{"id":682193,"date":"2023-05-17T12:00:26","date_gmt":"2023-05-17T10:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=682193"},"modified":"2023-10-20T17:21:34","modified_gmt":"2023-10-20T15:21:34","slug":"buchauszug-probert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2023\/05\/17\/buchauszug-probert\/","title":{"rendered":"Buchauszug Frederike Probert: &#8222;Erfolgreich statt perfekt. Wie Frauen wirklich Karriere machen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Frederike Probert: &#8222;Erfolgreich statt perfekt. Wie Frauen wirklich Karriere machen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_682194\" style=\"width: 468px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-682194\" class=\"size-full wp-image-682194\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/05\/Probert.Frederike_Probert_credits_Helen-Fischer_p_b-2-e1683637658568.jpg\" alt=\"\" width=\"458\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/05\/Probert.Frederike_Probert_credits_Helen-Fischer_p_b-2-e1683637658568.jpg 458w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/05\/Probert.Frederike_Probert_credits_Helen-Fischer_p_b-2-e1683637658568-300x227.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/05\/Probert.Frederike_Probert_credits_Helen-Fischer_p_b-2-e1683637658568-397x300.jpg 397w\" sizes=\"auto, (max-width: 458px) 100vw, 458px\" \/><p id=\"caption-attachment-682194\" class=\"wp-caption-text\">Frederike Probert (Foto: Privat\/Finanzbuch Verlag)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Gemeinsam st\u00e4rker \u2013 Netzwerken im echten Leben<\/h2>\n<p>Wenn es um Netzwerke geht, haben viele Menschen negative Konnotationen im Kopf: von der Spinne im Netz, die unsichtbare F\u00e4den zieht, und von \u2013 meist alten \u2013 M\u00e4nnern, die in irgendwelchen Clubs Zigarre rauchen und sich gegenseitig Auftr\u00e4ge und Positionen zuschieben. Nat\u00fcrlich gibt es exklusive Netzwerke, in die Personen nur auf Empfehlung oder Einladung hineinkommen \u2013 Mission Female ist eines davon. F\u00fcr Frauen. Allerdings ist das nicht die einzige Art, sich mit Gleichgesinnten zusammenzuschlie\u00dfen \u2013 und generell ist es gut, sich Verb\u00fcndete oder Menschen, von denen man lernen m\u00f6chte, zu suchen. Denn eines l\u00e4sst sich nicht von der Hand weisen: Gemeinsam ist man immer st\u00e4rker als allein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings tun sich Frauen oftmals schwer damit, Unterst\u00fctzende um sich zu versammeln. Immer noch. Ich denke, das hat viel mit der jeweiligen Zielsetzung zu tun. Ich kann mir vorstellen, dass es sich grunds\u00e4tzlich f\u00fcr viele Menschen unauthentisch anf\u00fchlt, \u00bbBeziehungen um der Karriere willen aufzubauen\u00ab \u2013 so, als ob man sich bei anderen einschmeichelt, nur weil man etwas von ihnen will. Tats\u00e4chlich hei\u00dft das eine aber nicht zwangsl\u00e4ufig das andere: Man kann sich auf menschlicher Ebene sch\u00e4tzen und muss trotzdem nicht befreundet sein \u2013 eine gegenseitige Unterst\u00fctzung aufgrund rein fachlicher Kompetenzen ist also durchaus m\u00f6glich. Das macht die Beziehung nicht unauthentisch, sondern ist nur eine Form von vielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade Mission Female lebt vom aktiven Austausch miteinander und davon, wie erfahrenere Member solchen, die noch am Anfang stehen, mit ihrer Erfahrung und Expertise unter die Arme greifen. Daraus k\u00f6nnen sich durchaus Freundschaften entwickeln, was aber nicht sein muss \u2013 das macht diese Mentor-Mentee-Beziehungen nicht weniger valide.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke, in diesem Licht f\u00fchlen sich viele Lesende weniger schlecht, \u00fcber ihre eigenen Netzwerke nachzudenken \u2013 und dar\u00fcber, von wem sie gerne lernen w\u00fcrden. Sich solche Beziehungen aufzubauen, ist gerade auf F\u00fchrungsebenen ein wichtiger Skill und hilft enorm dabei, pers\u00f6nlich zu wachsen und die eigenen Ziele zu erreichen. So zeigen auch die folgenden Beitr\u00e4ge, wie hilfreich es ist, sich Unterst\u00fctzung zu suchen und schwierige Themen gemeinsam anzugehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Corina Kurscheid: Mein perfekt unperfekter Weg nach vorn<\/strong><\/p>\n<p><strong>Corina Kurscheid ist Global Associate VP Nivea. Neben ihrer Rolle im globalen Marketing f\u00fcr Nivea ist sie Mitglied des Beiersdorf Sustainability Council, treibt die Nachhaltigkeitsziele und Transformationsprozesse im Unternehmen voran und setzt sich aktiv f\u00fcr Diversit\u00e4t und Lifelong Learning ein.<\/strong><br \/>\n<strong>Nach ihrem Studium an der University of Westminster startete Corina ihre Laufbahn bei Saatchi &amp; Saatchi und f\u00fchrt ihre erfolgreiche Karriere seit 2007 bei Beiersdorf an verschiedenen Standorten fort. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Hamburg. <\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>\u00bbNiemand bekommt beim ersten Mal alles richtig hin. Was uns ausmacht, ist, wie wir aus unseren Fehlern lernen.\u00ab (Richard Branson)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin nicht die Person mit einem geradlinigen Karriereplan, die in ihrem Lebenslauf alle vermeintlich \u00bbrichtigen\u00ab H\u00e4kchen gesetzt hat und deswegen ihren Weg direkt geradeaus und ohne Umwege gegangen ist.<\/p>\n<p>Perfekt unperfekt beschreibt meinen Weg am besten: Eine flexibel geplante Reise, auf der auch mal beherzt die Richtung angepasst wird und spontan neue Etappen eingebaut werden. Wenn etwas nicht wie geplant verl\u00e4uft, wird konstruktiv hinterfragt, mit neuen Augen betrachtet, gelernt und angepasst. Beim Weitermachen soll es dann bitte besser werden \u2013 immerhin liegt noch ein ordentliches St\u00fcck Weg auf der Reise des Lebens vor mir.<\/p>\n<p>Mit dieser inneren \u00dcberzeugung liebe ich Herausforderungen und sehe in vermeintlichen Fehlern und Misserfolgen die wichtigsten Impulse, um zielgerichtet auf meinen Erfolg hinzuarbeiten.\u00a0Denn ohne Fehler keine Entwicklung.<\/p>\n<p>Das Leben bietet so viele spannende M\u00f6glichkeiten, um zu lernen und sich zu ver\u00e4ndern. Ich erkenne, was funktioniert und was f\u00fcr mich nicht der richtige Weg ist \u2013 und ich sehe anstelle von Fehlern interessante Umleitungen, die mich weiterbringen. Durch diese Umwege betrete ich Neuland und erkenne neue Ufer, zu denen ich aufbrechen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Den eigenen Weg finden<\/h1>\n<p>Fr\u00fcher dachte ich, dass alle ein klares Erfolgsrezept f\u00fcr sich definiert und klare Wege vor sich h\u00e4tten. Aber ich habe gelernt, dass alle ihren eigenen Weg gehen und niemand bereits alles in der Tasche hat, wenn die eigene, sehr individuelle Reise beginnt. Wir alle haben jeden Tag wieder die Chance, uns und unseren Weg neugierig zu betrachten \u2013 und unsere Zukunft mit uns selbst in der Hauptrolle jeden Tag neu zu formen.<br \/>\nEin klares Bild von meiner Zukunft schon mit 16 \u2013 das war nicht ich. Viele meiner Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fcler hatten bereits sehr klare Vorstellungen von ihren Karrieren und wussten genau, was sie beruflich einmal machen wollten. Ich wusste dagegen immer recht genau, was und wie ich nicht werden m\u00f6chte, und hatte immerhin darin meine Klarheit.<\/p>\n<p>Seit meiner Kindheit bin ich \u00fcberzeugt, dass ich alles lernen und werden kann \u2013 wenn ich zielgerichtet mit Herzblut und Ausdauer darauf hinarbeite. Im Umkehrschluss ist die wichtige Erkenntnis: Wenn ich etwas nicht kann, bedeutet das lediglich, dass ich es in diesem Moment <em>noch<\/em> nicht kann.<\/p>\n<p>Es gab so viele M\u00f6glichkeiten und so viele interessante Gebiete, aber ich hatte noch kein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was mich wirklich faszinierte und antrieb und wo ich genau hinwollte. Das war in meiner Schulausbildung bis zum Abitur auch nicht gefragt, entsprechend hatte ich keine \u00dcbung mit diesen Reflexionen. Zudem strebte meine Generation noch nach h\u00f6chstm\u00f6glicher Effizienz in der Schaffung eines l\u00fcckenlosen Lebenslaufs: nach dem Schulabschluss die Ausbildung beziehungsweise das Studium im Rekordtempo durchziehen und bitte direkt ohne Pause in den ersten Job starten.<\/p>\n<p>Um meinen Blick zu weiten, fragte ich nach konkreten Ratschl\u00e4gen f\u00fcr die \u00bbrichtige\u00ab Studienwahl. Der Standardratschlag war: \u00bbStudier` doch BWL \u2013 damit bleibst du flexibel\u00ab, gerne auch kombiniert mit dem wohlwollenden Zusatz: \u00bbDann kannst du dir sp\u00e4ter auch einen Job suchen, den du in Teilzeit aus\u00fcben kannst, wenn du mal Kinder hast.