{"id":682619,"date":"2023-08-14T17:00:48","date_gmt":"2023-08-14T15:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=682619"},"modified":"2023-08-15T18:25:20","modified_gmt":"2023-08-15T16:25:20","slug":"buchauszug-michael-kaefer-der-geliehene-freund-mein-leben-als-gastgeber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2023\/08\/14\/buchauszug-michael-kaefer-der-geliehene-freund-mein-leben-als-gastgeber\/","title":{"rendered":"Buchauszug Michael K\u00e4fer: &#8222;Der geliehene Freund. Mein Leben als Gastgeber&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Michael K\u00e4fer: &#8222;Der geliehene Freund. Mein Leben als Gastgeber&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-682699\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/08\/Cover.Kaefer.Michael.jpg\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/08\/Cover.Kaefer.Michael.jpg 419w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/08\/Cover.Kaefer.Michael-193x300.jpg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 419px) 100vw, 419px\" \/><\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1>Krisenstimmung bei Gunter Sachs<\/h1>\n<p>Er (Gerd K\u00e4fer, Anm.der Red.) war ein durch und durch flei\u00dfiger Mann. Immer am Arbeiten. Immer am \u00dcberlegen, womit er den Geschmack seiner Kunden treffen konnte.<\/p>\n<p>Die Stimmung in Deutschland ver\u00e4nderte sich langsam. Das Bed\u00fcrfnis nach mehr Lebensfreude und Genuss wuchs, vor allem bei denjenigen, die Deutschland wieder mit aufgebaut hatten\u00a0\u2013 und Tag und Nacht f\u00fcr ihre Firmen und deren Aufstieg schufteten.<\/p>\n<p>Deutschland wurde, in diesen Jahren, stimmungstechnisch gesehen bunter. Die Farbe kehrte zur\u00fcck. Das Leben wurde leichter. Und die Macher wollten sich daf\u00fcr auch feiern. Zeit und Lust, diese Partys und Events zu organisieren, hatte allerdings niemand.<\/p>\n<p>Mein Vater verstand es, wie er mit \u00bbDienen\u00ab oder Dienstleistung Geld verdienen konnte. Und er brachte den Deutschen das Feiern bei.<\/p>\n<p>Seine Feste waren nicht blo\u00dfe Partys. Es waren kleine oder gro\u00dfe Inszenierungen. Geplant wie Opern, inklusive Ouvert\u00fcre, Zwischenspiel, Arie und dem letzten Akt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 60. Geburtstag von Friedrich Karl Flick, einer der schillerndsten Figuren der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte, engagierte mein Vater achtzig Wiener Geiger und \u2013 100 \u2013 zus\u00e4tzlich noch weitere f\u00fcnf Bands, weil Flick Abwechslung gefordert hatte. F\u00fcr Max Grundig organisierte er ein kleines Oktoberfest. Bei einer Jubil\u00e4umsfeier f\u00fcr den M\u00fcnchner Automobilhandel MAHAG lie\u00df er die m\u00e4nnlichen G\u00e4ste in Overalls erscheinen, statt Blumenarrangements lagen H\u00e4mmer, Schrauben, Zangen und Ersatzteile von VW und Porsche auf den Tischen. F\u00fcr einen Flugzeughersteller lie\u00df er eine Bar in einem Hei\u00dfluftballon aufbauen und kreierte als Tischdekoration Miniatur-Landebahnen samt Schokoladenflugzeugen.<\/p>\n<p>Jedes Event war ma\u00dfgeschneidert, jedes Fest eine Traumwelt, wie man es zu dieser Zeit noch nicht erlebt hatte.