimarat noch mindestens drei\u00dfig, teilweise aber \u00fcber tausend Jahre die Erde aufheizen kann,11 zerf\u00e4llt das Methan nach nur relativ kurzen elf oder auch zw\u00f6lf Jahren. Es kommt allerdings immer neues nach. Was nicht so schlimm w\u00e4re, wenn es zum nat\u00fcrlichen Methankreislauf geh\u00f6ren w\u00fcrde. Dann bliebe die Gesamtmenge in der Atmosph\u00e4re n\u00e4mlich konstant. Das ist aber nicht der Fall.<\/p>\n<p>Die US-amerikanischen Earth System Research Laboratories, also die Labore f\u00fcr Erdsystemforschung, messen f\u00fcr die Klimawissenschaft weltweit die Treibhausgase in der Atmosph\u00e4re. Die vom ESRL erstellte Statistik f\u00fcr Methan verzeichnet in den letzten Jahrzehnten einen steilen Anstieg: Von rund 1\u2005600 Parts per Billion, also Milliardstel Anteilen im Jahr 1985, ging es steil nach oben bis fast 1\u2005800 ppb Anfang der 2000er-Jahre. Dann blieb der Anteil des Methans in der Atmosph\u00e4re etwa gleich, bis 2006 erneut ein Anstieg um weitere 100 ppb bis heute einsetzte.<\/p>\n<p>Hat das irgendetwas mit der Population der Rinder auf der Erde zu tun? K\u00f6nnten sie f\u00fcr den Anstieg des Methans in der Atmosph\u00e4re verantwortlich sein? Im Gegenteil: Die weltweite Rinder-Statistik zeigt seit 1990 steil nach unten. Bis 2016 nahm der globale Bestand um hundert Millionen Tiere auf dann nur noch 963\u00a0Millionen ab. Inzwischen werden wieder etwas \u00fcber eine Milliarde Rinder auf der Erde gehalten. Klar ist jedenfalls, dass die beiden Statistiken nichts miteinander zu tun haben. Der Zuwachs an Methan muss woanders herkommen.<\/p>\n<p>\u00bbUnd die eine Milliarde Rinder auf der Erde heizen das Klima auch nicht zus\u00e4tzlich an, schon gar nicht, wenn der Rinderbestand gleichbleibt oder sogar sinkt\u00ab, sagt Wilhelm Windisch, emeritierter Professor f\u00fcr Tierern\u00e4hrung an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Es gibt eben einen nat\u00fcrlichen Methankreislauf, in dem auch die Wiederk\u00e4uer leben. Sie schicken weiteres Methan in die Atmosph\u00e4re, aber nicht mehr, als dort abgebaut wird. \u00bbWir m\u00fcssten schon sehr viele Rinder zus\u00e4tzlich halten, um den nat\u00fcrlichen Methankreislauf zu beeinflussen.\u00ab Tun wir aber nicht, weshalb dieses Argument in Sachen klimasch\u00e4dlicher Kuh schon mal ausf\u00e4llt. Es gibt auch keinen spontanen, exorbitanten Anstieg an wilden Wiederk\u00e4uern, denen man die Klimakrise in die Hufe schieben k\u00f6nnte. Gut, wir haben in Deutschland mehr Wild als je zuvor, was an der Landwirtschaft liegt, die es in ebenfalls nie dagewesener \u00dcppigkeit f\u00fcttert, mit Raps und Mais zum Beispiel. Und zu diesem Wild geh\u00f6ren auch Wiederk\u00e4uer wie Hirsche und Rehe. Aber das ist eine lokale Erscheinung. Weltweit nimmt auch die Zahl der wilden Wiederk\u00e4uer eher ab.<\/p>\n<p>Bis hierhin ist schon mal klar: Die Kuh, das Rind, das Vieh ist es nicht, was unser Klima sch\u00e4digt; nicht via Methan und erst recht nicht, wenn es schlicht naturnah und nachhaltig auf der Weide leben darf. Die Rinder sind Teil des nat\u00fcrlichen Methankreislaufes, so wie das die Millionen wilder Wiederk\u00e4uer, die wir dezimiert oder ausgerottet haben, vor unseren Nutztieren auch waren. Das zus\u00e4tzliche Methan in der Atmosph\u00e4re stammt aus fossilen Quellen, die wir Menschen anbohren.<\/p>\n<p><strong>Fussnoten:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>3 Rolf Wilhelm Brednich: Die Spinne in der Yuccapalme. Sagenhafte Ge\u00adschichten von heute.