\u00ab<\/p>\n<p>Ich stand anfangs recht unschl\u00fcssig da und merkte, dass diese Ratschl\u00e4ge f\u00fcr mich absolut nicht passten. Und so lernte ich, auch mal meine eigene innere Stimme zu Wort kommen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Vorstellung von weiteren f\u00fcnf Jahren Wissensabfrage durch Klausuren in einem BWL-Studium war f\u00fcr mich unvorstellbar. Das\u00a0\u00a0 Familien- und Arbeitsmodellthema hatte ich noch nicht einmal im Ansatz in diesem Detailgrad angedacht. Also war Festlegen keine valide Option. Ich fand keine Antwort auf die Frage, wieso die Entscheidungen von anderen automatisch auch die richtigen Wegweiser f\u00fcr meine Zukunft sein sollten.<br \/>\nEs musste unbedingt mehr als \u00bbdiesen einen\u00ab Karrierepfad geben, denn Fortschritt entsteht ja auch nicht durch das Kopieren der Vergangenheit. Also entschied ich mich f\u00fcr das Vertrauen in mich selbst und machte mich auf meine eigene Reise, um hoffentlich neue Erfolgsrezepte zu kreieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht \u00fcberraschend folgte kein BWL-Studium, sondern ein Start in die Geisteswissenschaften. Viele haben mich bel\u00e4chelt und diese Wahl als Fehler bezeichnet \u2013 und sie w\u00fcrden es heute vermutlich immer noch tun. Ich entschied mich trotzdem f\u00fcr das Vertrauen in mich selbst und diese F\u00e4cherkombination.<br \/>\nIch lernte essenzielle F\u00e4higkeiten, wie Themen zu abstrahieren, Gedanken sortieren und auch formulieren zu k\u00f6nnen sowie Argumente plausibel zu begr\u00fcnden. Und nat\u00fcrlich war auch die absolute Superpower dabei: der Perspektivwechsel.<br \/>\nEs sollte sich trotz allem herausstellen, dass meine F\u00e4cherwahl, gepaart mit mir als Frau, nicht f\u00f6rderlich f\u00fcr einen Karrierestart in der Wirtschaft war. Wir sprechen vom Jahr 1997\/98.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war damals sogar eine der wenigen Studierenden mit eigener E-Mail-Adresse und somit eine Art digitale Anwenderpionierin an der Uni. Trotzdem war es f\u00fcr mich fast unm\u00f6glich, einen Praktikumsplatz zu ergattern. Mir wurden fl\u00e4chendeckend wahnwitzige Vorurteile entgegengebracht: Mir wurde zum Beispiel die F\u00e4higkeit abgesprochen, mit einem Computer umgehen zu k\u00f6nnen. Und f\u00fcr die T\u00e4tigkeiten eines Praktikums schien ich auch nicht ausreichend qualifiziert zu sein.<br \/>\nIch erkannte, dass die Wahrnehmung meiner Person nicht linear mit meinen F\u00e4higkeiten verbunden ist, sondern extrem davon abh\u00e4ngt, was vordergr\u00fcndig von mir sichtbar ist. Also musste Ver\u00e4nderung her, ein Aufbruch zu noch unbekannten Marketingufern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00bbEinfach\u00ab machen<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Bei diesem Schritt stand f\u00fcr mich nicht die Korrektur eines vorherigen Fehlers im Mittelpunkt, sondern mein pers\u00f6nliches Weiterkommen. Denn: ohne Fehler keine Entwicklung.<\/p>\n<p>Statt mich in Selbstkritik zu verlieren und einfach per Radikalkur ohne Lerneffekt das Studium abzubrechen, habe ich nach kreativeren L\u00f6sungen gesucht. Ich wollte auf dem bisher Erreichten aufbauen, was bedeutete, dass ich meine Routenplanung ordentlich anpassen musste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Master-Abschluss in England wurde mein neues Ziel. Er baute auf meinem bisherigen Studium auf und bot mir zeitgleich eine wichtige Neuausrichtung f\u00fcr den Abschluss. Das war ein damals unkonventioneller und nicht unbedingt einfacher Schritt, f\u00fcr den ich auch nicht nur aufbauendes Feedback erhielt. Aber ich habe mich getraut und \u00bbeinfach\u00ab gemacht.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hie\u00df es aber erst mal: Raus aus der Komfortzone! Mir war klar, dass meine Neuausrichtung nicht bedeutete, den Weg dorthin auf einem Silbertablett serviert zu bekommen. Und es war definitiv anstrengend. R\u00fcckblickend war dieser Schritt f\u00fcr mich aber genau der richtige \u2013 und er \u00f6ffnete mir im n\u00e4chsten Schritt wieder komplett neue T\u00fcren.<\/p>\n<p>Diese spannenden T\u00fcren h\u00e4tte ich ohne die Anpassung meiner Reise gar nicht gesehen, geschweige denn erreicht. Ich konnte mir meinen Einstiegsjob nun komfortabel aus mehreren Optionen aussuchen.<br \/>\nAngst vor \u00bbfalschen\u00ab Entscheidungen muss also nicht sein. All das w\u00e4re niemals m\u00f6glich gewesen, wenn ich mich von meinen inneren Kritikern davon h\u00e4tte abhalten lassen. Es gibt kein Versagen, h\u00f6chstens lehrreiche Umwege oder Umleitungen, solange Selbstverantwortung, intelligente Reflexion und konstruktives Hinterfragen am Start sind.<\/p>\n<p>Heute wei\u00df ich, dass niemand besser als ich selbst wissen kann, was pers\u00f6nlicher Erfolg f\u00fcr mich bedeutet. Es ist dabei absolut in Ordnung, wenn ich mich in meinen Ansichten und meinem Lebensstil von anderen unterscheide. Ich warte nicht auf Zustimmung von au\u00dfen, wenn ich Entscheidungen treffe, die sich f\u00fcr mich richtig und gut f\u00fcr meine Zukunft anf\u00fchlen. Und dann geht\u2019s auch schon ans Umsetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das \u00bbWir\u00ab als Verst\u00e4rker des Erfolgs<\/strong><\/p>\n<p>Ohne Zweifel ist und bleibt die Klarheit zum \u00bbIch\u00ab die Grundlage f\u00fcr jeglichen pers\u00f6nlichen Erfolg. Es ist aber mitnichten so, dass ich alles allein schaffen oder k\u00f6nnen muss. Ich w\u00fcrde es sogar als Trugschluss bezeichnen, nur allein erfolgreich sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Erfolg ergibt sich definitiv aus Chancen, die ich selbst kreiere und sichtbar mache.<br \/>\nAuf ein Netzwerk bezogen haben so die anderen Menschen um mich herum einen gro\u00dfen Einfluss auf meinen pers\u00f6nlichen Erfolg. Das macht es so immens wichtig, sich mit den richtigen \u2013 also den f\u00fcr einen selbst passenden \u2013 Menschen zu umgeben.<br \/>\nNicht ohne Grund gibt es den Satz \u00bbAllein kommt man nicht weit\u00ab. Diesen Gedanken f\u00fchrt die Aussage \u00bbGemeinsam sind wir st\u00e4rker\u00ab noch deutlich weiter und ist unter anderem das Motto des Frauennetzwerks Mission Female, bei dem es darum geht, sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen, zu inspirieren und zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Interne Teams im Arbeitsumfeld und externe Netzwerke k\u00f6nnen zu wahren Energie- und somit auch Erfolgsverst\u00e4rkern werden: Erfahrungen auf Augenh\u00f6he zu teilen, Austausch mit Mitgliedern, die eine \u00e4hnliche Einstellung mitbringen \u2013 das sind wahre Energiesch\u00fcbe f\u00fcr die eigene Inspiration. Und wenn ich selbst inspiriert bin, kann ich in der besten Version von mir selbst die Welt ein kleines St\u00fcck besser machen.<br \/>\nWarum daf\u00fcr ein in sich geschlossenes System eines Netzwerks n\u00fctzlich ist? Das erleichtert das Entstehen einer Gruppenidentit\u00e4t mit eigener Dynamik. Eine derart \u00bbsichere\u00ab Gruppe bietet Unterst\u00fctzung und die M\u00f6glichkeit zum Austausch zu neuen Ideen, mit neuen Impulsen und Blickwinkeln.<\/p>\n<p>Insbesondere in schwierigen Zeiten ist der Austausch mit Gleichgesinnten so wertvoll: Sie haben die M\u00f6glichkeit, mir neue Perspektiven zu Herausforderungen aufzuzeigen und mir das eventuell gerade nicht so gro\u00dfe Selbstvertrauen wieder aufzubauen.<br \/>\nMir pers\u00f6nlich h\u00e4tte es enorm geholfen, schon zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt meiner Karriere Teil eines solchen Power-Netzwerks zu sein. Der sichere Austausch in einem vertrauensvollen Umfeld ist nicht zu untersch\u00e4tzen: Ich kann alles so sagen, wie ich es meine, ohne R\u00fccksicht auf politische oder betriebsimmanente Gegebenheiten. Diese Besonderheit macht Netzwerke und das Netzwerken so wertvoll.<br \/>\nEs macht aber ehrlicherweise auch einfach Riesenspa\u00df, Gleichgesinnte zu treffen, sich gegenseitig zu motivieren und f\u00fcreinander als Vorbilder da zu sein. Gro\u00dfartig ist der verst\u00e4rkende Effekt hierbei: Je mehr ich nach dem Vorbild der anderen handele, desto mehr werde ich selbst zu einem starken und sichtbaren Role Model.<\/p>\n<p>So schlie\u00dft sich der Kreis \u2013 und nicht nur das in sich geschlossene System des Netzwerks ver\u00e4ndert sich nachhaltig, sondern die Gesellschaft als Ganzes wird Schritt f\u00fcr Schritt eine bessere Version von sich selbst.<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6ne ist: Unsere Zukunft ist noch nicht festgeschrieben, sondern wartet darauf, von uns gemeinsam gemacht zu werden. Wer wei\u00df heute schon, wo genau uns unser Leben in der Zukunft noch hinf\u00fchren wird?