<\/p>\n<p>Mein Vater organisierte nicht nur, er zelebrierte geradezu\u00a0\u2013 ein K\u00fcnstler, der immer wieder etwas Einzigartiges schuf.<\/p>\n<p>F\u00fcr Events, f\u00fcr die zus\u00e4tzliche Toiletten ben\u00f6tigt wurden, lie\u00df er einen Luxus-WC-Wagen bauen. Mit Messingklinken und Deckeln aus Teakholz, so wie er es mal in London bei einem englischen Lord gesehen hatte. Direkt nach dem Gesch\u00e4ft bekam man von einem Toilettendiener, der mit Smoking und wei\u00dfen Handschuhen ausgestattet war, ein Glas eisgek\u00fchlten Champagner serviert.<\/p>\n<p>Im Sinne der Inszenierung hat er einmal sogar seine Auftraggeber Gunter Sachs und dessen Bruder Ernst Wilhelm sowie alle 300 geladenen G\u00e4ste reingelegt. Den Sachs-Br\u00fcdern war das Event in einer Scheune neben ihrem Anwesen bei Oberaudorf extrem wichtig. Sie wollten wie immer ein perfektes Fest. Doch als sie kurz vor Veranstaltungsbeginn die Location betraten, war nichts hergerichtet. Nur ein paar Mitglieder der \u00f6rtlichen Blaskapelle standen planlos herum und wussten nicht, wo sie sich und ihre Instrumente in der leeren Scheune platzieren sollten.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich tauchte mein Vater hinter ihnen auf, scheinbar verstimmt und mit gespielt schlechtem Gewissen, und nuschelte etwas von einem kleinen Problem und einem Riesenstau. \u00bbDer Lkw-Fahrer hat mich angerufen. Er steckt in einer Blechlawine fest. Da geht gar nichts mehr. Ich wei\u00df im Moment gar nicht, was wir tun k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p>Bestimmt zwanzig gro\u00dfe Feiern hatten die Br\u00fcder Sachs bereits von meinem Vater ausrichten lassen. Sie bezahlten gutes Geld f\u00fcr hohe Qualit\u00e4t und Zuverl\u00e4ssigkeit. Dass er sie nun so h\u00e4ngen lie\u00df und auch noch so ratlos auftrat, war f\u00fcr sie nicht zu akzeptieren.<\/p>\n<p>\u00bbDu Idiot, du Bl\u00f6der\u00ab, brach es aus ihnen heraus. \u00bbWenn du es richtig organisiert h\u00e4ttest, w\u00e4re das Essen schon l\u00e4ngst da. Das kommt davon, wenn man alles auf den letzten Dr\u00fccker macht.\u00ab Sie wurden richtig laut.<\/p>\n<p>\u00bbWie stellst du dir das denn jetzt vor, Gerd? Wir stehen hier mit 300 G\u00e4sten in unserer leeren Scheune. Und au\u00dfer einer h\u00e4sslichen Girlande ist nichts da.\u00ab<\/p>\n<p>Statt alles aufzul\u00f6sen, trieb mein Vater sein Spiel weiter. Er k\u00f6nne schnell, schlug er vor, ins Dorf fahren und ein paar Gl\u00e4ser mit Essiggurken und etwas Kn\u00e4ckebrot und K\u00e4se kaufen. Dazu ein paar gekochte Eier.<\/p>\n<p>Die Gleichg\u00fcltigkeit, mit der Papa seine Pseudo-Rettungsvorschl\u00e4ge pr\u00e4sentierte, trieb bei Gunter und Ernst Wilhelm den Puls erst recht in die H\u00f6he.<\/p>\n<p>\u00bbAuf einer Party von Sachs gibt es doch keine Essiggurken. Was bildest du dir eigentlich ein? Bist du verr\u00fcckt geworden? Du bekommst keine Mark von uns.\u00ab<\/p>\n<p>Selbst jetzt, als ihnen die Zornesr\u00f6te im Gesicht stand, blieb mein Vater in seiner Rolle.