<\/li>\n<\/ul>\n<p>4 Der Weltagrarbericht wurde 2009 vom Weltagrarrat vorgelegt. Der IAASTD, International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development, ist eine \u00e4hnliche Organisa\u00adtion wie der Weltklimarat IPCC. Er wurde 2002 von Weltbank und<\/p>\n<p>Vereinten Nationen gegr\u00fcndet, um Unterern\u00e4hrung und Armut zu be\u00adk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>5 Siehe Steinfeld et al.: \u00bbLivestock\u2019s long shadow\u00ab.<\/p>\n<p>6 Idel: Die Kuh ist kein Klima-Killer! S. 64 f.<\/p>\n<p>7 Das gemeinsame Forschungsprojekt \u00bbMethAnLand\u00ab des Karlsruher Instituts f\u00fcr Technologie und des Forschungsinstituts f\u00fcr Nutztierbio\u00adlogie in Dummerstorf soll kl\u00e4ren, ob es machbar und sinnvoll ist, das Methan aus der Stallluft herauszufiltern, um damit Maschinen betrei\u00adben oder heizen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>8 Siehe: https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/landwirtschaft\/umweltbelastungen-der-landwirtschaft\/lachgas-methan; abgerufen im September 2023.<\/p>\n<p>9 Siehe: https:\/\/wiki.bildungsserver.de\/klimawandel\/index.php\/Treib hausgase#cite_note-8; abgerufen im September 2023.<\/p>\n<p>10 Siehe: https:\/\/www.mpg.de\/405362\/forschungsSchwerpunkt; abgeru\u00adfen im September 2023.<\/p>\n<p>11 Der Weltklimarat IPCC schreibt dazu: \u00bbEine bestimmte Verweilzeit f\u00fcr Kohlendioxid in der Atmosph\u00e4re anzugeben ist nicht m\u00f6glich. Ein\u00adzelne Molek\u00fcle verbleiben nur wenige Jahre in der Atmosph\u00e4re und treten dann in komplizierte Austauschprozesse mit dem Ozean und der Vegetation ein. Von diesen Reservoiren wird ein Teil des CO2 wie\u00adder in die Atmosph\u00e4re emittiert, auch in Anh\u00e4ngigkeit von der Tempe\u00adratur. Ein h\u00f6herer CO2-Gehalt (zum Beispiel durch anthropogene Akti\u00advit\u00e4ten) h\u00e4lt sich daher deutlich l\u00e4nger in der Atmosph\u00e4re. Circa die H\u00e4lfte ist nach drei\u00dfig Jahren nachweisbar und zwanzig Prozent k\u00f6n\u00adnen noch einige Jahrtausende vorhanden sein. \u00dcber diese Zeitr\u00e4ume herrscht in der Forschung keine Einigkeit.\u00ab International Panel on Cli\u00admate Change: \u00bbClimate Change 2007, Working Group I, 7.3.1.2\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Florian Schwinn: \u201eDie Klima-Kuh. Von der Umwelts\u00fcnderin zur Weltenretterin\u201c &nbsp; &#8222;Die Kuh ist ein Klimakiller, weil sie das hochwirksame Treibhausgas Methan ausst\u00f6\u00dft. Bei der Produktion eines Kilos Rindfleisch werden 15.000 Liter Wasser verbraucht. \u201eWirklich? Ist das so?\u201c, fragt der &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2024\/01\/24\/buchauszug-florian-schwinn-die-klima-kuh-von-der-umweltsuenderin-zur-weltenretterin\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1890,11734,10695,11735],"class_list":["post-683790","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buchauszug","tag-florian-schwinn","tag-westend-verlag","tag-die-klima-kuh-von-der-umweltsuenderin-zur-weltenretterin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/683790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=683790"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/683790\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":683830,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/683790\/revisions\/683830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=683790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=683790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=683790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}