<\/p>\n<p>Was ich allerdings genau wie Stuart Little wei\u00df: Ich bin vielleicht nicht auf dem perfekten, aber definitiv auf dem richtigen Weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-682195\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/05\/Cover.Probert._Erfolgreich-statt-perfekt_c2023-by-FBV.png\" alt=\"\" width=\"451\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/05\/Cover.Probert._Erfolgreich-statt-perfekt_c2023-by-FBV.png 451w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2023\/05\/Cover.Probert._Erfolgreich-statt-perfekt_c2023-by-FBV-208x300.png 208w\" sizes=\"auto, (max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/p>\n<p>Frederike Probert: &#8222;Erfolgreich statt perfekt. Wie Frauen wirklich Karriere machen&#8220; &#8211; 304 Seiten, 22 Euro, FinanzBuchverlag, <a href=\"https:\/\/www.m-vg.de\/finanzbuchverlag\/shop\/article\/24163-erfolgreich-statt-perfekt\/\">Erfolgreich statt perfekt &#8211; Wie Frauen wirklich Karriere machen (m-vg.de)<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Patricia Kelly: Ein Vergleich: M\u00e4nner und Frauen im Showbusiness<\/strong><\/p>\n<p><strong>Patricia Kelly ist eine irisch-US-amerikanische S\u00e4ngerin, Musikerin und Songwriterin. Bekannt wurde sie vor allem als Mitglied der mit mehreren Musikpreisen ausgezeichneten Pop- und Folkband \u201eThe Kelly Family\u201c, die 1994 ihren kommerziellen Durchbruch erzielte und mit mehr als 20 Millionen verkauften Tontr\u00e4gern zu den erfolgreichsten Interpreten in Europa geh\u00f6rt. Seit 2008 ist Patricia Kelly auch als Solok\u00fcnstlerin t\u00e4tig. Patricia ist Vollblut-Entertainerin, Unternehmerin und loving Mom. Female Empowerment liegt ihr ganz besonders am Herzen. <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum ersten Mal wirklich bewusst geworden ist mir der Unterschied, als ich mit einem Konzertveranstalter \u00fcber eine potenzielle Tour sprach und er mir knallhart ins Gesicht sagte, dass es deutlich einfacher sei, m\u00e4nnliche K\u00fcnstler erfolgreich auf Tour zu bringen. Ich wusste, dass zum Beispiel Festivals zu 70 Prozent mit m\u00e4nnlichen Showacts besetzt sind, und hatte mich immer gewundert, warum das so ist. Aber das so direkt zu h\u00f6ren, war schon krass. Es ging und geht also ums Geld. Aber warum sollten Frauen nicht genauso erfolgreich auf Tour gehen k\u00f6nnen und dieselben Summen einspielen? Wo war das Problem? Vermutlich liegt das auch daran, dass Festival-Besuchende meistens jung und weiblich sind \u2013 daher sind m\u00e4nnliche K\u00fcnstler pr\u00e4destiniert und die jungen M\u00e4dels bereit, Geld auszugeben, um ihren Star zu sehen. Da steckt ganz viel Marketing und das Spiel mit Rollenklischees dahinter. Den Grund in biologischen Gegebenheiten zu sehen, war f\u00fcr mich nie eine Option \u2013 f\u00fcr mich stand und steht die Qualit\u00e4t der Musik im Vordergrund und die hat rein gar nichts mit dem Geschlecht zu tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch bei Plattenfirmen habe ich vor einigen Jahren noch die R\u00fcckmeldung bekommen, dass m\u00e4nnliche K\u00fcnstler besser zu verkaufen seien, und habe daher immer wieder Absagen bekommen. Und zwar ganz unabh\u00e4ngig davon, wie gut meine Musik oder ein Song war. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, auf mich und meine F\u00e4higkeiten zu vertrauen \u2013 egal, was irgendwelche Plattenbosse sagen und welche Verkaufszahlen zu erwarten seien. Das war nicht immer einfach, aber ein superwichtiger Prozess f\u00fcr mich. Klar, geht es ums Business \u2013 und das Showbiz ist kein einfaches Pflaster: Es herrschen patriarchale Strukturen, es geht um Macht und um Geld. Dennoch m\u00f6chte ich mir selbst und meiner Musik treu bleiben. Und es hat sich gelohnt. Deshalb gebe ich allen Frauen mit auf den Weg: Glaubt an euch selbst und eure F\u00e4higkeiten und lasst euch nichts anderes einreden. Und geht konsequent euren Weg.<\/p>\n<p>Eine Freundin hat mal zu mir gesagt: \u00bbEs bringt nichts, sich zu beschweren, sondern wir k\u00f6nnen nur uns selbst \u00e4ndern.\u00ab Das war ein extrem wichtiger Impuls, der mein eigenes Verhalten bereits ver\u00e4ndert hat. Ich habe damit begonnen, aktiv auf meine Kolleginnen zuzugehen. Bei einer Veranstaltung habe ich zwei K\u00fcnstlerinnen, die ich gut finde, einfach direkt angesprochen \u2013 das h\u00e4tte ich mich fr\u00fcher nie getraut, obwohl ich selbst K\u00fcnstlerin bin. Wir hatten ein tolles und inspirierendes Gespr\u00e4ch, haben Telefonnummern ausgetauscht und folgen uns nun gegenseitig auf unseren Social-Media-Kan\u00e4len. Das zeigt, wie wichtig es ist, sich zusammenzutun und sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen. Und auch einfach mal mutig zu sein und Dinge in Gang zu setzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir Frauen sind oftmals zur\u00fcckhaltender und viel zu bescheiden. Wir setzen uns am Abend nach unseren Konzerten oder Veranstaltungen nicht an die Bar und netzwerken, wie viele M\u00e4nner das machen. Dabei werden dort die meisten Deals gemacht \u2013 da unterscheidet sich das Showbiz wohl kaum von anderen Branchen. Im Privatleben haben Frauen oftmals viele Kontakte, im Business m\u00fcssen wir aber ganz klar und konkret daran arbeiten. Wir m\u00fcssen unsere Netzwerke aufbauen und uns gegenseitig empfehlen und aufeinander aufmerksam machen. Ohne zu sagen: \u00bbIch bin eine Frau, ich habe es deswegen schwerer.\u00ab Wir m\u00fcssen aktiv werden und uns das vielleicht auch gegenseitig mehr vorleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Miriam van Straelen: Mut ist ein Muskel, der trainiert werden kann<\/strong><\/p>\n<p><strong>Miriam van Straelen ist eine Strategin, die praxisorientierte L\u00f6sungen entwickelt. Dabei greift sie auf ihre umfassenden Erfahrungen in den Bereichen der Strategieentwicklung und -umsetzung sowie dem Produktmanagement und den Roll-outs von neuen Produkten und Dienstleistungen in digitalen Gesch\u00e4ftsfeldern zur\u00fcck. In den letzten 15 Jahren war Miriam f\u00fcr die Strategie, das Design, den Aufbau, das Wachstum als auch die Skalierung von digitalen Produkten und Dienstleistungen verantwortlich. Der Fokus lag vor allem auf Gesch\u00e4ftsfeldern wie E-Commerce, Fintech und digitalen \u00d6kosystemen im B2C- und B2B2C-Umfeld.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Als Gr\u00fcnderin, Unternehmerin und erfahrene F\u00fchrungskraft f\u00fchlt sie sich gleicherma\u00dfen in der Arbeit mit Start-ups als auch mit multinationalen Unternehmen wohl. Leistungsstarke Teams zu bilden, zu f\u00fchren und dabei das Beste aus den Menschen herauszuholen, gibt ihr Motivation. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Miriams Ziel ist es, L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Herausforderungen zu finden und Unternehmen durch die Entwicklung von digitalen Strategien und Innovationen, welche eine Benchmark setzen, zu f\u00f6rdern. <\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde l\u00fcgen, wenn ich sagte, es sei nicht so gewesen. Ich wurde schon sehr h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt \u2013 meistens von mir selbst. Gerade im beruflichen Umfeld habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Frauen noch h\u00e4rter k\u00e4mpfen m\u00fcssen, um die n\u00e4chste Karrierestufe zu erreichen, als M\u00e4nner. In meiner pers\u00f6nlichen Laufbahn hatte ich gl\u00fccklicherweise gen\u00fcgend F\u00fcrsprecher, die mich unterst\u00fctzt, gefordert und auch gef\u00f6rdert haben. Aber das Wichtigste war: Sie haben mir Mut gemacht. Denn die F\u00e4higkeiten f\u00fcr die n\u00e4chste Karrierestufe waren vorhanden, nur ich selbst stand mir h\u00e4ufig im Weg. Einer meiner besten Chefs sagte immer wieder zu mir: \u00bbMach es doch einfach! Es ist keine OP am offenen Herzen \u2013 was soll denn Schlimmes passieren?\u00ab \u2013 das half mir, meine Zweifel und Bedenken wieder in Relation zu setzen, und ich konnte den n\u00e4chsten Schritt wagen. Besonders gerne mag ich auch den Spruch: \u00bbDeine Komfortzone f\u00fchlt sich warm und gem\u00fctlich an, aber aus ihr heraus wird sich niemals etwas Gro\u00dfes entwickeln.