<\/p>\n<p>\u00bbIch brauch euer Geld nicht. Ich will ja nur, dass eure G\u00e4ste trotz der Panne nicht hungern m\u00fcssen.\u00ab<\/p>\n<p>Nie wieder werde mein Vater, so verk\u00fcndete Gunter Sachs, einen Auftrag von ihm erhalten. \u00bbMit dir sind wir fertig. Auf Lebzeiten.\u00ab<\/p>\n<p>Sie sollten wenigstens die Musik spielen lassen, riet mein Vater noch. Dann k\u00e4me gleich eine bessere Stimmung auf. Und in Richtung der Trachtenkapelle, die sich in der ganzen Aufregung unbemerkt bereit gemacht hatte, rief er: \u00bbKommt\u2019s, spuit\u2019s auf, Buam.\u00ab<\/p>\n<p>Die taten wie ihnen befohlen und legten richtig los, w\u00e4hrend Ernst Wilhelm schrie: \u00bbJetzt spinnt der Gerd komplett. L\u00e4sst die Blaskapelle spielen, wenn es nichts zu essen gibt.\u00ab Der Streit spitzte sich weiter zu. Weil mein Vater jetzt auch anfing, zur\u00fcck zu schreien. Selbst von einem Gunter Sachs lasse er sich nicht so behandeln, polterte mein Vater zur\u00fcck. \u00bbIch hei\u00dfe immerhin K\u00e4fer.\u00ab<\/p>\n<p>Doch kurz bevor die Situation komplett eskalierte, dr\u00fcckte mein Vater einen Knopf, der eine hydraulische Hebeb\u00fchne in Gang setzte. Die \u00bbDecke\u00ab der Scheune begann leicht zu erzittern, dann senkte sie sich pl\u00f6tzlich langsam ab.<\/p>\n<p>Heimlich hatte mein Vater eine Art Podest bauen lassen, auf dem nun K\u00f6che und h\u00fcbsche Bedienungen samt vorbereitetem Essen herunterschwebten, um die G\u00e4ste kulinarisch zu versorgen. Sofort war der Streit der letzten Minuten vergessen und es wurde, ohne dass jemand nachtragend war, bis in die fr\u00fchen Morgenstunden gefeiert.<\/p>\n<p>Auftraggeber wie Max Grundig, Gunter Sachs oder Friedrich Karl Flick hatten es allesamt \u00fcber Spitzenleistung und ungeheures Engagement zu etwas gebracht. Wenn sie mal nicht arbeiteten, sondern ausgingen oder einluden, war f\u00fcr sie der zweitbeste Fisch nicht gut genug. Sie wollten immer die Besten sein und das Beste bekommen\u00a0\u2013 auch von meinem Vater.<\/p>\n<p>Am Anfang organisierte er Feiern f\u00fcr allenfalls ein paar hundert Leute. Bis er die Anfrage bekam, den Welt-Juristenkongress in Schloss Schlei\u00dfheim mit rund 2500 G\u00e4sten zu \u00fcbernehmen. Es gab vor Ort keine daf\u00fcr geeignete K\u00fcche. Das vorhandene Personal reichte ebenso wenig wie die Gl\u00e4ser, das Geschirr und Besteck, das sein Unternehmen zu dem Zeitpunkt besa\u00df. Trotzdem nahm mein Vater den Auftrag an, meisterte ihn, sodass er damit in neue Gr\u00f6\u00dfenordnungen aufstieg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Michael K\u00e4fer: &#8222;Der geliehene Freund&#8220;, Edel Books, 288 Seiten, 24,95 Euro\u00a0<a href=\"https:\/\/www.edelbooks.com\/book\/der-geliehene-freund-hardcover-978384198179\/\">Der geliehene Freund &#x1f4da; (edelbooks.com)<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Michael K\u00e4fer: &#8222;Der geliehene Freund. Mein Leben als Gastgeber&#8220; &nbsp; &nbsp; Krisenstimmung bei Gunter Sachs Er (Gerd K\u00e4fer, Anm.der Red.) war ein durch und durch flei\u00dfiger Mann. Immer am Arbeiten. 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