\u00ab<\/p>\n<p>Und genauso wenig wird sich etwas Gro\u00dfes entwickeln, wenn jede und jeder sein eigenes S\u00fcppchen kocht. Sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen und sich auf dem Weg nach oben mitzunehmen, ist unglaublich wichtig. Heute spricht man von Allyship, zu Beginn meiner Karriere, vor 20 Jahren war das noch anders. Ich habe in meiner bisherigen Karrierelaufbahn nur M\u00e4nner als Chefs gehabt \u2013 weibliche Vorbilder gab es kaum. Und die, die eine F\u00fchrungsposition innehatten, taten es den M\u00e4nnern oft gleich, um in diesem m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Umfeld zu bestehen. Es erschien fast so, als h\u00e4tten Frauen nur dann eine Chance, Karriere zu machen. Ab einem bestimmen Level geht es h\u00e4ufig um Macht und darum, Machtverh\u00e4ltnisse zu sichern und bitte blo\u00df nichts davon abzugeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich beobachte immer wieder, wie Frauen an sich selbst und ihren F\u00e4higkeiten zweifeln \u2013 das f\u00fchrt in der Konsequenz nat\u00fcrlich h\u00e4ufig dazu, dass auch andere die F\u00e4higkeiten dieser Frauen infrage stellen. Das ist ja auch logisch \u2013 wenn man selbst nicht an sich glaubt, warum sollten es dann die anderen tun? Auch ich kann davon ein Lied singen. Jahrelang war ich es selbst, die mich untersch\u00e4tzt hat. Mein Vater war ein erfolgreicher Gesch\u00e4ftsmann, von dem ich viel lernen durfte, insbesondere, wenn es um das Wohl von und den Umgang mit Mitarbeitenden ging. Er war ein absoluter \u00bbPeopleMensch\u00ab, was mich bis heute in meiner Arbeitsweise pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Meine Eltern haben mich immer sehr unterst\u00fctzt, und dennoch habe ich mir zu Beginn meiner Karriere zu wenig zugetraut \u2013 r\u00fcckblickend vermutlich auch, weil mir entsprechende Vorbilder gefehlt haben. Es ist wichtig, aufgrund des eigenen Handelns immer wieder positiv best\u00e4rkt zu werden und zu sehen: \u00bbJa, es geht!\u00ab und: \u00bbJa, ich kann das!.\u00ab Man muss manchmal mutig sein und Dinge einfach mal machen. Denn Mut ist ein Muskel, der trainiert werden kann. Diese positive R\u00fcckkopplung f\u00fchrt dazu, dass man sich immer mehr zutraut und \u00fcber sich hinausw\u00e4chst \u2013 so war es auch bei mir.<br \/>\nAber auch das Umfeld spielt eine gro\u00dfe Rolle. Wir brauchen definitiv mehr Role Models, die uns unser Potenzial aufzeigen und mit denen wir uns identifizieren k\u00f6nnen. Wichtig dabei ist, dass es nicht um M\u00e4nner gegen Frauen geht \u2013 viel mehr m\u00fcssen wir eine diverse und wirklich vielf\u00e4ltige Lebensrealit\u00e4t schaffen, die alle miteinschlie\u00dft, mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen. Das Thema Diversity ist f\u00fcr mich kein Nice-to-have, sondern der einzige nachhaltige Weg in die Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute ist es mir eine Herzensangelegenheit, andere Frauen zu ermutigen, an sich und ihre individuellen F\u00e4higkeiten zu glauben \u2013 denn wenn du selbst an dich glaubst, dann trittst du ganz anders und viel selbstbewusster auf. Das setzt unglaubliches Potenzial frei. Ich m\u00f6chte mit gutem Beispiel vorangehen und ganz bewusst anders sein als viele der Frauen, die mir zu Beginn meiner Karriere begegnet sind. Ich m\u00f6chte die Leiter hinter mir nicht hochziehen, sondern ausfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Silke Reuter: Mein Erfolgsprinzip: \u201eJetzt erst recht!\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Silke Reuter ist Senior Marketing Executive (CMO) und war unter anderem f\u00fcr Unilever, Tchibo, Alois M\u00fcller, Cora Verlag, Mrs. Sporty, CPGaba, BRITA, Walter rau, FrieslandCampina (Landliebe) und Haus Rabenhorst (Rotb\u00e4ckchen) t\u00e4tig. Ihr Herz schl\u00e4gt seit ihrem beruflichen Start bei Unilever in Hamburg f\u00fcr Gesundheit und Ern\u00e4hrung sowie f\u00fcr die Markenf\u00fchrung von Premium-Produkten und -Sortimenten. Humanistische Werte, Innovationen und konsumentenorientierte Unternehmensf\u00fchrung sind ihr dabei in ihrer Laufbahn besonders wichtig. Die Menschen \u2013 ob Mitarbeiter, Kunden oder Verbraucher \u2013 stellt sie in den Mittelpunkt ihres Handelns. Ihr Motto \u201eSei das was du dir w\u00fcnschst f\u00fcr diese Welt\u201c setzt sie durch stetige Impulse im Bereich Innovation und Nachhaltigkeit im beruflichen Umfeld sowie durch ihr ehrenamtliches Engagement f\u00fcr Kinder und die Natur um. Sie engagiert sich au\u00dferdem in verschiedenen Netzwerken im Bereich Marketing, Innovationen, Digitalisierung und Markenf\u00fchrung. Privat tankt sie Energie durch vielf\u00e4ltige Aktivit\u00e4ten wie Wandern, Radfahren, St\u00e4dtereisen, Beach-Volleyball und Konzerte.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wann hast du schon einmal gemerkt, dass du im Vergleich zu deinen m\u00e4nnlichen Kollegen anders behandelt wurdest?<\/strong><strong> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>Ich liebe die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, die ich als Marketingleiterin habe. Zu Beginn war es im Job f\u00fcr mich \u2013 als Tochter von P\u00e4dagogen, denen Sozialverhalten wichtig ist \u2013 allerdings sehr schwer. Wir wurden als M\u00e4dchen zu Hause, in der Schule und beim Leistungssport gleichbehandelt. Das Karrieresystem durchschaute ich nicht, erst sp\u00e4ter wurde mir klar, dass vieles an meinem Weiblichsein lag und dass Jungs es leichter haben. Einmal wurde ich bei einer Au\u00dfendiensttagung im blauen Anzug vom Vertriebsleiter als Servicekraft angesprochen. Ein anderes Mal beauftragte mich ein m\u00e4nnlicher Vorgesetzter, sein Fahrrad w\u00e4hrend der Arbeitszeit zu reparieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wurde mir verwehrt, Netzwerke aufzubauen, denn ich durfte nicht an Veranstaltungen und Werksbesuchen teilnehmen. Im Verkaufsb\u00fcro wurde ich in einen Vorraum voller Akten gesetzt. Die m\u00e4nnlichen Trainees hatten solche Erfahrungen nicht und waren in kurzer Zeit alle gut vernetzt und fanden interne F\u00f6rderer. Trotz immer sehr guter Beurteilungen und gro\u00dfen Einsatzes wurde ich dann nicht auf die entscheidenden \u00bbListen\u00ab gesetzt, die ich brauchte, um weiterzukommen. Eine sehr gute Zusammenarbeit mit einem Vorgesetzten wurde als \u00bbVerh\u00e4ltnis\u00ab interpretiert, was jeder Grundlage entbehrte. Und ein m\u00e4nnlicher Kollege erntete nach seinem internen Wechsel auf meine Stelle meine Lorbeeren und den Seniortitel. Ich wurde nicht bef\u00f6rdert. Chefs profitierten von meinen Leistungen und machten Karriere. Ich war exzellent, naiv, hilfsbereit und nett \u2013 das ideale Sprungbrett f\u00fcr andere \u2013 und musste mir am Ende extern einen neuen Job suchen. Auf das Zeugnis warte ich bis heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ich lernte dazu \u2013 und das war wichtig, denn in der n\u00e4chsten Firma war es \u00e4hnlich: Einige Vorgesetzte nutzen meine Ergebnisse f\u00fcr ihr Fortkommen, und trotz intern erfolgreicher Wechsel in neue Bereiche traute man mir nicht zu, eine F\u00fchrungsposition zu \u00fcbernehmen. Ich erlebte M\u00e4nnerseilschaften und die bekannte gl\u00e4serne Decke. Wertsch\u00e4tzung? Fehlanzeige! Stattdessen wurde mir ein Mann nach dem anderen \u2013 zum Teil aus v\u00f6llig artfremden Bereichen \u2013 vorgesetzt, der von mir profitierte und die Erfolge ohne mich pr\u00e4sentierte. Aus fr\u00fcheren Erfahrungen lernend, hatte ich aber inzwischen eigene Netzwerke aufgebaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Rezession, als es dem Unternehmen schlecht ging, wusste ich, wohin mein Weg f\u00fchrt: Ich entschied mich f\u00fcr die Selbstst\u00e4ndigkeit als Senior Consultant, was bisher meine mutigste Entscheidung war \u2013 und die beste Erfahrung, denn ich lernte, ich kann unabh\u00e4ngig sein und \u00bbmeine Frau\u00ab stehen. Ich arbeitete viel und verdiente ein Vielfaches durch gute Auftr\u00e4ge, die mir zudem Respekt einbrachten. Mein inzwischen gro\u00dfes Netzwerk an tollen Frauen und M\u00e4nnern sicherte mir meine Zukunft sowie positiven Zuspruch und viel Wertsch\u00e4tzung. Davon und gelegentlich von externen Coaches profitierte ich auch in den Senior-Management-Positionen, denn ein guter Tipp oder ein Gespr\u00e4ch zur richtigen Zeit ist immer Gold wert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch in den obersten Managementebenen gibt es immer mal wieder Geringsch\u00e4tzung, despektierliches Verhalten und Machtk\u00e4mpfe. \u00bbMann\u00ab sch\u00e4tzt es zum Beispiel sehr, wenn ich still bin, um selbst mehr Redeanteile zu haben. Inzwischen h\u00f6re ich auf mein Bauchgef\u00fchl und achte auf mich. Ich agiere professionell, freundlich, vorausschauend und planend. Und ich orientiere mich extern, statt Machtk\u00e4mpfe gegen Seilschaften auszutragen, die ich nicht gewinnen kann. Meine Naivit\u00e4t von fr\u00fcher, nur an das Leistungsprinzip zu glauben, habe ich abgelegt. Meinen mir wichtigen Werten \u2013 Innovation, Fairness, Kooperation, Zusammenarbeit, Respekt und Wertsch\u00e4tzung \u2013 bin ich aber treu geblieben, denn sie geben mir Kraft und Energie. Inzwischen halte ich auch Vortr\u00e4ge, weil es mir Spa\u00df macht, mein Wissen zu teilen. T\u00e4glich verfolge ich zudem LinkedIn und poste zu den drei mir wichtigen Themen: Food &amp; Beverage Innovationen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Ich glaube, meine Karriere fu\u00dft auf meinem Mut und der intrinsischen Motivation, etwas Sinnvolles und Gutes tun zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anke Renz: Wie ich aus meiner Leidenschaft eine erf\u00fcllende Karriere geformt habe \u2013 ein erfolgreicher Br\u00fcckenschlag zwischen Wissenschaft und Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anke Renz ist Expertin f\u00fcr Produktinnovation und Innovationsmanagement in der Konsumg\u00fcter- und Chemiebranche. In ihrer mehr als 20-j\u00e4hrigen Karriere war sie an verschiedenen Forschungsstandorten im In- und Ausland als Managerin t\u00e4tig. Zwischen 2017 und 2019 war Anke Mitglied des freiwilligen Aufsichtsrats der Procter &amp; Gamble Manufacturing GmbH sowie Standortleiterin des deutschen Forschungszentrums in Schwalbach am Taunus. <\/strong><\/p>\n<p><strong>In ihrer aktuellen Rolle beim schwedischen Konsumg\u00fcter-Unternehmen Essity leitet sie die weltweite Forschung und Entwicklung f\u00fcr den Bereich Personal Care mit 200 Wissenschaftler:innen, Ingeneur:innen und technischen Expert:innen. <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als leidenschaftliche Wissenschaftlerin gestartet, trieb Anke Renz auf ihrem Karriereweg vor allem eins an: ihre Neugier und Offenheit f\u00fcr Neues. Sie ist Expertin f\u00fcr Produktentwicklung und Innovationsmanagement in der Konsumg\u00fcter- und Chemiebranche. In ihrer mehr als 20-j\u00e4hrigen Berufslaufbahn war sie verantwortlich f\u00fcr die Entwicklung globaler und regionaler Produktbereiche, einschlie\u00dflich einer Reihe von Innovationsprojekten zur nachhaltigen Transformation. Heute leitet sie die weltweite Forschung f\u00fcr den Bereich Personal Care beim Hygiene- und Gesundheitsunternehmen Essity. Auf welche zehn Aspekte sie in ihrer Karriere bis heute Wert legt, verr\u00e4t sie im Folgenden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die eigenen St\u00e4rken kennen<\/strong><\/p>\n<p>Schon als Kind wollte ich Forscherin werden. Zu Hause im Garten beobachtete ich Insekten und machte Experimente mit Tinkturen aus Pflanzen: Was passiert beim Mischen? Wie \u00e4ndern sich Farbe, Geruch und Konsistenz im Laufe der Zeit? Das waren spannende Fragen f\u00fcr mich. Als ich mich sp\u00e4ter in der Oberstufe f\u00fcr eine einzelne Naturwissenschaft als Hauptfach entscheiden sollte, fiel mir die Auswahl nicht leicht. Daher holte ich mir Rat bei meinem damaligen Klassenlehrer. Seine Meinung war eindeutig: \u00bbDu musst dich nur zwischen Chemie und Biologie entscheiden, Physik ist nichts f\u00fcr M\u00e4dchen!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit hatte er mir \u2013 wenn auch ungewollt \u2013 einen sehr guten Rat gegeben. Noch am selben Nachmittag machte ich mein Kreuz bei Physik als Abiturfach. Ich habe meine Entscheidung nie bereut. Im Nachhinein betrachtet konnte ich daraus eine erste entscheidende Erkenntnis f\u00fcr mein sp\u00e4teres Berufsleben ziehen: selbst zu wissen, wo die eigenen St\u00e4rken liegen und was man sich zutraut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Feedback und Rat von au\u00dfen ist auf jeden Fall wichtig. Ich fordere das auch heute noch ein. Genauso wichtig ist es auch, sich selbst und seine St\u00e4rken gut zu kennen. Nur dann k\u00f6nnen wir Feedback besser differenzieren und f\u00fcr uns selbst entscheiden, was tats\u00e4chlich weiterhilft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine zu engen fachlichen Grenzen setzen<\/strong><\/p>\n<p>Meine Liebe zur Forschung brachte mich schlie\u00dflich dazu, Ern\u00e4hrungswissenschaften zu studieren. Ich absolvierte ein Praktikum im Entwicklungsbereich eines internationalen Konsumg\u00fcterkonzerns \u2013 und war Feuer und Flamme, als mir zum Ende meiner Praktikumszeit ein Job angeboten wurde. \u00dcberzeugt davon, dass meine Aufgaben im Bereich Nahrungsmittel liegen w\u00fcrden, nahm ich das Angebot an.<br \/>\nAm ersten Arbeitstag war meine \u00dcberraschung gro\u00df: Ich war dem Bereich Damenhygiene zugeordnet worden, und mein erstes Projekt w\u00fcrde die Entwicklung einer Slipeinlage f\u00fcr Stringtangas sein. Das war definitiv nicht das, was ich erwartet hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Projekt entpuppte sich jedoch als perfekter Berufseinstieg f\u00fcr mich: ein kleines Team, eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Bereichen und ein spannender erster Einblick in das Thema Verbraucherforschung. Gerade am Anfang lohnt es sich, seine fachlichen Grenzen nicht zu eng zu setzen und mutig \u00fcber den Tellerrand hinauszuschauen. F\u00fcr viele Aufgaben in der Industrie gibt es kein ma\u00dfgeschneidertes Studium, da geht Probieren in der Tat \u00fcber Studieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Konstruktives Nein-Sagen lernen<\/strong><\/p>\n<p>Die wohl wichtigste Lektion habe ich gleich zu Beginn meiner Karriere \u2013 und auf eher unerfreuliche Weise \u2013 gelernt. Nachdem ich auf zwei sehr ambitionierten Projekten fast drei Wochen komplett durchgearbeitet hatte, bestellte mich meine neue, amerikanische Chefin zu sich. Sie wollte, dass ich ein drittes dringendes Projekt \u00fcbernehme. Ich war sehr erstaunt und antwortete, dass ich mich dazu aktuell nicht in Lage s\u00e4he. Auf diese Erwiderung reagierte sie pikiert und bezeichnete mich als offensichtlich arbeitsscheu. Ich war schockiert \u2013 wie konnte sie mir nach so viel harter Arbeit diese Unterstellung machen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V\u00f6llig aufgel\u00f6st rief ich meine Mentorin an. Sie machte mich mit dem Konzept des konstruktiven Nein-Sagens vertraut: statt Anfragen mit einem pauschalen \u00bbGeht nicht\u00ab zu beantworten, lieber realisierbare Optionen aufzeigen. Die meisten Aufgaben sind machbar, es ist meist nur eine Frage von Zeit, Geld und Arbeitsaufwand. Ein Vorschlag damals h\u00e4tte die Abgabe eines der anderen Projekte sein k\u00f6nnen oder eine ver\u00e4nderte zeitliche Staffelung. Eine solche Diskussion w\u00e4re au\u00dferdem die perfekte Gelegenheit gewesen, die eigene Arbeit dem Gegen\u00fcber sichtbar zu machen und gemeinsam Priorit\u00e4ten festzulegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Strategie des konstruktiven Neins nutze ich bis heute regelm\u00e4\u00dfig mit positivem Ergebnis. Sie erm\u00f6glicht mir, den n\u00f6tigen Fokus zu setzen, ohne als \u00bbNein-Sagerin\u00ab abgestempelt zu werden. Denn wer immer \u00bbNein\u00ab sagt, wird irgendwann nicht mehr gefragt \u2013 und verpasst so vielleicht interessante Chancen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fachexpertise nicht \u00fcber Teamerfolg stellen<\/strong><\/p>\n<p>Fachkompetenz ist sehr wichtig, keine Frage, und sollte auch entwickelt und gepflegt werden. Trotzdem sehe ich gerade im technischen und wissenschaftlichen Bereich oft Kolleginnen und Kollegen, die sich regelrecht darin verbei\u00dfen und ihre Fachexpertise zum Selbstzweck erheben.<\/p>\n<p>Statt gegenseitiger Unterst\u00fctzung in der Teamarbeit wird mit viel Energie ein fachlicher Disput ohne konkrete Zielsetzung gef\u00fchrt. Zumindest in der Wirtschaft ist es sinnvoller, die eigene Fachexpertise in den Dienst der Sache, statt st\u00e4ndig unter Beweis zu stellen. Erfolgreiche Zusammenarbeit im Team entsteht dann, wenn man sich fachlich erg\u00e4nzt, anstatt den Wettbewerb im Besserwissen zu gewinnen. Das gilt auch f\u00fcr die Zusammenarbeit mit den eigenen Vorgesetzten.<\/p>\n<p>Sich auf komplement\u00e4re Kompetenzen und gemeinsame Ziele zu fokussieren, f\u00f6rdert die gegenseitige Wertsch\u00e4tzung und hilft, Vertrauen aufzubauen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn man aus unterschiedlichen fachlichen Bereichen kommt und noch keine gemeinsame Arbeitsbasis hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chancen zur Weiterentwicklung nutzen<\/strong><\/p>\n<p>Als sich mir 2011 die M\u00f6glichkeit f\u00fcr einen Auslandsaufenthalt in Singapur bot, griff ich gerne zu. Meine Arbeitserfahrung auf dem asiatischen Markt war gering, meine Neugierde auf die Kultur daf\u00fcr umso gr\u00f6\u00dfer. Es war die ideale Gelegenheit, meinen Erfahrungshorizont zu erweitern. H\u00e4tte ich diese Chance als reinen Karriereturbo betrachtet, w\u00e4re ich mit ziemlicher Sicherheit entt\u00e4uscht worden. Zur Zeit meiner geplanten R\u00fcckkehr gab es keine passende Stelle f\u00fcr mich, denn in Europa lief gerade ein Restrukturierungsprogramm. Die einzige Option war ein Wechsel in einen neuen Bereich, in dem ich wieder fast bei Null anfangen musste.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon geh\u00f6rt die Zeit in Singapur bis heute zu meinen wertvollsten beruflichen Stationen. Es war eine unglaublich bereichernde Erfahrung, an der ich sehr gewachsen bin.<\/p>\n<p>Mein Appell an alle, die sich aus dem gewohnten Umfeld herauswagen: Es ist sehr viel wertsch\u00f6pfender, solche Gelegenheiten als M\u00f6glichkeit zur pers\u00f6nlichen Weiterentwicklung zu betrachten, anstatt sich nur auf die Karrierechancen zu fokussieren. Letztere sind nicht immer planbar. Doch die Erfahrung, die sich aus einer einmaligen Jobgelegenheit ergibt, ist in jedem Fall eine Bereicherung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Motivationsoasen schaffen<\/strong><\/p>\n<p>Egal, wie erfolgreich eine Karriere verl\u00e4uft, es wird Phasen geben, in denen man das Gef\u00fchl hat, festzustecken. In diesen Momenten liegt die Kunst darin, nicht in Frust zu versinken oder aus reiner Verzweiflung das n\u00e4chstbeste Angebot anzunehmen.<br \/>\nStattdessen hilft es mir, wenn ich mir selbst kleine \u00bbMotivationsoasen\u00ab schaffe, bis eine wirklich gute und passende Gelegenheit kommt. Ich liebe es, neue Dinge zu lernen \u2013 das hat mich schon \u00fcber einige Karrieredurststrecken gerettet. So habe ich beispielsweise ein Ministudium im Bereich Nachhaltigkeit absolviert. Das Thema liegt mir sehr am Herzen, und das Gelernte kann ich heute wunderbar in meine aktuelle Aufgabe einbringen.<\/p>\n<p>Es muss aber nicht immer ein berufsbezogenes Thema sein. Eine Ausbildung zur Yogalehrerin oder ein Sabbatical \u2013 meine pers\u00f6nlichen Motivationsoasen waren im Laufe der Jahre sehr vielf\u00e4ltig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mut zur L\u00fccke haben<\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb der eigenen Komfortzone hat noch niemand eine erfolgreiche Karriere gemacht. Ein Motto, das sich f\u00fcr mich in diesem Zusammenhang besonders beim Wechsel in neue Organisationen bew\u00e4hrt hat: Macht mir eine neue Aufgabe nicht wenigstens ein bisschen Angst, ist sie vermutlich nicht gro\u00df genug. Dazu geh\u00f6rt auch ein gewisser Mut zur L\u00fccke. Was ich noch nicht kann, kann ich lernen. Fragen zu stellen und um Unterst\u00fctzung zu bitten, ist aus meiner Sicht kein Zeichen der Schw\u00e4che \u2013 im Gegenteil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meinen F\u00fchrungsrollen bitte ich meine Teams immer ausdr\u00fccklich darum, mir am Anfang der Zusammenarbeit 100 Tage Zeit zu geben. Diese Zeit nutze ich, um die Teammitglieder kennenzulernen, um zu verstehen, was und wie gearbeitet wird und um Fragen zu stellen. Nach dieser Frist stelle ich meine ersten Eindr\u00fccke zusammen und diskutiere sie offen mit Team und Vorgesetzten. Was l\u00e4uft gut und sollte ausgebaut werden? Was l\u00e4uft nicht gut und sollte angepasst werden? Welche Chancen gibt es f\u00fcr neue Ans\u00e4tze? Aus den Ergebnissen erstelle ich mit meinem F\u00fchrungskreis einen Plan und stimme diesen mit den Vorgesetzten ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf diese Weise kann ich bestehende St\u00e4rken erhalten und notwendige Ver\u00e4nderungen angehen. Andersherum w\u00fcrde ich mir nur selbst ein Bein stellen: Wer mit einer vorgefassten Meinung \u00fcber die Arbeitsweise einer bestehenden Organisation in einem neuen Team anf\u00e4ngt, wird es schwer haben, die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung im Team zu bekommen und eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zielgerecht Netzwerke aufbauen und pflegen<\/strong><\/p>\n<p>Wer hoch hinauswill, kann auch tief fallen \u2013 da ist es sehr beruhigend, ein Netz zu haben, das einen auffangen kann. Auch wenn alles gut l\u00e4uft, sind Netzwerke stets eine Bereicherung und Inspirationsquelle. Ich nutze meine Netzwerke regelm\u00e4\u00dfig zum Austausch. Manchmal brauche ich eine Idee oder einen Kontakt, manchmal einen fachlichen Rat \u2013 und gelegentlich tut es auch einfach gut, sich mit Menschen in einer \u00e4hnlichen Situation auszutauschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Auswahl von Netzwerken ist es elementar, eine Idee zu haben, wie man das Netzwerk nutzen m\u00f6chte. Dazu geh\u00f6rt auch eine Vorstellung, was man selbst bereit ist, an Zeit und Aufwand zu investieren. Netzwerke leben von den Menschen, die sie bilden. Wenn ich also keine eigene Energie in ein Netzwerk investiere, werde ich auch nicht viel zur\u00fcckbekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe den Schwerpunkt meiner beruflichen Netzwerke \u00fcber die Jahre immer wieder ver\u00e4ndert und der eigenen Situation und Motivation angepasst. Das hat mir geholfen, sie f\u00fcr mich relevant zu halten, sodass ich gerne meine Energie investiere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung suchen und annehmen<\/strong><\/p>\n<p>Ganz gleich, wie viele Jahre Berufserfahrung man bereits gesammelt hat: Es wird auf dem Weg nach oben immer Situationen geben, in denen man das Gef\u00fchl hat, dass einem alles \u00fcber den Kopf w\u00e4chst. An dieser Stelle kann ein erfahrener interner oder externer Coach eine wunderbare Erg\u00e4nzung sein. Ganz wichtig: Dabei geht es nicht um Selbstoptimierung. Es geht vielmehr darum, eine andere Perspektive einzunehmen und gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, wie die aktuelle Situation am besten zu bew\u00e4ltigen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen passenden Coach zu finden, ist nicht immer einfach: Das Angebot ist sehr gro\u00df. Als Hilfestellung f\u00fcr die Auswahl gibt es f\u00fcr mich zwei wichtige Kriterien. Das erste ist fachlicher Natur: Hat die Person die richtige Kompetenz, um mir in der aktuellen Situation zu helfen? Das zweite Kriterium liegt in der pers\u00f6nlichen Ebene: Kann ich mit der Person ein Vertrauensverh\u00e4ltnis aufbauen? Auch das pers\u00f6nliche Netzwerk kann helfen, einen geeigneten Coach zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe in meiner Laufbahn mehrfach Coaches als Unterst\u00fctzung f\u00fcr verschiedene Themen eingebunden, wie zum Beispiel f\u00fcr Resilienz, Mindset und Leadership. Das hat mir in herausfordernden Situationen neue Perspektiven er\u00f6ffnet und alternative Wege aufgezeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit Neugier besser verstehen<\/strong><\/p>\n<p>Meine Neugier ist ein wichtiger Grund, weshalb ich in der Forschung und Entwicklung sehr gut aufgehoben bin. Sie hilft mir aber auch, mit schwierigen Situationen umzugehen. Statt beleidigt oder defensiv auf eine scheinbar negative Aussage zu reagieren, versuche ich, sie zuerst mit Neugier zu betrachten. Warum sagt diese Person das? Was meint er oder sie damit? Gibt es einen Kontext, den ich nicht kenne?<br \/>\nWer diese und \u00e4hnliche Fragen stellt, hat eine ziemlich gute Chance, besser zu verstehen, wo Probleme zu l\u00f6sen oder Missverst\u00e4ndnisse auszur\u00e4umen sind. Missverst\u00e4ndnisse in einem internationalen Umfeld entstehen h\u00e4ufig bei kulturellen Unterschieden. Eine gesunde Neugier und Offenheit helfen, ein besseres gegenseitiges Verst\u00e4ndnis zu erhalten und eine wertsch\u00e4tzende, unterst\u00fctzende Arbeitsatmosph\u00e4re zu schaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit: Wirtschafterin oder Wissenschaftlerin?<\/strong><\/p>\n<p>Heute sehe ich mich mehr als Managerin denn als Wissenschaftlerin. Der Wissenschaft habe ich trotzdem nie den R\u00fccken gekehrt, obwohl mir in meiner Karriere mehrfach der Rat gegeben wurde, \u00bbins Marketing zu wechseln, weil man dort schneller Karriere macht\u00ab.<\/p>\n<p>Das mag richtig sein, war f\u00fcr mich aber nicht ausschlaggebend.<br \/>\nWichtig ist mir,<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 mich mit Neugier und Freude am Lernen innerhalb als auch au\u00dferhalb der eigenen Komfortzone weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 in einem Arbeitsumfeld zu agieren, das einen hohen Wert auf Innovation, Nachhaltigkeit und Diversit\u00e4t legt.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 eine Firmenkultur zu haben, die gepr\u00e4gt ist von Wertsch\u00e4tzung, Unterst\u00fctzung, Mut und Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>All das habe ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber gefunden. Und wenn ich gefragt werde, was mein Rezept f\u00fcr eine erfolgreiche und erf\u00fcllende Karriere ist, antworte ich gerne mit einem Zitat von Albert Einstein: \u00bbIch habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stefanie Tannrath: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seit September 2020 ist Stefanie die erste weibliche CEO der Media- und Werbeagentur UM (Universal McCann) in Deutschland und damit verantwortlich f\u00fcr die drei Agenturstandorte Frankfurt, Hamburg und D\u00fcsseldorf. Begeistern kann man Stefanie mit guten Ideen, komplexen Fragestellungen und Transformationsaufgaben \u2013 sowohl die eigenen als auch die ihrer Kunden. Das Business ihrer Kunden zukunftssicher zu machen, steht dabei f\u00fcr sie im Mittelpunkt \u2013 partnerschaftlich, mit Datenintelligenz und Kreativit\u00e4t. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit ihrer Agentur beweist sie t\u00e4glich, dass nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln nicht im Widerspruch zu erfolgreicher Unternehmensf\u00fchrung stehen muss und dass Diversit\u00e4t und Gleichberechtigung oberste Priorit\u00e4t im Management haben sollten.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum wir uns auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung oft selbst Steine in den Weg legen und was jede:r von uns f\u00fcr eine gleichberechtigtere Zukunft tun kann \u2013 gerade in F\u00fchrungspositionen. <\/strong>Diversit\u00e4t in Unternehmen \u2013 ein Thema, das bereits viele Dialoge, Diskussionen, Texte und Sendungen gef\u00fcllt hat. Schlie\u00dflich finden wir doch alle, dass Diversit\u00e4t in Unternehmen wichtig ist. Meiner Meinung nach ist es ein nicht mehr umzusto\u00dfender und insgesamt weithin akzeptierter Fakt, dass diverse Teams produktiver und kreativer sind. Warum sind wir dann noch immer so weit entfernt von einer echten Gleichberechtigung der Geschlechter in der Wirtschaft? Was bedeutet es eigentlich, ein Unternehmen mit einer Diversit\u00e4tsagenda zu f\u00fchren? Und wieso scheint der Weg zu einem gleichberechtigten Wirtschaftssystem so schwierig und langwierig zu sein?<\/p>\n<p>Weil es auf dem Weg zu Diversit\u00e4t keine Abk\u00fcrzungen gibt und jede Ver\u00e4nderung viel Arbeit bedeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum uns Diversity so schwerf\u00e4llt<\/strong><\/p>\n<p>Folgendes Szenario ist uns allen bekannt: Eine entscheidende Position wird mit einer Frau besetzt, das Thema \u00bbDiversity\u00ab oder \u00bbFrauenf\u00f6rderung in Unternehmen\u00ab wird damit abgehakt und als erledigt betrachtet. Eine einfache und schnelle L\u00f6sung \u2013 die das Ziel verfehlt. Denn mit One-Stop-L\u00f6sungen k\u00f6nnen weder Strukturen substanziell ver\u00e4ndert noch echte, nachhaltige Fortschritte gemacht werden. Schlie\u00dflich ist es unerl\u00e4sslich, dass man \u00fcber diese Themen spricht \u2013 ihnen also kontinuierlich und langanhaltend Raum gibt und sie durch eine zielgerichtete Agenda untermauert.<br \/>\nEine weitere H\u00fcrde auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung ist zudem, dass das Thema \u00bbFemale Empowership\u00ab von allen Seiten mit sehr vielen Emotionen behaftet ist. Auch f\u00fcr jene Frauen, die es \u00bbgeschafft\u00ab haben und bereits zentrale F\u00fchrungspositionen innehaben, ist dieses Thema sicherlich nicht immer einfach. Ich kenne viele Frauen in F\u00fchrungspositionen, die mit Frauenf\u00f6rderung im Unternehmen eigentlich nichts zu tun haben wollen. Woran das liegt? Sicherlich auch daran, dass sie Angst haben, durch die Verbindung zu Themen der Gleichberechtigung selbst als Quotenfrauen gesehen zu werden. Es k\u00f6nnte aber auch daran liegen, dass sie nach wie vor als \u00bbnervig\u00ab wahrgenommen werden oder den vermeintlich schlechten Stempel \u00bbFeministin\u00ab aufgedr\u00fcckt bekommen. Viele Frauen in F\u00fchrung f\u00fcgen sich daher dem bestehenden System.<\/p>\n<p>Mit der Auswirkung, dass echte Diversit\u00e4t auf der Strecke bleibt \u2013 und dass sich die M\u00e4nner um sie herum auf die Schulter klopfen k\u00f6nnen, dass sie es geschafft haben, kein reiner \u00bbBoys-Club\u00ab mehr zu sein. Dabei ist es doch so: Wer als weibliche F\u00fchrungskraft das Banner \u00bbNur die Leistung z\u00e4hlt\u00ab vor sich hertr\u00e4gt, reproduziert die Mechanismen der alten Ordnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Versteht mich nicht falsch, auch ich \u2013 als weibliche CEO \u2013 m\u00f6chte ja nicht <em>nur<\/em> mit dem Thema \u00bbFemale Empowerment\u00ab assoziiert werden. Ich m\u00f6chte genauso wie jeder Mann an meiner Leistung gemessen werden und meinen Teil zum Erfolg meines Unternehmens beitragen. Aber ich m\u00f6chte eben auch einen Beitrag zu einer moderneren und nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft leisten.<br \/>\nUm das zu erreichen, bedarf es verschiedener Dinge:<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir brauchen Vorbilder.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir brauchen klare Ziele und Leitbilder.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir brauchen Messbarkeit und Accountability.<\/p>\n<p>Wir brauchen all diese Dinge auf der gro\u00dfen Wirtschaftsb\u00fchne, aber wir brauchen sie eben auch im Kleinen. Wir brauchen sie jetzt, in unseren Unternehmen.<br \/>\nWir leben in einer Zeit des kontinuierlichen Wandels: Karrieren laufen nicht mehr linear, lebenslanges Lernen ist mehr als nur ein Buzzword. Vielmehr ist es ein \u00fcberlebensnotwendiges Tool in den sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden M\u00e4rkten. Gerade diese kontinuierliche Ver\u00e4nderung und die sich daraus ergebende neue Flexibilit\u00e4t sollten wir alle, unabh\u00e4ngig von unserem Geschlecht, als eine riesige Chance ansehen, um wirklich f\u00fcr nachhaltige Ver\u00e4nderung zu sorgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie viele Gespr\u00e4che gibt es noch immer dar\u00fcber, dass Frau X zwar eine tolle Frau und Kollegin ist, die gute Leistungen erbringt \u2013 aber man ja nun leider davon ausgehen muss, dass sie bald schwanger wird. Wenn eine Mitarbeiterin heiratet, dann l\u00e4uft die Uhr los und man \u00fcberlegt sich schon, wie man die Person wohl ersetzt, \u00bbwenn es so weit ist\u00ab. \u00dcber einen Mann habe ich so etwas komischerweise noch nie geh\u00f6rt.<br \/>\nViele Frauen mit Karriereambitionen gehen regelrecht demonstrativ damit um, dass sie keine Kinder wollen. Aus Angst, es k\u00f6nnte ein falscher Eindruck entstehen, der ihrer Karriere schaden k\u00f6nnte. Und auch junge Jobeinsteigerinnen mit Anfang 20 machen sich bereits Gedanken dar\u00fcber, wann wohl der beste Zeitpunkt ist, ein Kind zu bekommen. Oftmals unabh\u00e4ngig von ihrem pers\u00f6nlichen Familienstatus, mit dem reinen Fokus auf ihre Karriere: Wann k\u00f6nnte ich es mir erlauben? Was muss ich bis dahin beruflich erreicht haben, und wie hoch sollte ich auf der Gehaltsskala stehen? Auch hier ist es wieder die Angst vor dem Karrierestillstand. Denn nach der m\u00f6glichen Schwangerschaft wird es erst mal schwierig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meiner Generation (ich liebe den Begriff der Generation Catalano) haben viele Frauen \u2013 inklusive mir selbst \u2013 relativ selbstverst\u00e4ndlich Karriere gemacht. Wir sind gleichberechtigt aufgewachsen (wenn nat\u00fcrlich auch nicht vor Stereotypisierungen gefeit, die ja auch heute noch aktuell sind). Bei uns gab es keinen Unterschied mehr zwischen der Bildung bei M\u00e4dchen und Jungen. Ich hatte zu keiner Zeit meines Aufwachsens das Gef\u00fchl, dass ich als M\u00e4dchen nicht raus in die Welt gehen und eine tolle Karriere machen kann. Doch noch in der Generation vor uns galten \u00bbworking girls\u00ab noch als etwas Exotisches: Frauen, die Karriere machen wollten, waren verbiestert oder \u00c4hnliches und mussten mit extrem gro\u00dfen Schulterpolstern ihr breites Kreuz demonstrieren.<\/p>\n<p>Die Schulterpolster haben wir abgelegt (auch wenn sie modisch immer wieder ihr Comeback versuchen), aber viele der Sichtweisen und Denkmuster leider noch immer nicht. Viel zu oft reproduzieren wir die GenX-Weisheiten:<\/p>\n<ol>\n<li>\u00bbNur die Harten kommen in den Garten\u00ab: Wir sind nur produktive und vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, wenn wir Vollzeit arbeiten und uns f\u00fcr unseren Job aufopfern.<\/li>\n<li>\u00bbDas bisschen Haushalt \u2026\u00ab: Care-Arbeit wird nach wie vor als niedere und damit auch nicht bezahlte Arbeit gesehen. Es ist eine Arbeit, die M\u00fctter ganz selbstverst\u00e4ndlich mit \u00fcbernehmen, denn das ist ja schlie\u00dflich das Wichtigste im Leben einer Frau.<\/li>\n<li>\u00bbAn der Spitze ist es einsam\u00ab \u2013 vor allem als Frau: Ein wirklich offener und unterst\u00fctzender Austausch, wie ihn zum Beispiel Netzwerke wie \u00bbMission Female\u00ab leben, gibt es viel zu selten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei so viel f\u00e4lschlicher Weisheit ist es wichtig, den Fokus neu auszurichten: Wie ebnen wir den Weg f\u00fcr eine nachhaltig andere, bessere und menschlichere Wirtschaft, die echte Gleichberechtigung und \u2013 wichtiger noch \u2013 echte Diversit\u00e4t zul\u00e4sst? Wir m\u00fcssen das System als solches ver\u00e4ndern, anstatt das Spiel mitzuspielen, das M\u00e4nner schon vor langer Zeit entwickelt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mehr als Lippenbekenntnisse: Wie wir f\u00fcr mehr Diversity sorgen<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich glaube auch ich daran, dass es ohne Flei\u00df keinen Preis gibt. Ebenfalls unterschreibe ich, dass Karriere kein Selbstl\u00e4ufer ist. Und dennoch wei\u00df ich, dass unser von M\u00e4nnern erbautes und dominiertes System, so wie es heute besteht, an vielen Stellen aus der Zeit gefallen ist. Trotzdem wird es hart verteidigt \u2013 dieses System, das (nur) f\u00fcr die einen funktioniert und von staatlicher Seite gef\u00f6rdert (#Ehegattensplitting) als auch von Frauen, \u00bbdie es geschafft haben\u00ab, unterst\u00fctzt wird. Diese tief verankerten Glaubenss\u00e4tze zeigen, wie schwer es ist, echte Ver\u00e4nderung zu schaffen. Es muss ein nachhaltiges Umdenken in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik erfolgen. Jetzt \u2013 denn wir haben keine weiteren fast 50 Jahre Zeit, um darauf zu warten, dass es endlich fair f\u00fcr alle ist.<\/p>\n<p>Was muss also passieren? Wie kann ich in meinem Unternehmen konkret vorgehen, um echte Ver\u00e4nderungen zu erwirken?<\/p>\n<p><strong>Sichtbarkeit:<\/strong> Nur, wenn man dar\u00fcber spricht und Missst\u00e4nde sowie Ungleichheiten auch als solche benennt, kann sich etwas \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wird der Status quo im Kleinen wie im Gro\u00dfen akzeptiert, gibt es keine Ver\u00e4nderung. Es ist also notwendig, immer wieder \u00fcber diese Themen zu sprechen \u2013 und dabei vor allem auch M\u00e4nnern deutlich zu machen, warum ihre Teilnahme an diesem Diskurs so wichtig ist. F\u00fcr M\u00e4nner ist es viel schwerer, ungleiche Behandlung im beruflichen Kontext wahrzunehmen \u2013 sie erleben sie ja nicht selbst. Meine pers\u00f6nliche Erfahrung zeigt, dass m\u00e4nnliche Kollegen oftmals durch Aufkl\u00e4rung und offene Gespr\u00e4che zu diesen Themen wahre Erweckungserlebnisse haben k\u00f6nnen und so zu echten Unterst\u00fctzern der Gleichberechtigungsagenda werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gemeinsam Verantwortung \u00fcbernehmen:<\/strong> Wir kommen eben nur zu einer echten Ver\u00e4nderung, wenn wir alle gemeinsam umdenken \u2013 nicht nur die M\u00e4nner. Wir m\u00fcssen gemeinsam definieren, wie eine gleichberechtigte Wirtschaft und Gesellschaft aussehen m\u00fcssen. Und zwar heute! Daf\u00fcr ist es wichtig, M\u00e4nner in die Ver\u00e4nderungen einzubinden. Ein \u00bbWir gegen die\u00ab funktioniert hier nicht und sorgt nur f\u00fcr eine Verh\u00e4rtung der Fronten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Messbarkeit herstellen:<\/strong> Zuallererst gilt das f\u00fcr den Status quo \u2013 die Absprungbasis. Zum einen sind hierf\u00fcr anonymisierte Daten aus dem HR-Bereich elementar (beispielsweise f\u00fcr die Kalkulation des Gender-Pay-Gaps). Auch eine Befragung der Mitarbeitenden zu den Themen Diversit\u00e4t und Inklusion, optimalerweise mehrmals j\u00e4hrlich, hilft dabei, den aktuellen Zustand zu ermitteln \u2013 und den Dialog auf alle Mitarbeitenden auszuweiten. Die Ergebnisse im Nachhinein zu teilen, schafft zus\u00e4tzlich Transparenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ziele setzen <\/strong>\u2013 und zwar Ziele, die ambitioniert sowie realistisch sind: Das hei\u00dft, es bedarf Zielen, die vor allen Dingen dokumentiert werden und deren Einhaltung \u00fcberpr\u00fcft wird. Idealerweise sind diese Ziele Teil der Bonifizierung von F\u00fchrungskr\u00e4ften. Wichtig dabei ist, dass die Ziele regelm\u00e4\u00dfig evaluiert und stets auf die aktuelle Situation angepasst werden.<\/p>\n<p><strong>Actions speak louder than words:<\/strong> So wichtig es ist, \u00fcber Diversit\u00e4t zu sprechen, um Sichtbarkeit zu schaffen \u2013 so ist es am Ende noch wichtiger, den Worten Taten folgen zu lassen. Auf Basis der definierten Ziele werden einzelne Arbeitspakete und konkrete Ma\u00dfnahmen definiert, die anschlie\u00dfend entsprechend in die Umsetzung gehen. Hierbei m\u00fcssen \u00fcbergeordnete Ziele wie beispielsweise \u00bbWir wollen F\u00fchrung in Teilzeit erm\u00f6glichen\u00ab in ganz konkrete Nachfolgeschritte \u00fcbersetzt werden. In diesem Beispiel w\u00e4re dies, ein Arbeitsmodell zu schaffen, das maximale zeitliche und r\u00e4umliche Flexibilit\u00e4t zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Positive Vorbilder schaffen:<\/strong> Ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass die Kraft von Role Models nicht zu untersch\u00e4tzen ist. Es sind kraftvolle Bilder, die tief im Unterbewusstsein wirken, wenn ein Kollege v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich 50 Prozent der Elternzeit nimmt oder eine Kollegin w\u00e4hrend ihrer Elternzeit zur F\u00fchrungskraft bef\u00f6rdert wird. Warum denn auch nicht? Wenn wir nicht anfangen, solche Vorbilder zu schaffen, dann k\u00f6nnen wir auch nicht erwarten, dass diese Dinge g\u00e4ngig werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kultur und Engagement:<\/strong> Ver\u00e4nderung muss von oben getrieben und gef\u00f6rdert werden \u2013 allerdings reicht das nicht aus. Wir m\u00fcssen Gleichberechtigung tief in der Unternehmenskultur verankern und unsere Mitarbeitenden dazu ermutigen, sich \u00fcber diese Themen nicht nur zu informieren, sondern sie t\u00e4glich zu leben. So haben wir beispielsweise f\u00fcr uns definiert, dass wir eine inklusive Sprache in der Agentur nutzen wollen, und geben hierzu regelm\u00e4\u00dfig Trainings.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass sich dies wie eine sehr lange To-do-Liste liest, die nach viel Arbeit klingt. Schlie\u00dflich ist es das auch. An dieser Stelle ist es mir wichtig, zu betonen: \u00bbNobody is perfect.\u00ab Es ist ein Prozess, bei dem es nicht darum geht, ab Tag 1 alles perfekt zu machen. Vielmehr ist es wichtig, sich offen und geistig flexibel auf diese Reise zu begeben und St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck Ver\u00e4nderung voranzutreiben. Das k\u00f6nnen wir eben nur gemeinsam \u2013 im Unternehmen, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faktenkontor.de\/pressemeldungen\/blogger-relevanzindex-das-sind-deutschlands-top-100-blogs\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52884\/5255623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie einen Blog-Beitrag nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"at-below-post addthis_tool\" data-url=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2023\/05\/12\/pfeffer-ranking-die-erfolgreichsten-pr-und-kommunikationsagenturen-sind-fischerappelt-media-consulta-und-serviceplan\/\" data-title=\"\u201eAnonyme Briefe per Post an den Vorstand wird es weiter geben\u201c \u2013 Sechs Fragen an Karin Holloch von Transparency International zu den neuen Whistleblower-Regeln\" data-description=\"Mit dem Schutz der Hinweisgeber lie\u00df sich der Gesetzgeber lange Zeit, \u00fcberf\u00e4llig war er bereits seit 12. Dezember 2021. Nachdem Deutschland aber mit Strafzahlungen in zweistelliger Millionenh\u00f6he rechnen musste und pro Tag der Nichtumsetzung der EU-Whistleblower-Richtlinie 61.600 Euro Strafe angedroht bekam, ging es dann doch ganz flott. Laut &quot;FAZ&quot; sollten bis 27. April schon mehr...\">\n<div id=\"atstbx\" class=\"at-share-tbx-element at-share-tbx-native addthis_default_style addthis_20x20_style addthis-smartlayers addthis-animated at4-show\">\n<div class=\"fb-like fb_iframe_widget\" data-layout=\"button_count\" data-show_faces=\"false\" data-share=\"false\" data-action=\"like\" data-width=\"90\" data-height=\"25\" data-font=\"arial\" data-href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2023\/05\/12\/pfeffer-ranking-die-erfolgreichsten-pr-und-kommunikationsagenturen-sind-fischerappelt-media-consulta-und-serviceplan\/\" data-send=\"false\"><\/div>\n<div class=\"atclear\"><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"atstbx\" class=\"at-share-tbx-element at-share-tbx-native addthis_default_style addthis_20x20_style addthis-smartlayers at4-visually-hidden\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Frederike Probert: &#8222;Erfolgreich statt perfekt. Wie Frauen wirklich Karriere machen&#8220; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Gemeinsam st\u00e4rker \u2013 Netzwerken im echten Leben Wenn es um Netzwerke geht, haben viele Menschen negative Konnotationen im Kopf: von der Spinne im Netz, die unsichtbare &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2023\/05\/17\/buchauszug-probert\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1890,4931,9289],"class_list":["post-682193","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buchauszug","tag-finanzbuch-verlag","tag-frederike-probert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/682193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=682193"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/682193\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":683153,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/682193\/revisions\/683153"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=682193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=682193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=682193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}